Forum


 

Kritik an Kliniken: Viele Operationen angeblich unnötig

CorbisIn Deutschland steigt die Zahl von Operationen. Nun geraten Kliniken wegen angeblich unnötiger Behandlungen in die Kritik. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft weist die Warnungen als diffamierend zurück.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...836065,00.html
  1. #1

    Schon interessant!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Deutschland steigt die Zahl von Operationen. Nun geraten Kliniken wegen angeblich unnötiger Behandlungen in die Kritik. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft weist die Warnungen als diffamierend zurück.

    Kritik von Krankenkassen: Viele Operationen angeblich unnötig - SPIEGEL ONLINE
    Ich schreibe hier schon zigfache Beiträge zu diesem Thema, dass die Masse der Ops, inbesondere Bandscheiben-Ops, Kniespiegelungen und Knie-TEP, Herzkatheteruntersuchungen, Haut-Krebs-Ops... vollständig unnötig sind.... einfach NUR schön zu erleben, dass es mittlerweile offensichtlich auch noch andere Menschen gibt, die dieser Ansicht sind.
  2. #2

    Resourcen-Vorhaltung

    Das grundlegende Problem solcher Sinnlosdiskussionen ist doch, dass es keinen gesellschaftlichen Konsens über das Maß an Medizin gibt, was wir uns leisten wollen. Diese Frage ist auch nicht von Fachleuten bzw. Ärzten allein zu beantworten, sondern politisch. Es ist einen uralte medizinische Erfahrung, dass Kapazitäten genutzt werden, wenn sie vorhanden sind. Dass dies objektiv nicht immer nur im Interesse von Patienten geschieht, ist auch nichts Neues. Vergleiche mit anderen Ländern sind auch nur bedingt tauglich, da deren Verhältnisse nicht ohne Weiteres übertragbar sind. In angelsächsischen Ländern hat man gute Erfahrungen mit boards gemacht, in die angesehene Senioren aus Wissenschaft Kultur und Politik berufen werden um generelle Empfehlungen abzugeben, wie allgemein zu verfahren ist und welche Ressourcen als angemessen zu betrachten sind. Ob und welche OP im einzelnen notwendig ist, lässt sich nur individuell entscheiden.
  3. #3

    Zitat von doc 123 Beitrag anzeigen
    Ich schreibe hier schon zigfache Beiträge zu diesem Thema, dass die Masse der Ops, inbesondere Bandscheiben-Ops, Kniespiegelungen und Knie-TEP, Herzkatheteruntersuchungen, Haut-Krebs-Ops... vollständig unnötig sind.... einfach NUR schön zu erleben, dass es mittlerweile offensichtlich auch noch andere Menschen gibt, die dieser Ansicht sind.
    Wie man so sagt: gesund, bis der Arzt kommt... Aber im Ernst:
    natürlich sind z.B. die meisten Bandscheiben-OPs unnötig. Aber wenn
    die Oberärztin (Typ "Schwester Diesel") nach einem flüchtigen Blick auf die MRT-Ergebnisse sagt: Da müssen wir sofort operieren!, dann kriegen
    unbedarfte Patienten schon mal das Flattern. Und wenn Mann sich vom Urologen mit dem mehr als zweifelhaften PSA-Test (plus Biopsie) verunsichern läßt, dann liegt er schneller unterm Messer, als er Pipi sagen kann. Warum ist das so? Weil profitgierige Klinikmanager und Ärzte Kohle machen wollen - das teure Equipment muß doch ausgelastet werden. Deshalb eiserne Regel: dritte (!) Meinung einholen, nicht bloß zwei. Und informieren, informieren, informieren.
  4. #4

    Diskussion von Laien!

    Zitat von Tubus Beitrag anzeigen
    Das grundlegende Problem solcher Sinnlosdiskussionen ist doch, dass es keinen gesellschaftlichen Konsens über das Maß an Medizin gibt, was wir uns leisten wollen. Diese Frage ist auch nicht von Fachleuten bzw. Ärzten allein zu beantworten, sondern politisch.
    Abstruser Unsinn, was Sie hier schreiben trifft vielleicht für eine Laiendiskussion zu. Ich kann ganz sicherlich als äußerst qualifizierter Facharzt behaupten, dass mindestens 90-95 % der Hautkrebs-Ops vollständig unnötig sind, da rein statistisch ein Schwarzer Hautkrebs ein äußerst seltenes Ereignis ist. Und wie schon mehrfach angeführt, wenn dann am Ende von 8 vermuteten Hautkrebsfällen (deutsche Krebsliga) sich tatsächlich 1 (EIN) einziger Fall als richtig diagnostiziert herausstellt, dann halte ich das für einen SKANDAL.

    Es gibt doch allenfalls zwei Alternativen. Entweder ist der Hautarzt, der die Op-Diagnose stellte, gnadenlos unfähig und allein deshalb sollte ihm die Approbation schon entzogen werden oder was - sehr sehr viel wahrscheinlicher ist - diese Op-Maßnahmen werden NUR deshalb durchgeführt, da sehr sehr gut abzurechnen. Eine extrabudgetäre Hautkrebs-Op bringt so zwischen 100 und 150 Euro, bei eine Flatrate von 14 Euro pro Patienten und Quartal selbst bei schwersten Hauterkrankungen.

    LOGISCH, dass man da lieber einen unauffälligen Leberflecken als "schweren" Hautkrebs diagnostiziert und operiert als einen ernsthaft kranken Patienten zu handeln, dessen Kosten auch nicht annähernd in diesem vollständig korrupten und abstrusen Medizinsystem ersetzt werden.

    Ich schreibe hier NUR deshalb so explizit über das Hautarzt-Problem, da ich mich zweifellos auf Grund meiner fachlichen Qualifikation auskenne. Letztlich ist dies jedoch tatsächlich gegenüber den ernsthaft kriminellen Ärzten wie insbesondere den orthopädischen Chirurgen ein eher untergeordnetes Problem.
  5. #5

    Die Geister, die ich rief...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Deutschland steigt die Zahl von Operationen. Nun geraten Kliniken wegen angeblich unnötiger Behandlungen in die Kritik. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft weist die Warnungen als diffamierend zurück.

    Kritik von Krankenkassen: Viele Operationen angeblich unnötig - SPIEGEL ONLINE
    Da sind unsere Poltiker mal wieder besonders schlau. Das Problem mit den "zu vielen" OPs ist vermutlich tatsächlich vorhanden. Welche Gründe gibt es dafür?
    1. Den Patienten wird suggeriert - nicht nur von Ärzten und Krankenhäusern, sondern auch von den jetzt lamentierenden Krankenkassen - dass sie mit ihren Beiträgen jedwede Leistung umsonst bekommen. Es ist so in den letzten Jahren ein extremes Anspruchsdenken bei den Patienten entstanden, das jetzt kaum noch zurückzuschrauben ist ("Wie? Ich soll das was dazu bezahlen?"). Damit machen ja die KK auch Werbung ("bei uns ist die Leistung am besten"). So etwas nennt man Wettbewerb bzw. freien Markt. Jahrelang wurde von der Politik mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen gefordert - bitteschön, da ist er jetzt! Was ein unkontrollierter Markt bewirkt, erleben wir übrigens gerade live in der Finanzwirtschaft.
    2. Die Politik hat zunehmend die Krankenhausplanung reduziert, d.h. welche Gesundheitsleistung in welcher Stadt/welchem Kreis vorgehalten werden muss, soll der Wettbewerb regeln. Gleichzeitig sind Krankenhäuser unterfinanziert, da die jährliche Budget-Steigerung unterhalb der Kosten-Entwicklung (Gehälter, Energie etc.) liegt. Konsequenz? Der KH-Geschäftsführer muss entweder Jahr für Jahr mehr sparen (i.d.R. Personal), um die gleiche Leistung erwirtschaften zu können - dies führt in letzter Konsequenz meistens nach wenigen Jahren zur Schliessung des Krankenhauses. Oder das Krankenhaus muss, um seinen Personalstamm halten zu können, Jahr für Jahr mehr Leistungen erbringen - voila! Wenn also orthopädische Eingriffe, Herzkatheter und Co. sich lohnen, wird da eben mehr gemacht. Da ja die Leistungplanung durch die Politik weitgehend abgeschafft wurde (jedes KH kann sich im Prinzip jedes Grossgerät anschaffen, wenn es sich das leisten kann), kauft man sich am besten einen teuren Gerätepark zusammen und versucht, durch möglichst viele Eingriffe als KH zu überleben und gleichzeitig die teuren Geräte zu refinanzieren. Wer wundert sich da eigentlich, dass gerade der Krankenhaussektor des Gesundheitswesens in den letzten Jahren immer teurer geworden ist? Dies ist auch die Folge der Einführung des DRG-Systems, das zudem zu einem Preisverfall der Einzelleistungsfinanzierung führt ("Hamsterrad-Effekt").

    Fazit: Der Geist des Kapitalismus im Gesundheitswesen wurde von der Poltik gerufen, nun kann man sich über dessen Auswüchse nicht beschweren, das ist schlicht unredlich. Die Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen, ist Kernaufgabe eines gesunden Staates und nicht ein Wirtschaftsgut wie Autos, Gummibärchen oder Damenmode! Ich würde mir wünschen, dass unsere Politik das endlich wieder begreift.
  6. #6

    was mich schon immer gewundert hat

    warum das Gesundheitswesen nicht transparent ist. Es wäre an der Zeit die Abrechnungen der Kliniken wie auch der Ärzte dem Patienten gegenüber transparenter zu gestalten. Warum weiß ein Kassenpatient eigentlich nicht was abgerechnet wird?
    Die Patienten sollten den Mediziner kritischer gegenüber treten.
    Jeder Patient hat das Recht eine 2. Meinung einzuholen.
    Man muss nicht alles akzetieren, das macht man in einem Geschäft auch nicht. Da kauft man auch nicht jedes Angebot.
    Es liegt nicht nur an den Medizinern. Der Patient muss begreifen dass die Medizin zum Geschäft geworden ist.
    Die KV ist eigentlich überflüssig. Die Bezahlung der Ärzte kann auch die Kasse direkt übernehmen. Dann weiß sie auch was sie genau bezahlt. Das System gehört grundlegend reformiert.
  7. #7

    Qualität und Ethik

    Zitat von doc 123 Beitrag anzeigen
    Abstruser Unsinn, was Sie hier schreiben trifft vielleicht für eine Laiendiskussion zu. Ich kann ganz sicherlich als äußerst qualifizierter Facharzt behaupten, dass mindestens 90-95 % der Hautkrebs-Ops vollständig unnötig sind,
    Es ist gut, wenn ein Fachmann die Qualitätsfrage stellt, bzw. die Kontrollmechanismen und Qualifikationen in Frage stellt. Warum aber die ethische Fragestellung mit "Laiendiskussion" niederbügeln. Schließlich werden die Rahmenbedingungen zur medizinischen Versorgung von Laien - das sind Politiker, Lobbyisten wie der GK-Vertreter Lauterbach und Verwaltungsangestellte u.a. - gesetzt. Qualtitätssicherung auf der einen Seite und ethische Bewertung des Machbaren und Erwünschten in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit. Beide Fragestellungen sind berechtigt und die Verdrängung derselben im politischen Entscheidungsprozess ärgerlich. Solange Interessenvertreter der Versorgungsseite uneingeschränkt über die Leistungsempfänger entscheiden, wird es immer zu Lasten der Versicherten gehen. (Der größte Lacher dabei sind die Sozialwahlen.)
  8. #8

    Abstrus!

    Zitat von McPomNormalo Beitrag anzeigen
    Es ist gut, wenn ein Fachmann die Qualitätsfrage stellt, bzw. die Kontrollmechanismen und Qualifikationen in Frage stellt. Warum aber die ethische Fragestellung mit "Laiendiskussion" niederbügeln. Schließlich werden die Rahmenbedingungen zur medizinischen Versorgung von Laien - das sind Politiker, Lobbyisten wie der GK-Vertreter Lauterbach und Verwaltungsangestellte u.a. - gesetzt. Qualtitätssicherung auf der einen Seite und ethische Bewertung des Machbaren und Erwünschten in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit.
    Unfassbar! Laiendiskussionen nützen doch rein gar nichts, da über diese Schiene keine ernsthaft fassbare Erkenntnis zur tatsächlichen Notwendigkeit einer Op erfolgen kann.

    ICH kann in meinem Fachbereich definitiv sicher und nachweisbar behaupten, nach ca. 43.000 Patienten alleine in den letzten ca. 10 Praxisjahren und der bekannten statistischen Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines schwarzen Hautkrebses: mindestens 90 bis 95 % der tatsächlichen Hautkrebs-Operationen sind unnötig.

    Gleiches gibt es ganz sicherlich auch in dem vollständig korrupten und massiv kriminellen Bereich der chirurgisch tätigen Orthopäden mit ihren zumeist vollständig abstrusen Bandscheiben-Ops, Kniespiegelungen und -ersatzprothesen, teils zum massivsten Schaden der Patienten. Oder auch im Bereich der Internisten mit ihren vollständigen abstrusen Herzkatheter-Untersuchungen, wo es teils periphere Krankenhäuser mit sogar zwei Katheter-Untersuchungsplätzen gibt, trotzdem Herzkranzverengungen oder Infarkte nach wie vor äußerst seltene Erkrankungen sind.

    Eine Laiendiskussion zu diesem Thema ist daher vollständig unnötig und gar kontraproduktiv. Entscheidend ist es ethisch-moralisch einwandfreie Ärzte zu gewinnen, die in ihren Fachgebieten auch tatsächliche gerichtsrelevante Zeugen- und Gutachter-Aussagen treffen können. Viele Fachgebiete wären dann nämlich tatsächlich weitgehend entvölkert, da die betreffenden Kollegen in der Masse im Knast einsitzend.
  9. #9

    Systembedingte Fehlentwicklungen

    Mit der Einführung des DRG-Systems bleibt Krankenhäusern zum Ausgleich einer gewollten Unterfinanzierung (u.a. aufgrund von Anpassungen der Etats weit unterhalb der Inflation und Lohnabschlüssen) nur der Weg der Steigerung von Leistungszahlen. In diesem System ist abzusehen, dass auch unnötige oder zumindest nicht dringliche Leistungen vermehrt erbracht werden.
    Auch wenn dies individuell empörend sein mag, handelt es sich um eine systembedingte Folgeerscheinung. Zur Vermeidung wäre ein politischer Ansatz vonnöten, die entsprechende Anreize nicht stellt und die Finanzierung durch ein alternatives, solides Finanzierungssystem der Krankenhäuser ersetzt.


TOP



TOP