Und Frankreich, das Problemland der Eurozone, wird von England und den USA noch übertroffen.
Machen wir mal etwas ganz ungewöhnliches: Rechnen wir doch einfach mal nach.
In Italienliegt das Problem in der Politik: Natürlich ist nichts Gutes zu erwarten, wenn ein Land von einem US-Investmentbank-Berater gemissmanagt wird. Aber realwirtschaftlich steht Italien gar nicht so schlecht da:
Handelsbilanz:
2009: Überschuss 3 Mrd. US-Dollar
2010: Defizit 25 Mrd. USD
2011: Defizit 34 Mrd. USD
Die italienische Leistungsbilanz, also inkl. Dienstleistungen, ist zwar stärker im Minus, aber eine stabile realwirtschaftliche Basis ist zumindest da.
Italien darf auch nicht mit Spanien verwechselt werden, welches nur wenig Industrie besitzt.
Im übrigen, was in der Presse in der Regel nicht erwähnt wird,
das Hauptproblem der Eurozone heißt Frankreich:
Handelsbilanzdefizit:
2009: 62 Mrd. USD
2010: 71 Mrd. USD
2011: sage und schreibe 106 Mrd. USD
Auch beim Leistungsbilanzdefizit ist Frankreich mit an der Spitze, 2011: 74 Mrd. USD.
England wiederum übertrifft mit seiner Schuldenwirtschaft den Euro-Minusrekordhalter Frankreich sogar noch:
Handelsbilanzdefizit:
2009: 128 Mrd. USD
2010: 153 Mrd. USD
2011: 159 Mrd. USD
Beim Leistungsbilanzdefizit, 2011: 66 Mrd. USD, sieht es zwar etwas besser aus, aber nur deswegen, weil England mit seinem Finanzcasino, der Londoner City, seine Verluste im realen Handel zum großen Teil wieder hereinspielt.
M.a.W., die Gläubiger Englands haben die Wahl, entweder ihre Forderungen abzuschreiben, oder ihre Überschüsse ganz legal am Casinotisch zu verspielen.
Das größte Handicap des gesamten Abendlandes sind allerdings die USA in ihrer derzeitigen Verfassung:
Handelsbilanzdefizit:
2009: 506 Mrd. USD
2010: 646 Mrd. USD
2011: 803 Mrd. USD
Das US-Leistungsbilanzdefizit beträgt dagegen 2011 „nur“ 600 Mrd. USD, da die USA ebenso wie England mit ihrem Finanzsektor ihre Verluste im Handel mit realen Gütern zum Teil wieder hereinspielen. Und damit dieser famose Mechanismus „Finanzsystem“ nicht schon vorzeitig zusammenbricht, werden die Vasallenstaaten, allen voran Deutschland, von den USA, von England und von Frankreich angehalten, entweder direkt für Bankenrettungen zu zahlen, oder eben indirekt wie derzeit über die sogenannte Euro-Rettung als Vehikel. Außerdem durch den Zwangsumtausch von Industrieprodukten und Ressourcen in US-Dollar. Weiterhin werden sie freundlich aber bestimmt gebeten, ihre Reserven dann auch in US-Dollar zu halten.
In diese Länder hauptsächlich fließen also die deutschen Überschüsse.
Die USA, England und Frankreich haben eines mit den Euro-Südstaaten gemein, nämlich große Handelsdefizite. Vizeexportweltmeister Deutschland bezahlt die Schulden der Euro-Südstaaten, und hält damit Gläubigerbanken und Finanzsystem, von dem die USA (30% der Gewinne) und England leben, aufrecht.
Durch ihre gewaltigen Handelsdefizite mit China zerrinnen ihnen die deutschen Rettungsbillionen jedoch im Handumdrehen zwischen den Fingern, und diese fließen so anschließend weiter nach China.
Wo sich das Kapital sich nach und nach sammelt, und welches dann die „Retter“ selbst (also bspw. auch Deutschland) aufkauft. Und das dann großzügig "Hilfe" nennt.
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