DPADie Krise zwischen Ägypten und Israel verschärft sich deutlich. In Kairo hat die staatlich kontrollierte Gasgesellschaft den Vertrag über Lieferungen in das Nachbarland annulliert - angeblich wegen nicht eingehaltener Bestimmungen. In Israel drohen nun Engpässe.
Krise zwischen Kairo und Jerusalem: Ägypten kündigt Gasvertrag mit Israel - SPIEGEL ONLINE
Im Fridensverrag von 79 wurde beschlossen dass Ägypten knapp 20 Jahre später Gas an Israel liefert? Soso. Noch nicht mal in der Handelsvereinbarung - die im GGs zum Friendensvertrag jährlich kündbar ist werden Gaslieferungen erwähnt.Zitat von dilinger
Letztlich ist der Friedensvertrag aber erst Grundlage (auch) für wirtschaftliche Beziehungen. Die Aufkündigung eines so umfangreichen Gaslieferungsvertrages von einer Seite ist daher ein negatives politisches Signal, bzw. wird als solches gedeutet. Und das ist sicherlich nicht im Sinne einer friedvollen Koexistenz. Die Machthaber in Ägypten machen einen heiklen Deal: Rückhalt in der eigenen Bevölkerung zu erlangen auf Kosten der Verschlechterung der Beziehungen zu Israel.
Ob die Einstellung vertragswidrig erfolgte, lässt sich - wirklich unparteiisch, unvoreingenommen und ohne Polemik - objektiv wohl nur in Kenntnis der Liefervertragsinhalte und der angebl. Verstöße seitens Israels nachvollziehen - und ernsthaft kommentieren.
Weder propagandistischen Publikationen beider Seiten wie auch entsprechend parteiisch-rabulistischen Diskussionsbeiträgen kann beigepflichtet werden.
Darüber hinaus könnten Gründe wie Auswirkungen auf beide Vertragsseiten so vielschichtig wie das Problem an sich auch politischen Charakters sein.
Es stellt sich allerdings die Frage, warum der Staat Israel (insb. auch angesichts seiner weltweit bekundeteten Rundum-Gefährdung mit entsprechenden Säbelrassel-Ambitionen) nicht längst so "clever" war, Gas durch Solaranlagen und andere Energiequellen im Mittelmeer zu ersetzen.
Das erweckt den Eindruck, dass etwas so wesentlich Existenzsicherndes wie Energiepolitik längst nicht den politischen Stellenwert wie Kriegsökonomie und aufrüstende Atomwaffentechnik einnimmt.
Ja aber das ist doch das, dem wir alle als arabischen Frühling zugejubelt haben. Es kann ja nun niemand ersnthaft geglaubt haben, das eine demokratisierung der arabischen Welt folgenlos bleibt. Vielleicht hat man sich über die Fogen getäuscht als man die 5% der Bevölkerung die english sprechen und Twitter bedienen kann, als representativen Schnitt der Bevölkerung angesehen hat.
Nach allem, was man hört, ist der Vertrag schon ausgesprochen günstig für Israel. Zudem wurde er unter Mubarak ausgehandelt, dessen Regime sich wenig ums eigene Volk geschert hat.
Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass man nun natürlich mehr vom Kuchen haben will. Es ist auch ganz normal, dass dafür bis zur Schmerzgrenze verhandelt wird und sich ggf. anderswo umgeschaut wird. Vielleicht kriegt Israel das Gas auch anderswo günstig, dann schauen die Ägypter in die Röhre. Möglicherweise aber auch nicht, dann ist die Preissteigerung marktwirtschaftlich berechtigt, denn es gibt ja keinen Zwang, auf Dauer weit unter Wert verkaufen zu müssen.
Da geht es zu wie auf einem Basar. Erstmal große Töne, "wir brauchen den Vertrag nicht", "wir brauchen euer Gas nicht", "das ist schon fast eine Kriegserklärung" uswusf. Mit diesen Bemerkungen wird versucht, Stimmung zu machen und Druck auszuüben, um den Preis in die gewünschte Richtung zu treiben. Am Ende wird es aber so sein: Zahlt Israel vernünftig, werden die Ägypter kaum auf das Geld verzichten wollen, andererseits können sie trotzdem vermutlich günstiger anbieten als Russland oder andere Länder, weil die Transportkosten niedriger sind.
Am besten den Ball flach halten und sich von den Drohgebärden nicht beeindrucken lassen. Ich habe schließlich auch siebzig Kinder, die alle ernährt werden wollen. Und ja, unser Gas ist das allerbeste der Welt, viel besser als irgendwo anders. Bei der Nummer darf der durchschnittliche Mitteleuropäer nicht immer das Zittern anfangen. ;)