Krise in Italien: Montis Misere

DPAEr trat an als Retter Italiens, doch nach sechs Monaten im Amt hat Mario Monti einen schweren Stand. Der Premier muss um die kleinsten Reformschritte hart kämpfen, das Land kommt nicht voran. Montis Krampf zeigt das Dilemma der Euro-Krise.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...833809,00.html
  1. #20

    Raus aus dem Euro

    Zitat von tropicalconsulting Beitrag anzeigen
    Deutschland sollte von sich aus Euro Bonds (gemeinschaftliche Haftung fuer Schulden) anbieten, gegen garantierte Auflagen an die Suedlaender (vor allem Reformen und im Falle von Italien die Verpflichtung, die Mafia endlich ernsthaft zu bekaempfen).
    Die Auflagen gab es auch jetzt bei den rettungspaketen für Griechenland und die werden auch nicht eingehalten. Genauso wird es bei Auflagen für Eurobonds sein, wer sich an die Regeln hält ist hinterher der Dumme.
    Die Einhaltung der Auflagen kann man nicht durchsetzen, wenn das betroffene Volk es ablehnt. Dann hift nur noch die Einhaltung mit Gewalt durchzusetzen.

    Besser keinerlei Verpflichtungen für andere Länder eingehen und jeder kümmert sich nur noch um seine eigenen Probleme. Deutsche Steuergelder sind für deutsche Probleme und nicht für irgendwelche Probleme des Auslandes.
  2. #21

    Das Pendel schlägt zurück

    Man kann die Mentalitäten der Menschen nicht ändern. Das wissen die Polit Technokraten in Brüssel nicht. Es ist ihnen auch egal, weil sie keine reflektierenden sondern exekutierenden Personen darstellen.
    Ob der Euro es will oder nicht, nach ein paar Jahren werden sich die Verhältnisse so zurück entwickeln, wie sie vor der Euro Einführung waren : Die Kuafkraft der südlichen Währungen muss niedrig sein und ständig sinken, die Kaufkraft des nördlichen Europas bleibt oder steigt.
    Für diese Einsicht wird Europa einen hohen Preis zahlen, nur weil einige einflussreiche Politiker Phantasien haben, die mit der Realität nichts zu tun haben.
  3. #22

    Zitat von lynx2 Beitrag anzeigen
    .. und Löhne senken, ist wohl das zentrale Anliegen aller sog. 'Strukturrreformen' in diesen Ländern. Dabei weiß man, daß es nichts bringt. Die hohe Arbeitslosigkeit wird dadurch noch verschärft. Kein Unternehmer stellt jemanden ein, auch wenn er noch so billig ist, wenn keine Aussichten auf Umsatz da sind. Und die sind nicht da, wenn die Nachfrage durch sinkende Einkommen zurückgeht. Diese 'Strukturreformen' mahnt auch die Murksel, von der Ost-Physikerin zur neo-liberalen Laien-Okonomistin mit Teflon-Seele mutiert, immer an.
    Sie plappert nur die Parolen der neo-liberalen Ausbeuter-Eliten nach. Von Ökonomie hat sie keine Ahnung.
    Das kann man so nicht sagen. Insgesamt dreht sich alles nur um EIN Problem: Da die Lohnkosten in China (Indien, Thailand ...) so niedrig sind, werden mit dem vielen privaten Geld aus Europa (das hier immer noch in großer Menge vorhanden ist, selbst in Italien und Spanien) Firmen und Billiglöhner eben in China subventioniert. Unsere Produkte werden zu einem immer größeren Teil dort gefertigt.

    Womit sollen wir unsere Wirtschaft hier aufpäppeln? Wir können schließlich nicht alle nur Dienstleister und Aktionäre sein. Also müssen unsere Firmen in direkter Konkurrenz zu China arbeiten, damit müssen die Lohnkosten runter oder die Produktivität rauf. Da es mit der Produktivität in vielen Ländern so eine Sache ist, bleibt nur der Weg über die Lohnschraube.

    Natürlich muss der andere Weg auch konsequent gegangen werden: Steuerbetrüger müssen gefasst werden, um die Staatsschulden einzudämmen.
  4. #23

    Dream on

    Zitat von tropicalconsulting Beitrag anzeigen
    Deutschland sollte von sich aus Euro Bonds (gemeinschaftliche Haftung fuer Schulden) anbieten, gegen garantierte Auflagen an die Suedlaender (vor allem Reformen und im Falle von Italien die Verpflichtung, die Mafia endlich ernsthaft zu bekaempfen). Damit danach Wahlkomiker a la Tsiparas diese Verpflichtungen nicht aufweichen koennen, sollten diese mit Garantien hinterlegt werden, wie z.b. Abtretung von Besteuerungsrechten oder staatlichen Immobilien. Jeder der die Bonitaet Deutschlands zur Staatsfinanzierung nutzen will, kann dies tun, aber nur gegen Garantien, wie einst von den Finnen vorgeschlagen.
    Zunaechst einmal sind Eurobonds nicht mit dem EU-Vertrag vereinbar. Man muesste also den Vertrag neu verhandeln, und das mit den Briten, die sowieso die EU kaputt machen wollen.

    Dann stellt sich die Frage der von Ihnen genannten Garantien. Garantien von Leuten, die sich einen Dreck um die Maastricht-Kriterien gekuemmert haben und von Leuten, die nach jeder Wahl das Vereinbarte in Frage stellen, weil das angeblich demokratischer Wille ist.

    Man wird gerne das deutsche Geld nehmen (obwohl die Ratingagenturen bereits gesagt haben, dass Eurobonds nach dem schwaechsten Mitglied bewertet wuerden) und schnell vergessen, wozu man sich sonst noch verpflichtet hat. Man wird dann auch sofort betonen, dass man sich von den boesen Deutschen nicht herumschubsen laesst und die tumbe Masse und unsere Medien werden einstimmen, dass sowieso alles Schuld der Deutschen ist.

    Die einzige rechtlich und oekonomisch saubere Loesung ist der Austritt Deutschlands (mit den 10-15 soliden Partnern) aus der EU und damit dem Euro. Dann kann niemand im Sueden mehr behaupten, von den Deutschen unterjocht zu werden.

    Zu glauben, dass die Suedlaender zu Reformen wirklich faehig sind oder dass man auch die demokratischen Rechte der Nordlaender respektiert, ist leider utopisch. Immerhin haben wir in der EG/EU nun mehr als 50 Jahre Erfahrung mit diesen Partnern.
  5. #24

    Was ist denn nun Montis Misere ?

    Eigentlich doch nur, das keiner in seinem Land mitmachen will!

    Alles soll so bleiben wie bisher sagt das Volk und seine Repräsentanten und die etwas höheren Steuern verbraten wir auch noch.
    Wie ändert man seine Gewohnheiten, das ist die Frage.?
  6. #25

    Zitat von Trouby Beitrag anzeigen
    Womit sollen wir unsere Wirtschaft hier aufpäppeln? (...) Also müssen unsere Firmen in direkter Konkurrenz zu China arbeiten, damit müssen die Lohnkosten runter oder die Produktivität rauf. Da es mit der Produktivität in vielen Ländern so eine Sache ist, bleibt nur der Weg über die Lohnschraube.
    Ein grosser, wenn auch weit verbreiteter Irrtum. Klar sind die Löhne in China und andern Länder wesentlich tiefer als in vielen Mittel- und Westeuropäischen Ländern. Insofern ist es tatsächlich so, dass sich Produkte, die einen hohen Anteil Handarbeit erfordern, tatsächlich billiger in Niedriglohnländer hergestellt werden. Deutschland, Italien, Frankreich etc. haben dagegen natürlich keine Chance wettbewerbsfähig zu sein. Da haben Sie recht.

    Allerdings besteht das Geheimnis der Wettbewerbsfähigkeit darin, seinen "komparativen" Vorteil zu nutzen. Dies bedeutet nichts anderes, dass man sich darauf spezialisieren sollte, mit was man im Vergleich zu andern Ländern besser (nicht billiger!) ist. So ist es z.B. für Deutschland lohnenswert, sich auf die Entwicklung und Herstellung von Maschinen, Medizinalprodukten, Fahrzeugen und Pharamzeutika zu spezialisieren - darin ist Deutschland schlicht besser als Länder wie China, Brasilien oder Vietnam. Auf dem Weltmark ist man gerne auch bereit, für solche Produkte einen gewissen Preis zu zahlen, ergo sind diese Industrien auch nicht mit Billiglöhnen verbunden (ausser vielleicht in Teilbereichen, wo keine berufliche Qualifizierung notwendig ist).

    Globalisierung ist nicht automatisch mit Billiglöhnen verbunden - wenn man auf die richtigen Industrien setzt (und seine Bevölkerung ausbildet).
  7. #26

    Wachstum ohne Kosten

    Zitat von chaika Beitrag anzeigen
    Wenn man so Politiker hoert, insbondere Deutsche, ist eigentlich alles moeglich. Auf der einen Seite kann man die Steuern erhoehen und Ausgaben reduzieren und dabei gleichzeitig auch Wachstumsanreize setzen. Frau Merkel meint ja zum Beispiel man koenne auch das Wirtschaftswachstum erhoehen, ohne einen Cent dafuer auszugeben.
    Das ist durchaus möglich. Wenn ich da an die "Horror"-Geschichten einer Kollegin denke, die für ein halbes Jahr in Deutschland arbeitete. Für den Ganz zum Einwohnermeldeamt musste sie einen ganzen Tag frei nehmen. In der Schweiz ist eine Anmeldung (auch für Ausländer aus dem EU-Raum) in einer halben Stunde erledigt. Ich will nicht wissen, wie viel komplizierter das Verfahren z.B. in Italien ist.

    Anderes Beispiel: Eine französische Kollegin, die an einer französischen Uni studiert hat, brauchte mehrere nervenaufreibende Anläufe an verschiedenen Stellen, bis sie endlich eine Bescheinigung (für den Besuch irgendwelcher Kurse) erhielt. An meiner Heimatuni genügte hierfür eine einzige kurze Anfrage per Email.

    Anderes Beispiel: Gehen Sie mal in einer durchschnittliche Bücherhandlung in Deutschland in die Abteilung für Ratgeber. In Deutschland werden Sie massenweise Literatur zum Ausfüllen von Steuererklärungen finden. In der Schweiz finden Sie höchstens Ratgeber zur Mehrwertsteuer (die ist wirklich höllisch kompliziert).

    Denke, da liegt in vielen Ländern viel Einsparpotential drin. Wieviele Ressourcen werden von Menschen und Unternehmen in vielen europäischen Ländern absorbiert, um einfachste bürokratische Vorgäne wie die Anmeldung beim Einwohneramt, die Gründung eines Unternehmens, die Abrechnung seiner Angestellten für Sozialversicherungseinrichtungen, das Ausfüllen von Steuererklärungen etc? Alles Dinge, die man (so man denn wirklich will) rel. einfach ausgestalten kann. Und alles Zeit, die nicht für produktive Arbeiten eingesetzt werden kann.
  8. #27

    Zitat von superswissmiss Beitrag anzeigen
    Globalisierung ist nicht automatisch mit Billiglöhnen verbunden - wenn man auf die richtigen Industrien setzt (und seine Bevölkerung ausbildet).
    Habe ich ja auch gar nicht behauptet. Nur scheitert es in Italien und anderen Euro-Ländern eben an der Ausbildung und an den Strukturen. Und dann steht man eben im direkten Vergleich mit China.
  9. #28

    Die EU wurde nicht für die Urlauber geschaffen

    Zitat von theodorheuss Beitrag anzeigen
    Die ganze EU ist mir inzwischen einfach nur noch ein Graus, wo sind die friedlichen Tage in meinem Land geblieben?
    Ich konnte schon immer überall hin in Urlaub und das bißchen Geldrumgewechsle hat sogar immer Spaß gemacht.
    Viel mehr "Vorteile" einer EU Mitgliedschaft sehe ich als Normalbürger nicht.
    Ich bin schon sehr erstaunt, was Ihnen widerfahren ist.

    Die EU wurde nicht für die Urlauber geschaffen, und wenn Sie nicht mehr Vorteile sehen, dann sind Sie nicht mehr im wahren Leben zu Hause.

    Die Krise wird von den Medien total gehypt, die Lösungsansätze werden immer so dargestellt, als ob die Deutschen alles bezahlen müssten.
    Dabei sind die schon eingeleiteten Reformen in den europäischen Ländern der einzige Weg, langfristig die Fiskalprobleme zu lösen.

    Was die Länder allerdings nicht schaffen können ist, diese Reformen in 12 Monaten komplett durchzuziehen. Es braucht schon ein bis zwei Parlamentslegislaturen, und das ist schon rekordverdächtig.

    Die Strukturprobleme wurden nicht erst seit 2007 aufgehäuft, sondern sie waren zum größten Teil schon lange in den Systemen der verschiedenen Länder vorhanden.

    Erst bei einer gemeinsamen Währung tauchen sie auf. Und diese harten Reformen breiten den Weg zu mehr Europa, und nur dieser Weg ist der Ausweg. Steinig aber erfolgreich.

    Und das Geldwechseln war auch nie mein Problem. Von 1970 bis 2010 war ich in ca. 70 verschiedenen Ländern und 5 Kontinenten. Abgesehen von ein paar Kilo Münzgeld, die übrig blieben, waren Kreditkarten schon immer die bequemere Lösung.

    Die EU als Basis der europäischen Integration ist unverzichtbar, aber Sie weinen der nationalen Währung nach. Welch ein Abstieg!
  10. #29

    Was wäre, wenn

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Er trat an als Retter Italiens, doch nach sechs Monaten im Amt hat Mario Monti einen schweren Stand. Der Premier muss um die kleinsten Reformschritte hart kämpfen, das Land kommt nicht voran. Montis Krampf zeigt das Dilemma der Euro-Krise.

    Mario Monti trifft bei Kampf gegen Krise in Italien auf Widerstand - SPIEGEL ONLINE
    Monti Erfolg hätte. Das würde den etablierten Parteien enormen Schaden zufügen und erhebliche Wahlverluste mit sich bringen. In den meisten anderen europäischen Ländern wäre eine Machtverschiebung ohne grössere Wehen möglich. Aber nicht in Italien, weil mit der Abwahl der etablierten Parteien auch die Mafia ihr Beziehungsnetz verliert.
    Und diese Konstellation in Italien, die verflechtung der Regierung mit Organisationen die ein extremes Gewaltpotential innehaben, lässt den Wahrheitsgehalt jeglicher Untersuchungsergebnisse bei den Drohungen und den Terroranschlägen in der schwebe. Es wäre doch sehr Praktisch, falls eine "Anarchistengruppe" die Mafia vor einem Machtverlust rettet.