Googlen muss ich nicht, mir reicht Gerhard A. Ritter: Sozialverischerung ind Deutschland und England. Entstehung und Grundzüge im Verleich. München : Beck, 1983. (Beck'sche Elementarbücher)
Nicht taufrisch, aber auf meinem Schreibtisch liegend. Gerhard A. Ritter, damals Prof. für Neuere Geschichte an der Univ. München.
Ich zitiere S.24/25.
"Der Versuch, der Sozialdemokratie durch konkrete Reformen das Wesser abzugraben, war auch der letztlich entscheidende Grund für die Sozialversicherungsgesetze der 1880er Jahre."
Es gab durchaus wie Sie erwähnten, vereinzelt Ansätze von Unternehmern soziale Elemente in den Arbeitsvertrag einzubauen, sei es, um ihre Arbeitskräfte an ihr Unternehmen zu binden oder aus sozialen Motiven, aber damit war die Sozialdemokratie nicht zufrieden.
Aber erst durch die Sozialgesetzgebung wurden diese einzelnen Ansätze für alle Unternehmen verpflichtend.
Ritter führt weiter vorn S. 30 auch die von Ihnen jetzt ausgeführte These an: "Bismarcks These war, dass die "sozialistisch-demokratischen Umtriebe" für die wirtschaftliche Krise wesentlich mitverantwortlich seien, indem der Sozialismus die Leistungsfähigkeit und Arbeitswilligkeit der deutschen Arbeiterschaft mindere und dadurch die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu Frankreich schwäche [..]" - ist es das, was Sie meinten?
Ritter folgert aber: "Man kann diese Argumentation nur als den Versuch interperetiern, einen Sündenbock für die wirtschaftliche Depression zu finden und die Unternehmer zum Kampf gegen die Sozialdemokratie zu mobilisieren. Ein ernsthaftes Bemühen um eine realistische Analyse der Ursachen der Wirtschaftskrise nach 1873 steckt kaum dahinter."
So haben Sie recht, und so habe ich recht, und nachdem ich das jetzt gelesen haben, bleibt mir nur zu denken: Geschichte wiederholt sich doch immer wieder.



