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Krise der SPD: Sozialdesolate Partei Deutschlands

Die Sozialdemokratie wird wohl nie mehr, was sie einmal war. Sie hat kein Gegenkonzept zum Neokapitalismus, sie konnte dessen Krise nicht ausnutzen - die SPD hat sich von der eigenen Klientel dramatisch entfernt. Die Geschichte einer ideellen Enteignung.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...682832,00.html
  1. #130

    Sozialgesetzgebung

    Zitat von BonChauvi Beitrag anzeigen
    Den "Unsinn" habe ich aus keinem "wirtschaftliberalen pseudohistorischen Pamphlet". Zum Verständnis wirtschaftlicher und geschichtlicher Zusammenhänge bin ich auch nicht auf Wikipedia angewiesen. Natürlich wollte .....
    Googlen muss ich nicht, mir reicht Gerhard A. Ritter: Sozialverischerung ind Deutschland und England. Entstehung und Grundzüge im Verleich. München : Beck, 1983. (Beck'sche Elementarbücher)
    Nicht taufrisch, aber auf meinem Schreibtisch liegend. Gerhard A. Ritter, damals Prof. für Neuere Geschichte an der Univ. München.

    Ich zitiere S.24/25.
    "Der Versuch, der Sozialdemokratie durch konkrete Reformen das Wesser abzugraben, war auch der letztlich entscheidende Grund für die Sozialversicherungsgesetze der 1880er Jahre."

    Es gab durchaus wie Sie erwähnten, vereinzelt Ansätze von Unternehmern soziale Elemente in den Arbeitsvertrag einzubauen, sei es, um ihre Arbeitskräfte an ihr Unternehmen zu binden oder aus sozialen Motiven, aber damit war die Sozialdemokratie nicht zufrieden.
    Aber erst durch die Sozialgesetzgebung wurden diese einzelnen Ansätze für alle Unternehmen verpflichtend.

    Ritter führt weiter vorn S. 30 auch die von Ihnen jetzt ausgeführte These an: "Bismarcks These war, dass die "sozialistisch-demokratischen Umtriebe" für die wirtschaftliche Krise wesentlich mitverantwortlich seien, indem der Sozialismus die Leistungsfähigkeit und Arbeitswilligkeit der deutschen Arbeiterschaft mindere und dadurch die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu Frankreich schwäche [..]" - ist es das, was Sie meinten?

    Ritter folgert aber: "Man kann diese Argumentation nur als den Versuch interperetiern, einen Sündenbock für die wirtschaftliche Depression zu finden und die Unternehmer zum Kampf gegen die Sozialdemokratie zu mobilisieren. Ein ernsthaftes Bemühen um eine realistische Analyse der Ursachen der Wirtschaftskrise nach 1873 steckt kaum dahinter."

    So haben Sie recht, und so habe ich recht, und nachdem ich das jetzt gelesen haben, bleibt mir nur zu denken: Geschichte wiederholt sich doch immer wieder.
  2. #131

    ?

    Zitat von Celestine Beitrag anzeigen
    Hallo Hyäne,
    tja, ich war auch baff erstaunt, als sie damit bei mir ankam, aber selbstverständlich hat sie meine volle Unterstützung. Sie meinte: Es bring doch nichts, wenn wir jetzt aus Protest die Linke wählen. Recht hat sie!
    btw.: Als Gymnasiastin war sie in der Jung-FDP. lol Sie ist schon längst ausgetreten, findet die Partei auch nur noch peinlich.
    P.S. Klar ist die Anrede okay ... ;-)
    Hallo Celestine,
    hänge mich hier einfach mal rein.
    Ich glaube nicht, dass Ihre Tochter in ihrer politischen "Reifwerdung" bei der (momentan existierenden) SPD stehen bleiben wird.

    Es sei denn, sie greift auf das Ausweichargument des vermeintlich kleineren Übels zurück.

    Ich halte es für illusorisch, eine Partei, wie die SPD, die sich in den vergangenen Jahren so fundamental von ihren historischen Zielen abgewendet hat, quasi von innen reformieren zu wollen.

    Die alltäglich hemmenden Verkrustungen werden Frustrationen hervorrufen, die sie entweder weiter treiben oder resignieren / kapitulieren lassen.

    Ich wünsche ihr alles Gute - allein, mir fehlte die Zuversicht.

    schensu
  3. #132

    Angemerkt...

    Gestatten sie, dass ich nur ein paar Teile ihrer Antwort zitiere, sonst wird es zu lang und unübersichtlich.

    Zitat von garfield Beitrag anzeigen
    Jaja. Zu oft die BILD-Zeitung gelesen?
    Bei allem Respekt! Halten sie Herrn Lafontaine wirklich für einen renomierten, respektierten und integeren Politiker? das hat nichts mit BLÖD-Zeitung zu tun. Sogar der Spiegel hat sich gewundert, dass ein machthungriger Mensch wie Lafontaine sich aus der Bundespolitik verabschiedet.

    Zitat von garfield Beitrag anzeigen
    Komisch. Gerade schrieben Sie aber etwas, davon, dass Lafontaine es der SPD "heimzahle". Also hat er ihr ja doch geschadet - ganz davon abgesehen, dass es wohl die eigene Politik der Schröderianer war, die die Partei dahin gebracht hat, wo sie jetzt steht. Sie schreiben dem Lafontaine da eine Macht zu, die er sich nun wahrlich nicht ans Revers heften kann.
    Hier haben sie etwas missverstanden. Natürlich schadet die Linkspartei jemandem. Aber dies ist einzig und allein die SPD. Wer also aus Protest die Linkspartei wählt, der wird sicherlich nicht der FDP oder gar der CDU ein Schnippchen schlagen.
    Überspitzt ausgedrückt: wer Linkspartei im Bund wählt, der wählt schwarz-gelb! Auch wenn man die SPD momentan nicht mag: sie ist nun mal die einzige Partei im Bundestag, die eine linke Position vertritt und mit der eine Koalition eingegangen werden kann. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass eine Partei mit der Linkspartei koaliert? Sie strafen damit die SPD ab und niemanden sonst. Und genau das hab ich geschrieben. Protestwähler schaden nicht allen, sondern nur einem Einzelnen.
  4. #133

    Meine Güte!

    Zitat von rg-net Beitrag anzeigen
    ..sozialen Sicherungssysteme sind zu Ende, Warum?
    Immer schön nachplappern worüber andere schon nicht mehr nachgedacht haben.
    Für die Banken waren auf einmal Milliarden da, fällt da was auf??
    Das ist doch absoluter Quatsch! "Die Banken" sind gerettet worden durch eine milliadenschwere Neuverschuldung! Die höchste die es je gab! Unsere Kinder (so sie denn welche haben) zahlen dafür die Zeche, dass wir uns alle tolle neue Autos gekauft haben.
    Natürlich kann ich so auch die sozialen Sicherungssysteme "reformieren". Und das wollen sie wirklich? Das sich hier etwas ändern muss ist doch jedem klar. Wie der Weg dazu aussehen soll, dass weiß aber niemand bzw. es traut sich keiner dazu.
  5. #134

    Nö, kein Frust

    Zitat von schensu Beitrag anzeigen

    Die alltäglich hemmenden Verkrustungen werden Frustrationen hervorrufen, die sie entweder weiter treiben oder resignieren / kapitulieren lassen.
    Sorry, aber mal ganz Realomäßig gesehen ist die Partei noch nie so ruhig und sachlich in die Personaldebatten gegangen wie im Moment. Wir haben echt die Schnauze voll von Karrieregeschacher und Flügeldebatten. Da muss man glaube ich in der Linken noch tüchtig Hausaufgaben machen, bis die so weit sind wie die SPD nach dem Wahldesaster.
  6. #135

    ... ein Langzeitprojekt ...

    Zitat von schensu Beitrag anzeigen
    Hallo Celestine,
    hänge mich hier einfach mal rein.
    Ich glaube nicht, dass Ihre Tochter in ihrer politischen "Reifwerdung" bei der (momentan existierenden) SPD stehen bleiben wird.

    Es sei denn, sie greift auf das Ausweichargument des vermeintlich kleineren Übels zurück.
    Ich halte es für illusorisch, eine Partei, wie die SPD, die sich in den vergangenen Jahren so fundamental von ihren historischen Zielen abgewendet hat, quasi von innen reformieren zu wollen.
    Die alltäglich hemmenden Verkrustungen werden Frustrationen hervorrufen, die sie entweder weiter treiben oder resignieren / kapitulieren lassen.

    Ich wünsche ihr alles Gute - allein, mir fehlte die Zuversicht.

    schensu
    Hallo,
    natürlich kann man zur Zeit nicht viel erreichen - eben wegen der von Ihnen angesprochenen Verkrustungen - so lange die jetzige Führung und ihre "Hintermänner" (der Seeheimer Kreis) scheinbar noch Einfluss ausüben. Diese Politiker besitzen nicht das nötige Format, zu ihren eigenen Fehlern zu stehen, um diese revidieren zu wollen.

    Junge Menschen können aber von der Basis her die ganze Denkweise reformieren. Die Ansichten der Juso-Vorsitzenden machen mir z.B. viel Mut.

    Dies sehe ich auch als die einzige Chance, so lange die Menschen in diesem Land noch so große Probleme haben, die Linke zu akzeptieren: Es herrscht eine Art Linkenhysterie, die von den Medien dauernd geschürt wird.

    Dass was junge SPD-Mitglieder erreichen wollen, sollte man also als Langzeitprojekt betrachten.
  7. #136

    Als ob

    Zitat von Hyäne Beitrag anzeigen
    Sorry, aber mal ganz Realomäßig gesehen ist die Partei noch nie so ruhig und sachlich in die Personaldebatten gegangen wie im Moment. Wir haben echt die Schnauze voll von Karrieregeschacher und Flügeldebatten. Da muss man glaube ich in der Linken noch tüchtig Hausaufgaben machen, bis die so weit sind wie die SPD nach dem Wahldesaster.
    das maßgeblich wäre!
    Es sind die Inhalte, die es unmöglich machen, diese Partei ernst zu nehmen.
    Das Personalgegacker nehme ich schon lange nicht mehr wahr. In keiner Partei.
  8. #137

    Dann

    Zitat von Celestine Beitrag anzeigen
    Hallo,
    natürlich kann man zur Zeit nicht viel erreichen - eben wegen der von Ihnen angesprochenen Verkrustungen - so lange die jetzige Führung und ihre "Hintermänner" (der Seeheimer Kreis) scheinbar noch Einfluss ausüben. Diese Politiker besitzen nicht das nötige Format, zu ihren eigenen Fehlern zu stehen, um diese .....
    wünsch ich einen langen Atem - in dieser kurzlebigen Zeit.
    Ich hätte weder die Geduld noch vermutlich die Lebenszeit dafür.
  9. #138

    Marxismus anyone?

    Am Ende heisst es, dass "die" Finanzkrisen "an Tempo und Tiefe zunehmen" - gibt es jetzt schon mehrere?
    Weiter wird prophezeit, dass "die beiden Basissysteme der vergangenen Jahrhunderte implodieren: die Märkte und der Staat", in Folge der "Destruktionswucht des Kapitalismus".

    Das klingt doch sehr nach dem alten Mantra des Marxismus, der Kapitalismus werde bald von seinen eigenen Widersprüchen zerstört (was man durch eine sozialistische Revolution beschleunigen möge).

    Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, zwischen manchen klaren Einsichten und viel Eloquenz wird Herr Walter von eher romantischen Ideen umgetrieben.


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