Krankenkassen-Leistungen: Privatversicherte haben oft nur mangelhaften Schutz

DPADie rund zehn Millionen deutschen Privatpatienten werden besser behandelt, glauben viele. Doch die Tarife der privaten Krankenversicherung weisen nach SPIEGEL-Informationen oftmals gefährliche Lücken auf: Mehr als 80 Prozent leisten weniger als die gesetzliche Konkurrenz.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...837964,00.html
  1. #140

    Zitat von passionsblume Beitrag anzeigen
    Das Problem wird dann aufkommen, wenn es Ihnen gar nicht so gelegen kommt. Wenn aus den 120000 Euro aufgrund der Inflation ein Drittel geworden ist, und wenn andererseits eine solche Therapie aufgrund rasant ansteigender Gesundheitskosten das Dreifache kostet.
    Er hat dann immer noch seine Lebensgefährtin, die ja das Zehnfache von ihm verdient. Die wird ihm sicherlich hilfreich unter die Arme greifen. Hoffentlich sieht sie das auch so.

    Ach ja: Wenn dale_gribble schon spielend 120.000 € hinblättern kann (und Millionen an Steuern gezahlt in den letzten Jahren), dann müsste seine aktuelle Lebensgefährtin mit 10fachem Einkommen ja Milliardärin sein. Warum empfängt sie dann überhaupt noch sogenannte Patienten?

    Oder alles doch nur Fata Morgana eines einsamen Web-Helden?
  2. #141

    Gesundheitskosten anderer Länder

    Zitat von haltetdendieb Beitrag anzeigen
    Aha, weil es in Holland und Österreich keine "skandalöse Querfinanzierung" mehr gibt, liegt in beiden Ländern der Beitrag zur KV unter 9%! D.h. knapp etwas mehr als die Hälfte des Beitrages in Deutschland.

    Die "skandalöse Quersubventionierung" ist ein Märchen, ansonsten hätten in beiden Ländern die Beiträge explodieren müssen.
    Statt pauschale Analogien zu bilden, sollte man konkret auf die deutschen Verhältnisse eingehen. Die Gesundheitskosten verschiedener Staaten hängen nämlich von vielen Faktoren ab, von denen das Vorhandensein einer wie auch immer gearteten Querfinanzierung nur einer ist - und nicht unbedingt der wichtigste.

    So liegt beispielsweise die Zahl der Arztbesuche in den Niederlanden pro Kopf der Bevölkerung über ein Drittel niedriger als in Deutschland. Und auch andere Fakten (etwa die viel seltenere Inanspruchnahme von Fachärzten) zeigen, daß dort das Angebot an medizinischen Maßnahmen wie auch vermutlich die Nachfrage nach ihnen erheblich geringer ist als bei uns. Das drückt natürlich die Ausgaben, und zwar bei einer sogar leicht höheren Lebenserwartung.

    Unter anderem das Folgende stand dazu 2004 als das Ergebnis einer Studie im Deutschen Ärzteblatt:

    "In den Niederlanden hatten Hausärzte durchschnittlich zu jedem der Patienten, die am 3-Monats-Follow-up teilnahmen, durchschnittlich 1,53 Kontakte, wohingegen die entsprechende Durchschnittszahl in Deutschland bei 2,66 Kontakten lag. Im selben Zeitraum gab es in den Niederlanden pro Patient 0,44 Kontakte zu anderen Ärzten, in Deutschland hingegen 1,56 pro Patient.
    Bis zum 3-Monats-Follow-up hatten 78,4 Prozent der niederländischen und 75,6 Prozent der deutschen Patienten ihren Hausarzt erneut aufgesucht. 37,7 Prozent der niederländischen und 22,9 Prozent der deutschen Patienten hatten einmal einen Arzt aufgesucht; auf mehr als drei Arztbesuche kamen in den Niederlanden 6,9 Prozent, in Deutschland hingegen 19,7 Prozent der Patienten. Im selben Zeitraum besuchten in Deutschland 60,2 Prozent, in den Niederlanden 24,0 Prozent der Patienten mindestens einen weiteren Arzt."
  3. #142

    Problem der eklatanten Beitragssteigerungen

    Zitat von rodorn Beitrag anzeigen
    Seit mehr als 30 Jahren steigen die Kosten in der PKV wie in der GKV um 5-6% pro Jahr. Das sind die Kosten unserer alternden Gesellschaft und der immer besseren Behandlungsmöglichkeiten.
    Was Sie beschreiben ist gar nicht das Problem. Es geht darum, dass Hunderttausende in der PKV von Beitragssteigerungen von 20 Prozent und mehr pro Jahr betroffen sind. Nicht generell, nicht bei allen PKV Unternehmen, nicht in allen Altersstufen gleichmässig.

    Zu den 'normalen' Kostensteigerungen für die medizinische Versorgung von 5 bis 6 Prozent pro Jahr kommen zwei grosse Problemfelder hinzu.

    Erstens:
    PKV Unternehmen zahlen bis zu 8.000 Euro Provision an PKV Verkäufer für einen neuen Vertrag. Die Provision wird grösstenteils im voraus als Vorschuss gezahlt. Unter den Verkäufern sind auch viele Makler- und Strukki-Unternehmen. Letzte Woche lief in der ARD ein Film zu dem Thema. Das zweitgrösste PKV Verkäufer Unternehmen Deutschlands mit 1.000 Verkäufern ging pleite. Über 20 Mio. Schulden, das meiste Schulden bei den PKV Unternehmen. Zitiert wird unter anderem die Central Krankenversicherung: Sie soll 4 von 8 Millionen Euro Provisions-Vorschusszahlungen verloren haben. Andere Versicherer, an die der PKV Verkäufer PKV Verträge vermittelt hatte, haben ebenfalls Millionen Euro verloren.

    Der Film lief in ausgewählten Kinos in voller Länge, in der ARD lief er gekürzt als 45 Minuten Dokumentation.

    Webseite zum Film
    Versicherungsvertreter - Der Film

    ARD Mediathek
    ARD Mediathek: Reportage / Dokumentation - Versicherungsvertreter - Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker - Montag, 04.06.2012 | Das Erste

    Der Skandal ist, daß diese Verluste nicht wie in der Marktwirtschaft üblich, die Eigentümer der PKV Unternehmen, tragen, sondern die Verluste auf die Versicherungskunden abgewälzt wird. Und zwar offensichtlich legal.

    Zweitens:
    Von den Beiträgen der Kunden wurde ja auch Geld am Kapitalmarkt angelegt, um daraus und aus den Erträgen die Verträge "der Alten" zu subventionieren. Die Idee ist ja schlecht nicht. Von 300 Euro Beitrag im Monat zum Beispiel 100 Euro für später "wegzulegen", also anzulegen, und dann mit Erträgen die Beiträge alter Kunden zu senken. Nur, wenn der Finanzmarkt, wo das Geld angelegt wurde, wie in den letzten 10 Jahren langfristig ausser Kontrolle gerät, löst sich auch das Geld für die geplante Senkung der "Alten-Beiträge" wie eine Seifenblase aus. Auch das führt dazu, dass das Geld, was nicht vom Kapitalmarkt kommt, von den Kunden zusätzlich aufgebracht wird. Die Aktionäre der PKV Unternehmen werden dafür nicht belangt. Übrigens: Falls das mit den Finanzmärkten mal wieder in die andere Richtung laufen sollte, also kräftig Erträge erzielt werden, wer wird die wohl kriegen? Der Kunde? Oder der Aktionär?

    Diese beiden Punkte führen dazu, dass die Beitragssteigerungen eben nicht auf 5 oder 6 Prozent pro Jahr begrenzt bleiben.

    Der Kunde trägt die Risiken der falschen unternehmerischen Tätigkeit und nicht die Eigentümer der PKV Unternehmen. Das ist vor allem der Lobby Tätigkeit des politischen Arms der Wirtschaftsverbrecher, der FDP, zuzuschreiben.
  4. #143

    Och Joh!

    Zitat von ichliebeeuchdochalle Beitrag anzeigen
    .... Der Kunde trägt die Risiken der falschen unternehmerischen Tätigkeit und nicht die Eigentümer der PKV Unternehmen. Das ist vor allem der Lobby Tätigkeit des politischen Arms der Wirtschaftsverbrecher, der FDP, zuzuschreiben.
    Ich habe schon darauf gewartet, wann sich der Erste erblödet, auch hier natürlich der FDP die Schuld zuzuschieben. Wenn Sie wenigstens stattdessen schreiben würden "der Kaste der Politiker", dann würde ich Ihnen zustimmen. Denn der Kunde/Bürger trägt nicht nur die Risiken der PKV oder GKV, sondern die der Entscheidungen der gesamten "geballten Intelligenz" ihrer Politikerkaste.
  5. #144

    Zitat von Revisor Beitrag anzeigen

    So liegt beispielsweise die Zahl der Arztbesuche in den Niederlanden pro Kopf der Bevölkerung über ein Drittel niedriger als in Deutschland. Und auch andere Fakten (etwa die viel seltenere Inanspruchnahme von Fachärzten) zeigen, daß dort das Angebot an medizinischen Maßnahmen wie auch vermutlich die Nachfrage nach ihnen erheblich geringer ist als bei uns. Das drückt natürlich die Ausgaben, und zwar bei einer sogar leicht höheren Lebenserwartung.
    Da verwechseln Sie Ursache und Wirkung.

    In den Niederlanden ist wegen des vernünftigen Systems die Zahl der Arztbesuche so gering.

    In Deutschland ist wegen des unvernünftigen Systems die Zahl der Arztbesuche so hoch.
  6. #145

    Noch Fragen?

    Zitat von OskarVernon Beitrag anzeigen
    ... zahle ich als Selbständiger für meine PKV bei (selbstgewählt!) höherem Leistungsumfang weitaus weniger als mir die GKV in Rechnung stellen würde - und dennoch verdient die offensichtlich noch an mir; wie macht die das bloß...? oO
    Ganz einfach: die PKV hat eine günstigere Risikostruktur.

    Versuchen Sie doch mal mit (erheblichen) Vorerkrankungen oder anderen Handicaps eine PKV Deckung zu bekommen. Oder als Familie mit nur einem Verdiener und mehreren Kindern bei der PKV Prämien in der Größenordnung der GKV zu bezahlen.

    Die PKV hat das Recht, sich die Risiken auszusuchen und kann durch ihre Tarifstruktur unangenehme Risiken auf die GKV abschieben.

    Anders gesagt: Eine Versicherung, die nur Gesunde aufnimmt, für Familienmitglieder erhebliche Zusatzprämien fordert, kann natürlich zu niedrigeren Beiträgen ihre Policen verkaufen. In der Praxis landen die Kranken, Alten, Großfamilien bei der GKV, die gesunden jungen Singles eher bei der PKV. Also die, die viel Geld kosten sind gesetzlich, die, die wenig kosten, privat versichert.

    Noch Fragen?
  7. #146

    Zitat von Revisor Beitrag anzeigen
    Statt pauschale Analogien zu bilden, sollte man konkret auf die deutschen Verhältnisse eingehen. Die Gesundheitskosten verschiedener Staaten hängen nämlich von vielen Faktoren ab, von denen das Vorhandensein einer wie auch immer gearteten Querfinanzierung nur einer ist - und nicht unbedingt der wichtigste.

    So liegt beispielsweise die Zahl der Arztbesuche in den Niederlanden pro Kopf der Bevölkerung über ein Drittel niedriger als in Deutschland. Und auch andere Fakten (etwa die viel seltenere Inanspruchnahme von Fachärzten) zeigen, daß dort das Angebot an medizinischen Maßnahmen wie auch vermutlich die Nachfrage nach ihnen erheblich geringer ist als bei uns. Das drückt natürlich die Ausgaben, und zwar bei einer sogar leicht höheren Lebenserwartung.

    Unter anderem das Folgende stand dazu 2004 als das Ergebnis einer Studie im Deutschen Ärzteblatt:

    "In den Niederlanden hatten Hausärzte durchschnittlich zu jedem der Patienten, die am 3-Monats-Follow-up teilnahmen, durchschnittlich 1,53 Kontakte, wohingegen die entsprechende Durchschnittszahl in Deutschland bei 2,66 Kontakten lag. Im selben Zeitraum gab es in den Niederlanden pro Patient 0,44 Kontakte zu anderen Ärzten, in Deutschland hingegen 1,56 pro Patient.
    Bis zum 3-Monats-Follow-up hatten 78,4 Prozent der niederländischen und 75,6 Prozent der deutschen Patienten ihren Hausarzt erneut aufgesucht. 37,7 Prozent der niederländischen und 22,9 Prozent der deutschen Patienten hatten einmal einen Arzt aufgesucht; auf mehr als drei Arztbesuche kamen in den Niederlanden 6,9 Prozent, in Deutschland hingegen 19,7 Prozent der Patienten. Im selben Zeitraum besuchten in Deutschland 60,2 Prozent, in den Niederlanden 24,0 Prozent der Patienten mindestens einen weiteren Arzt."
    Wie setzen sich den die angeblichen Arztbesuche in Deutschland zusammen?

    Ich nehme mich mal als Beispiel:
    Aufgrund von Schilddrüsen- sowie Harnsäureproblemen benötige ich dauerhaft Medikamente, diese werden alle 3 Monate neu verschrieben.

    Also schon mal 4 Arztbesuche ohne überhaupt den Doktor zu sehen.

    Nun muß ich aufgrund der oben genannten Erkrankung einmal jährlich zum Blut abzapfen.

    Also wieder 1 Arztbesuch, obwohl das abzapfen von der Arzthelferin durchgeführt wird.

    Nach dem abzapfen gibt es ein paar Tage eine Besprechung des Ergebnisses, und schon wieder 1 Arztbesuch diesmal sogar mit Arztkontakt.

    Wenn dann noch ein Besuch beim Augenarzt hin zu kommt werden schon gleich mal 2 Arztbesuch fällig, einmal beim ausstellen der Überweisung und dann wieder beim Besuch des Augenarztes.

    Schon bin ich bei 8 Arztbesuchen und habe ledigdlich 2 mal Kontakt mit einem Arzt gehabt und ich bin garantiert kein Eizelfall sondern eher die Regel bei den über Mittvierzigern.
  8. #147

    In einer Versicherung

    Zitat von Willem55 Beitrag anzeigen
    Die Leistungsfähigkeit der Versicherungsgesellschaften würde sicherlich klarer, wenn alle einen "G"KV-Tarif anbieten müssten, der die gesetzlichen Leistungen beinhaltet (Familienversicherung, kein Gesundheitscheck, direkte Zahlung an den Arzt/KV, ...). Und bei allen anderen Tarifen müsste angegeben werden, was fehlt und was mehr geleistet wird.
    Dann kann der "Verbraucher" eine wirklich informierte Entscheidung treffen.
    die den Namen verdient haben die drei Beispiele die Sie nennen nichts zu suchen. Die GKV ist ja keine Krankenversicherung, sondern eine politisch festgelegte Steuer in der absolut keinerlei Versicherungsmathematik vorkommt.
  9. #148

    Das rechnet sich!

    Zitat von u.loose Beitrag anzeigen
    Ich bin allerdings durchaus Ihrer Meinung - für viele ist der Beamtenstatus eher nachteilig und die wären besser als Angestellte beim Staat untergebracht... Komisch nur, dass z.B. Lehrer unbedingt beamtet werden wollen....
    Ganz einfach: Es gibt mehr Kohle: Keine Beiträge zu Arbeitslosenversicherung, keine zur Rentenversicherung und dennoch ein deutlich höheres Alterseinkommen als bei Angestellten.

    Da kommt als Lebenszeiteinkommen wesentlich mehr raus, da kann man auch mal einige Euros mehr an PKV zahlen. Das rechnet sich!
  10. #149

    Wie Sie selber feststellen

    Zitat von saarpirat Beitrag anzeigen
    Der Vergleich ist zynisch.

    Aber eine Krankenversichtung ist nötig und unbedingt eine Sache Sozialgemeinschaft. Daher bin ich auch dafür, dass alle, egal was sie beruflich machen oder verdienen, gemäß ihrem Einkommen in eine gemeinsame Krankenversicherung einzahlen. Und das ohne Beitragsbemessungsgrenze. Wer viel verdient kann da auch ruhig viel bezahlen. Eine PKV als Vollversicherung soll und darf es nicht geben. Zusätzliche Leistungen, wie Chefarztbehandlung, Tagegeld, Einzelzimmer in Krankenhaus kann man gerne privat versichern. Aber alles andere muss in der Grundversichtung solidarisch abgedeckt sein. Auch Brillen und Zahnersatz!

    Genauso sieht es mit der Rentenversichung aus! Auch hier stelle ich mir eine Mindestrente vor, die deutlich über dem Hartz IV Satz liegt (min. 1.000 EUR) und dazu gehört auch eine Höchstrente.

    Allerdings kann man schon die Frage aufwerfen, ob das alles über eine "Versicherung" geregelt werden muss, oder einfach über eine "Sozialsteuer, die Teil der Einkommensteuer ist.
    es ist eine Frage des Sozialstaates und NICHT die Sache einer Versichertengemeinschaft bei der ein Teil - genauer alle Beitragszahler die mehr als ca. 100 Euro Beitrag pro versicherter Person entrichten - richtig kräftig abgezockt werden. Kurzum, der Sozialstaat der über Steuern zu finanzieren ist, wird einfach per "Abgabe" an eine Versichertengemeinschaft delegiert.

    Richtig gemacht wäre es, wenn JEDE Person die genannten 100 Euro Kopfpauschale die aus dem Topf an die GLV fließt zu bezahlen hat, und wer das nicht kann, muss eben Stütze vom Staat bekommen.