DPAZentrale Kontrolle über Routen, verbesserte Sicherheitsübungen: Die italienische Reederei Costa Crociere hat neue Regelungen für ihre Kreuzfahrtschiffe eingeführt. Damit will sie Probleme vermeiden, die bei dem "Concordia"-Unglück fatale Folgen hatten.
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...831536,00.html
Es steht ja nichts davon, dass derartige Kommandos plötzlich von Dritten gegeben werden sollen...
Wenn man als Reeder aber indirekt versucht die Rollen und Befugnisse der Offiziersgrade auszudehnen, weil man den eigenen Kapitänen und höheren Offiziersgraden (?) in Krisensituationen nicht trauen kann, ist das nichts anderes als eine Bankrotterklärung.
Gutes Personal kostet halt Geld und irgendein Kutterfahrer aus dem Golf von Neapel oder den griechischen Inseln kommt weitaus billiger als Seeleute und Offiziere mit echter Erfahrung und solider Ausbildung, vom Charakter ganz zu schweigen...
Wenn ein Reeder seinem Kapitän nicht zutraut in all Belangen das Schiff zu führen und ihm die Befehlsgewalt beschneidet, so heisst doch das im Klartext, das er ihm den Job nicht zutraut! Dann musser ihn absetzen!
Es ist richtig, gutes qualifiziertes Führungspersonal wächst, auch bei der Seefahrt, nicht auf Bäumen, das muss man ausbilden, das dauert und kostet Geld.
Jetzt mal halblang.
Ich würde das so verstehen, dass in Zukunft z.B. auch der 1. Offizier oder so, die Evakuierung und das Senden von SOS und ähnliche Sicherheitsmaßnahmen veranlassen kann, auch ohne Zustimmung des Kapitäns.
Ähnliche Maßnahmen wurden nach Unfällen sowohl in der Luftfahrtindustrie (früher hatte immer der Pilot das Sagen, heutzutage sind Pilot und Co-Pilot gleichberechtigt), wie auch bei der NASA nach der Challenger-Katastrophe eingeführt (führende Techniker dürfen seither auch gegen den Willen der Top-Chefs den Start abbrechen). In beiden Fällen hat es die Sicherheit deutlich erhöht und hat nichts mit grundsätzlich mangelnden Vertrauen in das Führungspersonal zu tun. Es beugt bloß menschlichen "Ausfällen" in streng hierarchischen Situationen vor.
In Zügen darf sogar jeder die Not-Bremse ziehen, ohne das da Anarchie&Chaos herrscht, oder man gar den Triebwagenführen misstraut.
Ich halte das (solange es nicht nur leere Worte des Betreibers bleiben) für einen notwendigen und guten Schritt.
Sicher eine gelungene Idee von Costa Crociere, die Befugnisse des Schiffsführers zu beschneiden. Ich befürchte allerdings, selbst Costa Crociere steht nicht über dem Recht.
Nach internationalem Recht (KVR) ist der Schiffsführer allein verantwortlich für die Führung des Schiffes, eventuelle Abbergemaßnahmen usw..
Was soll also "Beschneidung der Befugnisse" heißen? Vielleicht, dass es dem Schiffsführer nicht erlaubt ist, eine Havarie zu verursachen? Das wäre eine innovative Organisation der Prozesse mit, sicher, durchschlagendem Erfolg.
Möglicherweise betreibt Costa Crociere mit der Ankündigung auch nur eine Art 'Public Relations'; ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Hi juju, Sie gehen die Problematik zu geradlinig an.
Schieben damit die Verantwortung aber weiter.
Wir beide dürften uns einig sein, dass die Situation ab 21:45 den K der CC absolut überfordert hat und dass das jedem passieren kann, der in eine solche Situation gerät.
Wodurch auch immer.
Das kann auch kein Reeder voraussehen.
Ich hatte in meinem ganzen Leben keine Bedenken, bei erkennbaren Fehlverhalten anderer einzuschreiten und dabei auch bedacht, wie das ggf. mir danach angelastet wird.
Nur die wenigsten handeln so, sondern sind in der Hirachie gefangen.
Und diese ist manchmal einfach zu gross.
Ob aber solche Änderungen mehr als Augenwischerei sind, ich glaube kaum.
Auslöser des Unglücks war ein Fehler, und Fehler passieren auch weiterhin, also auch unter angeblich permanenter Kursüberwachung.
Ob jemand autark vom Kapitän handelt, wenn der unzurechnungsfähig erscheint, hängt mehr von dem speziellen Menschen ab, als von einer differenzierten Reedereiorder.
Ich denke: Entweder erkenne ich etwas, dann mache ich..
..absolut losgelöst, ob es prinzipiell etwas mehr erlaubt ist..
Bei Schettino wäre eh jede Meuterei anerkannt worden.
OK, leicht im Nachhinein zu sagen..
Die Route konnte schon immer in Echtzeit verfolgt werden, da jedes große Schiff über einen GPS-Transponder verfügt. Allerdings sind die aktuellen Preise für Costa-Kreuzfahrten auf 50€ pro Tag und Person gefallen, da die Nachfrage stark nachgelassen hat. Deswegen wird wohl das Marketing mit neuen Presseberichten aufgefrischt.
Das ist doch eine reine PR-Show !
"In Echtzeit" konnte man bereits ewig die Schiffe verfolgen, das ist in jeder LKW-Spedition seit über 10 JAhren üblich.
Es ist der Charakter und damit das Verantwortungsvolle Handeln, die Fachliche Qualifikation, die zählen.
Das Management versucht immer noch, davon abzulenken, daß sie nicht nur von den Umständen wussten, sondern sie sogar forderten (Küstennahe Showeinlagen, Nichteinweisungen der PAssagiere etc) , weil einem US-Investor nur eines heilig ist: Die rendite.
der wird alles, aber auch alles untergeordnet.
Fragwürdige Persönlichkeiten in leitenden Funktionen, Trinkgelage des Kapitäns mit den Offizieren (Wer soll da in solch einer Clique wen kontrollieren?) , ...
Hier hilft es nur, solche Totenschiffe in Spe zu meiden und Reedereien auszusuchen, die noch eine verantwortungsvolle Balance zwischen berechtigtem Gewinnstreben und gewissenhaftem Bemühen um Risikominimierung bieten.
Ich hoffe, die für diese Katastrophe in erster Linie Verantwortlichen (Management der Reederei) werden ebenfalls zumindest im Nachgang zur Aufklärung beim Prozess zur rechenschaft gezogen.
Und: Die behördlichen Kontrollen für diese Sardinenbüchsen mit Käfighaltung für Menschen sollten rigider werden.
Vor allem sollten an die Stelle von einkalkulierten evtl. Mickey-Mouse-Strafen empfindliche treten:
Reedereien, die eklatante Sicherheitsverstöße begehen, sollten ihr Schiff für 3 Monate in der Saison zwangsweise ankern lassen. Nur solche Strafen wirken - weil sie dazu führen, daß sich menschenverachtendes Gewinnstreben auch wirklich finanziell nicht mehr lohnt.
Ebensolches ist auch schon lange in anderen Bereichen fällig: Bei Speditionen im Strassenverkehr.
In der Luftfahrt wird das ja bereits (teilweise) durchaus erfolgreich gemacht.
Eine andere Sprache wird von denen nicht verstanden.
die man aus diesem "Unglück" ziehen sollte, wäre die, keine Egozentriker als Kapitäne und damit Verantwortliche für das Leben tausender Menschen zu zu lassen.
Durch die Verlagerung der Verantwortung auf mehrere Schultern folgert mehr Unsicherhait als bei sorgfältiger Wahl des Kapitäns.
Wer hat im Notfall dann das Sagen und wer redet sich nachher mit fehlender Befehlsgewalt heraus ??