REUTERSKein Filmpreis wird mehr angefeindet als die Oscars - und keiner mehr verehrt. SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Marc Pitzke berichtet seit neun Jahren aus Hollywood. Auch er hassliebt die Oscars und fragt sich: Was spricht eigentlich für sie? Und was gegen sie?
http://www.spiegel.de/kultur/kino/os...-a-885235.html
Die Oscars bzw. die Verleihung ist immer nur so wichtig wie das Medieninteresse, also das Zuschauerinteresse. Und das scheint ja eben ziemlich groß zu sein. Für viele ist es unverständlicherweise schon ein Glücksgefühl, diesen oder jenen Schauspieler auf dem roten Teppich heranschreiten zu sehen.
Mir ist's egal, ebenso wie die Oscars - für mich kein Auswahlkriterium, ob ich einen Film sehen möchte oder nicht.
"2005 wurde Lees "Brokeback Mountain" bester Film."
Stimmt, bei den Globes und den Baftas. Beim Oscar musste er sich aber dem furchtbaren L.A. Crash geschlagen geben.
Amerika hat sich in den letzten 35 Jahren vollständig ausgehöhlt.
Hollywood hat dabei mit Lügen und Propaganda sehr geholfen.
Heute ist es ein aufgeblähtes, veraltetes Monstrum das den eigenen
Zerfall in allen Knochen spürt.
Tarantino ist ein wunderbares Beispiel dieses Zerfalls.
Er füttert die hungrigen Mäuler der 70iger und 80ziger Generation,
die ausschliesslich vor dem Ferneher aufwuchs.
Die psychischen Schäden, die das hinterlassen hat beschreibt er wieder und wieder und wieder. Eine beweltigung findet nie statt.
Nein, auch nicht in Kill Bill!
Wer als Schauspieler noch von Hollywood träumt, sollte dies vielleicht
als Zeichen des Therapiebedarfs verstehen.
Hollywood hat sich vollständig vom Menschlichen gelöst, da es sich
der übermenschlichen Agenda verschrieb, im Gleichschritt mit
Washington.
Wer etwas interassantes finden will in amerikanischen Medien, kann
dies in seltenen Fällen auf cable tv finden. Aber auch da ist es rar.
Die Zukunft des Films gehört dem Bedürfnis eine Verbindung zu
unserer verlorenen Menschlichkeit wiederherzustellen. Die ersten
Anzeichen dafür kann man bereits online finden. Und dazu hat
Hollywood, leider, überhaupt nichts beizutragen. Wie die
Autoindustrie beharren sie auf veraltete Geschäftsmodelle, die den
eigenen Zerfall nur noch beschleunigen.
Crash war die Überraschung des Abends und ist sicherlich nicht "furchtbar". Den Sieg hat der Film wohl den vielen in L.A. lebenden Mitgliedern der Filmakademie zu verdanken.
Der Text unterschlägt, dass die Oscar-Verleihung nicht mehr wirklich die Bedeutung früherer Tage besitzt. Es werden mittlerweise viel zu viele Preise verliehen und die Veranstaltung hat, obwohl in viele Länder übertragen wird, nicht die Einschaltquote, die von der Academy gern suggeriert wird.
Drei höchst politische Filme sind nominiert, das allein ist schon ein Hinweis auf die sensible Auswahl und deren Zustandsbeschreibung der amerikanischen Gesellschaft. Die Zeremonie ist unwichtig, die Filme bleiben.
Die Oscars dienen doch nur der Selbstbeweihräucherung der US-Filmindustrie.
Egal was man sagt oder schreibt, wir sind alle dabei! :)