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Kölner "Stunksitzung": Der Anti-Karneval
SPIEGEL ONLINEAm Anfang war die "Stunksitzung" - ein Protest gegen den traditionellen Karneval. Inzwischen gilt sie als Hort des anspruchsvollen Frohsinns. Jenseits von Altherrenwitz, Marschmusik und peinlichen Uniformen beweist das Kollektiv, dass Humor keine Hierarchie braucht.
http://www.spiegel.de/panorama/gesel...816235,00.html
- #1 20.02.2012 10:54 von
Tradition contra Postmoderne
Soweit alles richtig. Aber unter uns: Die Stunksitzung ist inzwischen - wie der Bericht ja auch richtig schreibt - ebenfalls in der Mitte angekommen und ein Profit orientiertes Unternehmen.
Soweit auseinander geht die Schere meiner Auffassung nach dann mittlerweile auch nicht mehr.
Und Witze/Lieder unter der Gürtellinie findet man dort ab und an auch. - Sich darüber zu erheben, wie es der Bericht tut, finde ich generell geschmacklos und affektiert. Tagtägliche gesellschaftliche Grenzen zu überschreiten ist schließlich die Aufgabe des Karneval. Dazu gehört auch der unausgesprochene tagtägliche Gedanke an Sex, den man üblicherweise nicht auf der Zunge mit sich herumtragen darf, wenn man das ehrwürdige Alter von 18 überschritten hat.
Ja, es stimmt. Der traditionelle Karneval ist - ebenso wie die Schützenvereine - altmilitärisch hierarchisiert. Dazu gehören Hierarchien, Riten und vorwiegend Männer mit Damen als schmückendem Beiwerk. - Auch das ist eine Art zu leben und ich erwarte auch dieser Lebenshaltung gegenüber Toleranz und Respekt. Denn was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall. - #2 20.02.2012 10:59 von
Mittlerweile ist der Unterschied zwischen "Mainz wie es sing und lacht" und der "Stunksitzung" marginal. Wanninger ist der neue Rolf Braun, nur die Begrüßung der Prominenz im Saal fehlt noch. Ansonsten ist der frühere Becker-Biß verloren gegangen, nur noch Humor aus dem Lehrerzimmer - willkommen im Establishment!
- #3 20.02.2012 11:36 von
Nunja
Die Stunksitzung ist weder besser, noch der einzig richtige Karneval. Wer derartiges subtil andeutet, hat einfach gar nichts verstanden. Sie ist schlicht alternativer Karneval. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie gehören mittlerweile genau so dazu, wie der traditionelle Karneval - der mit Marschmusik und "peinlichen" Uniformen. Quasi zwei Facetten ein und der selben Sache. In Köln stellt es im übrigen auch keinen Widerspruch dar, beides zu mögen.
Die Differenzen, sofern sie überhaupt noch vorkommen, zwischen den Stunkern und den Traditionalisten ergeben sich auch meist nur daraus, dass die Stunksitzung zwar böse, intelligent und häufig auch treffsicher ist, die Stunker aber gelegentlich dazu neigen Satire um der Satire willen zu machen. Sprich, wahllos draufprügeln - meist auf die Traditionalisten - ohne dabei zu merken, mit diesen teilweise auch nicht besseren Running-Gags selbst eine Tradition begründet zu haben.
Zum Schluss sollte man vielleicht noch berücksichtigen, dass die Kölner Traditionskorps (Rote Funken, Blaue Funken etc.) und ihre Hierarchien teilweise gegründet wurden, um die damaligen Machthaber (Franzosen und Preußen), ihre Strukturen und ihre Militärs durch den Kakao zu ziehen. Das ist Stunk des 19. Jh. - #4 20.02.2012 11:49 von
Westfale
Der Redakteur "Studierte Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft an der Universität Münster."
Mehr muss man da wohl nicht zu sagen. - #5 20.02.2012 14:16 von
Jeck loss Jeck elans!
'Traditioneller Karneval' oder 'Hort des anspruchsvollen Frohsinns', zwei seiten desselben Karnevals in Köln mit der Besonderheit, dass der 'anspruchsvolle Hort' ohne dem ihm Nahrung gebenden 'traditionellen Karneval' nur als eine von der allgemeinen Bevölkerung abgehobene Einzelveranstaltung wahrgenommen würde mit schneller, endzeitlicher Bestimmung!
Jede Revolution hat bislang ihre Kinder gefressen; die 'Stunker' auf dem noch ungebrochenen Erfolgsweg eines vornehmlich 'grünen', arrivierten und auf seine Weise 'angepassten' Bürgertums haben aufgrund ihres selbstbeanspruchten Hortcharakters bereits den Grundstein für künftige 'Gegenbewegungen' im Kölner Karneval gelegt.
Mögen auch Organisationsformen piefig, miefig, verpönt oder basisdemokratisch sein; der echte Karneval lebt allein von der Zuwendung der Bevölkerung zu 'hrem Fastelär'. Diese läßt sich heute weder durch Vereinsmeiereien kojunieren noch auf Dauer durch Zulassungsbeschränkungen in Form verknappter bzw. sehr verteuerter Stunker-Karten (einst: 7 DM!) ausschließen!
Das ist eben das Schöne: Ein steter Wandel, der auf Dauer Bestehendes und Altes zwangsläufig in den alles umfassenden, "traditionellen Karneval" in Köln einschließt!
Merke: Es gibt keinen "Anti-Karneval" in Köln! - #6 20.02.2012 14:24 von
Heinz Becker sprach:
"Do han isch acht gehm müsse dass isch ned trotz Karneval no es Lache anfang !"
- #7 20.02.2012 19:16 von kugelsicher99
.
Dann sollte sich Becker mal diese Nummer ansehen:
Stunksitzung - TV-Parodien - Switch - YouTube - #8 20.02.2012 20:59 von
Anschnarchie
Die Stunksitzung beweist auch, dass anarchische Strukturen in die Jahre kommen können, wenn sie nicht belebt bleiben, sondern nur noch im eigenen Saft schmoren. Die Gags und das Programm sind flach und fade. Wer es nach über 20 Jahren noch nötig hat, sich gegen den traditionellen Karneval und die Funken zu wenden, ist genauso von gestern. Der guckt nicht mehr über den eigenen Tellerrand hinaus, ist nicht mehr am Puls der Zeit. Sorry, aber die Stunksitzung ist weder anspruchsvoll noch ohne Hierarchie. Und ich hätte lieber eine Hierarchie mit Humor anstatt kollektiven abgeflachten politisch korrekten "Frohsinn" à la Biggi Wanninger. Sorry. Bin ein alter Jürgen Becker-Fan. Und wenn ein Bernd Stelter in der offiziellen und tradtionellen Sitzung politisch treffsicherer, aktueller, herzlicher, wärmer und vor allem witziger ist als die Stunksitzung, dann ist hier eine Entwicklung falsch gelaufen. Vielleicht sollte man im Stunksitzungskomitee mal lernen, über sich selbst zu lachen. Und sich bessere Gagschreiber suchen. Das ist nur noch peinlich.
- #9 20.02.2012 21:01 von
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