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Kluftinger mit Knaup: Dieser Kommissar ist unverständlich

ARDSo echt klang die deutsche Provinz im Fernsehen lange nicht: In dem ARD-Krimi "Milchgeld" spielt Herbert Knaup den beliebten Kommissar Kluftinger - und spricht ein für viele Zuschauer völlig unverständliches Allgäuerisch. Ist das jetzt mutig? Oder schlicht eine Frechheit?

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,829675,00.html
  1. #30

    Ich verstehe das auch nicht. Wer hat etwas davon wenn er den Dialekt nicht versteht? Ich, als geborener Saarländer, tue mir hier in Österreich auch schon manchmal schwer und manche Dialekte in Bayern sind nicht wirklich zu verstehen ausser von den dort lebenden. Ebenfalls bin ich überrascht, daß man mich so schlecht verstandern hat. Mir selbst ist das natürlich irgendwie seltsam vorgekommen, ich hab mich prächtig verstanden :-).
    Ich war einmal richtig tief im Norden Deutschlands und muss sagen, obwohl mir mein Gegenüber versichert hat reinstes Hochdeutsch zu reden, hatte ich doch so meine Probleme damit, er wohl auch mit meinem "hochdeutsch".

    Was daran jetzt mutig sein soll ist mir dann doch irgendwie zu hoch. Man stelle sich mal vor Heinz Becker würde tatsächlich saarländisch reden, die Reaktionen in Deutschland wären wohl eher nicht positiv. Für mich als geborenen Saarländer ist das dann sehr seltsam was die da reden, obwohl die Gefühlslage manchmal recht treffend karikiert wird.
  2. #31

    Lokalkolorit

    Zitat von howagri100 Beitrag anzeigen
    Neben dem für Außenstehende unsäglichen Lokalkolorit ist die Figur in der Balance zwischen Dorfdepp und genialer Eingebung wenig glaubhaft. Das liegt nicht an den Schauspielern sondern am Stoff. Aber wer weiß, vielleicht sind die Menschen genauso dort, eine Mischung aus Dorftrottel und Bauernschläue.
    Also, ich ersetze mal deppenhaft mit kauzig. Diese Rolle paßt bei Thilo Prückner, wie die Faust aufs Auge. Schade, daß der 1. Krimi nicht vorher wiederholt wurde.
  3. #32

    Warum sollte denn bitteschön alles im hochdeutschen Einheitsbrei gesendet werden? Ich persönlich finde es nicht nur schön, sondern es auch der Authentizität enorm zuträglich, wenn Filme auch im Dialekt/Soziolekt der entsprechenden Gegend und ihrer Protagonisten verfilmt werden und die Schauspieler nicht einfach nur einen Trachtenjanker (Lokalkolorit!) tragen. Es ist auch meistens recht grausam anzuhören, wenn Filme-/Programmmacher ihrem Publikum nicht zutrauen sich einzuhören. Eines von vielen Beispielen dafür ist der schweizer Film "Die Herbstzeitlosen". Ein wunderbarer Film, der, ausgerechnet vom BR, in einer schauerlichen Synchronisation gesendet wurde. Es täte dem ein oder anderen Sprachzentrum sicher auch gut, sich einfach mal einzuhören. Dialekte sind ein Reichtum in Deutschland, der nicht nur in den 3. Programmen Platz haben sollte. Warum begreifen viele diese wunderbare Vielfalt als störend? Meist sieht es ja leider so aus, daß man mit Dialekt die "Urviecher" oder wahlweise die Dorftrottel, die putzig-harmlosen Versatzstücke einer vermusikantendstadelten Kulisse kennzeichnet. Wie schade. Ich würde sagen, mehr Dialekt ins Fernsehen, dann bekommen unsere Sprachzentren im Gehirn auch wieder mal ein wenig zu tun, das schadet nicht. Und es gibt einfach wirklich viele sehr gute Filme, die man sonst verpasst.
  4. #33

    Im Gegensatz zu manch anderen Dingen, ist die Zugehörigkeit der deutschen Sprache, in allen ihren Facetten und mit all ihren Spielarten, zu Deutschland unstrittig!
    Wer sich über einen Dialekt in einem "Lokalkrimi" ereifern kann, hat vielleicht ein leichtes Integrationsproblem. ;)
  5. #34

    Diesen Film in hochdeutscher Sprache zu bringen wäre ein Unding, dann wäre Klufti nicht mehr Klufti. Außerdem schätze ich, dass kein "echtes" Allgäuerisch gesprochen wird, sondern eine "eingedeutschte" Variante. Beim ersten Teil jedenfalls hatte ich keine Probleme, obwohl ich aus einer ganz anderen Region komme. Mehr Probleme hatte ich mit Knaup in der Figur des Klufti, weil er diesen m.E. in keiner Weise verkörpert.
  6. #35

    ..

    Zitat von rascher Beitrag anzeigen
    Es ist schon bemerkenswert, wie viele aus nördlicheren Regionen Deutschlands Stammende offensichtlich nur des Standarddeutschen mächtig sind. Ein Armutszeugnis! Sie sind auch noch davon überzeugt, dass dieses "Hochdeutsch" die einzig wahre deutsche Sprache ist. Welch ein Irrtum, welche Arroganz!
    Auch das Allgäu gehört zu Deutschland. Und das ist gut so.
    Ich gönne jeder Region ihren Dialekt und glaube auch nicht, daß Hochdeutsch das einzig Wahre ist, aber das will ich sehen, was Sie für Augen machen, wenn meine Omma so richtig auf Platt loslegt :-D

    Eigentlich hatte ich mich auf den Film gefreut ("Erntedank" muß ich irgendwie verpaßt haben), aber mit einem Dialekt, mit dem sich selbst so mancher in der Region schwertut, brauch ich gar nicht erst anfangen. Mich ärgert bis heute, daß ich von den Dialogen am Ende von "Nordwand" so gut wie gar nichts mehr verstanden hab (die Kombination aus Schneesturm und Dialekt war einfach zuviel :-D ).

    Na, wir versuchen das heute Abend einfach alle mal, eventuell ist es gar nicht so schlimm ;-)
  7. #36

    Tatland statt Tatort

    Zitat von Kallisto Beitrag anzeigen
    Warum sollte denn bitteschön alles im hochdeutschen Einheitsbrei gesendet werden? Ich persönlich finde es nicht nur schön, sondern es auch der Authentizität enorm zuträglich, wenn Filme auch im Dialekt/Soziolekt der entsprechenden Gegend und ihrer Protagonisten verfilmt werden und die Schauspieler nicht einfach nur einen Trachtenjanker (Lokalkolorit!) tragen. Es ist auch meistens recht grausam anzuhören, wenn Filme-/Programmmacher ihrem Publikum nicht zutrauen sich einzuhören. ... Ich würde sagen, mehr Dialekt ins Fernsehen, dann bekommen unsere Sprachzentren im Gehirn auch wieder mal ein wenig zu tun, das schadet nicht.
    Volle Zustimmung. Leider gilt hier wirklich der Satz "früher war alles besser", da war nämlich die ARD noch stolz darauf, durch ihre Landesrundfunkanstalten die verschiedenen Facetten regionaler Kultur in D zu repräsentieren. Da gab es noch Regionalfernsehen mit regionaltypischen Sendungen. Das wurde aber zum Einheitsbrei zermanscht oder in die Dritten verbannt, wo sie dann auch allmählich, bis auf wenige Sendungen, die nicht mit Tierfilmerei zu tun haben, ebenfalls zum Einheitsbrei zermanscht wurden. Die Dritten versuchen sich leider teilweise als Vollprogramme zu etablieren oder kommen doch über Provinzielles nicht hinaus (ist zwar auch ein Aspekt von Regionalkultur, darf sich aber nicht darin erschöpfen).

    Ein anderes Beispiel ist der "Tatort", der auch mal seine Kraft daraus schöpfte, Regionaltypisches zu bieten, sowohl was die Charaktere als auch, was das Lokalkolorit anging und z.T. sogar, was die Fälle anging. Inzwischen wurde auch der "Tatort" (inkl,. Polizeiruf 110) zum Einheitsbrei, der nur noch durch einem kleinstmöglichen Nenner bezüglich des "Geschmacks" zusammengehalten wird, zermanscht, damit die Generation "BurgerMcDonald" ihn noch konsumieren kann.

    Das scheinen jedenfalls die verantwortlichen Feiglinge der ARD (und des ZDF) zu glauben, die meinen, ein Beitrag dürfe wegen der Einschaltquoten bloß nicht zu süß, nicht zu salzig oder so sein, dafür hauptsache schön pappig und überall in Theaterdeutsch mit austauschbaren Kulissen und Fällen. Ob ein Tatort in Rostock, Leipzig, Hamburg oder München spielt, ist eigentlich nicht mehr erkennbar. Ein Polizeiruf aus Schwerin (in den 90ern) spielte erkennbar im "drögen" MV, granteln wie Veigl und Marek konnte kein anderer Kommissar und Bienzle konnte nur in BW agieren.

    Und heute? Alles muss entweder leicht konsumierbar sein durch viel Hollywood-Lack, oder manchmal auch künstlich tiefsinnig sein im modischen Skandinavien Look. Aber mal was richtig Plattdeutsches, was aus dem Allgäu oder dem Vogtland? Fehlanzeige!

    "Das ist ein Minderheitenmarkt und daher für die Einschaltquote nicht relevant", sagte der BWL-Praktikant und die Intendanten stimmten ihm ahnungslos zu.
  8. #37

    Zitat von Zaziemetro Beitrag anzeigen
    Da gab es noch Regionalfernsehen mit regionaltypischen Sendungen.
    Nur so am Rande... Es gibt hier bei uns ja einen Lokalsender Namens TV-Allgäu. Was mich da immer wundert ist, dass Sprecher wie Reporter immer hochdeutsch sprechen. Da ist dann nur durch die Themenwahl wirklich ein Bezug zum Allgäu da. Die Sprecher wirken vollkommen deplatziert.

    Ich frage mich, wann die anfangen die Personen, die interviewt werden, mit Untertiteln zu versehen. :)
  9. #38

    Mutig, liebe ARD, recht so!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    So echt klang die deutsche Provinz im Fernsehen lange nicht: In dem ARD-Krimi "Milchgeld" spielt Herbert Knaup den beliebten Kommissar Kluftinger - und spricht ein für viele Zuschauer völlig unverständliches Allgäuerisch. Ist das jetzt mutig? Oder schlicht eine Frechheit?

    Kluftinger mit Knaup: Dieser Kommissar ist unverständlich - SPIEGEL ONLINE
    Herbert Knaup als geborener Allgäuer, der sich mit seiner Mutter nur im Dialekt unterhält, wie er im Interview ausführte, vermittelt etwas, was in den Tatorten selten geworden ist. Lokalkolorit durch einen schwäbisch-alemannischen Kommissar.

    Leider sehen wir auch in den Tatorten z.B. im hessischen Tatort einen vollkommen un wirklichen "Lutter" und eine Partnerin, die als hochdeutsche "Domina" die Fälle löst.
    Dabei gibt es auch gute hessische Darsteller die einem hessischen Tatort als Kommissar ihren Stempel aufgedrückt hätten.
    Kunzendorf und Krol sind so hessisch wie "Schweinsbraten mit Knödel".

    Insoweit den Verantwortlichen in der ARD ein großes Lob zu diesem Sendeplatz für „Kluftinger“. Wer schon im BR "Erntedank" gesehen hat, wie ich, ist begeistert.

    Allerdings werde ich den Film aufzeichnen, da in „Arte“ die phantastische australische Krimiserie, Teile 3 und 4 ausgestrahlt werden über den "Kampf der Zivilisationen" in einer Polizeidienststelle: „East again West“.
  10. #39

    Zitat von Götternot Beitrag anzeigen
    Lokalkolorit durch einen schwäbisch-alemannischen Kommissar.
    Großer Fehler. Niemals sagen, das ein Allgäuer ein Schwabe ist (auch wenn es vom Landkreis her stimmt). Das löst allergische Reaktionen aus... ;)


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