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Kirchenmusiker: Tausendsassa im Auftrag des Herrn

Kathrin FrommVon der Kinderchorprobe zur Beerdigung, von der Bußandacht zum Hochzeitsmarsch: Kirchenmusiker wie Constanze Kowalski und Hans-Peter Braun sind Künstler und Kulturmanager. Sie mühen sich mit Orgelschülern und Konzertsponsoren - und können am Wochenende nicht ausschlafen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-863713.html
  1. #1

    Bei allem Respekt...

    ....aber mit fällt wirklich kein Grund ein, warum sich "die Kirche" asakraler Musik öffnen "muss". Nur weil's vielleicht schön klingt, muss es nicht zur Liturgie erklingen. Es gibt ja noch andere Möglichkeiten, einen Chor auftreten zu lassen. Die meisten Kirchenchöre tun das ja auch (Hochzeiten, Geburtstage, Konzerte etc.).
  2. #2

    Die Verkündigung muss neu erfunden werden: der rappende Pastor bietet die Lösung?

    Alles hat seinen eigenen Ort: wenn ich in die Disko gehe will keine Gregorianik hören. In die Kirche keine Musik hören die im Gegensatz ist mit der Würde vom Gottesdienst. Der Schrei, dass in die Kirche die Jugend nur noch die Twitter und Facebook-Sprache versteht und deswegen die Bibel als Comic erscheinen muss [..Lesen ist nicht 3-D und ist deswegen stinklangweilig..] und Musik von der Strasse erklingt um die Jugend zu erhalten [die sowieso nicht mehr kommt] lenkt die Andacht ab vom wesentlichen Problem. Es sind die Pastoren die in einer großen Wort-Krise stecken und als Antwort darauf soll die Musik immer bluten. Mit erstaunendem Mitleid stelle ich fest, dass Pastoren den Leerlauf in ihren Kirchen zu bremsen versuchen mit Mitteln die diesen Leerlauf gerade animieren, denn platte Sprache und Popmusik haben die Leute auch zu Hause schon.
  3. #3

    Chorsingen ist Bereicherung

    Es gibt viele herausragende Chöre in den Kirchen, da singen mehr Frauen als Männer, eher Ältere als Jüngere, aber allen ist gemeinsam der Wille für eine künstlerische Leistung. Es bedarf vieler Proben, um Werke, wie das Mozart-Requiem, Bachs Johannes-Passion oder das Brahms-Requiem zu erarbeiten. Aber die Arbeit, der zeitliche und materielle Aufwand lohnt sich: man erfährt durch das Singen, was ein Kunstwerk ist,
    obwohl wahrscheinliche viele Sänger ein gespaltenes Verhältnis zum Glauben/zur Kirche haben. Aber Singen in einem Chor (nicht nur in der Badewanne) ist einfach Bereicherung, vielleicht sogar etwas wie Befreiung vom Altagsstress. Deshalb kann die Kirchenmusik
    wahrscheinlich vielen Menschen mehr geben als der Gottesdienst. Nichts gegen Gospels etc.: das ist der einfachere Weg, das Erfolgserlebnis liegt in der Erarbeitung einer schwieirigen chorischen Herausforderung.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Seit 1563 werden hier Pfarrer ausgebildet, berühmte Stiftler waren etwa der Astronom Johannes Kepler sowie die Dichter Friedrich Hölderlin und Eduard Möricke - darauf weist auch der Musikdirektor gerne hin.Kirchenmusiker: Allround-Job mit harten Arbeitszeiten - SPIEGEL ONLINE
    Letzteres bezweifle ich. Der Musikdirektor hat sicherlich auf Eduard Mörike hingewiesen.
  5. #5

    Gruselig

    Die Gelder für Musikunterricht sind nicht ausreichend, Kinder müssen sich von Religiösen beeinflussen lassen. Wenn es ausreichend Gelder für musikalische Bildung auch außerhalb der Schule gäbe, wäre die Gefahr religiöser Hirnwäsche geringer.
  6. #6

    Kirchenmusiker und fiktive Arbeitsleistung

    wenn man ganz dicht am Geschehen ist, also nicht nur Journalistin im Gespräch, dann ist der Eindruck mitunter ein anderer.
    Die Chöre der Gemeinde: Chor 1 hat zwei Stunden Probe, Chor 2 schlägt wie Chor 3 mit je anderthalb Stunden wöchentlich zu Buche.
    In den Schulferien finden vielfach gar keine Proben der Gemeindechöre statt, obwohl die Zahl der Chormitglieder mit schulpflichtigen Kindern eher gering ist.
    Der Urlaub selbst wird dann außerhalb der Schulferien genommen.
    Hinzukommen Chorkonzerte, für Chor 1 so zweimal im Jahr, evtl. ein Chorwochenende mit einer Samstagsnachmittagsprobe, eine Generalprobe, die auch schon mal vor der Aufführung erfolgt. Chor 1 und 2 haben keine Sonderproben, allenfalls eine Stell- und Generalprobe vor dem einen jährlichen Konzert. Die Chöre 1 und 2 , sog. niederschwellige Chöre, werden auch bei verschiedenen Gottesdiensten eingesetzt.
    Mit Chor 2 erfolgte im achten Jahr des Bestehens eine Chorreise, organisiert von einem Reiseveranstalter. Chor 1 macht seit geraumer Zeit nur noch Wochenendchorreisen , einmal jährlich. Chorreisen von Chor 3 sind nicht bekannt, angesichts des hohen Alters der Mitglieder finden die wahrscheinlich gar nicht statt.
    Zwei Orgeldienste am Sonntagvormittag alle vierzehn Tage, vielleicht mal ein offenes Weihnachtssingen in der Adventszeit.
    Da kann es schon passieren, dass ausgerechnet zum lange vorhersehbaren Termin der Einführung der neuen Presbyter und Verabschiedung ausscheidender der hochbezahlte Kantor nicht zur Verfügung steht. Stattdessen schlägt dann eine Hilfskraft für kleines Geld im wahrsten Sinne des Wortes die Tasten.
    Beerdigungen habe ich mit Orgelmusik vom Band erlebt oder von speziell angeheuerten Organisten.

    Heiligabend sind Chor 1 und 3 an zwei Gottesdiensten beteiligt. Noten werden kurz zuvor verteilt, es wird vom Blatt gesungen, nichts speziell einstudiert und geprobt.
    Die Stellenbeschreibung rechnet u. a. 12 Stunden wöchentliches Orgelspiel an. Da kommt eine fiktive Arbeitsleistung zur Anrechnung, die nicht unbedingt erbracht oder abgefordert wird. Wann da jemals an der Orgel zum Zwecke der Übung gespielt wurde, ist gar nicht nachvollziehbar. Orgelmatineen gibt es nicht.
    Es gibt den Ruf vom überbeschäftigten Kantor, wobei so gut wie gar nicht zwischen Haupttätigkeit einer Vollzeitstelle und den diversen Nebentätigkeiten unterschieden wird. Natürlich arbeitet ein Kirchenmusiker zu Zeiten, wo andere Freizeit haben, vorwiegend abends, an Sonn- und Feiertagen. Und die bezahlten Nebentätigkeiten finden auch vorwiegend zu diesen Zeiten statt. Dafür gibt es Freizeit, wenn andere arbeiten.
    Es kann passieren, dass Nebentätigkeiten in Konkurrenz zur hauptberuflichen Tätigkeit ausgeübt werden, der Gemeindechor das Nachsehen hat. Gerade in der Weihnachtszeit wird es eng, zumal es nur 4 Adventssonntage gibt, dieses Jahr der vierte Advent einen Tag vor Weihnachten liegt. Und wenn es zu anstrengend wird, lässt man die Gemeindechorprobe auch schon mal voraussschauend wegen Erkrankung ausfallen, weil nach der anspruchsvollen Nebentätigkeit am Vormittag am Abend Schonung angesagt ist, statt mit dem Gemeindechor zu proben. Und da passiert gar nichts, außer dass Ehrenamtliche den Sinn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit nicht mehr sehen.
    Berechtigte Fragen nach den Finanzen werden am besten nicht gestellt, dann tritt man am besten ganz aus der Kirche aus.
    Selbst der christliche Aspekt, dass hauptamtliche, also festangestellte Vollzeit-Kirchenmusiker nicht freiberuflich Tätigen das Brot wegnehmen sollten, um sich ein Zubrot zu verdienen, kommt Kirchens nicht in den Sinn.
    Da finanzieren klamme Gemeinden hoch- und höchstbezahlte Kirchenmusiker, um letztlich auch niedrigschwellige Gemeindechöre zu bedienen. Dabei genügten da auch C-Musiker, selbst engagierte Laien leisten da gute Arbeit, vergleichsweise auch bessere Arbeit als ein hochbezahlter A-Kirchenmusiker.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Von der Kinderchorprobe zur Beerdigung, von der Bußandacht zum Hochzeitsmarsch: Kirchenmusiker wie Constanze Kowalski und Hans-Peter Braun sind Künstler und Kulturmanager. Sie mühen sich mit Orgelschülern und Konzertsponsoren - und können am Wochenende nicht ausschlafen.

    Kirchenmusiker: Allround-Job mit harten Arbeitszeiten - SPIEGEL ONLINE
    Meine Tochter hat mit fünf Jahren angefangen, in einem kirchlichen Kinderchor in Hamburg zu singen, der verschiedene Altersstufen getrennt unterrichtet und je nach Situation in Gottesdiensten zusammenführt. Die Kantorin macht hervorragenden Unterricht was Gesang und Verständnis der Inhalte betrifft. Inzwischen, vier Jahre später, singen die Kinder rhythmisch und melodisch ziemlich anspruchsvolle und schöne Stücke, haben regelmäßig Auftritte, schon zwei kleine Musicals aufgeführt und alljährlich findet eine - bezuschusste - Chorreise statt. Sein Kind in diesen Chor zu geben kostet nichts, die musikalische Bildung ist sehr gut. Nebenbei ist die Kantorin noch eine umtriebige Fundraiserin, da die Chorarbeit NICHT aus Kirchenmitteln bezahlt wird.

    Die Qualität des Unterrichts, die mein Kind dort bekommt, ist nicht zu vergleichen mit dem, was an den Schulen erreicht wird. Das liegt aber nicht unbedingt an den Pädagogen. Alle Eltern, die ihre Kinder zu außerschulischen Zeiten zum Chor bringen, stehen voll hinter diesem Projekt und die Kinder sind ganz anders motiviert als in der Schule. Außerdem stammen die Kinder meist aus Häusern, wo Musik geliebt und gepflegt wird - das sind natürlich andere Voraussetzungen als Schulpädagogen im Durchschnitt antreffen.
  8. #8

    Mitunter....

    Zitat von georgia.k Beitrag anzeigen
    Wenn man ganz dicht am Geschehen ist, also nicht nur Journalistin im Gespräch, dann ist der Eindruck mitunter ein anderer. (...)
    Da kann es schon passieren, dass ausgerechnet zum lange vorhersehbaren Termin der Einführung der neuen Presbyter und Verabschiedung ausscheidender der hochbezahlte Kantor nicht zur Verfügung steht. (...)
    Da finanzieren klamme Gemeinden hoch- und höchstbezahlte Kirchenmusiker, um letztlich auch niedrigschwellige Gemeindechöre zu bedienen.
    Sie haben anscheinend Erfahrungen mit einem nicht allzu eifrigen Vertreter dieses Berufsstandes. Mag es ja geben; ich kenne aber auch genügend Gegenbeispiele!
    "Hoch- und höchstbezahlt", sind Sie ganz sicher? Meines Wissens liegt die Bezahlung hauptberuflicher Kirchenmusiker fast immer unter dem, was die Pfarrer bekommen. Nicht selten sogar deutlich darunter.
    Und ich kenne mehrere junge Musiker - einige von ihnen persönlich - die nach ein paar Jahren den hauptberuflichen Kirchendienst wegen zu schlechter Arbeitsbedingungen (künstlerisch, menschlich, finanziell, was auch immer) an den Nagel gehängt haben und z.B. Musiklehrer an einem Gymnasium geworden sind. (Womit ich denjenigen, die gerne als KiMu tätig sind, bestimmt nichts madig machen will!)

    Zu erwähnen wären wohl auch noch diejenigen Hauptamtler, die - vorzugsweise bei der kath. Kirche - wegen "moralischer Verfehlungen" im Privatleben (z.B. außereheliches Verhältnis) kurzerhand gefeuert wurden. So was kommt leider auch heute noch vor.
  9. #9

    Zitat von Schoenmaker Beitrag anzeigen
    Alles hat seinen eigenen Ort: wenn ich in die Disko gehe will keine Gregorianik hören. In die Kirche keine Musik hören die im Gegensatz ist mit der Würde vom Gottesdienst. Der Schrei, dass in die Kirche die Jugend nur noch die Twitter und Facebook-Sprache versteht und deswegen die Bibel .....
    Auch das ist ein Phänomen der Unzeitgemäßheit der Kirche, die meint, "zeitgemäß" heiße, man müsse ein paar hippe Floskeln in dümmliche Sätze einbauen ("der coole Jesus rockte auf dem Berg so richtig ab"), seichte, infantile Jesusliedchen singen oder Kirchenlieder "rockig" vortragen. War früher so manche Predigt nur ein Angriff auf meine Intelligenz, werde ich heutzutage mit dieser peinlich-anmutenden Anbiederung als denkende, erwachsene Person generell in Frage gestellt. Bedenkt man, auf welchem Niveau die Kirchenväter und später die Scholastiker Theologie betrieben haben, kann es einem nur noch grausen, besonders, wenn man nach einer Woche real existierenden Sozialdarwinismus am Sonntag in eine Messe geht, um dann "Jesus hat uns alle ganz doll lieb" zu singen.








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