Kinofilm "Tomboy": Wenn die Tochter ein Sohn sein will

Alamode FilmEinfach mal das Geschlecht wechseln: In dem Film "Tomboy" ergreift ein zehnjähriges Mädchen die Chance, als seine Familie während der Sommerferien umzieht. Die Zuschauer erleben dank der großartigen Hauptdarstellerin den Rausch einer neuen Welt - und die furchtbare Angst vor den Folgen.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,830153,00.html
  1. #20

    Zitat von autocrator Beitrag anzeigen
    Worte können nicht frei definiert werden. Würden sie es, bricht die Kommunikation zusammen, weil keiner mehr sagen kann, was er ausdrücken möchte, weil ihn niemand versteht, oder er erst einen umfangreichen Code mitliefern muss, was er nun unter dem Begriff XYZ versteht und wie er ihn verwendet wissen will.
    Das ist ohnehin schon längst der Fall. Wenn das nächste Mal jemand mit Begriffen wie "Neoliberalismus", "Rechts", "Islam", "Meinungsfreiheit", "Menschenwürde" oder ähnlichem herumwirft, fragen Sie einfach mal die Beteiligten nach einer Definition. Die Menschen reden zueinander, obwohl sie nicht einmal die gleiche Sprache sprechen!

    Das ist bloß deshalb kein Problem, weil diese Leute ohnehin keine Inhalte, sondern bloß Lebensgefühle austauschen. Wer dagegen auf wissenschaftlichem Niveau diskutiert, kommt um eine Begriffsklärung strittiger Begriffe nicht herum. Selbst empirische Konzepte wie "Armut" mit etablierten Definitionen werden in krass unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Da kann nach einer absoluten Interpretation ein Millionär superreich sein und nach einer relativen Deutung bettelarm.

    Zitat von autocrator Beitrag anzeigen
    Es ist schlimm genug, dass wir mit Begriffen sowieso schon nach Strich und Faden belogen werden: Statt "kürzen" oder "streichen" sagt man heute "sparen", eine Klofrau ist heute eine "Facilitymanagerin", und statt entlassen wird man "freigesetzt" (schöne "Freiheit", in die Existenznot gestoßen zu werden) ...
    Der Facility Manager ist der Hausmeister, und den Begriff finde ich völlig akzeptabel. "Gebäudeverwalter" klingt doch um einiges weniger pompös als "Master of the House". Ob man unbedingt englische Begriffe verwenden muss ist eine Sache. Aber wenn ich mir dann das Chaos mit dem generischen Maskulinum anschaue, denke ich mir wiederum, dass Deutschland ohnehin komplett auf Englisch umsteigen sollte. Würde viel "Drama" ersparen ;)

    Zitat von autocrator Beitrag anzeigen
    Mit Wörtern kreativ zu sein ist aber Aufgabe von Poeten, Essayisten, Literaten, und nicht von Journalisten.
    Gerade in der Verantwortung für eine korrekte Informationsübermittlung sind Worte eben nicht in die Beliebigkeit von Journalisten gegeben. Aber genau das ist ja das "Drama" (bewusst gewählt, denn ich weiss nicht, ob ich das schlimm oder lustig finden soll) um das Wort Dramödie.
    Ich weiß nicht, wer das Wort "Dramödie" erfunden hat, aber es wird auf jeden Fall verwendet. Und selbst Jahrzehnte davor wurde "Drama" schon als eigenständige Kategorie neben Tragödie und Komödie gehandhabt. Und bereits daran stören Sie sich ja.

    Tatsache ist in dem Zusammenhang, dass "Drama" auch in der Alltagssprache fest verwurzelt ist, und zwar in der nicht-aristotelischen Bedeutung. Man kann also entweder die moderne Sprache ablehnen - oder sich nüchtern überlegen, ob neue Definitionen einen Gewinn an Ausdrucksvielfalt bringen. Wenn letzteres der Fall ist, dann ist mir die etablierte Lehrmeinung von vor Jahrtausenden herzlich egal, Sprache sollte unseren heutigen Bedürfnissen angemessen sein. Da bin ich pragmatisch.