Forum: Blogs
Kino-Doku "Versicherungsvertreter": Wenn Herr Kaiser im Ferrari vorfährt
sternfilmLuxuswagen im Fuhrpark, Bonustrips nach New York: Der brillante Film "Versicherungsvertreter" zeigt den Aufstieg und Fall des Super-Maklers Mehmet E. Göker. Ein Porträt, das die Fratze einer Branche zeigt, die sich seriös gibt - aber in immer dubiosere Deals verstrickt ist.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,819499,00.html
- #1 11.03.2012 12:10 von
Aua …
"… wenn man ihn mit seinen Kollegen das Firmenlogo auf dem Handgelenk eingravieren sieht, wenn …"
Na, das würde ich gerne sehen. Wie geht das?
T.V. - #2 11.03.2012 12:57 von
- #3 11.03.2012 12:58 von
100 nicht gleich 100%
Versicherungen sind so was von undurchsichtig. Habe erst kürzlich über Frontal21 erfahren, dass für meine Altervorsorge nciht der komplette monatliche Beitrag angelegt wird..erstmal geht einiges an Verwaltung und Provision ab. Da sind die 1% die zu Beginn eines Bausparvertrages abgezogen werden wirklich Kleinkram
- #4 11.03.2012 13:02 von
Ja, und eben dies ist der Knackpunkt! Man sollte es nicht dabei belassen und sich über den Versicherungsmann Göker aufgrund dieses Films lustig machen. Denn nur weil die Rahmenbedingungen der Branche so sind, wie sie sind und er womöglich mit deutlich mehr Ehrgeiz und Geschäftssinn an die Sache rangegangen ist als Andere, war ihm dies möglich.
Noch immer werden Provisionen bezahlt, die jenseits von Gut und Böse sind. Provisionen, die natürlich direkt aus den Taschen der Versicherungskunden abgezweigt sind. Hier ist es allerhöchste Zeit, Transparenz zu schaffen. Transparenz, die es den Kunden vor Vertragsabschluss ermöglicht genau hinzuschauen, wohin ihr Geld geht. - #5 11.03.2012 13:19 von
- #6 11.03.2012 13:23 von
Der Finanzkapitalismus als Strukturvertrieb
Eine gute Präsentation eines guten Dokumentarfilms.
Der Kernpunkt aber ist (auch) hier nicht der Mensch, sondern es sind die politisch-ökonomisch beherrschten materiellen "Strukturen", die es Persönlichkeiten wie dem Herrn Versicherungsvertreter ermöglichen, sich leistungslos (!) an der Abschöpfung des durch Arbeit erzielten Mehrwerts der kleinen Leute - genannt: Arbeitnehmer, de facto: Arbeitgeber - zu beteiligen.
Auf die Methoden der Abzocke muss hier nicht weiter eingegangen werden, sie sind landläufig bekannt und werden wohl auch primär das Filmgeschehen ausmachen.
Worauf eingegangen werden sollte - und von mir wird - das ist das Gefühl von Ohnmacht angesichts genau der Strukturen, die es möglich gemacht haben, das Geld zur Ware geworden ist, dass man Geld damit "verdienen" kann, indem man mit Geld "handelt", sprich: seinen aktuellen "Tageswert" spekulativ - also durch Wunsch- und Angstvorstellungen - "ermittelt", das Resultat als "Trend" bezeichnet, die "Nachricht" an die Börse bringt - am Besten mit dem im eigenen Besitz befindlichen "Nachrichtendienst", Online-Portal, Wall Street Journal - und die Differenzen einstreicht (oder abschreibt), die zwischen Einkauf und Verkauf von Optionen auf Devisenbeträge erzielt worden sind.
Kapitalismus - und das ist insbesondere das spekulative Finanzkapital, das 90 - 98 % aller täglichen Kapitalbewegungen ausmacht - basiert auf dem (unnatürlichen) Zwang zu ewigem Wachstum, der wegen seiner Unnatürlichkeit auch ab und an der "produktiven Zerstörung" bedarf, eine mehr oder minder einschneidende "Wirtschaftskrise" also, auf die jetzt auch die Profiteure dieses Glückspieltheaters hinsteuern.
Wenn das alles keine politischen Auswirkungen hätte, dann könnte man sich als Mitglied der Mitverdiener an den Schweinereien der "Versicherungsvertreter" noch durch eigene Schuldenmacherei gegen übermäßige Enteignung absichern, doch die Zahl der Mitverdiener, der Nutznießer des spekulativen Finanzkapitalismus - also derjenigen Akademiker und mittelständischen Unternehmer, die als ideologische Stützen der Strukturen bzw. als produktive Zulieferer für das schaffende Kapital fungieren, die dafür noch (!) gebraucht werden - diese Zahl nimmt so beständig ab, wie die Zahl der überflüssigen Menschen – „überflüssig“ aus der Sicht des raffenden Kapitals - zunimmt.
Das sind die politischen Auswirkungen: Enteignung der Werktätigen per Schuldenmacherei des Casinokapitalismus und Alimentierung der Gekündigten und nicht wieder Eingestellten ehemaligen Angestellten durch „Sozialabgaben“ (nicht: „Kapitalabgaben“!)
Ist die SPD auf diese politische Krise vorbereitet - oder fahren auch diese ihre "Führungskräfte" wieder mal auf dem Weg des geringsten Widerstands ganz schnell noch ihre Schäfchen ins Trockene?! - #7 11.03.2012 13:44 von
- #8 11.03.2012 14:13 von
Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen. Ich denke jedoch, wenn Provisionen dazu führen, daß jemand sich eine Flotte Ferraris vor die Tür stellen und seine Mitarbeiter zum Shoppen nach New York fliegen lassen kann, dann ist die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt.
Ich verweigere mich seit Jahren konsequent Versicherungen, von denen ich lediglich annehme, das sie irgendwann einmal eventuell unter Umständen für mich einspringen. Nein, danke. - #9 11.03.2012 14:21 von
Parakriminelle Provisionsgeschäfte
Maschmeier im Kleinformat - Göker ist zwar genauso clever wie der Geldschieber aus Hannover, aber in seiner Außendarstellung ist Göker ungleich schlichter, fast schon schmerzhaft primitiv mit seinem Ludengebaren.
Die Regierung könnte die parakriminellen Provisionsgeschäfte mit Versicherungen ganz einfach verbieten. Warum tut sie es nicht? Weil sie sich nicht traut, zwischen reellen Geschäften und Betrug konsequent zu unterscheiden - das ist in einigen Wirtschaftsbereichen so, besonders aber bei Finanz- und Versicherungsgeschäften. Figuren wie Göker können buchstäblich nur auf dem Mist wachsen, den die Politik verzapft hat.
Die aktuellen Top-Themen
Antworten / Zitieren


