Forum


 

Kindererziehung: Ein Recht auf Schrammen

DPAKinder müssen spielen, toben, Wagnisse eingehen - und sich manchmal blaue Flecken holen. Nur so können sie sich psychisch und körperlich gesund entwickeln. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder nicht in Watte packen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...836706,00.html
  1. #270

    Zitat von inci2 Beitrag anzeigen
    stellen sie sich vor, kitas bekommen das durchaus hin, den kindern auch das toben zu gewähren. viele kitas haben entweder einen spielplatz auf dem eigenen grundstück, oder sie gehen mit den kindern auf einen spielplatz in der nähe.

    aber nur solange, wie sich die lieben nachbarn nicht über den kinderlärm aufregen. es gibt kitas, die weder den hauseigenen garten mit spielplatz, noch den spielplatz nebenan, weil es einigen sensibelchen oder neidhammeln oder was auch immer gelungen ist, das gericht davon zu überzeugen, daß kinderlärm eine nicht zumutbare belastung darstellt.

    und noch etwas, ob sie es glauben oder nicht, ich sehe jeden tag kita-kinder mit ihren erziehern, die mit der s-bahn zum zoo, oder zu anderen "attraktionen" fahren.

    und meine tochter hat mit der kita sogar mal eine reise nach westdeutschland gemacht. da war sie 4 jahre alt und sie ist nicht vor heimweh gestorben.

    aus ihrer sicht bin ich sicher eine rabenmutter, weil ich mir den luxus erlaubt habe, arbeiten zu gehen und nicht auf "sozialamt" gemacht habe, damit ich den ganzen tag mit meinem kind verbracht habe.
    Genau danach haben wir die Kita ausgesucht ob sie viel mit den Kindern draußen sind, bei uns geht das noch ganz gut, wegen Kleinstadt, da fällt es sofort auf welche Kita/Krippe ob und wieviel mit den Kindern was unternimmt. Aber noch ein kleiner Hinweis, die Gerichte haben jetzt letztinstanzlich entschieden das Kinderlärm nicht mehr verklagbar ist. Und wenn ich so ein Sensibelchen bin, dann ziehe ich nicht in die Nähe/neben einen Kindergarten oder Schule.
  2. #271

    Ein wunderbarer Artikel!!! Ich hoffe, dass ihn ganz viele Eltern und unsere User von Spielplatztreff | Spielplätze und Spielplatz-Tipps von und für Eltern lesen. Ich werde ihn twittern, liken und mir selbst den letzten Satz zu Herzen nehmen und jetzt zum Wohle meiner Kinder noch öfter: "tief durchatmen, Augen zu - und durch." denken und handeln.
  3. #272

    Zitat von kleinerkobold Beitrag anzeigen
    Und wie soll ein Kind dann jemals Abwehrkräfte entwickeln? Am besten weiter RTL gucken.
    So schlimm ist RTL gar nicht. Ich hab's ausprobiert. Mit 6 Jahren darf unser Sohn zwar ab und zu mal fernsehen, aber höchstens eine Stunde am Stück, nicht jeden Tag und eigentlich nur KiKa oder mal arte, wenn dort eine interessente Dokumentation läuft.

    Doch neulich habe ich sein Immunsystem getestet und mit ihm bei RTL hereingeschaut. Gesendet wurde irgendein US-amerikanischer Kindermist, ständig unterbrochen von Werbung. Nach einer halben Stunde hat der Sohn genervt darum gebeten, die Kiste auszumachen. RTL wirkt also Wunder.

    Und dann wundern wenn die Kinder ständig krank sind. Achso, sind ja die bösen Baktierien und Viren weil nicht richtig desinfiziert wurde.
    Ja. Selbst, wenn Antibiotika nicht direkt beworben werden, reicht schon das Bombardement mit Werbung für Haushaltsreiniger und irgendwelche Salben und Mittel, die angeblich "gesund machen", dass sich bei den Zuschauern der Gedanke einnistet, das alles diene tatsächlich unserem Wohl. Üble Masche - und das im Kinderprogramm. Aber wie man Ihrem Vorposter entnehmen kann, gibt's offensichtlich Leute, die darauf hereinfallen.
  4. #273

    Zitat von keinhandy Beitrag anzeigen
    Da kann ich mir aber schlimmeres vorstellen. Ballet und Taekwondo/andere Kampfkünste stärken den Gleichgewichtssinn enorm. Das kann einem Kind ja wohl kaum schaden. Insbesondere Jungs sind von Kampfkünsten begeistert und unglaublich stolz auf ihre Fähigkeiten - warum sollte man ihnen das nicht ermöglichen? Ein oder zwei Unterrichtsstunden pro Woche verhindern wohl kaum, dass das Kind in der restlichen Zeit trotzdem im Wald herumtobt. Sie hätten doch auch nicht dagegen, ihren Jungen zum Fußballtraining zu schicken, oder?
    Die frage ist doch wohl von wem das ausgeht.
    Will das Kind von sich aus einen Sport betreiben, wunderbar.
    Aber was ist mit den Kindern, die den übertriebenen Ehrgeiz ihrer Eltern, gepaart mit deren eigenen Unsportlichkeit ertragen müssen, nur damit Mami beim Muttertiertreffen sagen kann "Meine Tochter macht jetzt auch Ballet"
  5. #274

    Zitat von inci2 Beitrag anzeigen
    aus ihrer sicht bin ich sicher eine rabenmutter, weil ich mir den luxus erlaubt habe, arbeiten zu gehen und nicht auf "sozialamt" gemacht habe, damit ich den ganzen tag mit meinem kind verbracht habe.
    ;-)

    Tatsächlich ist eine (gute) Kita ein Segen, weil die Kinder dort sozial geschult werden. Unsere Kita ist eine städtische Einrichtung, die mindestens einmal pro Woche einen Ausflug macht - in den Kletterwald, zum Zoo ... Es gibt Projekte wie das Bäckereidiplom, es werden Radios auseinandergenommen und wieder zuammengebaut und sogar einen Sprachtag gibt es, bei dem die Kinder ihre Muttersprache vorstellen können. Das sorgt regelmäßig für viel Freude und anschließende Diskussion zu Hause. Unser Sohn lernt jetzt sogar Englisch - und zwar von seinem amerikanischen Freund in der Kita. Und wenn er abends möchte, bekommt er von uns dazu noch mehr Input.

    Der Privatlehrer zu Hause, die überbehütende Mutter zu Hause und das sterile Badezimmer (klar: zu Hause) sorgen höchstens dafür, dass ein Kind sozial verkümmert, ängstlich wird und Allergien ausbildet. Prima Welt.
  6. #275

    Zitat von news_paper Beitrag anzeigen
    Ich bin Mutter eines 8jährigen. Mein Sohn durfte von Anfang an seine Erfahrungen sammeln. Ob im strömenden Regen stehen und klatschnaß heimkommen, ob im Feld herumstreunern, auf Bäume klettern, mit Schnitzmesser Stöcke bearbeiten, mit scharfem Messer Obst und Gemüse schneiden - immer wusste er instinktiv selbst, wo seine Grenzen sind und ging vorsichtig, aber dennoch selbstbewußt auch mit "gefährlichen" Utensilien um.
    ...
    Das ist mir allemal lieber, als ein Kind, das nicht mehr Kind sein darf, vor jedem Wagnis Angst bekommt und sich nicht frei entwickeln kann.
    genau so geht es mir auch. Kritik, Befremden bis hin zu Andeutungen, man würde seine Kinder mit diesem Verhalten misshandeln oder vernachlässigen, weil sie "überdurchschnittlich" viele Blessuren haben. Nur, dass eben heute der Durchschnitt diejenigen sind, die überbehütet werden, und die sind weitgehend schrammenfrei, werden sie doch überall hin getragen und gefahren. Ich bin wahrhaftig einer Mutter begegnet, die ihr zweijähriges Kind zwang, im Buggy zu fahren, weil es beim Laufen zu oft hinfällt.
  7. #276

    Mit dem Fahrrad zur Schule

    Zitat von ernstl1704 Beitrag anzeigen
    Ich war letztens morgens 8.30 an einem Schulzentrum aus IGS und Realschule, ca. 1500 Schüler, im Fahrradständer standen genau 4 Fahrräder.
    Wenn unser Sohn mit dem Fahrrad zur Schule fährt, wird er unter fadenscheinigen Argumenten von den Lehrern darauf hingewiesen, dass er das nicht darf. In der Regel muss die Unfallversicherung dafür herhalten.

    Der Fahrradständer ist vormittags ist in der Regel leer. Nachmittags fahren viele Kinder gerne mit dem Fahrrad auf dem Schulhof.
  8. #277

    Genuegend Kinder

    Zitat von meinmein Beitrag anzeigen
    Der Unterschied gegenüber früher ist-so hart es klingt-man hatte genug Kinder, jedes Jahr kam ein neues. So konnte man einen Verlust leichter verschmerzen.
    Da haben Sie leider recht. Ich habe mich selbst bei dem Gedanken ertappt, dass ich gerne ein zweites Kind haette, fuer den Fall, dass dem ersten was zustoesst. Das klingt zwar furchtbar, aber es ist wahr. Und wahrscheinlich auch ganz natuerlich. Ich bin aber selber mit einem uebervorsichtigen Vater aufgewachsen, und es hat mich 34 Jahre gekostet, bis ich eine bewusste Angst-Ueberwindungsstrategie entwickelt habe, da es mich so geaergert hat, dass meine Angst mich von vielen klasse Erfahrungen abhielt (so wie gefuehrte Nachtexpeditionen im mittels,erikanischen Regenwald). Das will ich meinem Kind nun doch nicht mit auf den Weg geben. Ich habe daher die Maxime entwickelt: Verhindern kann ich es nicht, dass sie Risiken eingeht, daher muss ich dafuer sorgen, dass sie die Faehigkeit hat, sie zu bewaeltigen. Fuer das Klettern und balancieren habe ich sie im fruehkindlichen Geraeteturnen angemeldet - und wenn sie die kleine zweieinhalbjzehrige nun auf dem Spielatz sehen, wuerden sie ihr Alter nicht glauben! Ich denke, diese Strategie ist die beste: Achtsamkeit, Selbstvertrauen und Faehigkeiten, anstatt Angst, Uebervorsichtigkeit und nie was ausprobieren. Manchmal muss ich als Mutti einfach tief durchatment und Gott und meiner Kleinen vertrauen, dass sie das schon kann, aber das lohnt sich, und sie lernt fantastisch.
  9. #278

    Der Gipfel der "Polizeierei"

    Zitat von grüni Beitrag anzeigen
    aber dann gibt es auch die überaus aufmerkasamen mitbrüger, die hinter jedem blauen fleck einfach mal ihre vermutungen anstellen und eine ausgemachte kindesmisshandlung unterstellen...
    Allerdings! Hier mal eine Perle: Erst kuerzlich ist hier in Australien eine Mutter vor Gericht gezerrt und bestraft worden, weil ihre beiden Kinder, 8 und 11, nicht mit in den Baumarkt wollten und lieber im Auto warteten. Sie lief nur rein, um was umzutauschen. Es gibt in Australien ein Gesetz, dass man ein unter 12 jaehriges Kind nicht fuer laenger als "angemessen" alleine lassen darf. "Angemessen" ist nirgends definiert. (und das beduetet also auch, dass man sie mit ueber 12 "unangemessen" lange allein lassen darf?) Als ob 2 Kinder diesen Alters Im Auto auf einem Parkplatz irgend einem unkalkulierbaren ausgesetzt waeren! Aber in einer solchen Gesellschaft mit so dummer Gesetzgebund kann man ja nur uebervorsichtig werden!
  10. #279

    Zitat von user543 Beitrag anzeigen
    Ich hatte das Glück, Eltern in einem kindgerechten Alter zu haben. Als ich zur Welt kam war meine Mutter 19 und mein Vater 22 Jahre alt. Da waren beide noch jung und agil. Auf einen Kirschbaum klettern? Kein Problem, mein Vater ist munter mitgekraxelt. Ich habe dann immer gelacht, weil ich als Kind noch auf dünnere Äste klettern konnte, für die er zu schwer war. Ich habe dort die besten Kirschen abbekommen.
    ...
    Mütter, die auf die 40 zugehen, Väter, die die 40 überschritten haben sind selbst nicht mehr agil genug, Jahre des Studiums und der Berufstätigkeit ließen sie unbeweglich werden. Erste Alterserscheinungen, Rheuma usw. die haben Angst, dass ihnen selbst etwas passiert, wenn sie sich unbedacht bewegen und das übertragen sie auf ihre Kinder. Ihre Kinder dürfen nichts mehr, weil die Eltern zu alt sind, im Notfall schnell helfen oder nachlaufen zu können.

    Das ist traurig.
    Ich hab das Wort "sandeln" zwar noch nie gehört, aber ich stimme Ihnen zu. Meine Eltern waren Anfang 30 als ich geboren wurde (1987) als ältester von drei Kindern. Während meiner Grundschulzeit war ich auch viel draußen unterwegs: Radfahren, am Bach Staudämme bauen, Buden im Wald. Trotzdem war dieses Panikgetue schon im Ansatz da: Um sechs zu Hause sein (das wurde irgendwann aus unerfindlichen Gründen auf "Einbruch der Dunkelheit" verkürzt. Im Winter also um 15.30, ohne das mir das je irgendwer mitgeteilt hab. Das gab aber nen Einlauf!), sich nur in einem bestimmten Gebiet aufhalten, Mitteilen wo man hingeht etc. pp.
    Es war aber nur halb so schlimm wie bei einem Schulfreund, dessen Großeltern im selben Haus wohnten.

    Das Lustige an der Sache ist, wenn man sich vor Augen führt, dass grade die Generation die über "die Jugend von heute" schimpft und mit dem 12 km langem Schulweg (bei Schnee, Hagel, Sturm und -67°C und ohne Schuhe) prahlt, den Kindern noch weniger zutraut als die Eltern.


TOP



TOP