Kinderärzte gegen Beschneidung: "Beschluss verletzt Grundrechte von Kindern"

DPADer Streit um das neue Gesetz zur Beschneidung von Jungen reißt nicht ab: Kinderärzte haben den Bundeskabinettsbeschluss als katastrophal bezeichnet. Der Eingriff soll straffrei bleiben, sofern er nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Doch der Berufsverband sieht Grundrechte des Kindes verletzt.

Gesetz zur Beschneidung: Kinderärzte kritisieren Beschluss - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Streit um das neue Gesetz zur Beschneidung von Jungen reißt nicht ab: Kinderärzte haben den Bundeskabinettsbeschluss als katastrophal bezeichnet. Der Eingriff soll straffrei bleiben, sofern er nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Doch der Berufsverband sieht Grundrechte des Kindes verletzt.
    Gesetz zur Beschneidung: Kinderärzte kritisieren Beschluss - SPIEGEL ONLINE
    Jeder, der sich berufen fühlt, zu beurteilen was eine Beschneidung für ein Kind ausmacht, sollte sich zuerst einmal das nachfolgende Video einer nicht nur nach den "Regeln ärztlicher Kunst" sondern in einer Klinik unter besten hygienischen Bedingungen durchgeführten Beschneidung ansehen:
    (Full-Version) Routine Infant Circumcision with Doctor's Before & After Talks
    Ich habe es mir angesehen und wenn ich früher keine Meinung dazu hatte, finde ich es heute barbarisch!
  2. #2

    Merkwürdigkeiten

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Streit um das neue Gesetz zur Beschneidung von Jungen reißt nicht ab: Kinderärzte haben den Bundeskabinettsbeschluss als katastrophal bezeichnet. Der Eingriff soll straffrei bleiben, sofern er nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Doch der Berufsverband sieht Grundrechte des Kindes verletzt.

    Gesetz zur Beschneidung: Kinderärzte kritisieren Beschluss - SPIEGEL ONLINE
    Es ist schon merkwürdig, was alles einem das Himmelreich näher bringen soll. Nicht dass ich dazugehöre, aber letztens las ich in einem Wissenschaftsteil, dass die Mortalitätsrate bei den "Wilden" in Südamerika durch die Christianisierung deutlich zurück gegangen sei (Die brächten sich angeblich gern wegen der kleinsten Probleme um). Wegen der Nächstenliebe, und trotz der Verstöße dagegen.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Streit um das neue Gesetz zur Beschneidung von Jungen reißt nicht ab: Kinderärzte haben den Bundeskabinettsbeschluss als katastrophal bezeichnet. Der Eingriff soll straffrei bleiben, sofern er nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Doch der Berufsverband sieht Grundrechte des Kindes verletzt.

    Gesetz zur Beschneidung: Kinderärzte kritisieren Beschluss - SPIEGEL ONLINE
    Natürlich werden Grundrechte des Kindes verletzt und wieso muss man überhaupt darüber reden, dass solch ein Eingriff nach den Regeln der ärztlichen Kunst stattfindet. Wie denn sonst?

    Letztlich ein feiger, politischer Beschluss bei dem man die unbequemen Entscheidungen wieder mal auf die Bundesgerichte abschiebt.

    Denn dort wird das ganze irgendwann enden.
  4. #4

    Hirn

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Streit um das neue Gesetz zur Beschneidung von Jungen reißt nicht ab: Kinderärzte haben den Bundeskabinettsbeschluss als katastrophal bezeichnet. Der Eingriff soll straffrei bleiben, sofern er nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Doch der Berufsverband sieht Grundrechte des Kindes verletzt.

    Gesetz zur Beschneidung: Kinderärzte kritisieren Beschluss - SPIEGEL ONLINE
    Natürlich wird in Grundrechte des Kindes eingegriffen. Aber das geschieht bei der Erstuntersuchung des Neugeborenen, bei jeder Impfung und beim Ohrlochstechen auch (von den Tätowierungen bei 12jährigen ganz abgesehen). Allerdings gibt es eben nicht nur ein Grundrecht. Art. 6 schützt Ehe und Familie und damit auch das Erziehungsrecht der Eltern, die Ihr Kind ja auch auf eine konfessionell geprägte Schule schicken dürfen. Und es gibt Art. 4, die Religionsfreiheit, die auch das religiöse Handeln schützt.
    Die Verfassung gebietet nicht, diesen Konflikt dadurch zu lösen, dass man nur ein Grundrecht berücksichtigt.
  5. #5

    Irrsinn diese Beschneidung

    Frage an die unbeschnittenen Befürworter:
    Würden sie zustimmen wenn jemand Sie Beschneiden will?
    Was Du nicht willst was man Dir tut, das füg auch KEINEN
    Anderen zu.
  6. #6

    Es ist für unsere Politik ein Dilemma, dass sie sich bewusst um Fragen strafrechtlicher Einwilligungsfähigkeit herumdrücken muss, um den sozialen Frieden nicht zu gefährden. Obwohl die Bevölkerung überwiegend nicht sonderlich religiös ist, sind die Religionsgemeinschaften doch zu mächtig, um mit ihnen brechen zu können.
  7. #7

    Die Beschneidung ist und bleibt eine Körperverletzung!

    Der Schöpfer hat uns Menschen so geschaffen, wie wir sind, die Beschneidung ist nicht mehr zeitgemäß und passt nicht in unsere Wertegemeinschaft. Dass die Jungen ohne Willen beschnitten werden, ist eine religiöse Wahn-Diktatur und gehört in Deutschland ohne Wenn und Aber, verboten.
  8. #8

    Ärztliche Kunst

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Streit um das neue Gesetz zur Beschneidung von Jungen reißt nicht ab: Kinderärzte haben den Bundeskabinettsbeschluss als katastrophal bezeichnet. Der Eingriff soll straffrei bleiben, sofern er nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Doch der Berufsverband sieht Grundrechte des Kindes verletzt.

    Gesetz zur Beschneidung: Kinderärzte kritisieren Beschluss - SPIEGEL ONLINE
    Ist es eigentlich den Regeln der ärztlichen Kunst entsprechend, einen Eingriff durchzuführen, der die körperliche Unversehrtheit des Patienten berührt, ohne dass es dafür einen medizinischen Grund gibt? Die rituelle Beschneidung ist >>>> kein <<<< medizinischer Grund.
  9. #9

    Genug gute Gründe dagegen

    Zwischenzeitlich ist dank der Neurobiologie bekanntlich wesentlich klarer, wie unser Gehirn und unsere Biologie zusammenwirken.
    Der renommierte Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther von der Universität Göttingen führt dazu u.a. aus: „Wir wissen heute, dass unsere Kinder mit einem noch sehr unfertigen Gehirn zur Welt kommen. Die endgültigen Verschaltungen zwischen den Fortsätzen der Nervenzellen werden erst später durch die von jedem Kind in seiner jeweiligen Lebenswelt selbst gesammelten Erfahrungen in einer bestimmten, nutzungsabhängigen Weise herausgeformt und stabilisiert.“ (Hüther/Krens 2010). Zwischenzeitlich ist sogar klar, dass bereits das Ungeborene lernt, lernt, lernt. Bereits in der Gebärmutter sammeln Kinder eigene Erfahrungen über die Beschaffenheit der sie umgebenden Welt und verankern diese in ihrem Gehirn in Form von entsprechenden Verschaltungsmustern der sich dort entwickelnden Nervenzellen und synaptischen Verbindungen.

    Das heißt: JEDE Erfahrung, die das Kind macht - ob es diese bewusst wahrnehmen kann oder nicht - wirkt sich auf die Verschaltungsmuster des Gehirns aus. Das heißt, dass auch eine Amputationserfahrung entsprechende Auswirkungen auf die Verschaltungsmuster der sich entwickelnden Nervenzellen und synaptischen Verbindungen hat.
    Und nicht nur das: Die Amputation der Vorhaut stellt für das Neugeborene (aber auch für ältere Kinder) einen neuartigen, unbekannten und unerwarteten Stimulus dar, was im Körper eine neuroendokrine Stressreaktion aktiviert. Die Nebennierenrinden entleeren ihre Vorräte an Adrenalin, das Herz beginnt wie wild zu schlagen, die Blutgefäße werden eng gestellt, die Muskulatur zum Sprung (Flucht) vorbereitet, Energiereserven der Leber mobilisiert, die Pupillen weit aufgemacht, die Haare richten sich auf, usw., beschreibt Hüther diesen autonomen körpereigenen Prozess bei Stress. Damit hat die Beschneidung *gute* Voraussetzungen, sich im Gehirn UND im Körper des Kindes als negative Erfahrung festzusetzen.

    Dazu kommt, dass das Kind immer, aber gerade in den ersten beiden Lebensjahren (einschließlich der intrauterinen Zeit) existenziell auf gute Bindungen/Beziehungserfahrungen zu - am besten - den Eltern angewiesen ist. Laut der so genannten Bindungstheorie (Bowlby u.a.) sind die Beziehungserfahrungen des Kleinkindes von zentraler Bedeutung für sein weiteres Leben. Kinder machen unterschiedliche Erfahrungen mit ihren Bezugspersonen, prägen sich diese ein und bilden entsprechende Erwartungen bezüglich künftiger Interaktionen. Sprache, Gedächtnis, Emotionalität und Sozialverhalten werden von diesen Bindungserfahrungen stark beeinflusst. Ein so früher, möglicherweise schmerzhaft/traumatisch erfahrener körperlicher Eingriff kann sich entsprechend negativ auf die Bindung zu den frühen Bezugspersonen und das Urvertrauen des Kindes auswirken.

    Insofern gibt es mehr als genug gute Gründe, die Folgen eines solchen unnötigen Eingriffs für das gesamte weitere Leben des Kindes nicht mit den alten Vorurteilen („Kinder vergessen sowas“) oder durch Beschränkung auf die rein organischen Konsequenzen zu bagatellisieren. Auch deshalb wäre eine gründliche und differenzierte Auseinandersetzung mit allen Aspekten dieser Frage auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse mehr als angeraten.