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Kinder fahren schlechter Rad: Oft sind die Eltern das Problem

Obwohl sie zur Laufradgeneration gehören, fahren viele Grundschulkinder heute schlechter Rad als Ende der neunziger Jahre - nicht zuletzt, weil ängstliche Eltern sie unterschätzen. Das Projekt Radschlag will den negativen Trend jetzt stoppen.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0...762885,00.html
  1. #40

    Wir

    leben nun mal mittlerweile in einer Vollkasko Gesellschaft.
    Komfort und Sicherheit zählen mehr als Freiheit und Unabhängigkeit.
    Früher musste man raus um etwas zu erleben, als Kind, Jugendlicher,oder ein Buch lesen, heute gibt es Medienvielfalt.
    Kontrolle ist wichtiger als Selbstentfaltung.
    Spielende Kinder sehe ich selten wenn ich mich in meiner Stadt bewege.
    Kinder sind ein Kostenfaktor, zeitaufwändig, hinderlich, Selbstverwirklichung ist angesagt.
    Erwähnenswert im Zusammenhang mit Fachkräftemangel und Sicherung der Renten.
    Eigenverantwortung ist etwas das man lernen muss.
    Zunehmende Gettoisierung, soziale Abkapselung, Abgrenzung.
    Politik ist Tagesgeschäft, Perspektive und Integrität zweitrangig.

    Deutschland IST kinderfeindlich und selbstverliebt.
  2. #41

    unterschiedliche Gründe ....

    Woraus resultiert denn die Ängstlichkeit der Eltern? Vielleicht aus dem eigenen Unvermögen, selbst seit Jahren nicht Rad gefahren zu sein. Oder ggf. aus dem zunehmenden Autoverkehr, der vor allem Großstädte gefährlich macht.

    Würden wir weiterhin in einer Großstadtwohnung im vierten Stock wohnen und nicht in einem beschaulichen Dorf im Münsterland, könnte meine fast 2 jährige Tochter wahrscheinlich auch nicht Laufrad fahren, die Vierjährige, die seit ihrem dritten Lebensjahr aufs Fahrrad umgestiegen ist und seit ein paar Wochen Inline skatet und meine 6 Jährige der Rad fahren und skaten mittlerweile zu langweilig ist, sich nun auf dem Einrad versucht. Das ist hier eben normal.

    Aber es gibt auch hier sehr ängstliche Eltern, meist sind es diejenigen, die nur ein Kind haben ...
  3. #42

    .

    Zitat von Nebhrid Beitrag anzeigen
    Kontrolle ist wichtiger als Selbstentfaltung.
    Wo kämen wir auch sonst hin?

    Ein paar nette Beispiele aus dem Schulalltag:

    Ein Schüler klettert auf einen Baum (der problemlos eine ganze Klasse aushalten würde). Die aufsichtsführende Lehrkraft muss dies sofort unterbinden. Unfall/Verletzungsgefahr. Besser mit dem iPod in der Pausenhalle spielen, dann kann nichts passieren.

    Ein paar Schüler haben auf dem verschneiten Schulhof eine Rutschbahn gebaut. Dito -- plus Sperrung des Schulhofs bis Tauwetter einsetzt. Die Rutschbahn könnte ja vereisen.

    Unmittelbar an die Schule grenzt ein riesiger Sportplatz mit 400m-Bahn und zwei Rasen-Spielfeldern, mehreren Volley- und Basketballfeldern. Von vielen Klassenzimmern ist der Weg dorthin kürzer als zum Schulhof, der ungefähr so groß wie zwei Strafräume ist. Nutzung in der Pause oder Freistunde? Nicht möglich, da der Sportplatz nicht zum Schulgelände gehört und Schüler das Schulgelände nicht verlassen dürfen.
  4. #43

    Nun ja...

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Wo kämen wir auch sonst hin?

    Ein paar nette Beispiele aus dem Schulalltag:

    Ein Schüler klettert auf ....
    Ich glaube zwar nicht, wie einige Foristen hier angemerkt haben, dass es für Lehrer heutzutage problematisch ist, mit der Klasse einen Sportausflug zu machen, weil sie im Unfalle gegebenenfalls verklagt werden könnten. Das lässt sich im Vorfeld ausschließen.

    Allerdings sähe der aufsichtsführende Lehrer auf einem Schulhof nun wirklich extrem blöd aus, wenn unter seinen Augen ein Kind vom Baum fällt oder sich auf einer selbstgebauten "Schleifetse" ein Bein bricht. Noch blöder dann die Erklärung "ich habe es zwar gesehen, aber die Kleinen müssen doch herumtoben und sich ausprobieren dürfen, oder?"
  5. #44

    nö, keiner

    noch ein paar Anmerkungen aus der Schule ...
    Schwimmen mit Schülern in einem öffentlichen Schwimmbad (dem gleichen, in das die Kinder nach der Schule ohne Aufsicht gehen): geht trotz Bademeister nur, wenn der Lehrer ein Rettungsschwimmerabzeichen hat

    Schwimmen im Baggersee (dem gleichen, ...): geht grundsätzlich nicht
    Fahrrad fahren: der Lehrer ist verantwortlich für die Verkehrssicherheit aller 30 Fahrräder (ich bin Germanist, kein Zweiradmechaniker), Helmpflicht
    Inline fahren: verboten
    Zelten gehen auf einem öffentlichem Campingplatz mit erwachsenen (!) Schülern: von der Schulleitung verboten wegen der Gefahr durch ???

    usw...

    Warum ist das (jedenfalls in Bayern) so geregelt?
    Ich kann nur vermuten, dass es von der Versicherungswirtschaft erzwungen wird und vom Kultusministerium und den Schulleitungen willig aufgenommen wird, um Stress mit Eltern aus dem Weg zu gehen.

    Ergebnis: demotivierte Lehrer und unbewegliche und übergewichtige Jugendliche
  6. #45

    Nur einer?

    Nur ein einziger Kommentar, der das eigentliche Problem aufzeigt?
    Zitat von Katja-67 Beitrag anzeigen
    An der Grundschule meines Sohnes fand die Fahrradprüfung in der 4. Klasse statt. Davor durften die Kinder aus Versicherungsgründen nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren.
    Wir versuchen schon seit der 2. Klasse gegen diesen Blödsinn vorzugehen.
    Das Versicherungsargument ist nämlich vorgeschoben, das Problem existiert garnicht.
    Selbst Überzeugungsarbeit bei Lehrer und Schulleitung münden ein Jahr später bei der Frage der Gruppenversicherung in exakt die gleichen bescheuerten Argumente.
    Das Bild ist also extrem gefestigt.
    Man will sich nicht mit fahrradfahrenden Kindern in der Grundschule beschäftigen.
    Die bekommen in der 4. ihre Fahrradprüfung und danach sind sie ja weg.

    Es ist auch so, dass für Grundschulen gar keine Fahrradabstellplätze konzipiert und finanziert werden.
    Gegen eine selbstverständliche Nutzung des Fahrrades im Alltag wird also konsequent von Anfang an auch vom Staat gearbeitet. Eltern, die die Kinder vom Fahrradfahren abhalten, werden bestärkt.
    Bei der Fahrradprüfung ist es sogar so, dass Kaufsets für Fahrradausrüstung angeboten werden und Fahrräder gestellt werden - man geht selbstverständlich davon aus, dass da nichts vorhanden ist.


    Tatsächlich geht der Schuss aber nach hinten los.
    Die Kinder sind nach der 4. Klasse mit allem möglichen beschäftigt, zudem verlieren sie mit 10 Jahren das Recht,auf dem Bürgersteig zu fahren.
    Hält man sie aber vorher immer vom Radfahren ab, müssen sie plötzlich mit ihrer sich stark verändernden Umwelt (Schulwechsel), dem Fahrradfahren an sich und dem Straßenverkehr klarkommen.
    Unfälle sind da vorprogrammiert.

    Aber die sind dann ja wieder ein herrliches Argument für Fahrradwege, die nur der Trennung von KFZ und Fahrrad dienen.

    Man merkt diesen Abläufen wirklich immer an, dass da Leute dahinter stehen, die ein Fahrrad höchstens am Feiertag auf dem Überlandradelweg bewegen - Fahrradfahren tun die offensichtlich nicht.
    Alltagsradfahrer sind politisch nicht erwünscht und deswegen wid das auch bei Kindern nicht gefördert.
    Die haben sich gefälligst in die Freizeit zu verkrümeln.
  7. #46

    Schade für Sie

    Zitat von KV491 Beitrag anzeigen
    PS: Ich bin auch ein Kinder 70er und 80er und habe nie einen Schulausflug mit dem Rad gemacht - was 'man' ja angeblich tat.
    ich bin im münchner Westen aufgewachsen und in den 70ern gehörten Rad"wander"tage, Skiwochen und Schulschwimmen (meine Schule hatte ein eigenes Schwimmbad) zum jährlichen Plan. Vermutlich ging das aber auch nur, da es noch keinen "Fahrradführerschein" gab, sondern die Lehrer es einfach vorraus setzten, das ein Kind sowas kann.
  8. #47

    Ab wann mit dem Rad zur Schule erlaubt?

    Zitat von blue0711 Beitrag anzeigen
    Nur ein einziger Kommentar, der das eigentliche Problem aufzeigt?
    Wir versuchen schon seit der 2. Klasse gegen diesen Blödsinn vorzugehen.
    Ja, mich wundert es auch, denn es scheinen auch die Schulen zu sein, die das Mit-dem-Rad-zur-Schule-fahren unterbinden. Ob es nun an tatsächlichen versicherungstechnischen Gründen liegt, würde mich auch interessieren.
    Mein Sohn ist 8 und in der 2. Klasse, fährt super Fahrrad (Laufrad ab 2, Fahrrad ohne Stützräder mit 3 oder 4, hat heute MTB und ein BMX).
    Er sagte mir gestern, das sie ab dem nächsten Schuljahr mit den Fahrradtrainings in der Schule anfangen, man aber dafür ein Fahrrad mit Rücktritt bräuchte.
    Diese anitquirte Technik, wo das Kind locker eine Sekunde mehr braucht, um den Bremsvorgang einzuleiten?. Die meisten Kids fahren MTBs etc mit Kettenschaltung (ohne Rücktritt) in dem Alter. Von Kindern oberängstlicher Eltern mit antiquiter Sicherheitsdenke und Null-Technik-Ahnung mal abgesehen.
    Heute sind Felgenbremsen zuverlässing und auch mit geringem Kraftaufwand von Kindern zu bedienen. Genauso aniquiert ist die Vorgabe, dass die Kinder ein dynamobetriebenes Licht brauchen. Die sind viel öfter kaputt als eine Batterie nicht geladen.

    Ich würde meinen Sohn gerne mit dem Rad zur Schule schicken, derzeit läuft er den knappen Kilometer mit Schulkameraden. Wir leben auf dem Land und ziehen bald ein Dorf weiter, dann ist der Schulweg ca 2km. Der Schulbus fährt Nachmittags aber erst über die anderen Dörfer und dann in unser Dorf, morgens in umgekehrte Richtung. Also dauert das ca. je 40 Minuten. Mit dem Rad vielleicht 8 Minuten.
    Aber er darf angeblich nicht mit dem Rad fahren, erst nach der Radprüfung.
    Wenn ich mal 2-3 mal mit ihm die Strecke abgefahren bin, die Problemstellen erläutert habe, dann macht er das locker.


    Naja, am kommenden Samstag gibt es einen Fahrradausflug der ganzen Klasse mit den Eltern und der Lehrerin (was ich echt sehr, sehr löblich finde, dass sie das organisiert). Das ist dann die Supergelegenheit das Thema mal auf den Tisch, bzw. Picknickdecke zu bringen.
    Kann mir aber schon die Überpapis und Übermamis vorstellen:
    -Ob mir als Papa denn die Gesundheit meines Kindes egal wäre, denn ich bin auch ein schlechtes Vorbild: Ich fahre Motorrad, habe mir dabei auch schon heftig die Knochen gebrochen, mein MTB hat kein Licht, kein Rücktritt, keine Schutzbleche. Und ausserdem habe ich mit meinem Sohn ein Baumhaus gebaut, 7 meter hoch (er trägt dazu aber einen Klettergurt und hängt im Seil, hat die Technik so sicher drauf, dass ich noch nicht mal mehr dabei sein muss)... etc pp.

    Ja, mein Sohn hat sich auch schon mal weh getan, vielleicht auch mehr als der Durchschnitt. Aber ein Kind muss sich auch weh tun (dürfen), sonst lernt es ja nie die Gefahren einzuschätzen, und im Falle einer brenzligen Situation vernüftig, ohne Panik zu reagieren.
    Das gilt übrigens auch für Erwachsene, und nicht nur bei physischen Gefahren.

    Zugegeben, ich bis da sicher etwas locker. Hatte selber schon x Knochenbrüche, ein paar Bänder ab. War 8 Jahre, auf öffentlichen Spielplatz, da fehlte der Griff an der Wippe. Meine Eltern wären aber nie auf die Idee gekommen die Stadt zu verklagen.
    Wünsche, dass meinem Sohn das nicht passiert, aber es darf passieren. Denn ich habe ihn bewusst in die Welt (voller Gefahren) gesetzt, und werde ihm nicht den Spass am Leben nehmen, indem ich ihn in Watte packe.
  9. #48

    was ist die Überraschung?

    Aus der Perspektive eines Kindes:
    * bin ich unter 10, muss ich auf dem Gehweg fahren - ab 10 heißt es: ab, auf die Straße
    * Radwege müssen manchmal beiseitig, manchmal einseitig benutzt werden
    * Einbahnstraßen dürfen mal in Gegenrichtung befahren werden, mal nicht
    * Radwege (sind zwar laut gesetzlicher Definition straßenbegleitend), doch wenn sie mal rechts mal links der Fahrbahn angelegt sind, muss der Radfahrer warten
    usw....

    Zusammengefasst:
    Die Erwachsenen beweisen den Kindern täglich, wie wenig sie wissen, was sie wollen. Und dann soll man den Kindern übel nehmen, wenn sie verunsichert sind oder selbst eine eigene Entscheidung treffen?
  10. #49

    .

    Zitat von dosmundos Beitrag anzeigen
    Allerdings sähe der aufsichtsführende Lehrer auf einem Schulhof nun wirklich extrem blöd aus, wenn unter seinen Augen ein Kind vom Baum fällt oder sich auf einer selbstgebauten "Schleifetse" ein Bein bricht. Noch blöder dann die Erklärung "ich habe es zwar gesehen, aber die Kleinen müssen doch herumtoben und sich ausprobieren dürfen, oder?"
    Genau. Der aufsichtführende Lehrer stünde ziemlich dumm da. Deswegen verbietet er es. Die Folge ist jedoch, dass Kinder, die auf dem Schulhof nicht die Gefahr eingehen dürfen, sich auf einer Rutschbahn im schlimmsten Fall ein Bein zu brechen, anschließend auf Schnee und Eis den Heimweg antreten, und dort, untrainiert und ungelenkig wie sie dann nunmal sind, wesentlich eher mal ausrutschen. Und zwar auf die Straße. Direkt vor den LKW. Aber das macht ja nichts. Dort ist dann die Gemeinde oder der Anwohner schuld, der nicht ausreichend gestreut hat.

    Das simple Beispiel zeigt: Das System erzieht uns dazu, nicht zu fragen: Was müssen wir tun, um die Kinder optimal aufs Leben vorzubreiten? Sondern zu fragen: Was müssen wir tun, um nicht juristisch verantwortlich zu sein, wenn etwas schief geht?








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