Auch ich gehöre seit Fukushima zu den kernkraftkritischen Bürgern dieser Republik. Aber ich würde mich freuen, wenn wir auch den Rechtsstaat weiter aufrechterhalten - wenn man die Beiträge einiger Foristen liest, könnte man meinen, sie wollten das Faustrecht wieder einführen.
"Begründung der Konzerne: Allein aus aktienrechtlichen Gründen habe man kaum andere Möglichkeiten, als das von der Bundesregierung beschlossene Moratorium juristisch zu
prüfen und anzufechten"
Erstens stimmt das zumindest im allgemeinen - der Vorstand eines Konzerns hat Schaden für den Konzern abzuwenden, sonst macht er sich selbst haftbar. Im speziellen Fall hier finde ich es angemessen, ein Moratorium juristisch überprüfen zu lassen. Warum denn nicht? Wir
prüfen die Kraftwerke, wir
prüfen die Rechtsgrundlagen, usw. Auch wenn ich (wie wohl die Mehrheit) für einen Ausstieg aus der Kernkraft bin, so bin ich (ebenfalls wie wohl die Mehrheit) dagegen, wegen Fukushima nun die Dinge zu überstürzen.
"Die AKW-Betreiber wollen die Leistung ihrer Reaktoren sogar steigern. ... Denn mehr Leistung birgt Sicherheitsrisiken. "Es ist ein bisschen wie bei aufgemotzten Autos, die schneller kaputtgehen", sagte Wolfgang Renneberg..."
DAS halte ich in der Verkürzung für völligen Quatsch. Ein Kernkraftwerk besteht vereinfacht aus einem Reaktor und einer nachgeschalteten Dampfturbine. Zufällig weiß ich, dass der Turbinenteil bei manchen Reaktoren hoffnungslos veraltet ist und eine Erneuerung einen besseren elektrischen Wirkungsgrad (bis zu 10 Prozentpunkte, von 30% auf 40%) und damit eine erhebliche Steigerung der elektrischen Leistung (im Beispiel 33%) bringen kann. EIne solche Nachbesserung - also den Turbinenteil auf state-of-the-art aufzurüsten - kann nur sinnvoll sein, und niemand kann da ernsthafte Argumente dagegen aussprechen.
Ähnliche Verbesserungsmöglichkeiten - an Leistung wie Sicherheit - mögen an den Reaktoren selbst möglich sein. Seien wir doch mal ehrlich: die (aus heutiger Sicht zu Recht) ungeliebte Thematik Kernkraft hat in den letzten Jahrzehnten mit Sicherheit nicht dazu geführt, dass man sinnvolle Nachrüstungen immer gemacht hat. Im Gegenteil, die Bürokratie der Atombehörden hat solche Nachbesserungen mit Sicherheit eher erschwert.
Also: Ausstieg aus der Kernkraft: JA, und so schnell wie praktikabel möglich, aber bitte nicht "hysterisch". Und die Spiegel-Berichterstattung dieser Tage ist hysterisch hoch zehn!
Am Rande: ich erinnere mich auch an einen Spiegel-Titel zur "Verspargelung unserer Landschaft" durch Windkraftwerke. Die Spiegel-Redaktion scheint mir die wahre "Gegen-alles-Partei" zu sein...
Gerne sachliche Diskussion, ungern Trollerei.
C