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Kernkraftdebatte: Energieriesen*wollen gegen AKW-Abschaltung klagen

Die*großen deutschen*Stromkonzerne wehren sich gegen die Zwangspause von sieben AKW. Nach SPIEGEL-Informationen bereiten RWE und E.on Widersprüche und Schadensersatzforderungen gegen die Bundesregierung vor. Auch*in der Union wächst der Widerstand gegen die Atompolitik der*Kanzlerin.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...753294,00.html
  1. #110

    Enteignung der Energiekonzerne im Interesse des Staates

    Teile der Bundesregierung befürchten die Erhöhung der Energiepreise durch die Stromkonzerne. Man hatte, unter anderem um die Preiserhöhungen im Energiebereich zu dämpfen, die Verlängerung der Atomlaufzeiten durchgesetzt - mit dem Ergebnis, dass die Preise stark erhöht wurden.

    Es wird immer zu hemmungsloser Selbstbereicherung der Energiekonzerne kommen, egal ob wir den Atomausstieg vollziehen oder nicht.

    Allein schon deshalb sollte ein Gesetz geschaffen werden, das Schlüsselbranchen von nationalem Interesse definiert. Außerdem sollte in dem Gesetz geregelt werden, dass Unternehmen aus diesen Branchen verstaatlicht werden dürfen, wenn das Interesse des Gesamtwohls durch diese Unternehmen gefährdet ist. Energieversorgung, Krankenhäuser, Wasserversorgung sowie Eisenbahn müssten auf jeden Fall im Interesse der Bevölkerung in staatliche Hände kommen. Es kann nicht sein, dass wir alle zu Geiseln von ein paar Aktienbesitzern werden, die nur die Sprache des Geldes verstehen.
  2. #111

    [QUOTE=prandtner;7489626]Die Stromkonzerne haben juristisch vermutlich eine sehr gute

    Zitat von prandtner Beitrag anzeigen
    Die Stromkonzerne haben juristisch vermutlich eine sehr gute Chance, diese Schlacht zu gewinnen, allerdings um den Preis, den Krieg zu verlieren.

    Die Position der Regierung ist rechtlich wohl kaum haltbar. Sie beruft sich auch einen Notstand bzw. eine Gefahrensituation, die in Deutschland nicht bestand.

    Andererseits macht die Politik die Gesetze. Sie kann sich auch grundgesetzkonform das Geld spielend von den Stromkonzernen zurückholen und sie kann beliebigen Druck auf diese Konzerne ausüben. Das ist nur eine Frage des politischen Willens.

    Die Stromkonzerne wissen das auch und würden im Ernstfall den Schwanz einziehen.

    Diese ganzen Verlautbarungen dienen nur zu einem. Die Regierung bekommt eine Argumentationshilfe dafür, nach den Landtagswahlen das zu tun, was sie sowieso tun will: wieder anschalten und die Konzerne für die paar Wochen Stillhalten zu entschädigen. Mich würde nicht wundern, wenn ein solches Vorgehen hinter verschlossenen Türen sogar abgesprochen worden wäre.
  3. #112

    [QUOTE=prandtner;7489626]Die Stromkonzerne haben juristisch vermutlich eine sehr gute

    Gegenfrage: Warum sollten die Stromkonzerne eine gute Chance haben, mit einer Klage gegen den Atomausstieg des Schutzes ihrer Aktionäre wegen durchzukommen?

    Behauptung: Sie haben Null Chance, weil sie ihre Aktionäre über das - enorme - Risiko ihrer Geldanlage bei weitem nicht aufgeklärt haben und auch überhaupt nicht konnten. Also im Grunde eine arglistige Täuschung. Zu belegen letztlich durch Fukushima, so traurig es für die direkt Betroffenen sein wird.
  4. #113

    Habe ich nicht vergessen ..

    Zitat von senneka Beitrag anzeigen
    Brav nachgeplappert. Dass hier und woanders schon tausendfach über sinnvolle Alternativen geschrieben wurde, weißt du auch. Ebenso, wieviel uns der Atomirrsinn tatsächlich gekostet hat und noch einige tausend Jahre kosten wird.
    Du hast aber noch vergessen, dich zu beklagen, dass die Erdbeben-Opfer von den AKW - Gegnern nicht genug betrauert wurden.
    Ach ja, dass die sich über das Unglück wahlkampftechnisch klammheimlich freuen, fehlt auch noch.
    Besser, du versuchst es noch mal!
    Es interessiert mich relativ wenig, ob die AKW-Gegner trauern oder sich freuen. Sie waeren bloed, dass nicht auszunutzen und ich nehme es ihnen deshalb auch nicht uebel.

    Es waere wuenschenswert, wenn wir unseren Energiebedarf langfristig nur durch EE abdecken koennen. Wie sieht es zur Zeit aus? Es gibt Sonne, Wind, Wasser, Biomasse um die wichtigsten zu nennen. Im Bereich der Sonnenenergie sind tatsaechlich Fortschritte zu vermelden, als zumindest jetzt im Labor eine Effizienz von 40% erreicht wurde. Im kommerziellen Bereich sieht es eher duester aus mit einem Wirkungsgrad von ~15%. Wind? Schoen und gut - wenn er weht. Die Grenzen sind jedoch abzusehen, als zunehmend Unmut zu hoeren ist, wenn neben Anwohner A seinem Haeuschen sich eine Windmuehle zu drehen anfaengt. Das Landschaftsbild wird dadurch auch nicht besser. Wasser? Wohl kaum. Biomasse? Eher auch nicht.

    Ich sehe keine Grund von der Kernenergie abzuruecken. Wenn wir optimistisch sind, dass durch verstaerkte Forschung Spruenge bei der Nutzung alternativer Energien zu erwarten sind, warum sollte dann das gleiche Prinzip bei der Kernforschung nicht gelten? Mir waere es auf jeden Fall lieber, moderne und sichere AKWs zu bauen und zu exportieren anstatts zuzusehen, wie die Chinesen eins nach dem anderen hinstellen oder am Ende Atomstrom zu importieren.
  5. #114

    Kurzes Gedaechtnis

    Zitat von spiegelwatcher Beitrag anzeigen
    Allein schon deshalb sollte ein Gesetz geschaffen werden, das Schlüsselbranchen von nationalem Interesse definiert. Außerdem sollte in dem Gesetz geregelt werden, dass Unternehmen aus diesen Branchen verstaatlicht werden dürfen, wenn das Interesse des Gesamtwohls durch diese Unternehmen gefährdet ist. Energieversorgung, Krankenhäuser, Wasserversorgung sowie Eisenbahn müssten auf jeden Fall im Interesse der Bevölkerung in staatliche Hände kommen. Es kann nicht sein, dass wir alle zu Geiseln von ein paar Aktienbesitzern werden, die nur die Sprache des Geldes verstehen.
    Funktioniert praechtig. Ich weiss, es ist schon eine Weile her, aber in der DDR haben wir das schon mal probiert. Wissen Sie noch, wie das ausgegangen ist?
  6. #115

    Gemach, gemach - in der Ruhe liegt die Kraft

    Auch ich gehöre seit Fukushima zu den kernkraftkritischen Bürgern dieser Republik. Aber ich würde mich freuen, wenn wir auch den Rechtsstaat weiter aufrechterhalten - wenn man die Beiträge einiger Foristen liest, könnte man meinen, sie wollten das Faustrecht wieder einführen.

    "Begründung der Konzerne: Allein aus aktienrechtlichen Gründen habe man kaum andere Möglichkeiten, als das von der Bundesregierung beschlossene Moratorium juristisch zu prüfen und anzufechten"

    Erstens stimmt das zumindest im allgemeinen - der Vorstand eines Konzerns hat Schaden für den Konzern abzuwenden, sonst macht er sich selbst haftbar. Im speziellen Fall hier finde ich es angemessen, ein Moratorium juristisch überprüfen zu lassen. Warum denn nicht? Wir prüfen die Kraftwerke, wir prüfen die Rechtsgrundlagen, usw. Auch wenn ich (wie wohl die Mehrheit) für einen Ausstieg aus der Kernkraft bin, so bin ich (ebenfalls wie wohl die Mehrheit) dagegen, wegen Fukushima nun die Dinge zu überstürzen.

    "Die AKW-Betreiber wollen die Leistung ihrer Reaktoren sogar steigern. ... Denn mehr Leistung birgt Sicherheitsrisiken. "Es ist ein bisschen wie bei aufgemotzten Autos, die schneller kaputtgehen", sagte Wolfgang Renneberg..."

    DAS halte ich in der Verkürzung für völligen Quatsch. Ein Kernkraftwerk besteht vereinfacht aus einem Reaktor und einer nachgeschalteten Dampfturbine. Zufällig weiß ich, dass der Turbinenteil bei manchen Reaktoren hoffnungslos veraltet ist und eine Erneuerung einen besseren elektrischen Wirkungsgrad (bis zu 10 Prozentpunkte, von 30% auf 40%) und damit eine erhebliche Steigerung der elektrischen Leistung (im Beispiel 33%) bringen kann. EIne solche Nachbesserung - also den Turbinenteil auf state-of-the-art aufzurüsten - kann nur sinnvoll sein, und niemand kann da ernsthafte Argumente dagegen aussprechen.

    Ähnliche Verbesserungsmöglichkeiten - an Leistung wie Sicherheit - mögen an den Reaktoren selbst möglich sein. Seien wir doch mal ehrlich: die (aus heutiger Sicht zu Recht) ungeliebte Thematik Kernkraft hat in den letzten Jahrzehnten mit Sicherheit nicht dazu geführt, dass man sinnvolle Nachrüstungen immer gemacht hat. Im Gegenteil, die Bürokratie der Atombehörden hat solche Nachbesserungen mit Sicherheit eher erschwert.

    Also: Ausstieg aus der Kernkraft: JA, und so schnell wie praktikabel möglich, aber bitte nicht "hysterisch". Und die Spiegel-Berichterstattung dieser Tage ist hysterisch hoch zehn!

    Am Rande: ich erinnere mich auch an einen Spiegel-Titel zur "Verspargelung unserer Landschaft" durch Windkraftwerke. Die Spiegel-Redaktion scheint mir die wahre "Gegen-alles-Partei" zu sein...

    Gerne sachliche Diskussion, ungern Trollerei.

    C
  7. #116

    Sorry...

    Zitat von spiegelwatcher Beitrag anzeigen
    ...
    Es wird immer zu hemmungsloser Selbstbereicherung der Energiekonzerne kommen, egal ob wir den Atomausstieg vollziehen oder nicht.
    Genosse, wer sagt Ihnen, dass nur Konzerne und Aktionäre sich bereichern. Gab's da nicht im vollverstaatlichten Land der Arbeiter und Bauern auch ein paar, die gleicher waren als die anderen?

    Zitat von spiegelwatcher Beitrag anzeigen
    ...
    Allein schon deshalb sollte ein Gesetz geschaffen werden, das Schlüsselbranchen von nationalem Interesse definiert.
    Zustimmung. Nur wird's dadurch garantiert nicht billiger. Die deutsche Post, die Telekom, die Bahn - alles ehemals staatliche Monopolisten, jetzt private Monopolisten. Waren die jemals billig? Nein, billiger wird es durch wirkungsvollen Wettbewerb (und echter Wettbewerb wurde in den drei obigen Beispielen nur im Fall der Telekom eingeführt).

    Zitat von spiegelwatcher Beitrag anzeigen
    ...
    Es kann nicht sein, dass wir alle zu Geiseln von ein paar Aktienbesitzern werden, die nur die Sprache des Geldes verstehen.
    Wer sagt Ihnen, dass das nur ein paar sind? Die RWE zum Beispiel hat über 500 Millionen Aktien, und die sind ganz sicher nicht in der Hand einiger weniger Aktionäre. Sie könnten selbst dazu gehören, eine Aktie kostet deutlich weniger als 50 EUR. Und noch eine Frage: wenn Sie ihr Geld zur Bank bringen, erwarten Sie auch Zinsen, oder? Und Sie verstehen doch deshalb nicht nur die Sprache des Geldes, oder?

    Also bitte keine Fronten aufbauen, wo keine sind. Die Konzerne liefern doch nur das, was der Kunde kauft, und werden regelmäßig genau dafür abgewatscht.
  8. #117

    What's new?

    Zitat von Oly-Rekord Beitrag anzeigen
    Gegenfrage: Warum sollten die Stromkonzerne eine gute Chance haben, mit einer Klage gegen den Atomausstieg des Schutzes ihrer Aktionäre wegen durchzukommen?

    Behauptung: Sie haben Null Chance, weil sie ihre Aktionäre über das - enorme - Risiko ihrer Geldanlage bei weitem nicht aufgeklärt haben und auch überhaupt nicht konnten. Also im Grunde eine arglistige Täuschung. Zu belegen letztlich durch Fukushima, so traurig es für die direkt Betroffenen sein wird.
    Früher hätte man einen Bock gefunden, ihm alle Sünden der Welt angedichtet und ihn dann barbarisch umgebracht. Danach wäre die Welt wieder ein wenig gerechter. Gefühlt zumindest.
  9. #118

    Danke

    Zitat von chatter Beitrag anzeigen
    Auch ich gehöre seit Fukushima zu den kernkraftkritischen Bürgern dieser Republik. Aber ich würde mich freuen, wenn wir auch den Rechtsstaat weiter aufrechterhalten - wenn man die Beiträge einiger Foristen liest, könnte man meinen, sie wollten das Faustrecht wieder einführen.

    "Begründung der Konzerne: Allein aus aktienrechtlichen Gründen habe man kaum andere Möglichkeiten, als das von der Bundesregierung beschlossene Moratorium juristisch zu prüfen und anzufechten"

    Erstens stimmt das zumindest im allgemeinen - der Vorstand eines Konzerns hat Schaden für den Konzern abzuwenden, sonst macht er sich selbst haftbar. Im speziellen Fall hier finde ich es angemessen, ein Moratorium juristisch überprüfen zu lassen. Warum denn nicht? Wir prüfen die Kraftwerke, wir prüfen die Rechtsgrundlagen, usw. Auch wenn ich (wie wohl die Mehrheit) für einen Ausstieg aus der Kernkraft bin, so bin ich (ebenfalls wie wohl die Mehrheit) dagegen, wegen Fukushima nun die Dinge zu überstürzen.

    "Die AKW-Betreiber wollen die Leistung ihrer Reaktoren sogar steigern. ... Denn mehr Leistung birgt Sicherheitsrisiken. "Es ist ein bisschen wie bei aufgemotzten Autos, die schneller kaputtgehen", sagte Wolfgang Renneberg..."

    DAS halte ich in der Verkürzung für völligen Quatsch. Ein Kernkraftwerk besteht vereinfacht aus einem Reaktor und einer nachgeschalteten Dampfturbine. Zufällig weiß ich, dass der Turbinenteil bei manchen Reaktoren hoffnungslos veraltet ist und eine Erneuerung einen besseren elektrischen Wirkungsgrad (bis zu 10 Prozentpunkte, von 30% auf 40%) und damit eine erhebliche Steigerung der elektrischen Leistung (im Beispiel 33%) bringen kann. EIne solche Nachbesserung - also den Turbinenteil auf state-of-the-art aufzurüsten - kann nur sinnvoll sein, und niemand kann da ernsthafte Argumente dagegen aussprechen.

    Ähnliche Verbesserungsmöglichkeiten - an Leistung wie Sicherheit - mögen an den Reaktoren selbst möglich sein. Seien wir doch mal ehrlich: die (aus heutiger Sicht zu Recht) ungeliebte Thematik Kernkraft hat in den letzten Jahrzehnten mit Sicherheit nicht dazu geführt, dass man sinnvolle Nachrüstungen immer gemacht hat. Im Gegenteil, die Bürokratie der Atombehörden hat solche Nachbesserungen mit Sicherheit eher erschwert.

    Also: Ausstieg aus der Kernkraft: JA, und so schnell wie praktikabel möglich, aber bitte nicht "hysterisch". Und die Spiegel-Berichterstattung dieser Tage ist hysterisch hoch zehn!

    Am Rande: ich erinnere mich auch an einen Spiegel-Titel zur "Verspargelung unserer Landschaft" durch Windkraftwerke. Die Spiegel-Redaktion scheint mir die wahre "Gegen-alles-Partei" zu sein...

    Gerne sachliche Diskussion, ungern Trollerei.

    C
    Ihr Beitrag war erfrischend zu lesen. Zumindest vereinzelt ist noch logisches Denken moeglich.
  10. #119

    Verstaatlichung der Energiewirtschaft

    Zitat von objection Beitrag anzeigen
    Funktioniert praechtig. Ich weiss, es ist schon eine Weile her, aber in der DDR haben wir das schon mal probiert. Wissen Sie noch, wie das ausgegangen ist?
    Ja, ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in der DDR alles, aber auch wirklich alles in staatlichen Händen war. Von den Wohnungen in den Plattenbauten angefangen über die Lebensmittelgeschäfte bis hin zur Fluggesellschaft der DDR. Dies ist gründlich in die Hose gegangen.

    Es gab aber auch einmal Zeiten in der Bundesrepublik, als Bahn, Wasserversorgung, Post und Energie in staatlichen Händen waren und all diese Dinge haben im Gegensatz zu heute hervorragend funktioniert.

    Wenn man sich dafür einsetzt, dass lebenswichtige, für die Gesamtheit der Bevölkerung notwendige Dinge in hoheitlicher Verantwortung des Staates liegen, heißt das doch noch lange nicht, dass man ein Sozialist ist.


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