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Keith Jarrett live in Rio: Großer Rausch,*grausam erarbeitet

Endlich! Piano-Asket Keith Jarrett*legte in Rio de Janeiro einen Solo-Auftritt hin, der in Strenge, Schönheit und Perfektion seinem legendären "Köln Concert" vor 36 Jahren glich. Jens Glüsing war Zeuge des Ereignisses, das jetzt als Live-Album erschienen ist.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...806123,00.html
  1. #1

    Eine Hoffnung, dass wir in Rio einen jener grandiosen Auftritte erleben würde, wie Keith Jarrett sie alle paar Jahrzehnte hinlegt, wenn er solo spielt.
    Alle paar Jahrzehnte? Klingt so, als wäre der Mann 100. Der Artikel extrem reißerisch, das Konzert nach den Ausschnitten zu Urteilen nicht eines seiner ganz großen.
  2. #2

    Glüsing´s Rio

    Im Gegensatz zum Autor war ich nicht "live" anwesend. Ich kenne aber recht genau die CD Rio. Es ist wohl offensichtlich, dass eine Live-Performance ein eigenes Aura entwickelt. Diese wird bei der CD nicht transportiert.
    Zeilen wie:
    .......Keith Jarretts Solokonzerte sind zu hundert Prozent improvisiert, sie sind ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Sie enden als Flop - oder sie beschwören einen jener raren Momente der Einheit von spiritueller Wahrheit, die selbst Atheisten als göttlich bezeichnen würden. "

    treffen aber kaum den Punkt. Vergleiche zu dem legendären " Köln Concert" , ein unwiederholbarer einmaliger Meilenstein und Höhepunkt des Pianisten Jarrett sind jedoch zu weit gefasst und deutlich übersetzt. Auf der unendlichen Suche scheint der Meister zwar angestrengt inspiriert, aber dennoch seltsam müde, verbraucht und leer. Das Spiel ist unbedeutend.
    Bei der Kommentierung scheint einem begeisterten Fan einfach die Zügel durch gegangen zu sein. Rio ist letztlich mehr Richtung Durchschnitt. Manchem Teilnehmer oder gar Absolventen eines Meisterkurses sollte man bei dessen Improvisations---Übungen sein Gehör schenken und käme deutlich mehr auf seine Kosten.
  3. #3

    Stimme zu!

    Stimme Ihrem Beitrag zu - gut formuliert, danke!
    Bin Keith Jarrett Fan, aber diesmal nicht.
    Der Meister klingt muede und teilweise einfallslos, bis hin zu trivial.
    Ein Vergleich zum Koeln Konzert ist auf keinen Fall angebracht!

    Es muessen ja auch nicht Vergleiche sein - muss sich alles in Schubladen "so wie", "besser als", "in Bestform", "Flop" einordnen lassen, wie auch im Sport... anstatt es zu nehmen wie es ist?
    Ein Tagesereignis, ein Versuch mit seiner Kreativitaetsquelle , dem Ort und Wetter, sowie dem Publikum in Resonanz zu treten. Punkt, und wem's gefaellt, dem soll's gefallen.

    Das Rio Concert als das zu nehmen, das es war - als Event - ist sicher eines Artikels wert, aber es als Jahrzehnte-Ereignis zu lobpreisen und gar mit dem Koeln Concert zu vergleichen, nicht.

    Zitat von ollux Beitrag anzeigen
    Im Gegensatz zum Autor war ich nicht "live" anwesend. Ich kenne aber recht genau die CD Rio. Es ist wohl offensichtlich, dass eine Live-Performance ein eigenes Aura entwickelt. Diese wird bei der CD nicht transportiert.
    Zeilen wie:
    .......Keith Jarretts Solokonzerte sind zu hundert Prozent improvisiert, sie sind ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Sie enden als Flop - oder sie beschwören einen jener raren Momente der Einheit von spiritueller Wahrheit, die selbst Atheisten als göttlich bezeichnen würden. "

    treffen aber kaum den Punkt. Vergleiche zu dem legendären " Köln Concert" , ein unwiederholbarer einmaliger Meilenstein und Höhepunkt des Pianisten Jarrett sind jedoch zu weit gefasst und deutlich übersetzt. Auf der unendlichen Suche scheint der Meister zwar angestrengt inspiriert, aber dennoch seltsam müde, verbraucht und leer. Das Spiel ist unbedeutend.
    Bei der Kommentierung scheint einem begeisterten Fan einfach die Zügel durch gegangen zu sein. Rio ist letztlich mehr Richtung Durchschnitt. Manchem Teilnehmer oder gar Absolventen eines Meisterkurses sollte man bei dessen Improvisations---Übungen sein Gehör schenken und käme deutlich mehr auf seine Kosten.
  4. #4

    Wer will !

    Der Artikel ist sicherlich für Fans nachvollziehbar, jedoch sehr episch ...

    Allerdings sind die weitaus meisten Stücke des RIO-Konzerts - auch für wirkliche Fachleute - großartig.

    Und wer will, der kann sich verzaubern lassen, wie bei großer Kultur immer. Es ist für fast jede(n) etwas dabei, ohne dass das Konzert beliebig erscheint. Es ist, wie im Artikel geschrieben, ernsthaft und trotzdem oder gerade deshalb so wunderbar leicht.

    Kunst hat eben doch ganz viel mit Können und Kennen zu tun.

    Wie gesagt: Wer will ...
  5. #5

    Keith Jarrett

    Zitat von davinci66 Beitrag anzeigen


    Kunst hat eben doch ganz viel mit Können und Kennen zu tun.

    Wie gesagt: Wer will ...
    Ich bin nicht sicher , ob solcherlei chauvinistische Attitüden ohne bewiesenen Hintergrund einer Antwort bedürfen, dennoch möchte ich (nach nochmaligen Anhören der CD Rio) antworten.
    Ihren Eindruck und die der ungenannten Kritiker( hoffentlich beziehen Sie sich nicht auf Eisele) kann ich nicht teilen.

    Ich erinnere beispielsweise an Martha Agarich´s Eklat beim Chopin Wettbewerb 1980 in der unterschiedlichen Bewertung des grossartigen, aber durchaus disskusionswürdigen Ivo Pogorelich.
    Was ich damit sagen will, sollte klar sein: Die Gedanken, aber auch eine Einschätzung sind frei und ich wiederhole gerne: ich kann zur Zeit bei Jarrett Spiel leider keine Wunderkerzen erkennen! Ich wäre aber auch im Gegenzug nicht imstande, Ihre vorgebliche Kenntnis anzuzweifeln, sondern lasse sie mal ungeprüft im Raume stehen. Ich denke, damit gestatten Sie uns einen gegenseitigen Gefallen.

    Zu Keith Jarrett´s Rio
    Dennoch WILL ich K. J. nicht die Anerkennung für seine Bemühung versagen, zumal er selbst nach eigenem Vortrag "Rio" als sein bestes Werk der letzten Zeit ansieht! :)

    Irgendwie fällt mir dazu eine phantastische Karrikatur Olaf Leonhard Gulbranssons ein: Der Titel lautet: Eigene Brut hat Wucht.

    Mag der eine oder andere etwas Nachhaltiges im Spiel für sich erkennen. Für meinen Geschmack ist dies aber zu wenig. Da gibt es deutlich Besseres!
  6. #6

    CD ist grausam!

    durch Ihren artikel angeregt und mit der hoffnung
    das es ein 2. Koeln Concert ist, habe ich mir Rio
    gekauft.

    es war fuer mich eine furchtbare enttaeuschung.
    gleichwohl technisch brilliant, die stuecke bilden
    hintereinander oder zusammen keinerlei einheit
    wie es in Koeln der fall war (ausnahme Part IIc).
    wenn KJ zerissen ist, dann spiegelt Rio es wieder.

    ganz furchtbar ist aber , das es es keine
    ausklaenge mehr gibt, fast alle stuecke
    sind mit einem applaus der wie unmittelbar
    wie eine keule einschlaegt "kaputt" gemacht.

    es mag ja live anders gewesen sein und in Koeln hat ECM
    entweder den applaus rausgeschnitten oder das Koelner
    publikum hat einfach mehr die tiefe gespuert oder
    (deutsche) zurueckhaltung geuebt, aber Rio schlaegt
    in mir keine saite an.

    werde nun Rio von einem profi schneiden lassen und
    mir alle stuecke ohne publikum (abgesehen nach part 15)
    nochmals anhoeren. vielleicht empfinde ich es dann wie
    Sie.
  7. #7

    Aber nein...

    Warum liest man eine solche Kritik/ einen solchen Konzertbericht? Weil ich selber nicht im Konzert war und auch die CD noch nicht gehört habe. Indem ich das lese, erhoffe ich eine erste Mitteilung davon zu erhalten. Aber das bleibt natürlich etwas Sekundäres.

    Durch die neuen Medien wird man dazu verführt, sich irgendwelche Soundclips anzuhören, und auch damit tut man sich wirklich keinen Gefallen.

    An den Beiträge erstaunt dann das fast durchweg Geschmäklerische. Das Konzert ist "nicht eines seiner ganz großen", der Meister ist "zwar angestrengt inspiriert, aber dennoch seltsam müde, verbraucht und leer. Das Spiel ist unbedeutend. (...) Rio ist letztlich mehr Richtung Durchschnitt." "Da gibt es deutlich Besseres." So,so....

    Und der ewige Vergleich mit dem Köln Concert. Wer Köln Concert hören will, soll Köln Concert hören... Es sind beinahe 40 Jahre vergangen, die man zuerst mal denken müßte... Ein solche Konzert ist ein Statement zur Gegenwart und die Form ist auf ihre Art auch organisch, Gemütszustände, Momentaufnahmen, Notizen... die miteinander verbunden sind.

    Ich sehe die Aussage von Mr. Jarrett, daß es ein gelungenes Konzert gewesen sein soll, eher als eine Herausforderung an mich als Zuhörer. Wo ist das Geheimnis?
  8. #8

    Epilog fuer Interessierte

    Zitat von Anvil2k8 Beitrag anzeigen
    werde nun Rio von einem profi schneiden lassen ... vielleicht empfinde ich es dann wie Sie.
    Cool Edit Pro
    -------------
    1.
    bei allen tracks den finalen applaus direkt nach
    dem letzten hoerbaren klavierton abschneiden.

    2.
    den applaus am ende von Part 1
    (ca 2 sec nach dem letzten klatscher)
    an den anfang von Part 1 setzen =
    smoothes intro.

    3.
    mit dem applaus vom ende Part 12
    den des von Part 15 ersetzen = smoothes extro.

    4.
    tracks (ohne pause dazwischen) speichern

    ich versichere Ihnen einen nun gigantischen hoergenuss!
  9. #9

    sehe das mir ein kleiner fehler unterlaufen ist-
    bitte
    1. bei allen tracks den finalen applaus direkt nach dem letzten hoerbaren
    klavierton abschneiden.

    durch
    1. bei allen tracks den finalen applaus direkt nach dem letzten hoerbaren
    klavierton abschneiden und (ausser bei Track 15, siehe 2.)
    durch 5 sec silence ersetzen.








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