Bestimmt ist detailliert messbar, inwiefern Werbung zur Steigerung der Verkaufszahlen und damit zur Steigerung des Umsatzes beiträgt, aber ist damit auch eine Wertschöpfung einhergegangen? Eine echte Wertschöpfung liegt schließlich nur vor, wenn durch die Tätigkeit Waren oder Dienstleistungen erschaffen oder verbessert wurden. So liegt z.b. die Wertschöpfung des Einzelhändlers in seiner Lagerhaltung, denn ein Schokoriegel am Kiosk um die Ecke, der für mich jederzeit verfügbar ist, hat einen größeren Nutzwert als einer, der erst nach drei Tagen geliefert wird, deshalb bin ich auch bereit, dafür mehr zu bezahlen. Aber welche Ware oder Dienstleistung wird denn durch Werbung besser? Erst einmal keine, das beworbene Produkt wird durch Werbung nicht verändert.
Jetzt könnte man für die Werbung abstrakter argumentieren und sagen, in einem freien Markt muss jeder Marktteilnehmer Zugang zu allen Preis- und Produktinformationen haben, um optimale Ressourcenallokation und damit maximalen Gesamtwohlstand zu erreichen, und Werbung trägt dazu bei und schafft so indirekt einen Mehrwert, weil der Rezipient mit den neuen Informationen seine Wertschöpfung vergrößern kann.
Aber diese Argumentation kann nur gelten, wenn in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der durch Werbeinformationen geschaffene Mehrwert den Aufwand für die Werbung übersteigt. Das dürfte allerdings zu bezweifeln sein, da nicht das Produkt mit den besten Produktinformationen gekauft wird, sondern laut ihrer Aussage das, das "mit maximalem Werbedruck penetriert" wurde.
Also schafft Werbung eine lokale Gewinnmaximierung auf Kosten des Gesamtwohlstandes, es liegt also ein Nash-Gleichgewicht vor, also ein nichtoptimaler Zustand, der nur verlassen werden kann, wenn alle Teilnehmer ihr Verhalten ändern. Dies ist eine klare Form von Marktversagen, die sich auch plausibel begründen lässt, denn der ideale Markt geht von allgemeiner Markttransparenz aus, d. h. jeder kennt alle Produkte und deren Vor- und Nachteile. Werbung verzerrt aber die Transparenz, da nur bestimmte Produkte und auch nur deren Vorteile beworben werden.
Werbung schafft keine Wertschöfpung, sondern verhindert sie sogar, und das in zweifacher Hinsicht, denn erstens verhindert sie die Wohlstandsoptimierung und zweitens muss die restliche Volkswirtschaft ja auch die Waren und Dienstleistungen produzieren, die die Werber konsumieren. Damit ist es aus volkswirtschaftlicher Sicht eigentlich gut und sinnvoll, Werber so schlecht wie möglich zu bezahlen.

Antworten / Zitieren

