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Karrieremesse: Wie Deutschlands Firmen*Bewerber hofieren

Stundenlang*Stellenanzeigen lesen? Wochenlang warten, bis die Firmen auf eine Bewerbung antworten? Für Ingenieure und andere Fachkräfte sind diese Zeiten vorbei: Deutschlands Unternehmen wetteifern um die besten Leute - auf der Hannover Messe umwerben sie selbst Praktikanten und Studenten.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...755697,00.html
  1. #70

    Zitat von gonzago.mabuse Beitrag anzeigen
    Mein Eindruck ist der dass z.B. in der Schweiz eine Menge Positionen mit Leuten aus der klassischen Berufsausbildung besetzt werden, die in Deutschland aus irgendeinem Grund Akademiker sein müssen.
    Sehe ich genau so. Ich stoße immer auf Stellenausschreibungen für Netzwerkadministratoren, die sich erfahrungsgemäß um etwa 6 - 7 Server sowie ca. 30 Arbeitsplatzrechner kümmern müssen. Anforderungsprofil: Dipl. Informatiker oder Informatiker mit Master-Abschluss. Dabei kann diese Arbeit jeder erledigen, der eine entsprechende Ausbildung sowie etwa 5 Jahre Berufserfahrung hinter sich hat. Ich selber musste mich mal in meiner ehemaligen Firma um 4 Server und etwa 12 Arbeitsplatzrechner kümmern. Lief alles reibungslos und ich hab das nicht mal gelernt sondern mir selber beigebracht.

    Aber so isser halt, der Deutsche. Immer alles mit Diplom und selbst wenn es sich um die Toilettenreinung handelt. Da braucht man halt einen Dipl. Chemiker, wegen der "gefährlichen" Reinigungsmittel.
  2. #71

    Kann ich bestätigen

    Zitat von sponner_hoch2 Beitrag anzeigen
    Nana, jetzt machen sie den Fehler, den Sie dem Spiegel unterstellen: Keine Recherche. Sie schließen nur von ihrem Umfeld auf die Gesamtsituation. Das könnte ich auch. Ich kenne einige Ingeniere und Wirt.-Ings. (bin selber weder das eine noch das andere), und die haben alle recht schnell nach dem Abschluß (Diplom) eine unbefristete Stelle gefunden, die im Minimum mit einem Jahressalär im oberen Bereich der 40.000 EUR dotiert ist, die Hälfte von denen hat eine fünf vorne stehen. Und zum Teil wurde die von den Unternehmen bereits vor dem Abschluß umworben. Natürlich, dafür muß man sich den Unternehmen vor dem Abschluß auch auf die eine (Praktikum) oder andere Art bekannt machen.

    Die hatten alle Praktika, und das bekamen auch alle bezahlt, zum Teil sogar recht ansehnlich (also deutliche jenseits 800 EUR / Monat).
    Aber das verwundert mich auch nicht, selbst Praktika im Bereich BWL sind in den allermeisten fällen bezahlt (vielleicht nicht gerade, wenn man "irgendwas mit Medien" machen will oder es einem sonst irgendwie auf trendy-sexy ankommt), und von Studenten dieser Fachrichtung gibt es nun wirklich eine ganze Menge, auch im Verhältnis zu den vorhandenen Stellen.

    Ich halte dieses ganze "Generation Prkatikum" getue eh für eine aufgebauschte und nicht wirklichkeitsnahe Medienblase. Nicht, dass ich böse Absicht unterstelle - aber ein Großteil der Leute im Journalismus kommt nun mal aus Medien- und Geisteswissenschaftlichen Studiengängen, für die die Joblage in der Tat nicht ganz so einfach ist (aber auch noch nie war). Wenn man sich dann nur in diesem Umfeld bewegt, bekommt man natürlich nur "Generation Praktikum"-Menschen mit und denkt, das ist überall so.
    Kann ich bestätigen. Konnte mir vor 3 Jahren mit Diplom (eins der letzten vor Bacheloreinführung) in E-Technik quasi den Großkonzern aussuchen, bin mit 42000€ Gehaltsvorstellung (hab den IG-Metall-Durchschnitt als Massstab genommen) in die Vorstellungsgespräche gegangen und habe letzten Endes deutlich darüber verdient,bei erstklassigen Arbeitsbedingungen (Lehrgänge, Arbeitszeit,...). Vielen, mit denen ich studiert habe, ging es ähnlich. Hatte übrigens keine Auslandserfahrung vorher, habe allerdings während des Studiums berufsnah in der Industrie gearbeitet (zu ebenfalls guten Konditionen).
  3. #72

    Wirtschafts-"Ingenieure"

    Sind Wirtschafts-Ingenieure Ingenieure?
    Ja... da wo die Zitronenfalter die Zitronen falten!


    Ich würde diesen Studiengang eher als WiWi mit ein bisschen Technik-Background bezeichnen. (Aber bitte nicht zu viel...)

    Entsprechend ist auch der Habitus in diesem Studiengang. Eine Tube Haargel reicht da gerade mal 1 Woche ;)
  4. #73

    Freie Wahl des Studiums

    Zitat von leserin79 Beitrag anzeigen
    Es gibt sehr viele Stellen im Bereich BWL, allerdings wie schon beschrieben, erhält man erst Wochen später oder auch gar keine Antwort auf Bewerbungen.
    Um das noch zu erwähnen:
    Die Jobsuche über Zeitarbeitsfirmen läuft ohne Probleme.
    Allerdings ist die Zeitarbeit nicht mein priorisiertes Ziel, wie man sich vielleicht denken kann.
    Die freie Wahl des Studienfaches heisst auch, dass man die freie Wahl hat sich ins Unglück zu stürzen.
    Ich will natürlich keine diktatorischen Strukturen, bei der man seinen Beruf nicht frei wählen darf. Natürlich bin ich froh jetzt gerade Masch.-bauer statt WiWi zu sein.
    Aber es ist doch schon sehr verblüffend, dass sowohl angehende BWL-Studenten (die vor der Wahl des Studienfaches stehen) als auch Dipl. Betriebswirte (aka. "Manager") den Zusammenhang zwischen Angebot (Betriebswirte auf dem Arbeitsmarkt) und Nachfrage (zu besetzende Stellen) nicht verstehen....
    Konnte man nach dem Abi doch nicht ahnen. Haben sich doch alle für BWL entschieden, weil es vermutlich eine so hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt gab, oder??? Oder waren es doch eher die verlockenden Aussichten, die einem die Medien immer wieder vorführen? Klar, in den Fernsehserien und Doku-Soaps sieht man auch immer nur den "Event-Manager" oder den "CEO of Schießmichtot". (Und komm mir jetzt keiner, dass er als 19 jähriger Abiturient den Wirtschaftsteil der FAZ glesen hätte... pfffft). Der Controler, der in der dunklen Ecke sitzt, Zahlenkollonen aufaddiert und mit seiner Yukkapalme spricht ist halt total unsexy.
  5. #74

    ...

    Bin ich der einzige, der dieses Praktikaverfahren für eine WinWin-Situation hält?

    Ich habe das Glück im meinem aktuellen Studium zwei bezahlte Praktika machen zu dürfen. Die Bezahlung reicht nicht zum überleben, das ist wahr, aber ich habe einen kleinen Nebenverdienst und kann Berufserfahrung sammeln, welches sich im Lebenslauf natürlich auch gut macht.

    Für die Firma ist dieses Verfahren natürlich ein Segen aus zweierlei Hinsicht:
    1.) Billige Arbeitskraft. Ist halt nun einmal so.
    2.) Risikominimierung bei Arbeitereinstellungen.
    Bei Vollzeitbewerbungen von diversen Leuten kannst man nicht vorher wissen wie er arbeitet, ob er auch zuverlässig und kompetent ist. Durch den befristeten Praktikantenvertrag sparen sich die Firmen teure Assesment-Center. Wenn man dann als Praktikant überzeugt, hat man dann quasi schon einen Fuss in der Firma drin.

    Zitat von leserin79 Beitrag anzeigen
    Nun ja, darüber kann ich ehrlich gesagt nur lachen.
    Wo ist der Fachkräftemangel?
    Ich bin BWLer... 1er Diplom... Auslandserfahrung, Praktika bei den größten dt. Unternehmen, 2 Jahre Berufserfahrung im Marketing.

    Über 50 Bewerbungen... und genau das ist meine Realität gerade:

    "Stundenlang Stellenanzeigen lesen? Wochenlang warten, bis die Firmen auf eine Bewerbung antworten?"
    Das wirft auch gleichzeitig eine Frage bei Ihrer Situation auf. Sie haben ja bereits 2 Praktika in großen Unternehmen gemacht. Und da Sie ein 1er Diplom haben gehe ich auch davon aus, dass Sie verantwortungsbewusst und gut arbeiten können. Warum probieren Sie es nicht mit Bewerbungen bei diesen zwei Firmen wo Sie schon Praktikum gemacht haben? Gefällt Ihnen die Firma vielleicht nicht? Dann können Sie ja trotzdem dort anfangen und später springen. In meinen Augen besser als weiter Bewerbungen zu schreiben.

    Bei den 50 Bewerbungen waren bestimmt auch mittelständische Unternehmen dabei. Normalerweise kommt es da immer mit so einem Zeugnis zum Bewerbungsgspräch...

    Aber dann noch ein, zwei Worte zum Topic:
    Ich finde diese Messen super, weil sich beide Seiten sofort ein Bild voneinander machen können. Bei Berufseinsteigern wird weniger auf Skills und Knowledge geachtet, sondern eher darauf, ob diese Person in die Unternehmenskultur passt und ob dieser Bewerber motiviert und lernbereit ist.
  6. #75

    alles Quatsch

    hofiert werden nur die Steuerberater und die Aktionäre.
    Zahlen, das ist es was zählt.
    Human Ressources sind ein notweniges Übel.
    Wenn endlich der tag kommt an dem alles automatisiert ist, dann haben wir alle wieder mehr Freizeit.
    Die Arbeitgeber haben es geschafft ein Klima der Angst zu schaffen in dem man sich einfach alles bieten lässt um den Job zu behalten.
    Irgendwelches Elitegeklüngel mag es ja geben aber für uns Bodensatz sieht die Realität, wie der größte Teil der Posts hier zeigt, gaaaaaanz anders aus.
    Gute Nacht.
  7. #76

    .

    Zitat von shaim74 Beitrag anzeigen
    wenn hochtief so dringend leute sucht, dann sollten sie erstmal bewerbungen welche seit 4 wochen in ihrem pool rumgeistern auch mal beantworten, oder dem computer sagen er solle eine standartantwort raushauen. gerade bei hochtief solutions hatte ich mich mal als ing beworben, leider nie was von denen gehört.
    Ja, aber Sie haben sich ja wahrscheinlich auch nicht als Praktikant beworben, sondern wollen bezahlt werden. Da könnte ja jeder kommen.
  8. #77

    alles eine frage der flexibilität

    Zitat von stefansaa Beitrag anzeigen
    fachkräftemangel gibt es sehr wohl. Jedoch nicht unbedingt im Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen sondern eher im Bereich Elektrotechnik.

    Ich habe mittlerweile recht viele Mittelständler in Deutschland betreut und vor allem die elektrotechnischen Unternehmen suchen dringends (überall in dtld) nach neuen mitarbeitern, da die wenigen vorhandenen von den konzernen abgefischt werden. Es ist generell ein problem, dass die großkonzerne die wirklich guten leute sowieso wegrekrutieren und der mittelstand auf der strecke bleibt.

    Ich kenne mittlerweile recht viele firmen die wirklich händeringend nach fachkräften (it, elektrotechnik etc. pp.) suchen, da sie eben nicht die entsprechenden konditionen wie ein großkonzern sie bietet bereitstellen können. Wobei ich aus der bisherigen Erfahrung her sagen kann, dass diejenigen, die gute Arbeit leisten auch im mittelstand in einer 10-Mann Firma sehr gut verdienen können.

    Leider werden in solchen Artikeln meist zeitarbeitsfirmen (hahaha) oder eben großkonzerne betrachtet und der mittelstand bleibt häufig aussen vor.

    (mittelstand ist gemeint: bis 250 Mitarbeiter )
    Da sollten sich die Firmen vielleicht mal auf das besinnen, was sie sonst gern süffisant predigen, nämlich Flexibilität. Wer die Stellenanzeigen für Jobs im Bereich Elektrotechnik (oder auch anderen Ingenieursbereichen) liest, versteht schnell, warum angeblich nicht genug Fachkräfte da sind. Es muss ja immer der perfekte, sofort auf das spezialisierteste Problem einsetzbare Experte sein. Selbstverständlich mit Berufserfahrung in Programmiersprache XY an Gerät Z in der Entwicklung von Projekten im Bereich Blabla, um auch sicher zu gehen, dass der sofort exakt das gewünschte Problem lösen kann.

    Tja, manchmal muss man halt auch mal jemand nehmen, den man ein paar Wochen auf das Problem einarbeitet. Mit anderen Worten, flexibel sein und langfristiger planen. Aber dafür, das muss man leider wirklich sagen, sind sich die Firmen nicht selten zu schade. Wer nen Elektroingenieur sucht, kann auch mal einen Physiker einstellen. Wer jemanden sucht, der ihm C++ programmiert, kann auch mal jemand einstellen, der hauptsächlich Java gemacht hat.

    Die Gründe für diese bornierte Fixierung auf Formalqualifikationen sind sicher vielfältig. Aber ein Hauptgrund liegt in der Tatsache, dass Personalwirtschaft mittlerweile hauptsächlich von eigens dafür eingestellten "Human Resource Managers" gemacht wird, typischerweise BWLern, die leider keine fachliche Ahnung von den Jobs haben, für die sie Leute suchen. Die arbeiten dann oft stumpfsinnig einfach ihre "procedures" ab, irgendwelche möglichst komplex und fesch klingenden haarkleinen Schablonenspielchen, nach denen auf magische Weise der perfekte Bewerber gefunden werden soll.
    Daran ändert sich natürlich auch nichts von allein, denn dieser Zustand ist ja ihre Existenzberechtigung. Ganz zu schweigen davon, dass sie sich in dieser Rolle nicht selten mit arroganter "Ich entscheide hier über Leben und Tod"-Attitüde ganz bequem eingerichtet haben.
  9. #78

    Realität vs. SPON

    Zitat von 1thomas Beitrag anzeigen
    Wenn Sie nach 23 Bewerbungen 2 Arbeitsverträge vorgelegt bekommen haben, ist doch alles in Ordnung. Eine völlig normale Quote.Interessant wäre noch zu erfahren, wie hoch Ihre Einladungsquote beim Vorstellungsgespräch war. Sie sollte so bei 30 -50 % liegen.

    Und natürlich wollen die Firmen wählen können. Sie doch auch. Oder würden Sie gleich bei der ersten Fa. unterschreiben und die anderen gar nicht mehr berücksichtigen?

    Viel Erfolg im Berufsleben.
    Das ist aber eben ein Erfahrung aus der Realität. Der Artikel suggeriert doch dass sich die Firmen um die Absolventen reissen und man wieder gute Auswahl hätte. Solch ein Gefühl werden die Firmen schon von sich aus nicht vermitteln wollen weil sonst die Lohnansprüche der Einsteiger in die Höhe gehen. Und die werden 1000 Gründe finden warum sie einfach nicht mehr bezahlen wollen.








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