Karriere-Zwischenruf: Morgens Mafiaboss, mittags Inge Meysel, abends Jogi Löw

Wollen Frauen beruflich hoch hinaus, verhalten sie sich oft betont männlich. Ein androgynes Mischwesen hätte in der Businesswelt beste Chancen. Und reichlich private Sorgen, schreibt Personalberaterin Uta von Boyen in ihrem Gastbeitrag über Geschlechterkonflikte und Machisma-Management.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...806137,00.html
  1. #1

    ohne

    Ich war schon immer der Ansicht, dass nicht Männer, sondern männliche Verhaltensweisen die Erde regieren. Egal, ob sie vom Mann oder von einer Frau ausgeübt werden. Will man das ändern, muss man nicht die Frauen gesellschaftlich aufwerten, sondern die weiblichen Verhaltensweisen, auch wenn sie von Männern geübt werden.

    Doch es ist noch immer üblich, Frauen mit männlichen Verhaltensweisen zu loben bzw. zu akzeptieren, aber Männer mit weiblichen Verhaltensweisen als Schwächlinge, Feiglinge und Weicheier zu diffamieren. Was bedeutet, dass die männlichen Verhaltensweisen ganz klar als die besseren, die überlegeneren angesehen werden. Das schadet uns allen. Deshalb würde ich mich freuen, wenn sich tatsächlich ein androgynes Verhalten durchsetzen würde. Das hat nichts mit der Aufhebung der Geschlechter zu tun. Es gibt gewisse unwandelbare Tugenden, die jedem Geschlecht gut anstehen.
  2. #2

    Unnötige Beschränkung auf Frauen

    Die aufgeführten Konflikte und (Nicht-)Lösungsversuche gelten gleichermaßen für den "modernen Mann". Leider wird das nicht schon in der Überschrift sondern nur im Artikel und dort auch nur in einzelnen Zeilen deutlich.

    Treuer Ehemann, kinderlieber Familienvater zu Hause. In der Firma durchsetzungsstark, kompetent, flexibel. Wer außerhalb des Hochleistungssports Karriere macht, verbringt viel Zeit in Büro und unterwegs. Trotzdem soll der Körper kräftig und gesund bleiben. Von Werteorientierung, ehrenamtlichen Engagements, Freunden und politisch korrekten Hobbies mal ganz zu schweigen.

    Doch die Anforderungen des modernen Arbeitslebens sind trivial im Vergleich zum eigentlichen Problem: Nach meiner Erfahrung nimmt die Haifisch-Quote mit jeder Managementstufe kräftig zu. Im Artikel als Machismo und Rambo beschrieben. Psychologisch gesehen die Merkmale des Narzissmus und von Psychopathen. Darunter leiden psychologisch gesunde Mitarbeiter. Frauen und Männer gleichermaßen.
  3. #3

    Positiv an dem Artikel ist allemal, dass die Autorin nicht verschleiert, dass es Konflikte grundsätzlicher Natur gibt, in denen sich die Frauen befinden, und für die eigentlich keine richtige Lösung gibt, sondern nur ein „Wurschteln“, es sei denn, Frau hat ein ganz seltenes dafür geschaffenes Naturell.

    Allerdings ist mir neu, dass „Empathie“ sowie „Konfliktkompetenz“ etwas sein soll, das man(n) um den Preis der Verweiblichung erwerben muss. Das ist ein verbreitetes, aber doch reichlich hölzernes Bild von Männlichkeit, das mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Ich muss sogar sagen, dass zumindest in der Berufswelt meine Erfahrungen ganz andere sind. Die besseren und sensibleren Kommunikateure sind in der gehobenen Hierarchie eher die Männer (Stichwort „Verhandlungsgeschick“). Das hat weniger mit Talent zu tun, als mit Klarheit, Souveränität und der Bereitschaft, Entscheidungen zu verantworten.

    Dass das kapitalistische „Wirtschaften“ in der Form der Güterproduktion zum Gewinnerwerb bis ins Mark ein Ausfluss männlicher Mentalität ist, lässt sich auch durch noch so viele modische Beschwörungen weiblicher Kompetenzen nicht aus der Welt schaffen. Dazu reicht schon der Hinweis auf das fast völlige Fehlen technologischer wachstumsorientierter Betriebe, die von Frauen gegründet (und nicht nur „mit“gegründet) werden. Wäre dies anders, dann würden sie ganz natürlicherweise auch in den Führungsetagen der klassischen Industrie auftauchen.
  4. #4

    Der Begriff "Machisma" wird hier und auch sonst falsch verwendet. Wenn es darum geht, ein typisch männliches Selbstbild und Gebaren zu beschreiben, dann ist auch für Frauen die Bezeichnung "machismo" oder "Macho" zutreffend.

    "Machisma" hingegen bezeichnet die weibliche Variante des geschlechtlichen Narzisten:

    Als Analogon zum "Macho" fühlt, denkt und handelt sie übertrieben geschlechtsbezogen und wird, in Anlehnung zur Definition des "Machismo" im DUDEN, so beschrieben:

    "Übersteigertes Weiblichkeitsgefühl, Weiblichkeitswahn, Betonung der weiblichen Überlegenheit. macha: übertrieben weiblich."

    Jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, dessen Aufmerksamkeits- und Wertefokus hauptsächlich auf seine Körperlichkeit und Geschlechtlichkeit gerichtet ist, weist ein schweres Defizit in der Persönlichkeits- und Charakterentwicklung auf. Das Denken dieser archaisch-primitiven Individuen wird permanent von Rang- und Statusmotiven bestimmt, wobei sich die Geschlechter auf männlicher Seite durch ein zusätzliches Revierdenken und die Frauen durch ein Konkurrenzdenken untereinander auszeichnen.

    Uns fallen die weiblichen Exemplare, die Machas, im Alltag nur deshalb nicht besonders auf, weil wir sie als selbstverständlich wahrnehmen. Wir sind von Kindesbeinen an darauf geprägt und konditioniert, dass Mädchen und Frauen für Männer wohlgefällig auszusehen haben, und sie sich so zu verhalten haben, dass sich möglichst viele Männer den Geschlechtsverkehr mit ihnen wünschen.

    Siehe hierzu mein Buch: "Die Steinzeitfrau - Damals und Heute"
  5. #5

    kein Verständnis

    ...vielleicht stimmt ja etwas nicht mit mir, aber ich habe für diese ganze Debatte einfach kein Verständnis.

    Ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt, ist mir völlig egal, ob im Freundeskreis oder Berufsleben, es kommt einfach auf die Person an. Diese tiefgründigen Gedanken mache ich mir gar nicht, ich tue einfach wonach mir der Sinn steht. Diese ganze Debatte wirkt doch arg angestrengt und allein bei der Vorstellung sich über alles Gedanken zu machen, ob es nun weiblich oder männlich rüberkommt, wachsen mir graue Haare.

    Ich kenne durchaus "Karrierefrauen" und "Karrieremänner" (beide Geschlechter ohne Ironie und ich finde, die ähnlichen Begriffe passen, denn die Personen sind mir als absolut ähnlich aufgefallen, von der Persönlichkeit wie die Faust aufs Auge.)

    Ohne Ende gestresst, mit Kind und Ehepartner, obwohl dafür rein objektiv gar keine Zeit ist. Da frage ich mich einfach nur, warum man sich das antut.

    Wenn man es tut, weil einem die Arbeit so viel Spaß macht, muss man nicht gestresst sein, denn man tut es ja gerne.

    Wenn man es tut, weil man meint, jeder hat Kinder und es "gehört eben dazu", tun mir die Leute einfach nur leid, die sich aufgrund dessen ungewollten Stress und Nachwuchs antun (von den Kindern ganz zu schweigen...)

    Wenn man es tut, da der Partner es erwartet, sollte man sich überlegen, ob diese Beziehung passt...da sie es ja nun offensichtlich nicht tut.

    Wenn man es tut, obwohl man ein schlechtes Gewissen hat, dass die Kinder teilweise in Fremderziehung groß werden, hätte man sich wohl vorher Gedanken machen sollen, besonders wenn man Probleme damit hat loszulassen. Niemand muss mehr Kinder bekommen in unserer Gesellschaft und gerade in den entsprechenden Bildungsständen, die für Führungspositionen in Frage kommen, sollte man doch einiges an Voraussicht erwarten können.

    Wahrscheinlich sollten die Leute sich nur ehrlich fragen, was sie wollen/brauchen/meinen zu brauchen oder zumindest ehrlich, was sie NICHT wollen, wenn sie schon nicht wissen, was sie wollen ( - ich weiß es auch nicht, aber immerhin weiß ich, was ich nicht will).

    Und zwar jeder, egal ob Mann oder Frau. Vermutlich ist der Unterschied gar nicht so groß. Ich behaupte diese Fragen sollte sich jeder stellen. Wer sich immer verstellen muss, hat wohl den falschen Job gewählt.