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Karriere von Arbeiterkindern: "Das ist doch nicht deine Welt"
Vater Hausmeister, Mutter Politesse, der Sohn Doktorand - eine seltene Kombination. Der berufliche Aufstieg durch Bildung ist möglich, aber schwierig. Wer sich über ein Studium hocharbeiten will, bekommt es zu tun mit familiären Vorbehalten, misstrauischen Lehrern und arroganten Kommilitonen.
http://www.spiegel.de/karriere/beruf...851254,00.html
- #1 22.08.2012 13:27 von
was ist heute anders ?
so ganz verstehe ich das nicht, wird denn heute soviel gequatscht, dass jeder von jedem weiss was der vater oder die mutter macht ?
in meiner studienzeit hatte ich keine ahnung was die eltern meiner mitkommilitonen machten noch hatte die eine ahnung was meine machten, vom unipersonal hat sich nie jemand dafür interessiert was die eltern sind oder nicht sind.
entweder man hatte es drauf oder eben nicht. - #2 22.08.2012 13:33 von
Was für ein Quark. Es gibt keinen plausiblen Grund dafür, dass es Kinder aus nichtakadmischen Familien einfacher oder schwerer an Schulen und Unis haben. Was der Artikel zusammenfässt sind die entstehenden Berührungspunkte mit den Eltern, wenn die Kinder ihre ersten eigenen beruflichen Schritte machen. Ob diese zu Reibungspunkten werden, entscheiden die Eltern. Also wie stehen sie dazu, dass ihr Kind statt der Ausbildung studiert, oder eben statt dem (von den Eltern bevorzugten) Studium eine Ausbildung absolviert.
Beim Studium selbst kann einem keiner helfen. Auch keine studierten Eltern. Wie sich der Student aber anstellt, ist von der Erziehung abhängig. - #3 22.08.2012 13:36 von
- #4 22.08.2012 13:52 von
oh jee .. immer das selbe Lied...
Ich habe neulich der Tochter eines Bekannten bei den Matheaufgaben geholfen - eine 5 in Mathe und damit in der speziellen Situation die Option ein Abi zu machen ist in Gefahr. In der Familie hat niemand Abitur oder eine Uni von innen gesehen.
Sie wird es wohl nicht schaffen - die Lehrerin gibt solche zusatzaufgaben um die Note zu verbessern - ich kann aber nicht immer anreiten. Wäre es mein Kind, kann man davon ausgehen, dass mindestens eine 3 sicher wäre. Prinzipiell ist die Sache verstanden. Wenn niemand aber überblickt worum es geht - oder nochmal den Zusammenhang (den die Lehrer manchmal selbst nicht kennen) zu älterem Stoff herstellt, wird es mit jedem Mißverständnis eng.
An der Uni kommt es dann sehr darauf an, das die Eltern (auch finanziell) willens und in der Lage sind unterstützung zu bieten. Das ist nicht selbstverständlich.
Zu wissen, wie der Hase im Prinzip an einer Uni läuft schadet mit Sicherheit nicht.
Ich würde schätzen, dass von den 'echten Arbeitern' (ohne Immobilienbesitz, ohne Abi ,Oma, Opa oer sonstigem As im Ärmel) in vielen Fächern nicht mal 1% übrig bleiben. - #5 22.08.2012 13:52 von
Die Begründungen hinken
Also an sich ist an der Reproduktion der Akademiker statistisch wenig auszusetzen, allerdings birgt der Text für mich einige eher dümmliche Begründungen, wenn Beispielsweise darauf hingewiesen wird, dass eine Dame wenig Bafög bekommt, was eben bedeutet, dass ihre Eltern scheinbar ganz gut verdienen oder es als Besonderheit dargestellt wird, dass man neben dem Studium arbeiten muß.
Des weiteren ist es meiner Meinung nach Dummfug so zu tun, als würden die Akademikereltern ihren Kindern die Stipendienanträge schreiben und die ganze Unianmeldung machen. Das ist sicher nur für eine winzige Minderheit der Fall und diese Minderheit wirds im Leben später nicht weit schaffen, weil sie unselbstständig sind.
Gerade die verhätschelten Kinder habens im Studium mit der tatsächlich vorhandenen Sink or Swim-Mentalität schwer, wer sich aber alles erarbeiten muss kann besser damit umgehen...
Falsch argmentiert! - #6 22.08.2012 13:54 von
Ich war selbst in meiner Familie der Erste, der ein Studium gemacht hat, allerdings erst nach einer klassischen Laufbahn über Realschule und Berufsausbildung. Dass es mit den Komillitonen mal Verständnisprobleme gibt, weil man aus unterschiedlichen Milieus kommt, kann ich schon nachvollziehen, aber seh das nicht als großes Problem. Außerdem habe ich ein duales Studium gemacht, wodurch sich die Finanzierung deutlich einfacher gestaltet hat.
Was ich aber gut nachvollziehen kann sind die Vorbehalte in der Familie. Es kommen dann ähnliche Argumente wie im Artikel geschildert. Nach dem Studium sind dann natürlich alle stolz wie Oskar, aber der Weg dort hin ist mit viel Geduld und Überzeugungskraft verbunden.
Insbesondere die Zeit in der ich mein Abitur nachgeholt habe, und trotz abgeschlossener Ausbildung noch sehr abhängig von meinen Eltern war (20€ BaFög reichen nicht weit), war schwierig. Das Abitur in Abendschule o.Ä. zu machen wäre zwar eine Möglichkeit gewesen, hätte aber noch mehr Zeit gekostet.
Da 95% der Unternehmen mich schon mit 23 für zu alt für ein duales Studium hielten, oder niemanden mit Berufsausbildung haben wollten, war ich recht froh dass ich das alles zügig hinter mich bringen konnte.
Was die familiären Bedenken angeht: seit ich fertig bin ist ein Studium legitim, und ich freue mich sehr, dass viele meiner jüngeren Verwandten jetzt auch auf diesem Weg sind. Die Bedenken konnte ich also scheinbar nachhaltig zerstreuen :) - #7 22.08.2012 13:55 von
Zu meiner Studienzeit - Anfang/Mitte der 70er Jahre - gingen Scharen von Arbeiterkindern - ausser an die Fachhochschulen - auch an die Universitaeten, um ein "richtiges" Studium zu absolvieren.
Ich gehoerte dazu und moechte nochmals "Danke" sagen an das Honnefer Modell und spaeteres Bafoeg, das mir und meinen Geschwistern ein Studium ermoeglicht hat, was meine Eltern, ein ungelernter Arbeiter und eine Hausfrau, finanziell nie haetten leisten koennen. Die Scheine mussten fristgerecht bestanden und eingereicht werden, sonst wurde der Geldhahn zugedreht.
Kein Prof oder Kommilitone hat sich damals fuer den sozialen Hintergrund interessiert, es gab keine Ausgrenzung.
Wer genug Grips hatte, konnte es schaffen.
Und ganz ehrlich gesagt, wer das alles organisatorisch nicht alleine gepackt hat, der hatte an einer Uni wirklich nichts verloren. Mir ist auch niemand von damals niemand bekannt, der diesbezueglich Probleme hatte. - #8 22.08.2012 13:57 von
Pisa
Zumindest an Schulen haben es arbeiterkinder schwerer. Das hat die PISA-Studie längst gezeigt.
Gründe können sein:
-Weniger Geld für Nachhilfen
-Eltern können nicht bei Hausaufgaben helfen
-Grundschullehrer, die bewusst oder unbewusst Arbeiterkindern weniger Gymnasialempfehlungen geben, weil sie denken, die schaffen es eh nicht
-Einstellung zu Bildung, die zu Hause vermittelt wird
-Vorbildfunktion der Eltern
Daraus ergibt sich, dass Arbeiterkinder seltener Abitur machen und so schon gar kein Studium anfangen können.
Während des Studiums sind sie dann eventuell von BAföG abhängig.
Wenn wir zwei studenten nehmen:
Student A, reiche Eltern von denen er finanziert wird
Student B, von BAföG abhängig
So kann sich auch, wenn beide die gleichen Fähigkeiten haben, Student A erlauben 3-4 Semster mehr Zeit zu lassen, als es die Regelstudienzeit zulässt. Student B eher nicht, da das BAföG Amt irgendwann den Geldhahn zudreht.
Sodass Arbeitekinder meist nur erfolgreich studieren können, wenn sie entweder so gut sind, dass sie nach der Regelstudienzeit fertig sind oder es schaffen Job und Studium unter einen Hut zu bekommen und sich so ihr Studium selbst zu finanzieren.
Ich will nicht pauschalisieren. Es gibt auch Beamtenkinder, bei denen die Eltern auch irgendwann den Geldhahn zudrehen und es gibt auch Beamtenkinder, die ihr Studium selbst finanzieren. Ich will die "Bessergestellten" nicht als faules, verwöhntes Pack darstellen.
Ich will damit nur sagen, dass Geld bei den Arbeiterkindern während des Studiums eher zum Problem werden kann. - #9 22.08.2012 13:58 von
Nachtrag
Arrogante Kommilitonen, die sich was auf ihre Eltern einbilden findet man auch nur in wenigen Studiengängen und sie lassen sich leicht am hochgeklappten Kragen erkennen. Meidet diese Schmierlappen!
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