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Kapitalismuskritiker Joseph Stiglitz: Der Doppelagent
Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist ein Phänomen:*Er zählt zur globalen Elite - und ist zugleich Fürsprecher*von Protestbewegungen wie Occupy.*Heftige Kritik*übt er beim Weltwirtschaftsforum an seiner Heimat USA, das Land sei "nur noch führend*bei Gefängnissen".
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...811936,00.html
- #1 28.01.2012 16:39 von
Weder Kapitalismus noch Marktwirtschaft
Das was da von der Wall-Street und der Londoner City ausgeht, hat mit Marktwirtschaft nicht mehr das Geringste zu tun und am Ende mit Kapitalismus nur noch wenig. Es ist schlicht und einfach eine neue Art von Feudalismus, bei dem für die einen keine oder andere Regeln gelten und für die anderen ganz andere. Ich glaube, wenn die Protagonisten dieses entgleisten Systems nicht bald ernsthaft zurückrudern, werden sich an vielen Stellen Situationen wie 1789 in Frankreich ergeben. Es ist mir völlig schleierhaft, wie sich ein britischer Premierminister mit so dümmlichen Argumenten auch noch so kleinen Regulierungen dieser Monstersituation entgegen stellt, in der u.a. seine Banken versuchen, sich sogar noch in großem Stil am Hunger der Menschen zu bereichern!
- #2 28.01.2012 17:13 von
Of the 1%, by the 1%, for the 1%
Da irren Sie sich, dass, was wir jetzt erleben ist Kapitalismus pur.
Auch hier irren Sie sich. Leibeigenschaft und Lehenshörigkeit wurden vor langer Zeit abgeschafft und durch das Privateigentum an den Produktionsmitteln ersetzt, das ist viel effektiver und die Regeln sind für alle gleich, auch Sie können Milliardär werden, jedenfalls im Prinzip.
Die Geschichte lehrt uns, dass die Herrschenden blind sind. Viel wichtiger ist, dass die ganzen Entwicklung, Globalisierung, Dominaz der Finanzindustrie, Wachstum, Wachstum über alles, zwangsläufig ist, da kann auch der einzelne Josef Ackermann wenig dran ändern.
Of the 1%, by the 1%, for the 1%
Americans have been watching protests against oppressive regimes that concentrate massive wealth in the hands of an elite few. Yet in our own democracy, 1 percent of the people take nearly a quarter of the nation’s income—an inequality even the wealthy will come to regret.
By Joseph E. Stiglitz
- #3 28.01.2012 17:40 von
Gleiche Regeln?
1. bin ich immer äusserst dankbar, wenn die Kritiker Unterstützung seitens angesehener Vertreter der Finanzwelt erhalten. Danke, Herr Stieglitz!
2. finde ich es lächerlich zu behaupten, die Regeln seien für alle gleich! Regeln auf einem deregulierten Finanzmarkt? OK, der ein oder andere mag es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft haben. Ansonsten leben selbst 'normale' Angestellte teils fast unter sklavenartigen Verhältnissen: von der Hand in den Mund nämlich. Und was ist mit den Schwellenländern, wo, wie ich gehört habe, Enkel noch immer die Schulden ihrer Grosseltern abzahlen, nur weil diese sich anno dazumal 1 Dollar geliehen haben? Oder denen, in China ebenso wie in anderen Ländern, die durch ihre Arbeit nicht mal ein Zimmer oder eine Wohnung finanzieren können und in der Fabrik leben müssen?
Nee, hier wurden nur die Begriffe ausgetauscht. Nicht aber die Bedingungen! - #4 28.01.2012 17:43 von
Rufer in der Wüste
Auch Joseph Stiglitz ist nur ein Rufer in der Wüste - die großen Schwungräder wird er nicht abbremsen können, ich glaube, niemand kann das mehr. Die Fehlentwicklungen, von denen ein entarteter Kapitalismus die schlimmste ist, sind in ihrer destruktiven Dynamik kaum noch zu beeinflussen, selbst wenn der gemeinsame Wille dazu vorhanden wäre. Die Aussichten sind düster. Was uns bleibt, sind kleine gute Taten, die uns guttun, die klamme Zuversicht, das schon irgendwie alles gutgehen wird und eine Flasche Rotwein.
- #5 28.01.2012 18:37 von
- #6 28.01.2012 19:02 von
Das Überleben der Spezies Mensch ,
um nichts Geringeres geht es.Uns gibt es noch nicht so lange auf
diesem Planeten , aber jedes Jahr wird uns deutlicher wie verwundbar
unsere Spezies ist. Und ob wir als Spezies überleben hängt drängend
davon ab , wie wir technologisch vornanschreiten und in welche
Richtung.
Auf jeden Fall kann es sich die Menschheit nicht mehr leisten , gegen seine eigene Spezies Kriege zu führen. Kriege aber kommen durch
Ungleichheit in der Resourcenvertleilung jeglicher Art.
Die müssen schneller lernen und alles in seiner Gesamtheit begreifen und auch so handeln. Ganz nach dem kategorischen Imperativ von Kant. - #7 28.01.2012 19:05 von
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was das mit Kapitalismus zu tun haben soll. Dass Unternehmen nicht für ihr Versagen haften (der Schaden wird auf die Gesellschaft übertragen), ist im Gegenteil Sozialismus pur.
Müssten die Energiekonzerne ihre Atomkraftwerke selbst versichern, würde sich die ganze Sache möglicherweise garnicht rentieren und wir hätten das Problem nicht. Und Banken, die nicht wirtschaften können sollen eben Pleite gehen. Das wäre Kapitalismus.
Stattdessen will man jetzt durch noch mehr staatliches Eingreifen auch noch den letzten Rest der Marktwirtschaft beseitigen? Das ergibt einfach keinen Sinn. Und es wird die Probleme nur größer machen. - #8 28.01.2012 19:08 von
Kotau
Endlich einmal dringt eine Eloge über einen wahrhaft Verdienten in den Gehörgang der deutschen Internetnutzer. Stiglitz ist nicht erst seit "Globalization and Its Discontents" ein eifriger Verfechter der Menschenwürde; jemand, der sein eigenes Wohl und Wehe kaum über das anderer stellt und den es nicht nach "unendlicher" Profitmaximierung giert. Stiglitz ist der Leuchtturm unter den Wirtschaftswissenschaftlern; einer der ganz wenigen in diesem Fach, die wahrhaft Format haben und sich glaubhaft für eine bessere Welt einsetzen. Der edle Herr Nobel dürfte stolz sein - selbst wenn er den Wirtschaftsnobelpreis nicht stiftete -, dass seine Preise und deren Plagiate solchen Stimmen Gewicht verliehen. Stimmen, die nicht dem reinen Lobgesang selbst auf ihr eigenes System verfallen, sondern die sich und ihre Umwelt selbst zu hinterfragen wissen. Joseph Stiglitz ist spätestens seit 2002 einer der wenigen ehrbaren Vordenker dieser Welt.
- #9 28.01.2012 19:20 von
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