Die ägyptische Revolte steht auf Messers Scheide: Nichts ist entschieden, alles ist möglich, wieder sind Hunderttausende auf der Straße.*Doch die Armee will keinen Umsturz, und das Regime zeigt Beharrungskraft. Wer hat wie viel Macht? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...744989,00.html
Diese Formulierung unterstellt eine prinzipielle Differenz zwischen „Regime“ und Armee. Wieso eigentlich? Jede Diktatur ist eine Diktatur manu militari: Ein diktatorisches Regime ohne Armee ist wie ein Löwe ohne Zähne. Wie dereinst die deutsche Wehrmacht gegenüber dem Hitlerismus steht auch in Ägypten das Militär dem „Regime“ nicht gegenüber, sondern ist dessen konstitutiver Bestandteil, gleichsam eine seiner tragenden Säulen, ohne die das gesamte Gebäude zusammenstürzt. Was denn sonst? Den Diktator auszuwechseln, ohne an dem Machtfaktor Armee zu rütteln, hieße nichts anderes, als nach der Losung zu operieren: Es muß etwas geschehen, aber es darf nichts passieren. Genau dies scheint die gegenwärtige Strategie der christlich-abendländischen Staatengemeinschaft zu sein.