SPIEGEL ONLINEKarsten Ellenberg kämpft gegen die Übermacht der Saatgutkonzerne. 2009 rettete der Züchter die Kartoffelsorte Linda, inzwischen gilt er als Symbolfigur einer neuen Bauernmacht. Besuch bei einem Mann, der sich mit der Bio-Nische nicht zufrieden gibt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...846403,00.html
Got sei Dank gibt es solche Rebellen! Man kann ihn gar nicht hoch genug loben. Diese Riesenkonzerne, die alles bestimmen wollen (nicht nur auf dem Kartoffelsektor), verdienen sich dumm und dussellig, aber keiner will sie haben. Diese Konzerne greifen so stark in die Freiheitsrechte ein, dass es kaum einer bemerkt, weil eben mit vielen Marken für dasselbe Produkt des Konzerns geworben wird und der Verbraucher gar nicht wissen kann, von wem er seine Ware kauft. Dem Verbraucherministerium ist es egal, nur aufwendig läßt sich der Hersteller ermitteln. Hier ist die freie Marktwirtschaft mißbraucht worden und niemand geht den Konzernmanagern kräftig an den Hals. Der Bürger sollte aufwachen und sich so verhalten, wie der Kartoffelheld als Vorbild ...
Das Urteil (Graines Baumax v. Association Kokopelli) hat eine alte Richtlinie bestaetigt, die die "Agrar-Rebellen" von Kokopelli gerne gestuerzt haetten. Diese Richtlinie hilft auch Ellenberg nicht, denn sie verlangt auch fuer die alten Sorten wie die Linda eine Zulassung im EU Katalog oder im Katalog eines Mitgliedslandes. Der einzige Vorteil fuer die alten Sorten ist, dass das Zulassungsverfahren ein klein wenig vereinfacht wurde. Es ist aber immer noch aufwaendig und kostspielig - siehe die Zulassung von Linda in GB.
Das Urteil sagt ausserdem ganz klar, dass selbst alte Sorten NICHT gehandelt werden duerfen, wenn sie keine Zulassung haben. Also ist es nix mit dem freien Handel von alten Sorten. Und es gibt, wie im Artikel richtig beschrieben, bestimmte Grenzwerte and Anbauflaeche und -menge, die eine solch alte Sorte nicht ueberschreiten darf, ohne die volle Zulassung zu benoetigen.
Monsanto und Co. haben sich ueber diese Urteil sehr gefreut. Siehe die Einlassungen des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzuechter zu diesem Urteil. Diesem Verband geheoeren Monsanto, Bayer, Syngenta, BASF usw. an.
Leider wird im Kokopelli-Verfahren gerade einer kleinen Saatgutinitiative der Garaus gemacht, waehrend alle dieses Urteil als Schlag ins Gesicht von Monsanto und Co. feiern.
Es ist schoen, dass es Leute wie Herrn Ellenberg gibt, die sich um den Erhalt der Vielfalt bemuehen. Das EuGH Urteil wird den Kreis derer, die das koennen, jedoch weiter einschraenken.
TMH
Das halte ich für nur eine Seite der Medaille. Der Zeitgeist betrachtet Natur und Umwelt (leider) vermehrt als Ressource oder gar Technologiespielplatz. Abschaffung aller natürlichen Lebensräume und Umwandlung der Erde in eine riesige Plantage halte ich leider! für nicht ganz auszuschließen.
Vielleicht ist es neben dem wachen, auf die Konzernaktivitäten gerichtetem, Auge zudem wichtig, das Bewusstsein, dass wir Menschen Wesen der Natur sind und dass wir die Natur zum gesunden Leben brauchen, zu bewahren oder gar wiederzubeleben.
Schön, dass es noch Bauern wie Sie gibt, die sich von der Nahrungsmittelindustrie nicht unterkriegen lassen.
Hoffe dass viele europamüde Mitbürger darin auch erkennen, wie viel die EU auch positiv verändert hat.
Die Situation ist doch verschuldet von unseren Lobby-hörigen Politikern. Das ist doch nicht der Vorteil der EU.
Und warum hat di Zulassung in Great Britain geklappt?
Weil die dort Wert auf Abstand zur EU und eigene Regeln legen. Die EU macht doch immer wieder Versuche, gentechnologisch veränderte Produkte zum Wohl von Monsanto und Konsorten bei uns in den Markt zu drücken!
Von Leuten wie Ihnen braucht die Welt mehr! Die Saatgutkonzerne zerstören die biologische Vielfalt und versklaven die Bauern der Weltmit ihrem genmanipulierten, impotenten und patentierten Saatgut. Ihr Beispiel macht Mut, dass der Widerstand gegen die Konzerne auch in anderen Teilen der Welt und mit anderen Pflanzen (Mais!!) Frucht trägt.
Zulassungsprozesse sind einfach nur nervig ! Auch in anderen Landwirtschaftlichen Sparten wird immer wieder verhindert, dass alte Sorten wieder angebaut werden, weil es sich keiner leisten kann sie zuzulassen.
Die Großen Züchter möchten keine bessere Qualität sondern immer impotentere Pflanzen, welche sich nicht von selbst vermehren können. Pflanzen werden explizit so gezüchtet, dass der Bauer jedes Jahr neues Saatgut kaufen muss, obwohl bei vielen alten und potenten Pflanzen nur eine Teilerneuerung der Pflanzen notwendig wäre.
Die Qualität die den Bauern dabei verkauft wird, drückt sich eigentlich nur in schnellem Wachstum und Lagerfähigkeit aus. Geschmack und Inhaltsstoffe sind nebensächlich. Ebenso wie Schädlingswiderständigkeit. Denn Monsanto möchte ja auch die entsprechenden Pflanzenschutzmittel verkaufen.
Die alten Zeiten, in denen der Bauer oder die Genossenschaft sein Pflanzgut selbst vermehrt hat, sind leider vorbei.