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Kämpferin für Berufsanfänger: "Es ist ganz gut, bei mir Praktikant zu sein"

Sie ist die derzeit jüngste Abgeordnete im EU-Parlament und hat ein großes Ziel: die gesetzliche Regelung für Praktikumsplätze. Dafür verweist die Dänin Emilie Turunen im SPIEGEL-ONLINE-Interview*auch auf die guten Bedingungen in ihrer Heimat. Sie fordert: Mehr Rechte für die Knechte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...721105,00.html
  1. #1

    Nun ja

    Zunächst ist festzuhalten, dass die Dame von Europa nach eigener Aussage Null Ahnung hatte, als sie gewählt wurde.
    Das kann man herzig finden ("kleines dänisches Mädchen entdeckt das grosse Europa"), man kann es aber auch als mangelnden Respekt für die demokratische Verfassung der EU auslegen. Das EP ist nun einmal kein Kindergarten oder eine Bildungsanstalt für höhere Töchter.
    Ebenso bedenklich sind MEPs, die sich ein Orchideenthema raussuchen und dann damit 5 Jahre rummachen. Dafür sind sie nicht gewählt!

    Die Frage von Beschäftigungsverhältnissen ist leider ein Orchideenthema, weil die EU nur sehr geringe Kompetenzen im sozialen Bereich hat. Frau Turunen fährt also ein ganz geringes Risiko, irgendetwas politisch relevantes zu erzeugen. Damit stellt sich die Frage, wie sie ihr Gehalt rechtfertigt.
  2. #2

    Frechheit

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kämpferin für Berufsanfänger: "Es ist ganz gut, bei mir Praktikant zu sein"
    Es ist überhaupt nicht gut, "Praktikant" zu sein.
    Im 2. Semester, okay.
    Nicht, wenn man eine abgeschlossene Ausbildung hat!
  3. #3

    teils teils

    Zitat von Riff Beitrag anzeigen
    Es ist überhaupt nicht gut, "Praktikant" zu sein.
    Im 2. Semester, okay.
    Nicht, wenn man eine abgeschlossene Ausbildung hat!
    Mal ganz nüchtern betrachtet: Im 2. Semester hat man noch gar nicht genug Fachwissen, das man im Beruf umsetzen kann. Welcher angehende Ingenieur soll im zweiten Semester eigenständig in einem Betrieb arbeiten? Hier geht's nicht um ein Schülerpraktikum, um mal in die Arbeitswelt reinzuschnuppern, sondern um Teilnahme am gesamten Arbeitsleben.

    Praktika sind sehr wichtig, um Fachwissen umzusetzen, es zu festigen und sich theoretisch weiter in die Materie einzuarbeiten. Daß Praktika nach dem Studium aber noch absolviert werden, ist wirklich nicht richtig. Von Geistenwissenschaftlern in "fachfremden" Branchen ist Praxis natürlich nie verkehrt, aber sollte entsprechend auch vergütet werden.
    Ich denke, die junge Dame übertreibt etwas. Sie spricht von einer ganzen Generation und "jungen Menschen wie ich, die arbeiten wollen". Die große Mehrheit der Absolventen findet schnell einen Job. Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Daß man sich um die kleine Minderheit aber entsprechend kümmern sollte, halte ich auch für richtig.

    In der Medienwelt, speziell bei Werbeagenturen in meiner Region, ist es nicht unüblich, daß Praktikanten "mit Aussicht auf eine Vollzeitbeschäftigung" gesucht werden, die dann vollausgebildet für lau arbeiten, am Wochenende Kellnern und eine Überstunde nach der anderen schieben, um gute Aussichten auf den Job zu haben. Nach den sechs Monaten heißt es dann aber, daß man getrennte Wege gehen wird und der nächste Praktikant wird gesucht. Und solange sich auf einen Praktikumsplatz über 20 Leute bewerben, werden die Betriebe auch weitermachen und das ist wahrlich ein Unding, das nicht angehen darf. Trotzdem sollte die ganze Thematik, ich wiederhole: es trifft nicht _so_ viele, nicht überbewertet werden.
  4. #4

    Praktikant beim Europäischen Parlament zu sein ...

    ... ist gar nicht 'mal so schlecht. Dort, im Fitness Raum des Europäischen Parlaments in Brüssel nämlich, treffe ich zu jeder Tageszeit (auch wenn ich es mir 'mal urlaubsbedingt erlauben kann, am Vormittag zu trainieren) auf die ach so ausgebeuteten Praktikanten, die sich so auf die kommenden harten Arbeitsjahre vorbereiten ...
  5. #5

    Bericht zu Praktikanten von Fr. Turunen

    @Brux: Nur weil Frau Turunen mit diesem Thema in der Presse steht, heißt das noch lange nicht, daß sie sich nicht auch mit anderen Fragen beschäftigt. Wie alle Europa-Abgeordneten sitzt Frau Turunen in zwei Ausschüssen, ist in beiden aktiv und arbeitet zu ganz verschiedenen Themen. Ganz nebenbei leistet sie wirklich hervorragende Arbeit, was auch nicht bei allen so der Fall ist.
    Praktikanten sind einfach nur medienwirksamer als Fernfahrer oder der Binnenmarkt, gerade wenn der Bericht von der jüngsten Abgeordneten des Parlaments stammt!

    Mal abgesehen davon, daß ich Unmengen an Leuten kenne, die tatsächlich haufenweise Praktika absolvieren, bevor sie einen Job bekommen, und das auch noch nach dem Studium. Insofern sind die Ergebnisse und aufgezeigten Probleme in dem Bericht (den ich tatsächlich gelesen habe) korrekt und die Empfehlungen an die Kommission sehr gut. Für alle Praktikanten.
  6. #6

    Die andere Seite der Medaille ist......

    das nicht wenige Praktikanten überrascht sind, das sie plötzlich einen vollen Tag zu tun haben. Wer nämlich ohne eigene Vorstellungen kommt, nicht weiß, was seine Hochschule an Praktikumsinhalten fordert, der wird in den normalen Arbeitsablauf eingebunden. Dann läuft Er/sie bei einem festangestellten Mitarbeiter mit und lernt durch tun. Weiterhin gibt es Dreckspacken die erstmal ein Praktikum zusagen und dann noch vor dem Beginn/während des Praktikums abspringen, weil Papa ihnen einen besseren Platz besorgt hat. Darunter leiden andere Studis, weil die Zahl der Plätze eben beschränkt ist.
  7. #7

    .

    Es geht ja nicht vordergründig um Praktika im EU-Parlament, was deren Arbeitsmoral und die Qualifikation anbelangt braucht man nicht diskutieren, da weiss jeder Bescheid.

    Es geht um die Praktika in Industrie und Wirtschaft. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dort die Leute mit voller Qualifikation einen Vollzeitjob machen aber nur als Praktikanten eingestellt sind um vordergründig Geld zu sparen aber auch um sie jederzeit einfachst wieder loszuwerden nach Gutdünken.
  8. #8

    Ganz einfach

    Die ganze Sache lässt sich auch ohne EU-Verordnung regeln. Wer einen unbezahlten Praktikantenjob annimmt ist selber schuld. So lange es noch Studenten gibt, die dies tun, wird sich nichts ändern.
    Einen adäquat bezahlten Praktikumsplatz findet man mit ein wenig Mehraufwand auch...
  9. #9

    richtig...

    da stimme ich wirg voll zu.

    Ich frage mich auch immer, wie Märkte entstehen können, wo 0 Euro gezahlt werden - vor allem im Bereich von Hochqualifizierten.

    Und ich sehe da auch weniger die Politik gefragt mit Zwängen (muss kontrolliert werden, findet sich dann eben ein anderes Hintertürchen), sondern es müssen sich soziale Normen etablieren, dass man einfach nicht für 0 Euro arbeitet.

    Die eigentlichen Verbrecher sind nicht die, die Jobs für 0 Euro anbieten, sondern diejenigen, die für 0 Euro Jobs annehmen. Die bringen einen Markt erst soweit, dass er so funktioniert.

    Meine Lehrerin hatte damals immer gesagt: "Und wenn der Hannes dir sagt, spring aus dem Fenster, dann machst du das etwas auch?". [Natürlich nicht, genauso wenig, wie ich für 0 Euro arbeiten gehe.... außer natürlich mein Ehrenamt.]

    Übrigens habe ich als Werkstudent mehr Lohn bezogen, als ich heute bekomme. Aus der Sicht konnte ich die Debatte damals erst recht nicht verstehen.








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