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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht
Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.
http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
- #1 30.04.2012 10:21 von
Na... von diesem Artikel gestärkt, gehe ich dann gleich in die Prüfung für das Erste Staatsexamen ... das macht doch Hoffnung auf ein künftiges erfülltes Berufsleben.
- #2 30.04.2012 10:21 von
- #3 30.04.2012 10:27 von
Ich war bis vor wenigen Monaten Referendar in Baden-Württemberg und kann nur sagen, dass dieser Artikel zu 100% die Realität wiederspiegelt!
- #4 30.04.2012 10:31 von
3 Monate Vorbereitungszeit?
3 Monate Vorbereitungszeit? Luxus!
In Niedersachsen haben wir geschlagene vier(4) Tage Vorbereitungszeit! Davon verbringen wir einen halben Tag an der Schule selbst.
Wir haben also diese vier Tage Zeit, um:
a) zu erfahren, wie das Referendariat überhaupt funktioniert (Prüfungen, Besuche, Formulare, Seminare...)
b) zu erfahren, welche Klassen wir unterrichten. Das heißt auch, dass wir herausfinden müssen, was die Klassen bereits hatten, was sie können und wie der Lehrplan für die nächsten Wochen aussehen sollte
c) einen Überblick zu gewinnen, wo was in welcher Menge an der Schule steht (Kopierer, Internetzugang, E-Mailsystem, Räume, Schlüssel, Materialsammlung (Chemikalien, Experimente, Geräte), Beamer, Laptops, welcher Taschenrechner benutzt wird...)
d) herauszufinden, wie man eine Klasse organisiert - mündliche Noten, schriftliche Noten, Disziplin herstellen, Namen lernen, Sitzpläne, Besonderheiten einzelner Schüler...
e) zu lernen, wie man Unterricht gestaltet - wie sieht das mit dem Zeitplan aus, welche Anforderungen an die Schüler sind realistisch, worauf muss ich achten (z.B. ist in den Naturwissenschaften eine Sicherheitsbelehrung vorgeschrieben - jedes Halbjahr!), und so weiter.
Gibt bestimmt Aspekte, die ich vergessen habe. Aber so sieht das in Niedersachsen aus - Mentoren? Fehlanzeige. Da muss jeder Referendar alleine zusehen, wie er zurecht kommt. - #5 30.04.2012 10:32 von
- #6 30.04.2012 10:33 von
Bin zwar selbst kein Lehrer, kann aber aus dem eigenen persönlichen Umfeld kann ich die Aussagen des Artikels nur bestätigen. Die Referendariatszeit ist knochenhart, will man eine halbwegs gute Note bekommen, dann sitzt man fast jeden Tag bis um 22 Uhr an der Vorbereitung nur um sich dann meistens nach der Unterrichtsprobe dennoch anhören zu dürfen was man alles falsch gemacht hat.
Das Problem geht aber weit über die verkürzte Referendariatszeit hinaus. An der Uni / PH wird kaum vernünftig vorbereitet. Die Klassenlehrer, welche die Referendare an der Schule betreuen sind oft (es gibt Ausnahmen) schlecht motiviert und kaum eine Hilfe und an den Seminaren sitzen Leute, die seit 20+ Jahren keine eigene Klasse mehr unterrichtet haben und völlig verdrehte Vorstellungen von der Realität haben.
Das Resultat ist, dass die meisten der mir bekannten Lehrer während ihres Refs auf die eine oder andere Art Psychopharmaka oder Aufputschmittel gebraucht haben und bei denen, die es durchgestanden haben die Motivation inzwischen deutlich gelitten hat.
Und was dazu kommt: Das Verständnis in der Gesesllschaft geht gegen null. Da heißt es dann meist, ihr Lehrer habt doch einen so ruhigen Job, nur vormittags arbeiten etc.... Das man zumindest als motivierter Referendar sich erstmal aus dem Nichts das gesamte Unterrichtsmaterial zusammensuchen bzw. es selbst erstellen muss und dafür schuften muss wie blöd sieht kaum jemand. - #7 30.04.2012 10:35 von
DANKE!!! danke, danke, danke für diesen artikel. ich hab das ref. seit 2 jahren hinter mir und kann nur sagen, es war ein absoluter alptraum. habe mein ref. in berlin gemacht, wo besonders gespart werden muss, d.h. dass man als referandar oftmals noch nicht mal kompetente ausbildungslehrer hat. man muss den unterricht von anfang an alleine gestalten, nach den lehrproben kriegt man dann vorgehalten, was man alles falsch egmacht hat. man muss sich sozusagen selbst ausbilden bzw. nach und nach herausfinden, was die seminarleiter gerne sehen wollen. zudem ist die kritik oftmals sehr nah an der person...
- #8 30.04.2012 10:35 von
Da ist wohl jemand neidisch? Warum sind wir nur solch eine Neidgesellschaft?
Ich bin kein Lehrer und auch kein Lehramtsstudent, aber meine Freundin studiert in Bayern Mathe und Informatik auf Lehramt und darf im kommenden Jahr auch ihr Staatsexamen ablegen. Bisher war ihr Studium knüppelhart und mit manch einer "ruhigen" 50-Stundenwoche in der freien Wirtschaft nicht zu vergleichen. Die wäre eine geregelte Kuschelwoche im Vergleich dazu gewesen.
Dass das im Ref so weiter geht, würde mich keineswegs überraschen.
Was danach kommt? Aus manch einer Sicht, ruhiges Leben, gute Kohle und und und und... Mag sein! Aber wisst ihr was? Ich gönne es den Lehrern und bin da keineswegs neidisch drauf. Wozu auch? Was bringt's mir? - #9 30.04.2012 10:37 von garfield
Zitat: "Therapeut Uwe Rohlje hat Patienten, die nach nicht so gelungenen Unterrichtsbesuchen niedergemacht werden, mit Sätzen wie diesem: "Für die Schüler wäre es besser gewesen, Sie hätten die Stunde nie gehalten." Und dass, obwohl die Referendare in ihrem Lehrerseminar angehalten würden, noch in der schlechtesten Schüler-Leistung Positives zu finden."
Exakt. Genau DIE Erfahrungen haben meine damaligen Mitreferendare und ich gemacht: Wenn wir die Schüler im Unterricht nicht mit Samthandschuhen anfassten, wurden wir kritisiert so nach dem Schema "Die armen Schüler werden doch völlig demotiviert. Das können Sie doch nicht machen". Der eigene Unterricht hingegen wurde in der "Auswertung" nach den berüchtigten "Vorführstunden" für die man stundenlang, ja tagelang Material zusammengetragen und sich vorbereitet hat, aufs mieseste niedergemacht, so dass so manche(r) Referendar(in) (nicht nur hinterher) "nah am Wasser gebaut" hatte.
Und da man ja gelernt hat, Unterricht und Leistungen zu bewerten, kann man wohl auch halbwegs korrekt seinen eigenen Unterricht einschätzen, ob er wirklich so daneben war, wie man oft vorgehalten bekam.
Nun mag ich mir ja das "falsche" Bundesland für mein Referendariat ausgesucht haben, aber nie zuvor und danach wurde ich in meinem Leben so unfair bewertet.
Ich bin heilfroh, dass ich aus der Tretmühle raus bin und einen Job habe, wo ich keine Schlafprobleme mehr habe, dafür sogar noch deutlich mehr Einkommen.
Ich kann abends komplett abschalten, muss nicht wie meine Schwägerin
bis in die Nacht Korrekturen und Vorbereitungen machen und mir dafür
vorhalten lassen, was für ein tolles Leben doch diese "faulen Säcke" und "Halbtags-Lehrer" haben.
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