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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht

Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
  1. #50

    Sie haben recht!

    Zitat von khaja Beitrag anzeigen
    Nein, Referendare sind Beamte auf Widerruf.

    Beamter (Deutschland)
  2. #51

    Ja klar.

    Zitat von ginfizz53 Beitrag anzeigen
    ... kann man nicht mehr hören...
    Ende der siebziger hatte ich einen ein Jahr lang einen Lehrauftrag an einer Gesamtschule bei Hanau. Zwölf Wochenstunden Chemie und Physik. War damals im vierten Semester und habe das quasi nebenbei gemacht, samt Zeugniskonferenzen etc.
    Ja, so wird ihr Unterricht auch ausgesehen haben.
    Mir kann keiner erzählen, dass man gerade Physik und Chemie mal so nebenbei macht. Es sei denn man betreibt ausschließlich Tafelchemie/-physik.
    Normalerweise sieht sowas so aus - bei einem Schülerversuch:
    Materialien zusammensuchen. Aufbauen. Mindestens einmal ohne Schüler ausprobieren, damit man sieht, ob der Versuch so, wie man ihn sich vorstellt, überhaupt funktioniert. Gegebenenfalls Modifikationen vornehmen (Chemikalien gegen andere ersetzen. Mengen erhöhen/reduzieren. Andere Instrumente). Arbeitsblatt entwerfen. Je nach Fähigkeit der Klasse jetzt einen Klassensatz Materialien/Chemikalien zusammensuchen/abwiegen.

    Gerade wenn man anfängt, geht für sowas schon mal gerne der halbe Nachmittag drauf.
    Das macht man nicht nebenbei - das kann mir keiner erzählen und ist auch komplett realitätsfern.
  3. #52

    Die armen Referendare

    Zitat von ehrensöldner Beitrag anzeigen
    Die Bildungspolitik bei uns in Schleswig-Holstein (merke: kommendes WE Wahl!) ist eine einzige Katastrophe. Hin und her und her und hin. Auf der Strecke bleiben neben den Lehrern und den Schülern auch die Referendare. Nach dem G8-Wahnsinn und dem entmenschlichenden.....
    Mir kommen die Tränen. Das Gejammer der Lehrer ist hinreichend bekannt. Jetzt wird schon vorher damit angefangen. Wer nach einem - im Vergleich zu anderen Fächern - recht lockeren Lehramtsstudium mit Mitte zwanzig nicht in der Lage ist, ein paar Monate Stress zu ertragen sollte nicht zum Lehrer gemacht werden. Leute, reisst euch doch zusammen! Es winken ein sicherer Job, 28 Wochenarbeitsstunden, zehn Wochen Ferien, Haushaltstage, "pädagogische Tage", Beihilfeansprüche, stresslos sechs Wochen im Jahr krank werden (jedes Jahr natürlich) und alle anderen staatlichen Segnungen bis zur wohlverdienten Frühpensionierung! Da kann mann sich auch mal ein bisschen Druck antun!
  4. #53

    Danke für diesen Artikel!

    Vielen vielen Dak für diesen Artikel! Endlich schreibt mal jemand darüber, wie es im Referendariat wirklich ist! Ich hoffe, dass durch Artikel wie diesen die Erkenntnis, dass Lehrer zu sein (und erst recht Referendar zu sein!) kein fauler Halbtagsjob ist, endlich langsam in der Gesellschaft durchdringt.

    Ich habe im Januar in BaWü mein Referendariat angefangen und von den Referendarskollegen, die ein Jahr über uns sind, schon die eine oder andere Horrorgeschichte gehört. Von selbstgewussten jungen Frauen, die voll Motivation ins Ref einsteigen und jetzt ein gebrochenes Häufchen Elend sind. Davon, dass wohl nicht wenige Beziehungen von Referendaren wegen der übergroßen Belastung zerbrechen. Von Prüfern, die Kandidaten durchfallen lassen oder ihnen eine schlechte Note verpassen, weil "man noch mehr aus der Stunde hätte rausholen können" oder die Methoden "eher zu einer neunten als zu einer zehnten Klasse gepasst hätten". Auch werden Referendare gerne von der Schule zu Extraarbeiten wie die Organisation eines Schulfestes eingespannt, weil der Rest des Kollegiums der Meinung ist, die haben ja nichts zu tun und können diese Aufgabe ja locker übernehmen. Als Referendar kann man sich sehr schlecht weigern, solche Extraaufgaben zu übernehmen, da die Bewertung des Schulleiters eine großen Anteil an der späteren Gesamtnote hat und dieser Referendare nur nach ihrem Engagemt für die Schule bewertet (vom Unterricht bekommt er ja fast nichts mit).

    Mir persönlich geht es noch recht gut und ich muss auch sagen, dass ich ziemlich nette Fachleiter erwischt habe. Dass diese Fachleiter weltfremd sind und seit 20 Jahren nicht mehr unterrichtet haben, kann ich nicht bestätigen. Alle Seminardozenten, die ich kenne, arbeiten dort nur nebenher und sind die meiste Zeit weiterhin als Lehrer an den Schulen. Das finde ich auch gut so. Dennoch schützt das natürlich nicht davor, dass man als Referendar ihrem Urteil hilflos ausgeliefert ist. Wenn dem Fachleiter irgendein Detail an einer Unterrichtsstunde nicht gefällt, und sei es nur sein persönlicher Geschmack & Stil, kann er eine schlechte Note vergeben. Manchmal kennen sich sogar Fachleiter, Prüfungsvorsitzende und Schulleiter und stehen sogar in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander...
  5. #54

    Fortsetzung von oben...

    Referendare sind also Druck von vielen Seiten ausgesetzt, aber ich möchte auch einen wichtigen Aspekt nicht unterschlagen: v.a. Referendarinnen machen sich selbst und gegenseitig ebenfalls großen Druck! Da wird stolz herumerzählt, dass man in den Ferien die ganze Zeit nur am Schreibtisch saß und zwei komplette Unterrichtseinheiten vorbereitet hat, dass man gestern wieder bis nachts um 3 Unterricht geplant hat, dass man nach 1 Monat an der Schule schon 20 Stunden selbst unterrichtet hat, etc. Diese zu Schau gestellte Selbstkasteiung, die v.a. weibliche Exemplare (ich bin selbst eine Frau), die ja in der Mehrzahl sind, an den Tag legen, führt dazu, dass es bei Teilen der Referendarinnen schon als unanständig gilt, sich mal etwas Freizeit zu nehmen. Eine Kollegin traute sich gar nicht, zu erzählen, dass sie in den Ferien im Urlaub war, weil "man ja von Referendaren erwartet, dass sie nicht in den Urlaub fahren". Solche Einstellungen finde ich sehr bedenklich.

    Das Problem ist, dass man eine Unterrichtsstunde unendlich lange zur Perfektion vorbereiten kann und wenn nun eben 70% der Referendare ihre komplette Freizeit opfern und bis nachts um 3 an der Vorbereitung sitzen, dann kommt eben auch bei den begleitenden Lehrern, Schulleitern und Prüfern an, dass solche über die Maßen lange vorbereiteten Stunden der Regelfall sind. Wer seine Stunde innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens vorbereitet und dann eben kein selbstgebasteltes Pferd aus Pappmaché o.ä. als Anschauungsmaterial mitbringt, bekommt dann eine schlechte Note, weil seine Stunde im Vergleich zu denen der anderen unspektakulär ist. So schrauben die Referendare auch selbst die Ansprüche an sich und ihre Kollegen nach oben! Allerdings ist es sehr schwer, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, denn jeder will ja nur die besten Leistungen zeigen...
  6. #55

    ...sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Mein Gott, kann mir doch keiner erzählen, dass 70 Wochenstunden (was sicher nur am Anfang der Fall ist) und die Kinder soooo ein großes Problem sein sollen. Ich denke eher, das Problem beim Lehrerberuf ist, das (zumindest an öffentlichen Schulen) meist nur der akademische Bodensatz Lehrer wird ... Leute, die vom Kopf her die Schule nie verlassen haben und plötzlich merken "Huch, ich muss ja arbeiten" ... wie gut, dass ich meine Kinder auf eine Privatschule schicke :))
  7. #56

    ich seh die sache zwiespältig: ich habe großen respekt vor dem job des lehrers allgemein : das ist harte, anstrengde arbeit und davon nicht zu wenig. ABER ich sehe auch das immer mehr leute lehrer werden die m.E. einfach nicht das Zeug dazu haben. Früher gab es einfach mehr respektspersonen (männlich wie weiblich) im lehrerjob. jetzt sehe ich (nicht nur aber überwiegend) introvertierte, harmoniebedürftige ph-pflänzchen im lehrerberuf die von pubertierenden jugendlich teils heillos überfordert sind. da nützt alle psychologische vorbildung nicht: ein paar blöde sprüche von der klasse kassier und schon wird daheim der burnout heraufbeschworen. der berufsstand der lehrer braucht einfach mehr alphatiere (wie gesagt: männlein wie weiblein) und keine fluffigen sozialarbeiter!
  8. #57

    Zitat von 081172 Beitrag anzeigen
    Daß sie überhaupt kommt, ist Skandal genug.
    Lehrer sollen gut bezahlt werden, keine Frage - sie haben eine wichtige Aufgabe! Aber bitteschön nicht als Beamte, denen ab dem Tag der Verbeamtung nichts mehr passieren kann. Da werden jede Menge Pfeifen mitgeschleppt, die den Beruf als Ganzes in Verruf bringen. Es gibt auch angestellte Lehrer - die machen ihre Sache genauso gut oder schlecht wie die Beamten.
    Dann erklären Sie mir (Lehrer) doch mal bitte, warum ein Akademiker (ich!, kein Staatsexamen, sondern Diplom) in irgendeiner Art und Weise den Beruf wählen sollen?!?

    Ich kann auch in die 'freie' Wirtschaft gehen, den ganzen Tag kaffee-trinkend im Büro sitzen, um 17 Uhr Feierabend (Mittagspause? Ja sicher in der Kantine!) und sich dann über die Lehrer aufregen, die ab 11 Uhr im Freibad rumlungern und nix mehr machen... <- zurückgebasht!
    Wer den Lehrerberuf als sooo bevorzugt empfindet, kann sehr gerne Lehrer werden. Gibt genug freie Stellen.
    Aber für Studium-Referendariat und Schülerbespassung braucht man Cojones.
  9. #58

    Aha.

    Zitat von 081172 Beitrag anzeigen
    Daß sie überhaupt kommt, ist Skandal genug.
    Lehrer sollen gut bezahlt werden, keine Frage - sie haben eine wichtige Aufgabe! Aber bitteschön nicht als Beamte, denen ab dem Tag der Verbeamtung nichts mehr passieren kann. Da werden jede Menge Pfeifen mitgeschleppt, die den Beruf als Ganzes in Verruf bringen. Es gibt auch angestellte Lehrer - die machen ihre Sache genauso gut oder schlecht wie die Beamten.
    Ja, da kommen dann so lustige Sachen bei raus, wie in Hessen.
    Dort wurden dann schön Lehrer pünktlich zu den Sommerferien entlassen und nach den Sommerferien wieder eingestellt.
    Und sie lenken auch vom Thema ab: Es geht hier nicht um die Verbeamtung. Sondern es geht um den Vorbereitungsdienst, in welchem Azubis (denn solche sind Referendare) als normale Angestellte verheizt werden.

    Stellen sie sich das mal bei einem anderen Beruf vor, sagen wir Tischler. Da wird dann von ihnen erwartet, dass sie von Tag 1 an perfekte Schränke produzieren.
  10. #59

    ...sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Mein Gott, kann mir doch keiner erzählen, dass 70 Wochenstunden (was sicher nur am Anfang der Fall ist) und die Kinder soooo ein großes Problem sein sollen. Ich denke eher, das Problem beim Lehrerberuf ist, das (zumindest an öffentlichen Schulen) meist nur der akademische Bodensatz Lehrer wird ... Leute, die vom Kopf her die Schule nie verlassen haben und plötzlich merken "Huch, ich muss ja arbeiten" ... wie gut, dass ich meine Kinder auf eine Privatschule schicke :))








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