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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht

Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
  1. #420

    bin referendar

    Zitat von Xangod Beitrag anzeigen
    Die Junglehrer haben also eine 70 Stundenwoche. Das heißt, wenn man die beiden großen Pausen (die wird es doch noch immer geben) und dazu eine Mittagspause und eine Nachmittagspause mit einrechnet, eine Arbeitszeit (jeden Tag, auch samstags und sonntags!) von morgens um acht bis abends um acht. Warum müßt Ihr immer so übertreiben. So ist das doch klar, daß das pure Jammerei von Previlegierten ist. Lehrjahre waren schon immer keine Herrenjahre. Und dafür habt Ihr dann hinterher umso mehr Zeit. Und die Ferien gelten doch auch für Referendare.
    Und Sie haben keine Ahnung. Wenn ich nur von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr arbeiten müsste wäre ich froh.
    In den großen Pausen versucht man sich schnell nen Kaffee und ne Semmel reinzuschieben, um zumindest was im Magen zu haben. Der Rest von den Pausen geht dann mit Besprechungen und Experimentevorbereiten oder Kopieren drauf.
    "Warum müsst ihr immer so übertreiben?" Ja warum wohl? Weil´s der Wahrheit entspricht.
  2. #421

    Zitat von elizar Beitrag anzeigen
    Und Sie haben keine Ahnung. Wenn ich nur von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr arbeiten müsste wäre ich froh.
    In den großen Pausen versucht man sich schnell nen Kaffee und ne Semmel reinzuschieben, um zumindest was im Magen zu haben. Der Rest von den Pausen geht dann mit Besprechungen und Experimentevorbereiten oder Kopieren drauf.
    "Warum müsst ihr immer so übertreiben?" Ja warum wohl? Weil´s der Wahrheit entspricht.
    Es gibt zwei Strategien, dem zu entkommen.

    Wenn es bei Ihnen auf die Abschlussnote ankommt, konzentrieren sie sich auf das Seminar und nur das Seminar. Vernachlässigen Sie alles, was nicht direkt in die Note eingeht. Wenn Sie sechs Stunden (pro Woche!) eigenverantwortlichen Unterricht geben müssen, von dem außer den Schülern niemand etwas mitbekommt, dann kostet Sie das in der Woche genau 4,5 Stunden Arbeit, nämlich 6*45min Anwesenheit. Bis die Schüler merken, dass Ihr Unterricht schrottig ist, weil Sie sich überhaupt nicht vorbereiten, und Sie Ihre Klassenabeiten schlampig korrigieren, und bis daraufhin die Eltern rebellieren, sind Sie längst durch die Prüfung und haben die Bestnote, weil sie ihren Fachleitern in den sechs Vorzeigestunden (pro Jahr!) nur das beste vom besten gezeigt haben. Das eigentliche Unterrichtshandwerk können Sie dann anschließend in Ruhe lernen, wenn Sie Ihre erste Stelle antreten, die Sie sich dank der guten Noten aussuchen können.

    Wenn es bei Ihren nicht auf die Abschlussnoten ankommt, weil Sie zum Beispiel ein Mangelfach unterrichten oder gerne zurück in Ihre Heimat auf dem Lande wollen, verfahren Sie genau umgekehrt. Konzentrieren Sie sich auf die tägliche Arbeit in der Schule, lernen Sie von guten und sympathischen Kollegen, wie man unterrichtet und wie das tägliche Geschäft abläuft, und geben Sie dem Seminar nur das nötigste. Sie werden dann zwar nur mit ausreichend bestehen, aber trotzdem Ihre ausgesuchte Stelle bekommen, weil Sie nämlich der einzige Bewerber seit zwei Jahren sind. Und dort werden Sie in wenigen Monaten zu einem angesehenen und beliebten Kollegen werden, weil Sie gar nicht erst mit den Hirngespinsten ankommen, die Sie im Seminar gelernt haben, sondern vom ersten Tag an einfach guten Unterricht machen. Nach Ihrer Abschlussnote wird Sie nie im Leben mehr jemand fragen.
  3. #422

    Kollege

    25 Jahre habe uich an einer Gesantschule im Ruhrgebiet geararbeitet. Nun bin ich müde geworden und auch schon früh pensioniert.
    Die Arbeit ist sehr anstrengend und oft erfolgkos.

    Well, schreiben Sie mir, wenn Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
  4. #423

    Zitat von quadraginti Beitrag anzeigen
    Ultraleichtes Studium, (nahezu völlig) geschenktes Examen: Tja und irgendwann beginnt der Ernst des Lebens.

    Die weinerlichen Jung-Lehrer können ja in die Industrie gehen.
    Nur die Harten kommen in den Garten...

    Wenn ich Eierschaukeln will , gehe ich in die Industrie, mache meine 8 Stunden am Tag, scheffele dick Kohle und bin entspannt, wenn ich etwas bewegen und junge Menschen auf den Weg führen will, werde ich Lehrer, mache meine durchschnittlich 12 Stunden pro Tag, verdiene wenig und muss mir von den Weicheiern aus der Industrie was von"richtiger Arbeit" anhören. Jeder Lehrer kann jeden beliebigen Job in der Industrie mit Leichtigkeit machen, aber die Leute aus der Industrie, die Seiteneinsteiger im Lehrereberuf werden wollen, schmeißen nach 4 tagen das Handtuch, weil die Arbeitsbelastung mit Leichtigkeit dem Doppeltem entspricht.
  5. #424

    Habe mir zahlreiche Forenbeiträge durchgelesen und bin wieder auf die stereotypischen Zuschreibungen gestoßen. Bin selbst Referendar in Niedersachsen und stehe kurz vor dem 2.Examen. Prinzipiell ist für mich zu sagen, dass es alles machbar ist...wobei unterschieden werden muss, ob man ledig ist oder bereits Familie zu Hause hat. Das macht einen riesigen Unterschied aus, wie ich mitbekommen habe. Im zweiten Fall verlagert sich die Arbeit schon öfter mal in die Nacht und hat zur Folge, dass die Zeit des Referendariats über Dauer immer belastender wird. Ganz schwierig finde ich diese andauernden Vergleiche zwischen dem Lehrerberuf und allen anderen Berufen, die es ja fast immer "schwerer" haben. Diese Gegenüberstellungen hinkt und nervt...keine Seite wird mit ihrer Argumentation recht haben. Ganz einfach, weil Schule nicht freie Wirtschaft oder irgendwas anderes ist und umgedreht genauso und das ist vor allem eins...GUT! Ich bin persönlich bin auch froh, nicht in der heutigen Zeit in einem rational nach dem ökonomischen Prinzip geführten Unternehmen (Branche relativ egal) arbeiten zu müssen. Jegliche Pauschalisierungen in Bezug auf das Hochpushen oder gegenseitigen Vorwerfen von Arbeitszeitpensum sind ebenso schwachsinnig. Wie überall (zumindest in den meisten akademischen Berufen...lassen wir mal Schichtarbeiter mit Doppelschichten, Klinikärzte, Wachpersonal,Krankenhauspersonal u.Ä. weg...die hätten für mich berechtigten Grund ihr Leid loszuwerden) git es auch im Lehrerdasein Phasen, die ein tatsächlich hohes Arbeitspensum erfordern und Ferien sind nicht wirklich gleich Freizeit. Wer miterlebt, was Abiturarbeitenkorrektur wirklich bedeutet, der kann das evtl. realistischer einschätzen. Dennoch sind das auch keine Gründe zu jammern m.E. nach, dafür ist die Arbeit oft einfach nur zu schön (zu beachten dabei sind natürlich auch oft die Rahmenbedingungen wie Schulform, Einzugsgebiet, Kollegium etc.).
    Im Generellen kann man sagen, dass, wer sich hier zu sehr beklagt, egal welchen Job er ausübt, doch noch mal in sich gehen sollte. Wer zu sehr über die freie Wirtschaft und die meinem Empfindens nach wirklich zu hohe Ressourcenverwendung beklagt, sollte darüber nachdenken, dass in der Hinsicht grundsätzlich etwas schief läuft und nicht mit Argwohn auf andere "priviligierte" Berufe schauen. Verdienst und Beamtentum (nicht in allen BL--> eigentlich ne Frechheit, dass eher Ungleichheit zwischen Angestellten und Beamten in diesem Zweig herrscht) sind doch im Grunde okay oder sagen wir besser angemessen (rein finanziell gesehen), wenn man die Ausbildungszeit,akademischen, stetige Ungewissheit, Bevormundung bis weit in die Volljährigkeit, teils gesellschaftliche Wertschätzung bedenkt. Anmaßend ist in dem Zusammenhang zu meinen, dass ein Lehramtsabschluss "einfach" ist und "geschenkt" (musste ich teilweise hier lesen), das ist zum ersten schon einmal fächerabhängig (Sport ist sicherlich etwas anders als Mathe oder bei Begabung oder Interesse als Kunst oder Geschichte), allerdings aus meiner Erfahrung nehmen sich diese Abschlüsse so gut wie nichts zu jeglichen Diplom-, bzw. Masterabschlüssen, wohingegen z.T. inhaltliche Teile durch Didaktik oder Pädagogik ersetzt/ergänzt werden, ansonsten läuft doch Lehramt parallel zu den anderen Studiengängen, vielleicht mal abgesehen von Pädagogischen Hochschulen, die Schwerpunkte setzen wie es auch TUs in den technischen-, nawi- Bereichen machen. Studiengangrassismus (um das mal hart zu formulieren) ist sowieso bescheuert und sinnlos in einer Zeit in der man nach seinen Interessen gerichtet agiert. Ansonsten müsste man auch BWL oder sonstige Managment-Studiengänge mit z.B. Medizin vergleichen (da ist recht klar ein Anspruchsgefälle erkennbar, aber was solls!).
    Für das Referendariat zählen natürlich auch viele Einflüsse für das subjektive Empfinden....Qualität von Fachseminaren sind natürlich unterschiedlich und auch Bewertungskriterien sind öfter intransparent, weil der Job egal mit welch idealistischen Anspruch er durchgeführt wird, subjektiv geprägt ist, was auch gar nicht anders geht. Auch ich als Lehrer lasse mich gegebenenfalls subjektiv leiten und kann das bei Seminarleitern daher auch nachvollziehen. Arschlöcher gibt es halt überall und die machen auch nicht vor dem Lehrerberuf halt. Man sollte dennoch die Zeit einfach so überstehen, auf ne Stelle hoffen und dann kann einem mehr zurückgegeben werden unabhängig monetärer extrinsinsischer Motivation ;). Vielleicht sollte man sich auch von dem perfektionistischen Anspruch verabschieden (es sei denn man kann gar nicht anders), sonst birgt auch der Lehrerberuf wie viele andere Branchen die Gefahr nur noch für die Arbeit zu leben. Man kann damit zwar auch seine Erfüllung finden, oder scheitert eben an diesem Ideal. Es ist auch nicht entscheidend, der größte Sachwissensroboter zu sein, der alles nach den vorgegebenen didaktischen Richtlinien erledigt, der verkennt nämlich, dass den Gegenüber (das eigentliche Zentrum: der SCHÜLER) dies irgendwie oft recht wenig interessiert, sondern irgendwo die menschliche Komponente oder personale Kompetenz wesentlich wichtiger sind und eher Gelassenheit, Souveränität und ein Quentchen Humor das Dasein wesentlich angenehmer machen, als lebensfremde Perfektion, zumal diese Modelle guten Unterrichts zumeist trendgesteuert sind wohl auch im 5-10Jahresrhythmus verworfen/überarbeitet/abgelöst werden). Hört sich zwar so an, als würde ich das nicht so ernst nehmen...dem ist aber weitgefehlt...nur ist mir ein erhöhtes Maß an Empathievermögen halt deutlich wichtiger. Für die weitere Expertise in Bezug auf Methodik und Didaktik hat man auch noch nach dem Ref Zeit, sollte dies nicht ausgereicht haben, ansonsten sind andere Qualitäten bedeutsamer, die diesen Beruf ausmachen....Und tatsächlich mit Berufen in der immer wieder angeführten "freien Wirtschaft" (was ist das überhaupt :D...gibts nicht!!!) möchte ich nicht tauschen, auch wenn das heißt, dass ich wohl die meisten Arbeitsjahre nicht nach nem 8-10h nach Hause komme, die Tür schließen kann und Fünf gerade sein lassen bis zum nächsten Tag oder übers Wochenende (aus Erfahrungsberichten zahlreicher Freunde, die größtenteils studiert haben und in den verschiedensten Branchen arbeiten, kann ich darauf schließen, dass es oft so ist-> das ist im Lehrerberuf öfter anders...Arbeitsplatz vornehmlich zu Hause und erfordert hohes Maß an Eigenmotivation und tatsächlich auch mehr zu Zeiten arbeiten, wo viele andere frei haben...) Richtig hart arbeiten und Grund zum Beschweren haben wohle eher Arbeiter aus ganz anderen sozialen Schichten, denen es meist an jeglicher Anerkennung fehlt und trotzdem viel Arbeit unter schlechten Bedingungen und noch schlechterer Bezahlung leisten müssen. Aber das wäre eher eine gesellschaftskritische Diskussion und nicht passend. In diesem Sinne muss ich noch ein Arbeitsblatt vorbereiten...
  6. #425

    Horrorzeit Referendariat

    Leider ist das alles nur zu wahr. Wobei ich froh gewesen wäre, wenn es keine zwei Jahre gewesen wären. Es war die schlimmste Zeit meines Leben. Unmenschlich. Psychoterror.
    In Bayern sind es im Einsatzjahr sogar bis zu 17 Stunden, zusätzlich Seminarberichte schreiben, Schulaufgaben nochmals nachkorrigieren, weil auch der Betreuungslehrer noch Verbesserungswünsche anmeldet, überhaupt der Spagat zwischen Betreuungslehrer und Seminarlehrer. Man sollte es ja beiden Recht machen.
    Tja, heulen könnte man wirklich, denn die wenigsten bekommen gleich eine Planstelle. Die meisten haben danach Aushilfsverträge, ganz normal gesetzlich versichert. Frührente? Wohl kaum.
  7. #426

    Zitat von katlyncat Beitrag anzeigen
    Es war die schlimmste Zeit meines Leben. Unmenschlich. Psychoterror.
    Also ich habe im Referendariat viel nützliches gelernt. Das System ist nicht schlecht. Innerhalb von zwei Jahren erfährt man alle vermeidbaren Fehler, die man als Lehrer seinen Schülern antun kann, am eigenen Leib: Hirnrissige pädagogische Methoden, sinnlose Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, nicht nachvollziehbare Bewertungen, peinliche Beratungsgespräche, ... Man stelle sich vor, man würde alle diese Fehler selber machen, wenn man anschließend im „echten“ Beruf ist.
  8. #427

    Schmerzensgeld

    80% des Gehaltes sind Schmerzensgeld, weil man als Lehrer, Refrendar oder Student von jedem angepampt wird, der schon mal eine Schule/Uni von weitem gesehen hat und weil jeder den man trifft meint, er könne den Job besser machen, als man selber.
    Wie es mir im Leben nicht einfallen würde, einfach mal eine Runde Maurer zu hassen, oder Büroangestellte, oder Straßenarbeiter. Aber bei Lehrern darf jeder mal ordentlich draufkloppen und sich selber anschließend besser fühlen.
  9. #428

    Arme angehende Lehrer ... Im normalen Berufsleben wird auch keiner zwei Jahre lang angelernt. Also bitte, wer zwei Jahre braucht um ne Klasse in den Griff zu bekommen, obwohl er selbst 13 Jahre lang gesehen hat wie Unterricht funktioniert, der tut mit leid. Das Problem liegt meiner Meinung nach an den Persönlichkeiten der Lehrer. Kaum ein Lehramtsstudent heut zu Tage hat noch Eier ( vulgär, ich weiß). Keiner traut sich den Kiddies zu sagen wo der Hase läuft. Persönlichkeiten mit genügend Selbstbewusstsein und Respekt, gehen lieber den Weg in die Wirtschaft.
  10. #429

    Von wegen..

    @ Tyrion: Für meine "bevorzugte" Behandlung zahle ich monatlich einen nicht geringen Versichungsbeitrag.. also erst mal informieren und dann schreiben! -Ich kann dem Artikel oben nur zustimmen! Mit erster Klasse hat das nicht viel zu tun - jedem steht es frei, sich privat zu versichern. Lehrer dagegen haben keine andere Wahl. Man sollte sich in dem Zuge auch mal überlegen, wie Menschen wie "Tyrion" zu solchen Ansichten kommen: Die Gesellschaft lebt es vor, dass Lehrer "nichts wert" sind - aber für vieles die Schuld tragen müssen, was "weiter oben" verzapft wird.


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