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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht

Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
  1. #410

    Vergänglichkeit

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    Damit zog er auch schon in die Studienseminare in NRW ein.

    Arme Referendare (m/w)
    Sie hinken der Zeit hinterher! Kein Referendar und auch kein Lehramtswärter wird mehr in NRW in einem Studienseminar auf "Schule" vorbereitet, es gibt auch keine Haupt- und Fachseminare mehr. Alles wird gut....

    Diese Institutionen bezeichnen sich jetzt als

    Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung

    Wenn das mal kein Fortschritt ist:(
  2. #411

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    ...Wenn Junglehrer ausbrennen können, dann ist das ein zeichen, dass Substanz, die brennbar ist, vorhanden war.

    Wenn Hochschulprofessoren wie Rauin unbrennbar sind, dann wohl eher wegen fehlender Substanz...
    Sie machen hier einen Denkfehler, indem Sie -chemisch betrachtet- von der Oxidation ausgehen. Wie wir aber alle wissen, basiert die im Bildungswesen herrschende Theorie auf dem Phlogiston bzw. neusprachlich der Kompetenz.

    Beiden hypothetischen Substanzen ist es eigen, dass sie bei der Verbrennung entweichen und bei der Erwärmung aufgenommen werden. Dieser Prozess findet sich ja auch um Sprachgebrauch wieder, so werden rational denkende Menschen als "kalt" wahrgenommen, während der Begriff "sich für etwas erwärmen" eindeutig eine Aufnahmebereitschaft anzeigt. "Für etwas brennen" wiederum bedeutet eine Begeisterung; ein Enthusiasmus, der sich meistens nach außen richtet und andere anstecken will*.

    Letzterer lässt sich bei Lehr-Lern-Forschern feststellen; ergo strahlen sie Kompetenz aus. Die Verantwortlichen in der Bildungspolitik -ja sogar die dortigen Unverantwortlichen- wiederum lassen sich leicht erwärmen**. Und da -bildlich geschrieben- die intellektuelle Oberfläche dieser Leute wesentlich größer als das intellektuelle Volumen ist, kommt es hier dann auch schnell zur Verbrennung (siehe auch "Staubexplosion").

    Der Prozess Erwärmen --> Verbrennen bzw. Kompetenz ausstrahlen --> Kompetenz aufnehmen setzt sich dann in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung zwischen Seminarleitern und Referendaren/LiA fort und kommt als gewollte Kettenreaktion dann letztendlich bei den Schülern an. Dass Junglehrer verbrannt sind, ist also tatsächlich ein Indikator*** dafür, dass Kompetenzen auch wirklich weitergegeben wurden.

    Umgekehrt deutet ein gelassenes und entspanntes Auftreten des angehenden Lernbegleiters (und der praktizierenden Lehrer) darauf hin, dass hier jemand seine Pflichten vernachlässigt. Um dies zu verhindern wird die Ausbildung immer weiter gestrafft bzw. der Berufsalltag mit Katalysatoren wie Binnendifferenzierung oder Inklusion versehen, die die Reaktionsgeschwindigkeit der "Verbrennung", also der Kompetenzvermittlung, heraufsetzen sollen.

    Fazit: Wie die Phlogiston-Theorie scheint auch die Kompetenz-Theorie einige der beobachteten/beobachtbaren Vorgänge zu erklären. Und damals wie heute werden die vielen zur Theorie widersprüchlichen Prozesse durch bizarre Ausnahmen und Auslegungen begründet. Die Zukunft aber wird auch hier zeigen, dass man in der Lehr-Lern-Forschung von sensationell falschen Voraussetzungen ausging, wie es aber bei allen präwissenschaftlichen Disziplinen der Fall ist. In Anlehnung an die Alchemie und in Entsprechung der Bildungsresultate wird man diese dann als Aldidaktik bezeichnen.

    *: Hat der Wunsch, jemanden anzustecken, damit er für etwas brennt, die Entgeisterung zur Folge, muß man von Hexenverfolgung oder Fanatismus sprechen. Allerdings nicht im Bereich der Pädagogik/Didaktik. Der Grund dafür ist unbekannt.

    **: Woraus man schließen kann, dass es sich nicht um rational denkende Wesen handelt.

    ***: Natürlich mit SMART-Kriterien
  3. #412

    Schlussfolgerung

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    Sie machen hier einen Denkfehler, indem Sie -chemisch betrachtet- von der Oxidation ausgehen. Wie wir aber alle wissen, basiert die im Bildungswesen herrschende Theorie auf dem Phlogiston bzw. neusprachlich der Kompetenz.

    Fazit: Wie die Phlogiston-Theorie scheint auch die Kompetenz-Theorie einige der beobachteten/beobachtbaren Vorgänge zu erklären. Und damals wie heute werden die vielen zur Theorie widersprüchlichen Prozesse durch bizarre Ausnahmen und Auslegungen begründet. Die Zukunft aber wird auch hier zeigen, dass man in der Lehr-Lern-Forschung von sensationell falschen Voraussetzungen ausging, wie es aber bei allen präwissenschaftlichen Disziplinen der Fall ist. In Anlehnung an die Alchemie und in Entsprechung der Bildungsresultate wird man diese dann als Aldidaktik bezeichnen.

    *: Hat der Wunsch, jemanden anzustecken, damit er für etwas brennt, die Entgeisterung zur Folge, muß man von Hexenverfolgung oder Fanatismus sprechen. Allerdings nicht im Bereich der Pädagogik/Didaktik. Der Grund dafür ist unbekannt.

    **: Woraus man schließen kann, dass es sich nicht um rational denkende Wesen handelt.

    ***: Natürlich mit SMART-Kriterien
    Darf ich Ihrem fundierten Exkurs entnehmen, dass ratio und Kompetenz sich apriori gegenseitig ausschließen.

    Dann sind rationale Kompetenzen oder eine kompetente Ratio so wenig fortpflanzungsfähig wie Muli oder ein Maultier.

    Beruht die Lern-Lehr-forschung auf einer kompetenzbasierten Ratio oder ist sie Folge ratinaler Kompetenz. Wenn das so ist, dann ist die rationale Kompetenz mit einer "Untiefe" vergleichbar. Die ist ja auch das genaue gegenteil dessen, was die meisten unter diesem Begriff verstehen.
  4. #413

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Wenn das mal kein Fortschritt ist:(
    Sicher meinen SIe „Weiterentwicklung“. Blinder „Fortschritt“ war gestern und das, was uns ins Verderben geritten hat.
  5. #414

    Verwandlungen

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Sicher meinen SIe „Weiterentwicklung“. Blinder „Fortschritt“ war gestern und das, was uns ins Verderben geritten hat.
    Mit Verlaub: "Metamorphose" wäre angebracht.

    (Ovid möge diese Wahl verzeihen).

    Dem Wort Weiterentwicklung -so neutral es auch gemeint sein mag- haftet wegen des "weiter" immer noch etwas Positives an. Und das gibt es bei der Umwandlung der Studienseminare in "Zentren" nicht.
  6. #415

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Sicher meinen Sie „Weiterentwicklung“. Blinder „Fortschritt“ war gestern und das, was uns ins Verderben geritten hat.
    Mit Verlaub: "Metamorphose" wäre angebracht...[]...Dem Wort Weiterentwicklung -so neutral es auch gemeint sein mag- haftet wegen des "weiter" immer noch etwas Positives an. Und das gibt es bei der Umwandlung der Studienseminare in "Zentren" nicht.
    "Metarmorphose" verbindet man wiederum mit der Wandlung einer Larve zum adulten Status und von diesem kann bei Studienseminarleiterinnen und -leitern ... Verzeihung, bei den Vollzugsbeamtinnen und -beamten der ´Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung´ (ZfsL) ja nicht die Rede/Schreibe sein.

    Deswegen würde ich gerne den Begriff der "Transdifferenzierung" einbringen, der vortrefflich das Transzendente des Bildungswesens mit einem der Hauptkatalysatoren desselben verbindet -hier die Binnendifferenzierung. Zudem lassen sich am zoologischen Äquivalent der ZfsL, der "Turritopsis nutricula", auch die Prozesse in den ehemaligen Studienseminaren erklären.

    Das possierliche Quallenwesen kann nämlich Zellen seines Außenschirms zu einer neuen Polypengeneration transdifferenzieren, sich wieder zu einer sexuell unreifen koloniebildenden Lebensform zurück entwickeln und damit praktisch unsterblich werden. Die Übertragung auf das ZfsL, dessen häufige Umbenennung und die darin existierenden Lebensformen überlasse ich nun dem geneigten Leser....
  7. #416

    !

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    Deswegen würde ich gerne den Begriff der "Transdifferenzierung" einbringen, der vortrefflich das Transzendente des Bildungswesens mit einem der Hauptkatalysatoren desselben verbindet -hier die Binnendifferenzierung.
    Ich schließe mich Ihrem Vorschlag vollinhaltlich an, denn Sie eröffnen ungeahnte literarische Möglichkeiten für Parabeln ohne Zahl, insbesondere aufgrund der (für einen Biologen) naheliegenden Analogie zu diesen Quallentierchen.
    Ich hatte eher dieses Tier im Sinne gehabt wegen seiner Wirkung auf bestehende solide Strukturen. (ca. ab 1:20)
    Dennoch danke !
  8. #417

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    Dem Wort Weiterentwicklung -so neutral es auch gemeint sein mag- haftet wegen des "weiter" immer noch etwas Positives an.
    »Weiterentwicklung« ist nie neutral, sondern bezeichnet im politischen Verlautbarungston üblicherweise einen Vorgang, bei dem eine zuvor aus sehr ausführlich erläuterten Gründen eingeführte alternativlose Regelung wieder komplett zurückgenommen wird, weil sie sich als Mumpitz erwiesen hat.

    Mit Spannung erwartet wird in den nächsten 10 Jahren zum Beispiel die Weiterentwicklung der kompetenzorientierten Lehrpläne.
  9. #418

    verharmlosend...

    Also ich finde, dieser Artikel vermittelt nicht einmal ansatzweise eine Vorstellung.
    Auch so ein Satz wie am Ende zitiert ist doch Kinderkram im Vergleich dazu, was wirklich täglich an den Seminarschulen vor sich geht.
    Da herrschen leider allzu oft menschenverachtende Zustände und keiner traut sich das Maul aufmachen, weil jeder Angst hat, sich in dieser Beamtenhierarchie seine Aufstiegschancen zu verbauen.

    Sowas sollte nur jemand machen, der sich distanzieren kann und ein gefestigtes Selbstwertgefühl hat. Sehr hilfreich ist auch eine stabile Beziehung. Wobei das Referendariat für viele Beziehungen auch eine zu große Herausforderung darstellt. Praktisch keine Freizeit und auch am WE genug zu tun. Meist gestresst und folglich oft schlecht gelaunt. Da macht der Partnern schon was mit...

    Und auch für einen selbst nicht leicht. Ich bin während der zwei Jahre 5 Mal umgezogen... Praktisch keine Zeit um Freundschaften aufzubauen, einem Sportverein beizutreten, etc.

    Natürlich ist der Beruf an sich aber sehr schön. Und sicher gibt es auch gute Seminarschulen. Es hängt halt zum überwiegenden Teil - wie ja meistens - von den Vorgesetzten ab. Und das ist eben ein bisschen Glückssache.
  10. #419

    Zitat von nailix Beitrag anzeigen
    Es hängt halt zum überwiegenden Teil - wie ja meistens - von den Vorgesetzten ab. Und das ist eben ein bisschen Glückssache.
    Auch wenn ich Ihre Darstellung nicht unbedingt teile (vielleicht lag die wenige Freizeit ja an den vielen Umzügen), ist dieser letzte Punkt leider wahr. Und nun überlegen Sie mal, wie man schlechte Lehrer oder solche, die keine Lust mehr auf Kinder und Kreide haben, am einfachsten loswird.


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