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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht

Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
  1. #220

    Verstehe

    Zitat von tlogor Beitrag anzeigen
    An den Privatschulen unterrichtet niemand freiwillig, da deutlich schlechter bezahlt. Für das Geld an der Privatschule dürften sie sich im Regelfall bessere Noten für ihre Kinder erkaufen.
    ich nicht. Ich war auf einer Privatschule. Wird da der Oberstudienrat anders bezahlt als der Oberstudienrat an einer Gesamtschule?
    Erst wenn man hier mitliest, merkt man, wie wenig man in Wirklichkeit über den Beruf eines Lehrers weiss.
  2. #221

    Komisch

    Zitat von TimoS. Beitrag anzeigen
    Jaja, die Lehrer.

    In den 90ern waren das bei mir noch in großer Überzahl alternative und links(radikale) Alt-68er, die mich leider negativ geprägt und auch unfair behandelt haben.

    Während meines Studiums habe ich dann festgestellt, daß die meisten Lehramststudenten an meiner Uni heutzutage eher konservative Dorfbewohner und CDU-Wähler sind, die in ihrer Naivität glaubten, als Lehrer irgendwelche Autoritäten ausüben zu können. Die werden sich später aber gewundert haben... ;-))

    Im Laufe der Zeit habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen, daß es lediglich zwei Gruppen von Menschen gibt, die sich für den Lehrerberuf entscheiden. Die einen möchten sich auf Staats- und Steuerzahlerkosten ein schönens Leben mit viel Urlaub und halben Arbeitstagen machen. Und die andere Gruppe besteht aus Menschen, die psychisch angeschlagen, vielleicht sogar krank sind, weil sie in diesem Beruf ihr Helfersyndrom befriedigen möchten.

    Kann sein, daß ich mich im Bezug auf die Kategorisierungen täusche. Ich mag Lehrer aber trotzdem nicht.
    bei meinen Lehrern gabs es imponierende Leute, aber auch skurrile. Bei den Lehrern meiner Kinder habe ich bis auf zwei Ausnahmen nur gut ausgebildete, engagierte und fähige Dienstleister erlebt. Sogar recht interessante Charaktere darunter mit verblüffenden Biographien.
    Erstaunlich fand ich die hohe Anzahl der Lehrpersonen mit internationaler Erfahrung. Erwartungsgemäss relativ wenige Leute mit beruflichen Erfahrungen. Ganz wenige Ingenieure z.B. gegenüber promovierten oder diplomierten Natur- und Geisteswissenschaftlern.
  3. #222

    Ich glaube ginfizz53 ist mit großem Abstand nicht der klügste Mensch der Welt. Systemisch angelegte Überbelastung und Missstände in der Ausbildung muss man ja wohl ansprechen können. Davon profitieren im Endeffekt auch die Schüler, wenn ein Lehrer nach dem Ref noch gesund und motiviert ist und auch gelernt hat, was er braucht. Es ist leichter, 70-80 Stunden Arbeit pro Woche zu investieren, wenn man den Eindruck hat, dass es zielführend und nicht sinnlos ist und dass man dafür auch Anerkennung bekommt. Genau dieses Zerrbild des nörgelnden, eierschaukelnden Lehrers (hier: eigentlich Ref.), das von der arbeitsintensiven und teils frustrierenden Realität deutlich abweicht, macht es nötig, dass man da mal ein wenig Aufmerksamkeit drauf lenkt.

    Dass andere Länder in Vergleichsstudien besser abschneiden (Pisa/Tims), zeigt doch, dass es Verbesserungpotential gibt, was Schulstrukturen, Rahmenlehrpläne und Lehrerausbildung angeht. Außer natürlich, der deutsche Lehrer ist von der genetischen Prädisposition ein nörgelnder Leistungsverweigerer.
  4. #223

    Gelenstelle

    Wer nicht weiß, was eine Gelenkstelle in der Unterichtsverlaufsplanung ist, sollte sich mit Äußerungen bezgl. der Belastung im Vorbereitungsdienst zurückhalten.

    Das frustrierende ist, dass die Notengebung nach Bedarf erfolgt, und nicht nach Befähigung. Im Tal des Schweinezyklus ist die Note egal, ebenso bei Mangelfächern. Auf den Bergen des Schweinezyklus geht jenseits der 1,2 überhaupt nichts.

    Das, was bezüglich der Lehrerpersönlichkeit auch in diesem Forum immer wieder eingefordert wird, ist ein absolutes KO-Kriterium im Vorbereitungsdienst. Wer es sich erlaubt so authentisch zu sein, wie es seiner Persönlichkeit entspricht, der schießt sich selbst ab, außer er ist schon ohne Rückgrat zur Welt gekommen.

    Da Unterrichten eigentlich nicht ohne authentisches Auftreten geht, wird jede Nachbesprechung einer Unterrichtsstunde zu einer grenzwertigen Sache, die nicht ohne Kritik der Person abgeht.
    Es gibt zu wenige Fachleiter, die die Unterrichtsleistung ohne Wertung der Person beurteilen können. Dass sich Ziele auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Mitteln erreichen lassen, ist nichts Neues. - Nur muss man jede gehaltene Stunde dadurch kaputtreden, dass dem Referendar/LAA die unzähligen alternativenMöglichkeiten vorgehalten werden, die er auch hätte nehmen können?

    Das ist so, als ob sie in einem Meeting wegen ihrer Krawatte auf den Grill geworfen würden.

    Übrigens, ich weiß wovon ich rede; ich habe meinen Vorbereitungsdienst im zarten Alter von 40+ begonnen, und fand diesen katastrophal, vorallem die Unterrichtsbesuche.
  5. #224

    Sinn und Unsinn!

    Zitat von stevemuc70 Beitrag anzeigen
    ...
    Grundlagenbildung darf nicht ökonomisiert werden!!!
    Der Weg geht in die andere Richtung: In München gibt es einen Professor, der als "Bildungsökonom" eingeschätzt wird und als "Bereichsleiter für Humankapital" wirkt.
  6. #225

    Titel

    Zitat von nochnleser Beitrag anzeigen
    Aber sicher, das ist der sicherste Weg in den Lehrproben durchzufallen......
    da werden "Showstunden" allererster Güte erwartet, die der tolle Fachleiter selbst so auch nicht hält, weil in der Praxis NIEMAND Zeit hat in eine Unterrichtsstunde 10 Stunden Vorbereitung inkl ausführlichem Protokoll zu stecken.
    Auch wenn diese Lehrproben nicht viel mit dem Arbeitsalltag zu tun haben, so haben sie in meinen Augen dennoch ihre Daseinsberechtigung. Schließlich kann und soll man hier geballt zeigen, was man gelernt hat.
    Und tatsächlich sind solche Stunden auch im Alltag zu leisten, da die Stunde an sich keinen unmenschlichen Vorbereitungsaufwand darstellt. Und die Anfertigung der schriftlichen Aufbereitung fällt ja weg...

    Wer als Lehrer tolle Arbeit leisten will, hat einen knüppelharten Job, der in meinen Augen mit Ausnahme des Gymnasiums nicht ausreichend vergütet wird. Leider interessiert es ungefähr niemanden, ob tolle Arbeit geleistet wird, so dass im Alltag auch noch viele Grundschullehrer aufgrund "nicht erbrachter Leistungen" überbezahlt sind...
  7. #226

    Ich leide nach dem ersten Versuch des Referendariats in Sachsen-Anhalt immer noch an einem "Besuchstrauma". Sobald jemand hinten drinsitzt, kriege ich Bluthochdruck und mir wird schlecht wie einem ertappten Ladendieb.
    Die Sprüche, die ich mir anhören musste: "So eine Scheiße habe ich noch nie gesehen" (vielleicht meine 20. Stunde im Leben und nicht die 10.000e).
    "Ich werde gleich emotional", war noch das Netteste.

    Jahre später habe ich es erneut in Berlin versucht und siehe da:
    Frau R. als Semiarleiter in Deutsch, hilfsbereit, professionell, keine Zicke.
    Ebenso Frau P. in Geschichte, auch wenn etwas abgekühlter, aber sehr professionell und zu 100% immer sachlich geblieben und unterstützend statt destruktiver Kritik.
    Auch die Hauptseminarleiterin Frau S. in Berlin, helfend, beratend, sachlich, professionell beurteilend.
    Aber niemals so herabwürdigend wie das Pack in Sachsen-Anhalt (da herrscht noch voll die DDR im Kopf, hoffentlich sind die bald in Rente).
    Die Stunden in Berlin schwankten zwischen allen Noten, aber kommt man bei dem Beruf nicht DURCH JAHRELANGE PRAXIS ZU ERFAHRUNG?
    Und so habe ich das Ref. in Berlin gemacht und gleich einen Job gefunden, wenn auch Grundschule, aber Vollzeit und bezahlt wie ein Gym. lehrer.
    Die Kinder sind soooooooo lieb! :-)

    EInen kleinen Wermutstropfen gibt es aber: Die Prüfungsvorsitzende in Berlin, die Direktorin eines Gymnasiums, hat sich auf mich eingeschossen ud wollte mich in der Prüfung vernichten. Die Kollegen und Schüler, die am Beratungsraum vorbeigingen, sprachen von scharrenden Stühlen und unterdrücktem Geschrei, denn die anderen wollten das bis zum Schluss ausfechten und eine rein professionelle Einschätzung abliefern und nicht gleich um 08.00 Uhr vor der Prüfung den Tag beenden.
    Sie konnte sich auch nicht gegen die Argumente durchsetzen und hat dann geheult wie ein kleines Baby, weil die anderen Teilnehmer ihr Paroli geboten haben.

    Wie heimtückisch, falsch und verlogen darf man eigentlich als Direktorin sein? Sie ist wohl Mitglied einer bestimmten Partei und ist ein Emporkömmling mit einem meilengroßen Minderwertigkeitskomplex.

    Lehrer soillten in keiner Partei, sondern immer neutral sein.
  8. #227

    Mit bricht das Herz!

    Eine zynische Überschrift, ich weiß.

    Und ich will nicht leugnen, dass die Situation schwierig ist.

    Aber:
    Jeder Diplom-Psychologe in Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (PiA - Psychotherapeut in Ausbildung) träumt eher von den hier genannten Arbeitsbedingungen.

    Ausbildungsseminare:
    Werden vom Staat finanziert.
    PiA's: Zahlen 15.000, 20.000 € oder mehr für ihre Kurse.

    Einarbeitungszeit & Gehalt:
    3 Monate Einarbeitung: Traumhaft.
    In der Ausbildungsregelung der PiA's steht, dass sie während der 12 Monate praktischen Tätigkeit (erster Ausbildungsbestandteil) in einer psychiatrischen Klinik an der Behandlung von mind. 30 Patienten beteiligt sein sollen.
    Realität: Vom ersten Tag an eigenständige Behandlung von Patienten. I.d.R. frisch von der Uni konfrontiert mit der Realität einer Akut-Psychiatrie. Eingesetzt als vollständige Arbeitskraft. Anleitung? I.d.R. NULL. Also irgendwie durchkommen, so tun als ob man Ahnung hat - und einfach hoffen, dass man den Patienten mehr hilft als schadet.
    Bezahlung: Von "keine" über "150€ Aufwandsentschädigung" bis hin zu etwas, was wenigstens für die Miete und ein Leben unter Hartz IV-Niveau reicht. In allen mir bekannten Kliniken verdient jemand im 1. Ausbildungsjahr zum Gesundheits- & Krankenpfleger MEHR, als ein PiA im praktischen Jahr! Für die Ausbildungskosten jedenfalls nicht. Also Schulden machen. Oder neben dem Job in der Klinik (i.d.R. 24-40 Stunden) halt noch einen Nebenjob.
    Plus Weiterbildungsseminare. Plus ambulante Patienten, die auch ab einem best. Zeitpunkt behandelt werden müssen.

    Kurzum:
    Mind. ein ähnliches Arbeitspensum, aber ständige Existenzängste. Ausbeutung durch die Kliniken, die einen als Praktikanten entlohnen, aber als vollwertige Arbeitskraft einsetzen.
    Praktische Erfahrung zu Beginn: NULL. Konstante Überforderung. Ein schlecht gelaufenes Therapiegespräch mit anschließendem Suizidversuch eines Patienten ist meiner Meinung nach kritischer zu sehen als eine in die Hose gegangene Unterrichtsstunde.
    Ein Gehalt, was nicht mal zum Leben reicht. Ein wachsender Schuldenberg.

    Die Realität aller Psychologen, die klassisch therapeutisch arbeiten wollen.

    Aus DER Perspektive geht es den Lehramts-Referendaren gut. Keine Ausbildungskosten. Ein Gehalt, was zumindest für ein bescheidenes Leben reicht. Keine Schulden. Sichere Perspektive im Anschluss.
    Arbeitspensum: Willkommen in der Realität.
    Verantwortungsübernahme: Tja, das Studium ist halt vorbei.


    Die PiA-Proteste Ende 2011 verhallten relativ ungehört. Wen interessieren schon ein paar Tausend Betroffene bundesweit.
    Aber gut sind Psychologen immer bei Krisen, Amokläufen,... Dann werden sie - wie in jeder Meldung mitgeteilt wird - herangezogen, um zu helfen. Keiner ahnt, an welchem Abgrund gerade Weiterbildungskandidaten sich selber befinden.
    BurnOut-Behandlung, wenn man selber völlig am Ende ist. Spannend immer wieder, wie gut es trotzdem noch funktioniert. Man weiß zwar nicht, wie man die nächste Miete zahlen soll. Aber hat wieder einem Patienten geholfen.

    Ich habe im Rahmen meiner ambulanten Tätigkeit während der Psychotherapie-Ausbildung selber Referendare behandelt. Ja, das Leben ist hart - aber ernst nehmen konnte ich sie oft nicht, weil meine Lebens- & Arbeitsbedingungen deutlich schlechter und belastender sind. und das für mind. 3 1/2 Jahre. I.d.R. dauert die Quälerei deutlich länger, wenn man sich selber finanzieren muss.
  9. #228

    dass eine 70- Stunden-Woche belastend ist ist in anderen Berufen auch so. Eine kurze Einarbeitungszeit ist in anderen Berufen auch. Ich kann mich des eindrucks nicht erwehren dass viele junge Leute mit großen Illusionen in den Beruf gehen. Sie nicht darüber aufgeklärt was sie im Berufsleben erwartet. Ich beobachte auch immer wieder dass viele, besonders Studenten in Praktika morgens total verschlafen erscheinen. Häufig hört man nur bei Unterhaltungen wie die letzte Party war und wohin der nächste Urlaub geht. Dass da das böse Erwachen kommt wenn die Leute in den Beruf gehen wundert niemand. Das Arbeitsleben ist kein Zuckerschlecken und häufig kommt das Pirvatleben viel zu kurz. Das ist außer bei den Lehrern die Normalität. Besonders die Lehrberufe haben sehr wenig Zeit da sie voll unter Zeitvorgaben arbeiten und abends total erschöpft von der Arbeit kommt und das mit einem extrem niedrigen Gehalt und nicht als Privatpatient oder Beamter!
  10. #229

    Ausbildungsmisere

    Zitat von ruhrpöttler Beitrag anzeigen
    Auch wenn diese Lehrproben nicht viel mit dem Arbeitsalltag zu tun haben, so haben sie in meinen Augen dennoch ihre Daseinsberechtigung. Schließlich kann und soll man hier geballt zeigen, was man gelernt hat.
    Und tatsächlich sind solche Stunden auch im Alltag zu leisten, da die Stunde an sich keinen unmenschlichen Vorbereitungsaufwand darstellt. Und die Anfertigung der schriftlichen Aufbereitung fällt ja weg...

    Wer als Lehrer tolle Arbeit leisten will, hat einen knüppelharten Job, der in meinen Augen mit Ausnahme des Gymnasiums nicht ausreichend vergütet wird. Leider interessiert es ungefähr niemanden, ob tolle Arbeit geleistet wird, so dass im Alltag auch noch viele Grundschullehrer aufgrund "nicht erbrachter Leistungen" überbezahlt sind...
    Das Hauptaugenmerk der Ausbildung wird auf den Unterricht gelegt. Das ist weiter nicht zu beanstanden.

    Nur alle anderen Aufgabenbereiche wie Organisieren, Beurteilen, Beraten, Diagnostizieren, Klasse-leiten etc. kommen zu kurz bzw. überhaupt nicht in der Ausbildung vor.

    Wer glaubt, dass Lehrer mit dem Unterrichten überfordert sind, weiß eigentlich nicht über den Beruf. Wer schon einmal mit viel Aufwand eine Ordnungsmaßnahme vorbereitet hat und dann erlebt, dass eine Schulleitung vor den Eltern einknickt oder dass eine verhängte Maßnahme von der Bezirgsregierung wieder einkassiert wird, der weiß, warum Sysiphos ein glücklicher Mann war.


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