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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht

Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
  1. #170

    Zitat von Eva1230 Beitrag anzeigen
    Wer das Referendariat überlebt, ist nicht unbedingt der beste Lehrer, aber er/sie hat einen an Härte kaum zu überbietenden "Praxis"test erlitten.
    Genau. Beamte beim SEK oder Bohrinselarbeiter sind Püppchen dagegen !
    Hochseefischer werden zum Freizeitkapitän.

    Also so langsam machen mich die ganzen Stimmen hier aber neugierig - ich glaube, ich lasse die Facharztausbildung sein, versuche mich mal als Fremdenlegionär an der Referendariatsfront ... und schreibe dann ein Buch darüber :)

    Sehen Sie: genau das ist doch der Grund, warum über Lehrer ständig Witze gemacht werden. Mit solch absoluten Äusserungen stellen Sie sich heraus und machen sich natürlich angreifbar - wen wundert´s .

    Ein Lehrer, der mit Augenmass sagt: "hey, mein Job kann manchmal ganz schön stressig sein" wird sicher und zurecht Gehör finden. Berufe mit zwingend zwischenmenschlicher Interaktion sind zweifelsohne herausfordernd.

    Aber hören Sie doch bitte auf Lehrer ständig in die Nähe der 90-Stunden-Woche, Nahkampfausbildung, Atronautentraining und Marathon-Qualitäten zu rücken. Damit tun Sie o.g. Kollegen wirklich keinen Gefallen ...
  2. #171

    Im Jahre 1976 wurde ich in den niedersächsischen Schuldienst eingestellt. Ale Hauptschullehrer hatte ich eine Unterrichtsverpflichtung von 28 Unterrichtsstunden. Mein Gehalt entsprach dem Entgelt eines normalen Hauptschullehrers (A12). Allerdings lag meine eigenverantwortliche (und ich möchte hiermit darauf hinweisen, dass das Hauptaugenmerk auf dem Vorwort "eigen" liegt, schon damals 18 Stinden. Diese mussten alleine vorbereite und auch alleine unterrichtet und bewertet werden(den Schülern mussten von mir eigenverantwortlich Noten erteilt werden) . Die übrigen 10 Stunden dienten damals der Ausbildung. Was ich hiermit sagen möchte: Wir wurden damals als Junglehrer sofort in den Schulalltag geschmissen, mussten alles sofort selbst verantworten (Ich war natürlch in meiner Ausbildung Klassenlehrer mit allen Verpflichtungen) und hatten für alles die Verantwortung. Während des Studiums gab es keine Infos über "Klassenleitungsgeschäfte", "rechtliche bzw. schulrechtliche Details" oder auch gar Rezepte zum Umgang mit schwierigen Schülern (schwierige Eltern waren damals noch nicht so im Brennpunkt). Letztendlich wurden wir damals nicht nur ins kalte, sondern gar ins eiskalte Wasser geworfen und haben alle Probleme mehr oder weniger gelöst. Aus sehr vielen unserer Schüler ist, wie man so sagt, etwas geworden.
  3. #172

    Den heutigen Referendaren sei gesagt, dass ich bereits in den 70ern ähnliche Erfahrungen hinsichtlich der Arbeitsbelastung gemacht habe. Kein Referendar hat einen Grund, sich vor den hier versammelten Besserwissern rechtfertigen zu müssen. Es ist für mich auch jedesmal wieder erstaunlich, dass ich von den vermeintlichen Besserwissern in Foren erfahren muss, dass ich seit 32 Jahren keinen Vollzeitjob ausübe, vormittags recht und nachmittags frei habe und zusätzlich 12 Wochen Urlaub. Gleichzeitig erfahre ich, dass ich keinen Hochschulabschlus gemacht habe und dass ich - trotz jahrzentelanger Tätigkeit an Förderschulen - ein Weichei bin, das zu gut bezahlt wird und privilegiert krankenversichert ist. Ich erfahre, dass ich spätestens nach vier Jahren meinen Unterricht eigentlich nicht mehr hätte vorbereiten müssen und den Schülern bis ans Ende meines Lehrerdaseins meine vor 30 Jahren konzipierten Klassenarbeiten hätte präsentieren können. Offensichtlich habe ich etwas falsch gemacht, indem ich mich regelmäßig in den Ferien oder nachmittags fortgebildet habe, nach wie vor auf zeitgemäße Unterrichtswerke und -methoden zurückgreife oder regelmäßig neue Unterichtsmaterialen (auch auf eigene Kosten) anschaffe oder selber herstelle. Wenn das Lehrerdasein so ein Traumjob ist, frage ich mich, warum meine eigenen Kinder sich schon vor dem Abitur ganz schnell absolut sicher waren, dass sie alles andere, nur nicht Lehrer werden wollten.
  4. #173

    Ich habe ein Diplom in Chemie. Ich bin mittlerweile Gymnasiallehrer.
    1. Die Ignoranz der Diplom-Studenten in unserem Fach gegenüber den lehramtsstudenten ist nicht gerechtfertigt. in den ersten drei Semestern studieren Lehrämter aufgrund der 2-Fächer-Belastung allein zeitlich gesehen mit etwa 150% dessen, was wir in der gleichen Zeit gemacht haben.
    2. Natürlich sollte ein Lehrer über ein breiteres Fachwissen verfügen als seine zukünftigen Schüler. - aber mal im Ernst: "theoretische Chemie/computational chemistry"??? Ein Grundkursler 11 Chemie beschäftigt sich - wenn man als Lehrer Glück hat - zu schätzungsweise 40% mit dem was in der Schule passiert, dabei kommen je 10% -Punkte auf die Leistungskurse und der Rest verteilt sich auf die Grundkurse. Wir Lehrer können von Erfolg reden, wenn zum Zeitpunkt des Abiturs 80% der Schüler zumindest gerafft haben, dass links und rechts des Reaktionspfeils die gleiche Anzahl derselben Elemente stehen muss. Das wissen die meisten Studenten, das wissen die meisten profs. Aber anstatt die Studieninhalte zu ändern oder Veranstaltungen speziell für Lehrer anzubieten, werden "abgespeckte" Diplomstudiengänge angeboten und bei Prüfungen mit zwei geschlossenen Augen durchgewunken.
    3. Die Pädagogik an den meisten Unis ist ein schlechter Scherz. hier sollte der eigentliche Schwerpunkt liegen. Nicht gelehrt von Pädagogik-Professoren, sondern von an die Unis abgeordneten Studiendirektoren.

    Es bringt also gar nix, auf Lehramtsstudenten rumzuhacken und zu behaupten, die müssten nix schaffen. Die schaffen. Aber unnötiges Zeug. Und daran sind die professorengremien schuld, die die Uni-Lehrpläne gestalten.
  5. #174

    Zitat von grimandfrostbittenjew Beitrag anzeigen
    ...und wenn uns, zwar nicht offiziell, aber unter der Hand, von Seiten der Praktikumsverantwortlichen empfohlen wird, für Lehrämtler die Erwartungshaltungen deutlich zu dämpfen und mehr als ein Auge zuzudrücken...

    ...dann kann ich Kommentare wie "Im Lehramtsstudium wird man fachlich genauso ausgebildet" nicht stehen lassen. Tut mir Leid. Wie gesagt, ich sehe ein, dass durch das 2. Fach wahrscheinlich eine tiefere Behandlung der Themen gar nicht möglich ist.
    Das ist auch nicht schlimm, da an Gymnasien chemische Kinetik, Quantenchemie oder meinetwegen auch technische Chemie (außer Grundzügen der Erdölraffinierung höchstens) noch nicht mal in Leistungskursen gelehrt wird. Brauchen Schüler nicht. Aber dann sollte man das bitte auch nicht so darstellen, als absolviere man als angehender Lehrer 2 fachlich ABSOLUT VOLLWERTIGE Studiengänge. Das ist nämlich definitiv nicht der Fall.
    Bingo, genauso ist es, besonders in Chemie.
    Aber in Mathematik sieht es an vielen Unis anders aus, da absolviert man das Grundstudium eines Mathematikers (der auch nur 2-3 Kernvorlesungen hat), zwar mit mehr Zeit aber den gleichen Prüfungen. Selbst Grundschullehrer müssen Analysis 1 hören (das Gejammere dort ist wirklich einmalig), der Rest sogar die 2.
  6. #175

    Weil...

    Zitat von karl-felix Beitrag anzeigen
    wollen Sie die Pausen abziehen? Wenn ich die Lehrer/ Referendare meiner Kinder sprechen wollte, musste ich immer bis zu Pause warten.
    Hat aber immer ganz gut geklappt, ich musste denen dann meistens nur helfen, Landkarten oder Tageslichtprojektoren in die Klasse zu schleppen und aufzubauen, aber dabei konnte man ganz gut reden.
    Besser als die abendlichen Telefonate.
    ...mit Ihnen zu reden kein Vergnügen ist, sondern unsere Arbeit, damit keine Deshalb!

    und wirklich? Sie wagen es, die Lehrer in ihrer Freizeit telefonisch zu belästigen? Rufen Sie bei Ihrem Bäcker auch außerhalb seiner Arbeitszeit bei ihm zu Hause an und fragen ihn nach seinem Rezept für Ihre Liebelingsbrötchen?
  7. #176

    Erinnere mich noch gut an 1964! Examen bestanden und rein ins eiskalte Wasser: 45 Schüler! Eng wars und manchmal gabs Reibungsprobleme. Aber es hat hingehauen und die positiven Rückmeldungen blieben niicht aus. Die Jahre zogen ins Land und die Gesellschaft begann sich zu verändern. 45 in einen Raum? Das war einmal. Schade drum. Heutzutage amchen offenbar 18 Pubertäre schon einen Unterrichtserfolg zweifelhaft. Schuldzuweisungen unterlässt man besser.
  8. #177

    Das habe ich aber gar nicht bemängelt

    Zitat von aldamann Beitrag anzeigen
    Ich habe ein Diplom in Chemie. Ich bin mittlerweile Gymnasiallehrer.
    1. Die Ignoranz der Diplom-Studenten in unserem Fach gegenüber den lehramtsstudenten ist nicht gerechtfertigt. in den ersten drei Semestern studieren Lehrämter aufgrund der 2-Fächer-Belastung allein zeitlich gesehen mit etwa 150% dessen, was wir in der gleichen Zeit gemacht haben.
    2. Natürlich sollte ein Lehrer über ein breiteres Fachwissen verfügen als seine zukünftigen Schüler. - aber mal im Ernst: "theoretische Chemie/computational chemistry"??? Ein Grundkursler 11 Chemie beschäftigt sich - wenn man als Lehrer Glück hat - zu schätzungsweise 40% mit dem was in der Schule passiert, dabei kommen je 10% -Punkte auf die Leistungskurse und der Rest verteilt sich auf die Grundkurse. Wir Lehrer können von Erfolg reden, wenn zum Zeitpunkt des Abiturs 80% der Schüler zumindest gerafft haben, dass links und rechts des Reaktionspfeils die gleiche Anzahl derselben Elemente stehen muss. Das wissen die meisten Studenten, das wissen die meisten profs. Aber anstatt die Studieninhalte zu ändern oder Veranstaltungen speziell für Lehrer anzubieten, werden "abgespeckte" Diplomstudiengänge angeboten und bei Prüfungen mit zwei geschlossenen Augen durchgewunken.
    3. Die Pädagogik an den meisten Unis ist ein schlechter Scherz. hier sollte der eigentliche Schwerpunkt liegen. Nicht gelehrt von Pädagogik-Professoren, sondern von an die Unis abgeordneten Studiendirektoren.

    Es bringt also gar nix, auf Lehramtsstudenten rumzuhacken und zu behaupten, die müssten nix schaffen. Die schaffen. Aber unnötiges Zeug. Und daran sind die professorengremien schuld, die die Uni-Lehrpläne gestalten.
    Da mein Beitrag offensichtlich falsch verstanden wurde: Zustimmung in allen Punkten.

    Ich hab explizit geschrieben, dass ich die Mehrbelastung durch das 2. Fach gar nicht abstreite, ebensowenig durch die pädagogischen Anteile. Stimme daher auch in den anderen beiden Punkten zu - von computational chemistry oder auch Kinetik (wie ja auch von mir geschrieben) muss ein Chemielehrer definitiv nicht Ahnung haben, weil das einfach in der Schule nicht vermittelt wird, nicht vermittelt werden kann und vor allem nicht vermittelt zu werden braucht, auch in einem LK nicht.
    Es ist absolut unsinnig, an Schullehrpläne, auch in der gymnasialen Oberstufe, einen universitären Maßstab anzulegen, dazu ist die Schule nicht da.

    Ich habe also gar nicht gefordert, dass ein Chemielehrer (mit Lehramtsausbildung) Ahnung von computational chemistry haben muss, bei weitem nicht. Ahnung von tatsächlicher, angewandter Pädagogik ist da viel wichtiger. Sehe ich ein.

    Was ich bemängelt habe, und das folgt aus dem Zitat des anderen Foristen, das Auslöser meines Posts war, ist aber die Aussage, als naturwissenschaftlicher Lehrämtler hat man im Grunde genommen das gleiche, oder weitestgehend gleiche, Programm, wie als echter Diplomer, und das eben in beiden Fächern.
    Und das ist eben nicht so und SOLL gar nicht so sein, wie ausgeführt. Lehrer sollen Lehrer sein und keine Wissenschaftler, das ist mir klar. Ein solches "vollwertiges" Doppelstudium PLUS noch die Pädagogik wäre m.E. gar nicht machbar. Aber so liest sich eben die Behauptung des anderen Nutzers.

    Belastung? Keine Frage. Identische Lehrinhalte? Nein. Zumindest an der RWTH nicht (mglw. ist das aber auch z.T. von der Uni abhängig). Aber Sie schrieben ja selbst: "abgespreckte" Diplomstudiengänge. Lediglich DAS wollte ich klarstellen.
  9. #178

    Zitat von AKI CHIBA Beitrag anzeigen
    Erinnere mich noch gut an 1964! Examen bestanden und rein ins eiskalte Wasser: 45 Schüler! Eng wars und manchmal gabs Reibungsprobleme. Aber es hat hingehauen und die positiven Rückmeldungen blieben niicht aus. Die Jahre zogen ins Land und die Gesellschaft begann sich zu verändern. 45 in einen Raum? Das war einmal. Schade drum. Heutzutage amchen offenbar 18 Pubertäre schon einen Unterrichtserfolg zweifelhaft. Schuldzuweisungen unterlässt man besser.
    Ich würde jederzeit tauschen. Lieber 45 Leute mit Frontalunterricht und Aufgabenblättern pauken lassen, als 28 (nicht 18) verzogene Muttersöhnchen und Prinzesschen alle 7-8 Minuten mit einem Methodenwechsel beglücken müssen.
  10. #179

    Konkretes Beispiel:

    Zitat von grimandfrostbittenjew Beitrag anzeigen

    Belastung? Keine Frage. Identische Lehrinhalte? Nein. Zumindest an der RWTH nicht (mglw. ist das aber auch z.T. von der Uni abhängig). Aber Sie schrieben ja selbst: "abgespreckte" Diplomstudiengänge. Lediglich DAS wollte ich klarstellen.
    ... eine Praktikantin bei mir sollte für die Klausur in organischer Chemie 120 Namensreaktionen parat haben, die Diplom-Studiengängler deren 280.

    Auch 120 Namensreaktionen sind etwas dicke...

    Hier wird aber fast ausschließlich in letzter Zeit über die fachlichen Anforderungen für die Sek. II geredet, für Realschule sind die Anforderungen nochmals viel geringer...

    Ich bin da auf der Höhe, weil mein Junior gerade sein Erstes Staatsexamen in Mathe/Physik gemacht hat...


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