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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht
Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.
http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
- #160 30.04.2012 16:21 von
- #161 30.04.2012 16:23 von
Beim hier intensiv gepflegten "Lehrer-Bashing" scheint ja die Frage wichtig zu sein, ob Lehrer mit Staatsexamen über einen Studienabschluss verfügen. Natürlich tun sie das, nur mit dem feinen Unterschied, dass sie ihre Prüfung nicht vor einem Gremium der Hochschule abgelegt haben, sondern vor/bei/an einem staatlichen Prüfungsamt (welchselbiges natürlich wieder die Hochschule mit der Abnahme der Prüfungen beauftragt, häufig aber eigene mitwirkende in die Kommissionen entsendet). Ich kann es nicht besser zusammenfassen als Wikipedia, daher hier ein längeres Zitat:
" Das Staatsexamen eröffnet den Zugang zu bestimmten vom Staat regulierten Berufen (bw. in Deutschland: Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte) oder in den Staatsdienst selbst (z. B.: Lehrer, Richter, Staatsanwälte). Gewöhnlich wird der Begriff in Deutschland für eine entsprechende Abschlussprüfung an einer Hochschule nach einem Studium verwendet, jedoch findet er auch an anderen Stellen Verwendung, zum Beispiel im Gesundheitswesen mit den Abschlüssen examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger bzw. Altenpfleger oder Ergotherapeut, in der Technik mit dem Abschluss zum staatlich geprüften Techniker oder auch in der Wirtschaft mit dem Abschluss zum staatlich geprüften Betriebswirt oder in der Gestaltung zum staatlich geprüften Gestalter.
Der Grund für die besondere staatliche Kontrolle ist das öffentliche Interesse an der Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards bei den betroffenen Ausbildungsgängen. Verkürzt ausgedrückt, könnte man das Staatsexamen als Qualitätskontrolle des Abnehmers Staat bezeichnen, der in der Regel nicht selbst unmittelbar als Ausbildungsinstitution auftritt."
Im Falle der Lehrer also in der Tat der Nachweis über ein abgeschlossenes Studium (und auch, je nach Maßgabe der örtlichen Promotionsordnung, gegebenenfalls Zulassungsvoraussetzung für eine Promotion). Das Staatsexamen ist also weder Magister- noch Diplomabschluss, die so examinierte Person kann also keinen akademischen Grad führen, hat aber in jedem Falle vergleichbares geleistet. Wenn hier behauptet wird, Lerhamtsstudierende hätten irgendwelche Boni in Form von Erleichterungen bekommen, darf gerne anstelle seines Diplim- oder Magisterstudiums ein Staatsexamensstudium mit zwei oder drei Schulfächern samt Nebenleistungen durchziehen. Alles machbar, ich will gar nicht klagen (es ist sicher zu erkennen, wie ich mein Studium abgeschlossen habe), aber auch hier gilt: Informieren, Leistungen anderer anerkennen, und bei Nichtwissen nicht einfach irgendetwas behaupten. - #162 30.04.2012 16:24 von
Ja, ich versuche meinen Studenten auch immer wieder zu erklären, dass sie Vokabeln KÖNNEN bzw., wenn das nicht der Fall ist, sie LERNEN müssen, und wenn schon aus keinem anderen Grund, dann doch wenigstens deswegen, weil sie im Referendariat schlicht nicht mehr die Zeit haben, für die Unterrichtsvorbereitung popliger Lehrbuchtexte jedes zweite Wort nachzuschlagen...
- #163 30.04.2012 16:26 von
Titel
Sie beschreiben die aktuelle Realität.
E4rsteres ist politisch bereits formuliert und wird entsprechend forciert.Logischerweise müssen wir dann auch mehr Migranten in den Polizeidienst, in öffentliche Ämter, als Beamte, als Politker, Ärzte, Notare, Handwerker, etc. bestellen.
Nur warum das Pferd von hinten aufzäumen? Um bei animalischen Metaphern zu bleiben: Die Kuh darf erst gar nicht aufs Eis gelassen werden!
Ich habe noch nie von einer PR-Initiative gehört oder gelesen, mittels derer Migranten, auch als Seiteneinsteiger, für den Lehrdienst angeworben werden. Statt dessen scheint das nur für Polizei und Feuerwehr gewünscht...
Wobei gerade Lehrer mit Migrationshintergrund neben den Autoritätsbonus auch noch als direktes, alltäglich wahrnehmbares Vorbild für die persönliche berufliche Zukunft dienen könnten. Abseits der resignierenden Erfahrungen, nach der die Eltern meist nur in relativ unqualifizierten, unterbezahlten Jobs oder Hartz4 erlebt werden.
Die resultierende schulische Motivation wäre ein Gewinn fürs Schulklima, den Arbeitsmarkt, die Kriminalitätsstatistik - kurz: für die gesamte Gesellschaft.
Oder befürchten die Entscheidungsträger denn etwa, dass Migranten den bisherigen Lehramtsanwärtern (Lehrerkinder werden nicht selten Lehrer) die Stellen im öffentlichen Dienst streitig machen und verweigern sich aus diesem Grund dem eventuellen Verdrängungswettbewerb?
In welcher beschaulichen Kleinstadt Deutschlands leben Sie denn?Also quasi eine paratürkische/paraarabische Infrastruktur erschaffen - denn es geht ja ausschließlich um diese Gruppen,
Die von Ihnen beschriebene, weitestgehend autonome Parallelgesellschaft existiert in jeder größeren Stadt.
Die "Problem-Sprösslinge" stammen übrigens mitnichten ausschließlich aus Migrantenfamilien.
Diesbezügliche Bemühungen scheinen seit Jahrzehnten nicht zu fruchten.Denn ganz offensichtlich ist weder von deren noch von Ihrer und Ihresgleichen Seite eine Anpassung oder Integration erwünscht.
Und nocheinmal: Respekt gegenüber dem Lehrkörper und Mitschülern, Disziplin (und damit ist kein rustikales Level aus Bismarckschen Zeiten gemeint), Pünktlichkeit, Höflichkeit, Gewaltfreiheit, Sauberkeit und innerschulische Zivilcourage lassen nicht nur Angehörige ethnischer Minderheiten vermissen. - #164 30.04.2012 16:33 von
Warum
wollen Sie die Pausen abziehen? Wenn ich die Lehrer/ Referendare meiner Kinder sprechen wollte, musste ich immer bis zu Pause warten.
Hat aber immer ganz gut geklappt, ich musste denen dann meistens nur helfen, Landkarten oder Tageslichtprojektoren in die Klasse zu schleppen und aufzubauen, aber dabei konnte man ganz gut reden.
Besser als die abendlichen Telefonate. - #165 30.04.2012 16:37 von
Das ist nun mal ihr Job!
...da hätten die zukünftigen LehrerInnen vielleicht mal jemanden fragen sollen, der sich mit dem Lehrerberuf auskennt.
Bevor ich ein Studium beginne, informiere ich mich über meine zukünftigen Job, Karrierechancen etc.......und nicht nur weil ich mal "irgendwas Pädagogisches" machen wollte.
Der Schulhof ist nun mal kein Ponyhof...oder haben Lehramtsstudenten keine diversen schulischen Gebäude von innen gesehen, in 13 Jahren Schulzeit?
Jammern auf hohen Niveau....
MfG - #166 30.04.2012 16:38 von
Jürgen Klopp war auch ein eher mittelmäßiger Fußballer. Dasselbe gilt für Thomas Tuchel, Robin Dutt, Christian Streich und all die anderen Erfolgstrainer der derzeitigen Fußball-Bundesliga.
Der Witz ist, dass es tatsächlich so ist: Wer nicht motivieren kann, braucht eigentlich gar nicht erst anzufangen. Spätestens sechs Wochen, nachdem er das letzte Mal unterrichtet hat, ist bei den Schülern wieder Tabula rasa. Fachliche Kompetenz ist bis zu einem gewissen Grad notwendig, aber nicht einmal ansatzweise hinreichend. So kann auch ein Trainer, der selbst nie über die Bezirksliga hinaus kam, erfolgreich eine Bundesliga-Mannschaft trainieren.
Das will natürlich keiner wahrhaben, weder Schüler noch Lehrer. Aber wer mal ein Schulbuch der neunten Klasse von einem Fach, das ihn nie interessiert hat, in die Hand nimmt und darin blättert, wird erkennen, dass es stimmt.
Da werden natürlich die arroganten Selbstdarsteller in Buebscher Tradition laut aufheulen und sagen: "Nein, allein durch MEINE harte lehrende Hand wurden aus den jugendlichen Barbaren erfolgreiche Menschen", aber das ist als das Rückzuggefecht von Leuten anzusehen, deren permanenter Misserfolg zu einer Flucht in eine Phantasiewelt geführt hat, in der ihre Methoden angeblich tatsächlich bei allen(!) Schülern gewirkt haben. Mindestens ein solches Exemplar geistert ja auch in diesem Thread herum und lässt keine Gelegenheit aus, sich selbst zu preisen und alle anderen abzubügeln.
Man muss sie lassen. Sie werden irgendwann von alleine aussterben, mangels Erfolg. - #167 30.04.2012 16:38 von
Zugegebenen, ja die Zeit des Referendariats ist im Vergleich zum vorangegangen Studium hart, was mir immer wieder von meinem persönlichen Umfeld (ich kenne jede Menge Lehrer, wie auch angehende Lehrkräfte) bestätigt wird. Zitat eines Lehrers: „Auf mein Studium bin ich nicht stolz, dieses war ein Witz, wenn man es mit anderen Studiengängen vergleicht. Auf meine Ref-Zeit hingegen bin ich verdammt Stolz!“.
Nach dem Referendariat und ein paar Jahren Berufserfahrung, nimmt der Arbeitsstress, wie auch das Pensum an Zeit, welches für die berufliche Tätigkeit aufgewendet werden muss jedoch sukzessive ab. Sofern eine Verbeamtung in Ausblick steht und dadurch beruflichen Sicherheit, wie auch ein deutlich höheres Netto vom Brutto im Vergleich zu anderen Berufszweigen gegeben ist, wäre es doch angebracht, weniger zu jammern.
Nicht zuletzt aufgrund der Vorbildfunktion für die Jugend! - #168 30.04.2012 16:42 von
Mit Verlaub, aber...
...das ist Quatsch. Tut mir Leid, wenn das hart klingt, aber ein Lehrämtler muss nicht annähernd soviel leisten in den jeweiligen Kernfächern wie ein Diplomer bzw. Bacherlorand/Masterand. Ich werde nun nicht im Duktus des Benutzers Mathe-Freak, der mit Wörtern wie "Deppenbonus" etc. um sich wirft, argumentieren, mit Depp hat das nichts zu tun. Ich werde ebensowenig die Mehrbelastung eines Lehramtsstudenten durch das 2. Fach und die pädagogischen Studienanteile abstreiten - wahrscheinlich ergibt sich durch das 2. Fach am Schluss eine äquivalente Netto-Arbeitszeit für Lehrämtler wie für tatsächliche Fachwissenschaftler.
Aber, GERADE in den Naturwissenschaften, lernen die Lehrämtler fachbezogen viel weniger.
Eigenes Beispiel (das, wie mir bewusst ist, keine Statistik macht): ich hab an der RWTH Aachen Chemie studuiert, nicht auf Lehramt, und befinde mich da gerade am Beginn der Promotion - und nicht in der OC-Synthese, sondern in der theoretischen Festkörperchemie, die letzten 2 Jahre meines Stuidums und die Spezialisierung in der Promotion ist eigentlich reine Physik (auf niedrigerem Niveau)...
Ich hatte das "Glück", schon ein Lehramtspraktikum betreuen zu dürfen. Und kenne aus Gesprächen mit Doktoranden, die länger dabei sind und die ich selbst noch als Assistenten kenne sowie mit Professoren auch selbst nicht erlebte Geschichten, bei denen sich die Fußnägel hochrollen.
Ein Lehrämtler für Chemie, zumindest in Aachen, hat im Gegensatz zum "echten "Chemiker nur die ersten 3 Semester des Bachelors über die gleichen Vorlesungen - Allgemeine Chemie 1+2, Anorganische Chemie I und Organische Chemie I. Keine (oder kaum) technische Chemie oder markromolekulare Chemie, kaum physikalische Chemie (nur Einführungsvorlesung + Grundpraktikum) und ÜBERHAUPT keine theoretische Chemie / "computational chemistry", auf die an der RWTH für "echte" Chemiker gegen Ende des Bachelors und je nach Vertiefungsrichtung im Master ein sehr starker Fokus liegt. - #169 30.04.2012 16:42 von
Mit Verlaub, aber...(Part II)
Im Hauptstudium wird das für die Lehrämtler, soweit ich weiß, etwas besser, aber da können sie nicht mehr mit Masteranden bzw. Diplomern im Hauptstudium "echte" Chemie mithalten, in keiner Weise. Was Lehrämtler in PC (phys. Chemie) im 4. Semester lernen, ist bei "echten" Chemikern Inhalt der ERSTEN HÄLFTE des 1. Semesters...
Wenn ein Lehrämtler im eben diesem 4. Semester (letztens eben bei der Praktikumsbetreuung selbst erlebt) dann auf die Frage, was die Heisenberg'sche Unschärferelation aussagt (noch nicht einmal, wie sie mathematisch formuliert ist, sondern was sie grob aussagt) die Antwort "...Äääääh..." gibt und dann schuldbewusst guckt...
...oder von der Arrhenius-Gleichung (die bei Lehrämtlern sogar im 4. Sem explizit in Kinetik zum Erbrechen behandelt wird - bei Vollchemikern, wie gesagt, im 1. Sem.) mit großer Inbrunst absoluten QUARK erzählt (immerhin, zumindest wurde der Begriff mal gehört...)...
...und wenn uns, zwar nicht offiziell, aber unter der Hand, von Seiten der Praktikumsverantwortlichen empfohlen wird, für Lehrämtler die Erwartungshaltungen deutlich zu dämpfen und mehr als ein Auge zuzudrücken...
...dann kann ich Kommentare wie "Im Lehramtsstudium wird man fachlich genauso ausgebildet" nicht stehen lassen. Tut mir Leid. Wie gesagt, ich sehe ein, dass durch das 2. Fach wahrscheinlich eine tiefere Behandlung der Themen gar nicht möglich ist.
Das ist auch nicht schlimm, da an Gymnasien chemische Kinetik, Quantenchemie oder meinetwegen auch technische Chemie (außer Grundzügen der Erdölraffinierung höchstens) noch nicht mal in Leistungskursen gelehrt wird. Brauchen Schüler nicht. Aber dann sollte man das bitte auch nicht so darstellen, als absolviere man als angehender Lehrer 2 fachlich ABSOLUT VOLLWERTIGE Studiengänge. Das ist nämlich definitiv nicht der Fall.
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