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Junglehrer: Ausgebrannt, bevor es losgeht

Marian SchäferNie zuvor hatten Referendare so wenig Zeit wie heute. Die Bundesländer verkürzen ihren Vorbereitungsdienst und Schulleiter setzen die Anfänger oft wie fertige Lehrer ein. So eine Lehrzeit traumatisiert die jungen Akademiker, warnt ein Experte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...826861,00.html
  1. #110

    Falsch verstanden...

    Zitat von ellaine Beitrag anzeigen
    Als ob nicht mittlerweile jeder weiß worauf man sich in so einem Studium einlässt und worauf es hinausläuft. Irgendwie will bei mir keinerlei Mitleid für die armen Lehrer in spe aufkommen, schließlich sind sie nicht die einzigen die ja so wahnsinnig viel zu tun haben. Schaut euch man die Naturwissenschaftler an, was da in einem Studium geleistet werden muss ist abartig (nein, da gibts keine freien Freitage oder Tage an denen man ......

    Hallo Ellaine,
    da wurde wohl etwas falsch verstaden. Es kann nicht richtig sein, die überzogenen Anforderungen, denen ihr euch im Studium ausgesetzt seht, als normgebend zu fordern, damit wir hinterher noch mehr Depressive haben, die sich auch noch stolz als Burnout-Patienten bezeichnen. Einen falschen Weg sollte man nicht auch noch hochjubeln.
  2. #111

    Jammern

    als Schueler konnte ich schon sehr gut erkennen dass die meisten Lehrer ihren Beruf nicht sonderlich drauf haben (ist aber überall so, bei Handwerkern, Ärzten,..), sehr deutlich wurde das am Technischen Gymnasium, hier erkannte man (bis auf sehr, sehr wenige) Ausnahmen sehr gut welcher Lehrer bereits draussen in der freien Wirtschaft gearbeitet hat und welcher Lehrer von der Schulbank in die Uni und wieder gleich zurück in die Schule ging ohne echte, meist harte (Lebens-)Erfahrung draussen sammeln zu muessen.

    Das ist alles nichts neues:

    - nicht die fähigsten Abiturienten werden Lehrer
    - (verbeamtete) Lehrer sind in einer Komfort-Zone
    - entscheidend ist letztlich der persönliche Charakter wie gut jemand in seienm Beruf ist

    Wer im Referendariat soviel jammert sollte sich vielleicht überlegen ob er an eine Grundschule wechseln sollte. Die fachlichen Inhalte muesste er BLIND drauf haben und gegenüber 10 Jährigen Kindern sollte selbst ein Weichei autorität ausstrahlen.

    Wer aber meint bei 15-18 Jährigen Kids in Problemvierteln ohne natürliche Autorität bzw ERFAHRUNG ankommen zu koennen der hat ein Rad ab, weltfremd. Wer sich da bewährt der hat seine Pension wirklich verdient. Das ist nichts für jeden PH Absolventen!
    Und ja, die groessten 'Versager' werden Ausbilder und legen die pädagogischen Leer-Inhalte fest. Ob hier das eigentliche Problem liegt? Die, die die Lehrer auf ihre spätere Arbeit vorbereiten sollen scheinen ja heftig zu versagen. Aber ein angehender Beamter würde NIE das System und seine Repräsetanten kritisieren, Besserung ist daher hier nicht zu erwarten, das Schlechte zieht immer mehr Schlechtes an und wird zum Standard erklärt.

    Leiden mussen alle darunter ...
  3. #112

    Jetzt heult hier nicht so rum. Ich gehe 40h/ Woche arbeiten und besuche nebenbei noch das Abendgymnasium und das schon seit 2 zwei Jahren. Natürlich ist es hart, aber irgendwie müssen die Taugenichtse ja ausgesiebt werden...
  4. #113

    Und hier schließt sich der Zirkel...

    Zitat von hador2 Beitrag anzeigen
    Nach 3-4 Jahren kann Lehrer in der Tat ein recht ruhiger Beruf sein. Wenn die meisten Klassen mal unterrichtet hat, wird der Aufwand für Vorbereitungen schon deutlich geringer und man kennt sich einfach auch besser aus.

    Das Problem ist aber eben das Referendariat und die ersten Jahre danach......
    ... zu meiner viel gescholtenen Aussage, dass der Lehrerberuf ein Handwerk und keine Wissenschaft sei und man - wie der Geselle - beim erfahrenen Meister lernen solle.

    Die handwerklichen Fertigkeiten, die ein Lehrer mitbringen muss, werden nirgends gelehrt. Schon so elementare Dinge wie lesbar und übersichtlich an die Tafel zu schreiben, auch mal zwischendurch einen kurzen Vortrag über ein angesprochenes Thema aus dem Stegreif halten zu können, werden nicht gelehrt, weit schwerwiegendere Dinge, dass Chemie-Referendare keine Druckgasflasche sicher bedienen könne, von einer Flammenrückschlagsicherung noch nichts gehört haben und sich anschicken, den beliebten Zinksulfid-Versuch auf dem Lehrertisch durchzuführen, noch gar nicht angesprochen.

    Statdessen Ideologieausbildung und Psycho-Geseire, dass ihnnen bei einem "Ey Alter, verpiss dich!" gar nichts hilft...

    In anderen Berufen nennt man es "Tricks of the trade" und wurden zu meiner Zeit noch gelehrt. Entweder in der Uni (praktisches Fachwissen) oder im Referendariat durch erfahrene Lehrer und keine Uni-Heinis.

    Wer wissen will, wie man einen Reifen wechselt, sollte nicht bei einem Maschinenbauprofessor nachfragen...
  5. #114

    Zitat von BonChauvi Beitrag anzeigen
    Mein Weltbild mag einfach gestrickt sein, deswegen ist es noch nicht falsch. Meine Frau ist Lehrerin und sie ist schlicht und ergreifend dankbar für ihre Arbeitskonditionen, die so viel besser sind, als die anderer Arbeitnehmer (von Selbstständigen überhaupt nicht zu reden). Sie jammert nur über ihre Kollegen, die.....
    Danke - genau so ist es.

    (Angehende) Lehrer wissen oftmals gar nicht, wie gut sie es haben und dass in anderen, mehr auf individuelle Leistung ausgelegten Berufen die Bedingungen gerade für Berufsanfänger wesentlich härter sind, ohne dass es im späteren Verlauf irgendwann auch nur annähernd so angenehm wird wie an einer Schule.

    Und bevor die anwesenden Pädagogen mit der Schnappatmung beginnen: Ja, ich weiß aus dem direkten Familien- und Bekanntenkreis genug über den Lehrerberuf und vergleiche den gerne mit meinen ersten Jahren im Beruf.
    Ich hätte es damals gerne so gehabt wie ein Referendar (wenngleich mir die Bezahlung vermutlich nicht ganz gereicht hätte), und heute hätte ich es auch gerne so wie ein StD (da ist die Bezahlung ja schon recht annehmbar, zumal man für sein Altenteil nicht wirklich vorsorgen muss - dem Steuerzahler sei Dank!).
  6. #115

    Zitat von schlomo_goldberg Beitrag anzeigen
    Jetzt heult hier nicht so rum. Ich gehe 40h/ Woche arbeiten und besuche nebenbei noch das Abendgymnasium und das schon seit 2 zwei Jahren. Natürlich ist es hart, aber irgendwie müssen die Taugenichtse ja ausgesiebt werden...
    Naja, jemand der das Abitur erst auf dem zweiten Bildungsweg gebacken bekommt, der sollte sich etwas zurückhalten, andere als Taugenichtse zu titulieren.
  7. #116

    Mal nachrechnen...

    Zitat von shi Beitrag anzeigen

    ...ich kann das sagen, ich bin auch 13 Jahre zur Schule gegangen...
    ... nimmt man die Uni hinzu, so sind es bei mir 53 Jahre...
    Aber so ein alter Bock hat ja keine Ahnung von moderner Pädagogik...
    Zur Erinnerung: Pädagogik ist diejenige Wissenschaft, die jedes Jahr auf die alten Fragen neue Antworten gibt...
  8. #117

    Wer glaubt, das Referendariat sei die Hölle, der warte das erste Jahr danach ab. ´Je nach Bundesland folgt dann nämlich mal eben eine Verdreifachung der Stundenzahl eigenverantwortlich Leistungskurse, eventuell sogar von mittendrin ausscheidenden Kollegen Klassenleitung - oft von mehreren Klassen gleichzeitig- AGs diverse Planungsgruppen und plötzlich erwartet Schulleitung, Schüler- und Elternschaft einen erfahrenen Experten in allen Fragen der Pädagogik, Didaktik und Methodik.

    Jede andere Ausbildung steigert Niveau, Eigenverantwortung und Kompetenzen allmählich, das Lehramtsreferendariat nicht. Einen Vorteil hatte das jedoch bis jetzt: wer Eigeninitiative und Selbstdisziplin hat, konnte in der "freien Zeit" während des Referendariats Lehr- und Lernpläne, Unterrichtsgänge und Methoden für ganze Klassenstufen im Voraus planen und von diesem Vorrat in den kommenden Horrorjahren profitieren. Wie soll das denn bitte noch gehen, wenn die Arbeit von 4 Semestern in 3 gemacht werden soll?!

    Man muss sich also in den ersten Jahren irgendwie durchwurschteln, nach außen Kompetenz, Ehrgeiz, Coolness und Souveränität heucheln, während man nachts vor lauter "Oh-Gott-ich-muss-ja-noch..."-Albträumen nicht mehr fest durchschlafen kann. Klar: fast jeder akademische Beruf ist zu Beginn der Horror bis man wirklich eingearbeitet ist. Ich behaupte aber, dass bei keinem anderen Beruf die Differenz in der Erwartungshaltung der Kollegen, Vorgesetzten und "Kunden" zwischen letztem Lehrjahr und erstem Berufsjahr so unterschiedlich ist wie beim Lehrer.
  9. #118

    Leider zeigt sich hier auch hier mal wieder, dass einfach nicht jeder für das Lehramt geeignet ist. Eine gewisse Naivität bezüglich des Berufs, noch bevor das Referendariat angefangen: das findet sich leider häufiger, weil immer noch jeder glaubt, es reiche, wenn man "Spaß am Unterrichten hat". Tut es aber nicht. Die Gründe sind meist die gleichen: mangelnde Durchsetzungsfähigkeit und Souveränität und mangelnde Fachkenntnis trotz Studiums. Ich habe es selbst erlebt: Das Studium garantiert noch lange nicht - trotz möglicherweise shcwerer Prüfungen - dass ein Referendar fachlich fit ist. Wer nämlich im Studium immer nur für Prüfungen lernt und sich sonst nicht groß um sein Fach kümmert, braucht sich nicht zu wundern, wenn am Beginn des Refs plötzlich kaum Fachkompetenz in den einfachsten Dingen da ist. Das macht dann Stress. Und ja, das Ref ist manchmal auch viel Arbeitsaufwand, das stimmt, da muss man einfach auch mal was investieren an Engagement. Und ich habe Fachleiter immer freundlich erlebt (NRW), und wenn es Kritik gibt, dann sollte man die einfach in die Praxis umsetzen statt sich darüber zu beschweren, dass Fachleiter alltagsfernen Unterricht fordern, das stimmt - zumindest in meinem Erleben - nicht. Anders kann ich es mir auch nicht erklären, dass an meiner Schule zumindest der Großteil der Anwärter mit einer 1 vorm Komma aus dem Ref geht!
  10. #119

    Zitat von Xangod Beitrag anzeigen
    Die Junglehrer haben also eine 70 Stundenwoche. Das heißt, wenn man die beiden großen Pausen (die wird es doch noch immer geben) und dazu eine Mittagspause und eine Nachmittagspause mit einrechnet, eine Arbeitszeit (jeden Tag, auch samstags und sonntags!) von morgens um acht bis abends um acht. Warum müßt Ihr immer so übertreiben. So ist das doch klar, daß das pure Jammerei von Previlegierten ist. Lehrjahre waren schon immer keine Herrenjahre. Und dafür habt Ihr dann hinterher umso mehr Zeit. Und die Ferien gelten doch auch für Referendare.
    *Kopfschüttel* Keine Ahnung haben, aber Klappe aufreissen.

    Meine Frau ist Referendarin. Morgens 6 Uhr auf stehen, zwischen 22 und 24 Uhr wieder hinlegen. Wochenendarbeit eher Normalfall denn die Ausnahme. Stunden bereiten sich nicht selber vor. Genausowenig, wie sich Schüler selbst beaufsichtigen... In ihrer Schule gibt es Blockunterricht a la 90 Minuten. Die Pausen werden also zur weiteren Vorbereitung gebraucht. Auch Kopien erstellt keine reizende Assistentin oder der Praktikant. Wie aus der Wirtschaft üblich...

    Neben der Schule gibt es übrigens auch Seminare, die vorbereitet werden wollen. Und weitere Prüfungen. Dafür gehen auch die Ferien drauf.

    Ich selbst bin Unternehmensberater und heilfroh, dass ich weniger (!) arbeiten muss als meine Frau. Kommt in meiner Branche nicht häufig vor, dass man das mal sagen darf...


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