Was bei Diskussionen über die Attraktivität der Piraten immer übersehen wird : die Partei füllt einfach eine ideologische Lücke in unserer politischen Landschaft aus bzw. hat zumindest das Potential dazu.
Vor 2008 war die Form des politischen Diskurses, die durch die Konstruktion "abstrakter Bedrohungen" einer schleichenden Erosion unserer Grundrechte Vorschub geleistet hat, ungebrochen.
Keine Partei hat die Gier nach staatlicher Überwachung fundamental in Frage gestellt, das Spitzeltum wurde ungefragt als notwendige Reaktion auf eine diffus im Raum stehende Terrorgefahr hingenommen.
Die Grünen, einst Revoluzzer, entpuppten sich nicht nur zunehmend als betuliche Großbürger mit unschöner Pädagogenattitüde, sondern verschreckten durch ihre biokonservative Grundhaltung auch den technophilen Teil der alternativen urbanen Niveaus, in denen sie sich selbst noch immer gern verorten.
Über die FDP brauchen wir gar nicht erst reden, sie hat den Wesenskern des Liberalismus aufgegeben zugunsten eines vulgären Freiheitsbegriffs, in dem Freiheit nur noch freie Wahl der Krankenversicherung ist.
Es gibt also dringenden Bedarf für eine linksliberale Partei in Deutschland.
Das Gerede über Netzaffinität und Politikstile geht am inhaltlichen Kern des Problems vorbei, leider auch zu oft bei den Piraten selbst.
Sie wären jetzt gefragt, sich klar als progressive, Grundrechte achtende Partei zu positionieren, sich -bei allen Gemeinsamkeiten in einzelnen Punkten- von Grünen, FDP und der Linken abzugrenzen und damit ein echtes programmatisches Alleinstellungsmerkmal für sich zu reklamieren, etwas, das über Attitüden in der Kommunikation mit den Wählern weit hinaus geht.

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