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Junge Partei auf Kaperfahrt: "Die Piraten hacken das System"

Kann vollkommene Transparenz in der Politik wirklick funktionieren? Beim SPIEGEL-Gespräch an der Uni diskutieren Web-Guru Sascha Lobo und "Nerd Attack!"-Autor Christian Stöcker über die halbgaren Lösungen der Piratenpartei - und über die herablassende Haltung der Altparteien.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...803802,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kann vollkommene Transparenz in der Politik wirklick funktionieren? Beim SPIEGEL-Gespräch an der Uni diskutieren Web-Guru Sascha Lobo und "Nerd Attack!"-Autor Christian Stöcker über die halbgaren Lösungen der Piratenpartei - und über die herablassende Haltung der Altparteien.

    Junge Partei auf Kaperfahrt: "Die Piraten hacken das System" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Was bei Diskussionen über die Attraktivität der Piraten immer übersehen wird : die Partei füllt einfach eine ideologische Lücke in unserer politischen Landschaft aus bzw. hat zumindest das Potential dazu.
    Vor 2008 war die Form des politischen Diskurses, die durch die Konstruktion "abstrakter Bedrohungen" einer schleichenden Erosion unserer Grundrechte Vorschub geleistet hat, ungebrochen.
    Keine Partei hat die Gier nach staatlicher Überwachung fundamental in Frage gestellt, das Spitzeltum wurde ungefragt als notwendige Reaktion auf eine diffus im Raum stehende Terrorgefahr hingenommen.
    Die Grünen, einst Revoluzzer, entpuppten sich nicht nur zunehmend als betuliche Großbürger mit unschöner Pädagogenattitüde, sondern verschreckten durch ihre biokonservative Grundhaltung auch den technophilen Teil der alternativen urbanen Niveaus, in denen sie sich selbst noch immer gern verorten.
    Über die FDP brauchen wir gar nicht erst reden, sie hat den Wesenskern des Liberalismus aufgegeben zugunsten eines vulgären Freiheitsbegriffs, in dem Freiheit nur noch freie Wahl der Krankenversicherung ist.

    Es gibt also dringenden Bedarf für eine linksliberale Partei in Deutschland.
    Das Gerede über Netzaffinität und Politikstile geht am inhaltlichen Kern des Problems vorbei, leider auch zu oft bei den Piraten selbst.
    Sie wären jetzt gefragt, sich klar als progressive, Grundrechte achtende Partei zu positionieren, sich -bei allen Gemeinsamkeiten in einzelnen Punkten- von Grünen, FDP und der Linken abzugrenzen und damit ein echtes programmatisches Alleinstellungsmerkmal für sich zu reklamieren, etwas, das über Attitüden in der Kommunikation mit den Wählern weit hinaus geht.
  2. #2

    Die piraten sind die Gruenen von heute!
    ich erinnere mich noch genau, wie die 'die Politik aendern' wollten.
    Alle 2 Jahre die Wechselein, bis dann irgendwnn mal die Versorgungsansprueche auch fuer Gruene Abgeordnete mal zuegigst erreicht weden sollten.
    Das war der erste Schritt, um in der realen Strippenzieher und Vorteilsannehmer Politik anzukommen.
    Und den Piraten wird es nicht anders ergehen! Ambitionierte 'Politikveraenderer' werden die Basisarbeit machen, frueher oder spaetere Politprofis sich dauerhaft waehlbar aufstellen.
    Und dann beginnt das Alte Spiel auch bei dem neuen Spieler.
  3. #3

    Zitat von iwakura Beitrag anzeigen
    Es gibt also dringenden Bedarf für eine linksliberale Partei in Deutschland.
    Das Gerede über Netzaffinität und Politikstile geht am inhaltlichen Kern des Problems vorbei, leider auch zu oft bei den Piraten selbst.
    Sie wären jetzt gefragt, sich klar als progressive, Grundrechte achtende Partei zu positionieren, sich -bei allen Gemeinsamkeiten in einzelnen Punkten- von Grünen, FDP und der Linken abzugrenzen und damit ein echtes programmatisches Alleinstellungsmerkmal für sich zu reklamieren, etwas, das über Attitüden in der Kommunikation mit den Wählern weit hinaus geht.
    Ich kann nur aus meinen eigenen Beobachtungen als Mitglied sprechen, nicht für die Partei selbst - doch die Piraten sind weitestgehend nicht daran interessiert, sich von anderen Parteien abzuheben. Sie wollen nicht "anders" sein, sich um jeden Preis abgrenzen.
    Nein - die Piraten richten sich nach dem, was dem Gros der Mitglieder gemeinsam am Herzen liegt und nicht, was die meisten Wähler anzieht. Wenn dem Bürger das Programm zusagt, wird er schon wählen. Wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm.
  4. #4

    Zitat von iwakura Beitrag anzeigen
    Was bei Diskussionen über die Attraktivität der Piraten immer übersehen wird : die Partei füllt einfach eine ideologische Lücke in unserer politischen Landschaft aus bzw. hat zumindest das Potential dazu.
    ...
    Danke, Ihr Beitrag bringt es schön auf den Punkt. Volle Zustimmung.
  5. #5

    Interessanter Vergleiche

    Von Lobo wird zurecht kritisiert, dass durch Transparenz eine Bühne entsteht auf der der bessere "Selbstdarsteller" evtl. besser wirken kann als der inhaltlich bessere aber etwas "blassere" Kontrahent.

    Dieser Vergleich erinnert mich an die Zusammenhänge zwischen der griechischen Theaterkunst und der Entstehung von Demokratie.
    Es gibt alle Formen der Kunst um etwas auszudrücken.
    Das Drama, die Kömodie, etc. heute kommen Multimediainhalte dazu, Webseiten, Youtube, etc.
    All diese Darstellungsformen sollen eine Wirklichkeit so darstellen, dass Entscheidungen beeinflusst werden. Es wird Meinung "gemacht".

    Es gibt keine bessere Form des Wahrheitsfindung als die naturwissenschaftliche Methode.
    Diese Wahrheitsfindung ist aber auch einem ständigen Wandel unterworfen. Sie ist dabei nicht zwangsläufig basisdemokratisch, sondern von Expertentum geprägt.

    Der Ort auf dem wissenschaftliche Wahrheiten gefunden werden sind heutzutage Kongresse. Dort werden Ergebnisse verglichen, diskutiert und sobald ein Konsens entsteht werden Aussagen als richtig angesehen.
    Allerdings wird man auch auf wissenschaftlichen Kongressen immer auch kritische Vertreter von anderen Interpretationen finden. Deren Ergebnisse wird von Experten vorselektiert und sobald diese als Diskussionswürdig angesehen werden auch vor dem gesamten Auditorium diskutiert. Dort werden dann die Schwächen der meisten Ergebnisse schnell klar.
    Meiner Meinung nach sollte die Politik ebenso funktionieren.
    Leider besteht aber immer die Gefahr in Strukturen zu versteinern, Lobbyismus und Verfilzungen sind die größte Gefahr für ein gemeinsames Erarbeiten von Lösungen.
    Hier ist es wichtig, eine offene Struktur zu finden, die es jedem der möchte erlaubt Beiträge einzubringen und Entscheidungsprozesse anzustoßen.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kann vollkommene Transparenz in der Politik wirklick funktionieren? Beim SPIEGEL-Gespräch an der Uni diskutieren Web-Guru Sascha Lobo und "Nerd Attack!"-Autor Christian Stöcker über die halbgaren Lösungen der Piratenpartei - und über die herablassende Haltung der Altparteien.

    Junge Partei auf Kaperfahrt: "Die Piraten hacken das System" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Bei allem Idealismus und Potenzial, das in der Piratenpartei steckt, sollte sie eins bedenken: die affirmative Kraft unseres Systems. Das war bereits der Kardinalfehler der neuen Linken der 60er Jahre. Was ist aus dem Wunsch nach Selbstbestimmung geworden? Prekäre Arbeitsverhältnisse, massenhaft unbezahlte Überstunden in der freien Wirtschaft. Und was bleibt einem sich dagegen zu wehren? Im Moment nicht viel, wir haben es ja schließlich selbst so gewollt. Die Piratenpartei sollte sich mit ihrer Forderung nach Transparenz bewusst sein, dass sie damit etwas schaffen könnte, was schließlich nicht dem Bürger, sondern dem System nützt und sich trotz aller guten Absichten in sein Gegenteil verkehrt.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kann vollkommene Transparenz in der Politik wirklick funktionieren? Beim SPIEGEL-Gespräch an der Uni diskutieren Web-Guru Sascha Lobo und "Nerd Attack!"-Autor Christian Stöcker über die halbgaren Lösungen der Piratenpartei - und über die herablassende Haltung der Altparteien.

    Junge Partei auf Kaperfahrt: "Die Piraten hacken das System" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Halbgar wäre ja schon etwas. In meiner Heimatstadt gibt es zwar keine Aktivitäten der Piraten, aber jede Menge Zeitungsartikel. Von den Aktivitäten der Opposition wird in der Presse hingegen nicht berichtet.
    Ein Schelm wer böses dabei denkt.
  8. #8

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kann vollkommene Transparenz in der Politik wirklick funktionieren? Beim SPIEGEL-Gespräch an der Uni diskutieren Web-Guru Sascha Lobo und "Nerd Attack!"-Autor Christian Stöcker über die halbgaren Lösungen der Piratenpartei - und über die herablassende Haltung der Altparteien.

    Junge Partei auf Kaperfahrt: "Die Piraten hacken das System" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Die herablassende Haltung ist doch ein Vorteil für die Piraten.
    Würde man sie kritischer betrachten, wäre es ja noch peinlicher für diese Luftblasen, als es jetzt schon ist.
  9. #9

    Zitat von Altesocke Beitrag anzeigen
    Die piraten sind die Gruenen von heute!
    ich erinnere mich noch genau, wie die 'die Politik aendern' wollten.
    Alle 2 Jahre die Wechselein, bis dann irgendwnn.....
    Leider muss ich Ihnen zustimmen. Die Grünen haben in meinen Augen ihre Glaubwürdigkeit vor langer Zeit verloren. Petra Kelly - Petra K Kelly, in memory - wuerde die Partei nicht wieder erkennen. Schade wars








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