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Jugendsprache: Lass ma' lesen, yallah!

Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...811877,00.html
  1. #40

    Forum-Deutsch ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

    Jugendsprache: Lass ma' lesen, yallah! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Man betrachte mal die Groß-und Kleinschreibung sowie die Zeichensetzung in der Forenlandschaft. Is auch nich viel besser ... ;-)
  2. #41

    Nicht verwunderlich...

    ... dass Frau Wieses Arbeit kritisiert wird, denn schnell zeigt sich (zumindest in diesem Artikel) dass sie nicht fundiert ist.

    Es beginnt schon bei der Definition:

    Das Kiezdeutsch ist kein Dialekt, sondern ein Soziolekt!

    Es erscheint logischer als die Standardsprache? Ein plausibles Beispiel bleibt sie (zumindest im Artikel) schuldig.

    Und die Beispiele?

    "Danach ich geh' Schule" - Zeitangaben rutschen im Kiezdeutsch oft an den Anfang des Satzes
    Seltsam, genau wie in der Standardsprache zum Zwecke der Betonung. Der Unterschied (neben dem Weglassen von Präposition und Artikel) ist, dass die Zeitangabe offenbar als "Nullposition" gewertet wird und damit das Prädikat hinter das Subjekt rutscht.

    Bleibt eine Frage: liegt's an der Arbeit von Frau Wiese oder dem Artikel?
  3. #42

    Snakes & Arrows

    Gottchen, selbst im Spiegel hat ein Fussballer mittlerweile Vertrag und keiner denkt sich was dabei.
  4. #43

    Zitat von herr wal Beitrag anzeigen
    „Und dann kam plötzlich ein Bricket aus der Pizza rausgestochen!“ Hatse nich verstande, also hammers ihr erklährt: Ein afroamerikanischer Angehöriger der in unserem Ort stationierten ausländischen Streitkräfte hatte eiligen Schrittes die von uns fast allabendlich frequentierte örtliche Pizzeria verlassen!
    Die Sprache klingt nach Friedberg in Hessen :-)
  5. #44

    Lass ma' Sozialamt gehen, yallah!

    Das ist schlechtes und falsches Deutsch. Zum Spaß kann man das mal nachmachen, aber ernsthaft kann ich jedem Jugendlichen nur raten, sich ein gepflegtes Deutsch zuzulegen, ansonsten macht man sich bei der Jobsuche von vornherein das Leben schwer.

    Linguisten sollten hier keine Streicheleinheiten verteilen, sondern sich ihrer Verantwortung bewusst sein.
  6. #45

    Zweierlei

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

    Jugendsprache: Lass ma' lesen, yallah! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    1. Der linguistische Aspekt ist natürlich positiv. Die Zuwanderer bereichern die deutsche Sprache, und spätestens, wenn "yallah!" im Duden steht, können wir uns alle darüber freuen. Dass die Werbung ähnliche Formulierungen benutzt, liegt daran, dass die Werbesprache immer ein bisschen Avantgarde ist. (Siehe: "Da werden Sie geholfen!")

    2. Etwas ganz anderes ist der soziale Aspekt. Lehrer - und besonders Deutschlehrer - müssen den Kindern beibringen, wie man in unserer Gesellschaft zurechtkommt, sich verständlich macht und vielleicht auch höhere Bildung erlangt. Für die muss es natürlich zynisch klingen, wenn "Kanakdeutsch" von wohldotierten Professorinnen zur neuesten Errungenschaft hochgejubelt wird.

    Für den Ethnologen sind Speer und Lendenschurz bestimmt interessant, aber ein Beamter vom Arbeitsamt würde zu recht gefeuert, wenn er einem ALG-Empfänger rät, in dieser Kleidung auf Stellensuche zu gehen.
  7. #46

    Soziolekt

    Soziolekte haben die Funktion, Zugehörigkeiten und Ausschlüsse zu demonstrieren. Bei dem "Kiezslang" ist es unerheblich, ob er richtig oder verständlich ist. Es kommt darauf an, sich als Absteiger kenntlich zu machen, um in seiner Peergroup nicht als Aussenseiter zu gelten.

    Dass Jugendliche "umschalten" können, glaube ich. Es dürfte sich aber um wenige Ausnahmen handeln.
  8. #47

    Zitat von nurEinGast Beitrag anzeigen
    Die Sprache ist weder sinn- noch wertvoll. Sie ist im Grunde nur ein Brandzeichen für die (kulturelle) Unterschicht. Ein Abfallprodukt aus einem Schmelztiegel vieler Einwanderer, die mit der deutschen Sprache nichts oder nur sehr wenig anfangen können.

    Ausserdem: es mag sein, dass das Standarddeutsch von Zeit zu Zeit kompliziert und unlogisch ist- aber ist das wirklich ein Problem?

    Die deutsche Sprache ist uralt, hat sich seit Jahrhunderten entwickelt, gewandelt- organisch weiterentwickelt. Alleine dieses Erbe ist es wert, um sie zu kämpfen.

    Und eben das Beherrschen dieser Sprache, so unvollkommen es bei mir auch sein mag, privilegiert mich, auf eben solche Leute mit ihren Kiezslangs herabzuschauen, über sie zu lachen und sie abzuwerten.
    So gesehen ist der Kiezslang vielleicht doch erhaltenswert...
    Schön anzusehen wie unsere "Kulturbewahrer" hier reihenweise dem Herzinfarkt erliegen.
    Ja, die deutsche Sprache ist uralt und hat sich seit Jahrhunderten entwickelt und gewandelt.
    Aber warum und wieso?
    Weil ständig neue Einflüsse hinzukamen. Durch Migranten aus aller Herren Länder. Polnisch, Französisch, Ungarisch, Englisch uvm. ist in unserer Sprache zu finden.
    Und wie war es eigentlich in der Jugend unserer "Kulturbewahrer"?
    Ich, Jahrgang 63, kann mich noch lebhaft erinnern welch Terror manch älterer Erwachsener veranstaltete hörte er uns Jugendliche wenn wir "unter uns" waren. Das war schon der sprachliche Untergang der deutschen Kultur...

    All denen, die sich hier aufregen sei empfohlen sich mit der Literatur der letzten Jahrhunderte intensiver zu beschäftigen. Und sie werden überall "Kiezdeutsch" finden..
  9. #48

    Reim dich oder ich fress dich

    Zitat von heftpflaster Beitrag anzeigen
    folgen in Ihrer Welt vielleicht den gleichen Regeln von 'Korrektheit', in der Realität tun sie das nicht und - jetzt kommt der Clou (französisches Lehnwort ;) - haben das auch zu keinem Punkt der Menschheitsgeschichte.

    Wieso regt sich hier eigentlich niemand darüber auf, dass heute keiner von uns noch die reichen Flexionsendungen benutzt, die das Althochdeutsche einmal besaß? Nur eins von tausend Beispielen, man müsste nicht so weit zurück gehen..
    Die deutsche Sprache, die hier offenbar viele als dermaßen 'rein' und 'richtig' empfinden, entstand in einem dynamischen Prozess, der sich fortsetzt und für den einer der Hauptgründe folgender ist: Faulheit. Eine Professorin der Uni Köln nennt es immer lachend 'Sprachökonomie'.

    Nebenbei: Goethe reimte noch 'Augenblick' auf 'zurück' und 'Miene' auf 'Bühne', sprach also <ü> wie <i> aus. Macht vermutlich aus der gebildeten Oberschicht in diesem Forum, mit Verlaub, auch kein Schwein mehr^^
    Viel Spaß also bei dem Versuch, irgendeine Sprache an einem willkürlich festgelegten Punkt zu versteinern..
    Goethe war Frankfurter. Er hat offenbar Dialekt "gedacht" und deshalb auch "neische" auf "schmerzensreische" gereimt.
  10. #49

    Stigma

    Zitat von signaturen Beitrag anzeigen
    Schön anzusehen wie unsere "Kulturbewahrer" hier reihenweise dem Herzinfarkt erliegen.
    "Kulturbewahrer" haben eine Mission. Aus diesem Grund sind die Herzinfarkte verständlich. Das sind aber die wenigsten.

    In der Praxis ist es so, dass den meisten, die nicht der Unterschicht angehören, egal ist, wie sich die anderen verständigen. Es hat, im Gegenteil, sogar Vorteile, andere an der Sprache zu erkennen, um sofort Distanz schaffen zu können. Stigmatisierungen sind nur dann verpönt, wenn sie nicht von den Stigmatisierten selbst ausgehen.








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