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Jugendschutz: Electronic Arts fordert Ablösung der Game-Selbstkontrolle
Electronic Arts, einer der größten Videospiel-Hersteller der Welt, will den deutschen Sonderweg beim Jugendschutz beenden. EA-Manager Gerhard Florin fordert, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) abzuschaffen und stattdessen das internationale Klassifikationssystem Pegi einzuführen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/games...643815,00.html
- #30 20.08.2009 12:12 von
lkh
Hinzuzufügen wäre auch, dass ein Gross wenn nicht 99% der "Entscheider" sich selbst gerne den einen oder anderen genehmigen. Seis der teure Rote beim Lieblingsitaliener oder der Cognac zur Zigarre - eine "neue" Prohibition also allein schon deshalb ausgeschlossen selbst wenn die Bürger das wollen würden.
Die Lobby lassen wir mal aussen vor, da hat die Spieleindustrie (noch) nicht genug Arbeit geleistet bisher wie es scheint. Auch wenn die Piratenpartei ein undetailliertes Programm bietet, ich werde wohl zum Protestwähler werden. Mal sehen was rauskommt. - #31 20.08.2009 12:20 von
..
Bei Gears of *** (darf man es eigentlich ausschreiben?) verstehe ich das verbot überhaupt nicht. Hab den ersten Teil gespielt und das SPiel ist mal sowas von unrealistisch. Errinert mich eher eine eine Symbiose aus "Alien" und "Rambo". Erst wenn die Poltiker mir sabbernde Aliens zeigen werde ich es aktzeptieren, dass hier von "realitätnahem Töten" gesprochen wird.
Ich bin mal gespannt was bei den beiden neuesten Vorfällen in Schwalmtal etc. so rauskommt. Hans P. hat bestimmt auch CounterStrike gespielt. In einer Ü60 Liga.
Wenn ich mich entscheiden müsste, wen ich nachts um 2 Uhr am ehesten in einer dunklen Gasse begegnen wollen würden, dann würde ich den Hardcoregamer dem Säufer deutlich vorziehen. - #32 20.08.2009 13:17 von
- #33 20.08.2009 13:32 von Chance
Sekulärer Beitrag
Hallo,
stimme ich mit einem Großteil Ihrer Ansichten überein bin ich hier völlig anderer ansicht.
Meines Erachtens hat das hohe Maß an Gewaltdarstellung einen zum Teil sekulären Charakter der den Zeitgeist mit beeinflusst.
Ich meine damit, dass m. E. noch keine Generation so kregsfeindlich eingestellt war wie die heutige. Die teils drastische Gewaltdarstellung in allen modernen Medien trägt m. M. n. mit dazu bei. Krieg und systematische Gewalt kann auf diese Art nicht mehr durch blumige Worte glorifiziert werden wie es früher einmal der Fall war.
Von den unter 30 jährigen Deutschen würde kaum jemand für ein geographisches Fleckchen Erde oder einer religiösen Überzeugung riskiren sein Leben auf blutige Weeise zu verlieren.
Besten Gruß,
C - #34 20.08.2009 14:17 von
- #35 20.08.2009 14:18 von
Gedärm
Es ist aber noch ein Unterschied, ob man Splatter *braucht* oder eben nur als Stilmittel hinnimmt. Ich sehe auch Tarantino-Filme und kann mich darüber amüsieren, ohne hinterher meinem Kollegen den Kopf wegzuschießen.
Heute amüsieren wir uns darüber, dass die Männer des 19. Jahrhunderts sexuelle Erregungsanfälle bekommen haben, wenn sie die nackte Schulter einer Frau gesehen haben. Mit zeitlichem Abstand wissen wir, dass das lächerlich ist, Verstecken und Getue baut nur ungesunde Spannungen auf.
Gewalttäter haben doch wohl nicht das Problem, dass sie Wert darauf legen, mal Gedärm zu sehen, sondern ihre Impulse kommen aus Verdrängtem, Verstecktem und Verbogenem. Ansonsten wären Chirurgen ja die ersten, die im Verdacht stünden, ihre Nachbarn niedermetzeln zu wollen. - #36 20.08.2009 14:21 von
Blut und Spiele
Die Frage der Ethik stelle ich bei Computerspielen genauso wenig wie ich sie mir beim Schach stelle. Und zwar einfach deshalb, weil ich diese als Spiel erkenne und nicht mit der Realität verwechsele. Ich habe keinerlei Skrupel hunderte mit Texturen überzogene Polygonmodelle nierzuballern weil ich weiss, dass in ihnen kein echtes Leben steckt. Empathie ist dort fehl am Platz. Die Gegener sind lediglich Platzhalter an denen der Spieler sich abarbeiten muss, um sein Ziel zu erreichen. Genau wie bei den Figuren auf dem Schachbrett.
Warum können SIe nicht nachvollziehen, dass sich Leute empören dass ihnen Inhalte vorenthalten werden, auf die sonst kein anderes Land verzichten muss ? Es ist vor allem deshalb so ärgerlich wenn man weiss, dass unsere strengen Regelungen schlichtweg auf Vorurteilen beruhen. Das sollte es in einem freiheitlichen liberalen Staat nicht geben dürfen.
Ich sehe gar nicht ein für das selbe Geld (oder mehr, Deutschland ist ein Hochpreisland) weniger Inhalt als der Rest Europas zu bekommen :
http://www.schnittberichte.com/schni...php?ID=5975588
Sie sagen sie wären gegen Zensur, wollen aber die Hersteller zwingen gewisse Dinge nicht zu produzieren. Sie widersprechen sich selbst. Und ausserdem passiert ja genau das schon in Deutschland durch die Einstufungsverweigerung der USK, und dem dadurch entstehenden Bedrohungsszenario durch Indizierung und Beschlagnahme. Und genau dagegen wehren sich die Zensurkritiker vollkommen zu Recht.
Verbindliche Altersfreigaben sind richtig, aber alles andere geht zu weit.
Ich liebe es in Filmen und Spielen schön blutig und brutal, und lasse mir das auch von Ihnen nicht madig machen.
Ab morgen geht es aufs Fantasy Filmfest, wo ich mir 7 Tage lang Mord und Totschlag am laufenden Band ansehen werde. Ich freue mich schon wie ein kleines Kind darauf. - #37 20.08.2009 15:58 von
die Freiheit der Andersdenkenden
Wieso finden Sie die Argumentation seitens der Spieler scheinheilig?
Spiele für Erwachsene zu zensieren ist schon ein erheblicher Eingriff, dagegen zu protestieren ist legitim und nicht scheinheilig.
Sie schreiben, die Gewalt in den Spielen diene der Verkaufsförderung. Ja natürlich, wäre sie verkaufsverhindernd, würden die Hersteller darauf verzichten. Aber ein Großteil der Spieler bezieht die Faszination aus der immer realisitischer werdenden grafischen Darstellung in den Spielen.
Da die meisten Shooter oder Actionspiele sich um Stories drehen, die man auch im Actionkino sieht, ist es nicht verwunderlich, dass die Spieler diesen Grad an Gewalt auch in den Spielen sehen möchten.
(Hat irgendjemand daran gedacht, Tarantinos Kill Bill zu indizieren, nur weil dort literweise Filmblut fliesst?)
Ich habe Fallout 3 nicht gespielt, kann aber die Empörung der deutschen Spieler über die Zensur nachvollziehen. Das Spiel ist von den Entwicklern eigentlich mit der Gewaltdarstellung designed worden.
Die Anpassung von Spielen für den deutschen Markt nimmt bisweilen auch Ausmasse an, die die Handlung von Spielen verändern.
Bei Quake 4 wird die Spielfigur im Laufe der Handlung von Gegnern, den cyborg-ähnlichen Strogg, in einen der ihren verwandelt. Die Szene ist sehr blutig und grausam und fehlt in der deutschen Version fast vollständig. Die nachfolgende Handlung ist nicht mehr zu verstehen.
Bei Soldier of Fortune 2 geht es um den Kampf gegen den Terror. Für den deutschen Markt wurde die Handlung in ein gewaltfreies Paralleluniversum verlegt, in dem keine Menschen herumlaufen, sondern Blechroboter, aus denen grüne Pixelflüssigkeit fliesst. Damit war jedes Flair, dass das Original vielleicht einmal gehabt hat, perdu.
Rosa Luxemburg hat geschrieben, Freiheit sei die Freiheit der Andersdenkenden.
Es wird niemand gezwungen, die Gewaltdarstellungen in Computerspielen gut zu finden. Die Spiele werden für ein erwachsenenes Publikum produziert und eben nicht für Kinder.
Und Erwachsene sollten schon das Recht haben, sich auf diese Art unterhalten zu lassen, auch wenn andere diese Form der Unterhaltung grauenvoll finden mögen.
Und Darstellungen auch von extremer Gewalt ziehen sich durch die Kulturgeschichte der Menschheit.
Schauen Sie nur mal in die Bibel. Mel Gibsons Verfilmung der Leiden Christi, die diese Schilderung wörtlich genommen und filmisch umgesetzt hat, war vor Grausamkeit schwer zu ertragen und fand trotzdem ein riesiges Publikum. Hat da jemand nach Zensur gerufen?
Lesen Sie mal moderne Krimis, z.B. von Karen Slaughter (der Name scheint da Programm zu sein). Dort werden grauenvollste Details minutiös geschildert. Die Dame hat eine nach Millionen zählende Leserschaft.
Wie geagt, es geht mir nicht darum, diese Spiele Kindern zur Verfügung zu stellen.
Aber erwachsene Spieler wie ich möchten nicht bevormundet werden. - #38 20.08.2009 19:10 von
Die Frage mag rhetorisch sein, ...
... wäre aber mit "Ja" zu beantworten, wenn sich google.de nicht selbst verpflichtet hätte, indizierte Angebote aus den Suchergebnissen rauszufiltern. Sobald der Indizierungsantrag für gameware.at durch ist (ist er das schon?), muss ein Wissender zB auf google.at umsteigen; alle Unwissenden schauen in die Röhre...
- #39 21.08.2009 14:39 von
Gesamtdiskussion
Wenn man die so oft zizierte wissenschaftliche Auswertung von Gewalttaten und Amokläufen sachlich und unvoreingenommen führen würde, dann müsste man mal ins Ausland schauen.
Nehmen wir die PEGI-Länder (Liste hier: http://de.wikipedia.org/wiki/PEGI#Li...I_genutzt_wird ).
Ich fühle mich gut informiert, aber aus diesen Ländern hört man selten von Amokläufen.
Wenn der Ansatz der Politik stimmen würde, dann müsste dort doch Mord und Totschlag herrschen. Ausserdem sieht man auf dem Cover eines PEGI-Spiels gleich (im Gegensatz zur USK) was drin steckt (Liste auch unter Link oben).
Anderes Beispiel:
Bestünde eine Kausalität zwischen Games und Straftaten, dann dürfte es doch eigentlich in den USA kaum Vergewaltigungen geben, oder (keine sexuellen Darstellungen)?
Gewaltdarstellungen und Zensur:
Müssen wir bald damit rechnen, dass Bücher indiziert oder mit Alterfreigaben versehen werden?
Beim Lesen eines Buches wird die Phantasie angeregt. Es entstehen im Kopf Szenen und Welten, die die Geschichte lebendig werden lassen.
Kennt jemand die Romanserie "Die Zwerge" von Markus Heitz?
Da werden Zwerge, Albae, Menschen oder Elben geköpft, erschlagen, von Pfeilen durchbohrt, ausgeblutet und mit dem Blut Gemälde gemalt, entbeint und mit den Knochen Gebäude errichtet. Nur mal so am Rande, diese Bücher kann ein 10-Jähriger problemlos im Buchhandel erwerben!!!
Berichterstattung über Spiele in den Medien:
Sicherlich werden die etablierten Spielemagazine kein großes Problem damit haben zu argumentieren, dass es sich bei Berichten um redaktionelle Beiträge handelt und nicht um Werbung.
Bei der Welle, die aber um den Jugendschutz in der Öffentlichkeit gemacht wird wundert es mich doch sehr, dass diese Spiele und Filme (ohne Jugendfreigabe) frei feilgeboten werden dürfen. Jeder Jugendliche kann die Ware in die Hand nehmen, sich zum Inhalt informieren und lediglich die (hoffentlich durchgeführte) Alterskontrolle an der Kasse hindert ihn am Kauf.
Leider nicht den großen Bruder oder die Eltern, denen es egal ist, was der Nachwuchs so zockt.
Wir doktern da an der falschen Stelle herum.
Actiongames sollen verboten werden, Waffennarren dürfen ihr Waffenarsenal weiterhin Zuhause horten und müssen höchstens mal mit Kontrollbesuch vom Ornungsamt rechnen, die den Waffenschrank kontrollieren.
Keiner kümmert sich um die mittlerweile heftigst um sich greifende Mobberei an den Schulen. Die Amokläufer von Erfurt, Emsdetten oder Winnenden haben ihre Taten nicht begangen, weil sie durch CS dazu aufgestachelt wurden, sondern weil sie sich rächen wollten. Warum hat der Erfurter Täter sich denn die Schule ausgesucht bzw. sie vorher im Map-Editor im Game nachgebaut? Nicht weil das Game dazu aufgefordert hat, sondern weil er sich mit seinen Problemen (Mobbing, ungerechte Behandlung, psychische Probleme und was auch sonst noch) allein gelassen fühlte.
Wie gesagt, vergesst die USK und ihre sogenannten Experten und aktiviert PEGI. Helft den Eltern, ihre Kinder besser zu erziehen (wie gehe ich mit Gewalt und Agressionen um), schließt die Waffen in den Vereinen weg und klärt die Kids und Jugendlichen besser über die Folgen von Mobbing auf.
Man sollte eines auf keinen Fall vergessen, die Amokläufer von Erfurt, Emsdetten oder Winnenden waren Opfer, bevor sie zu Tätern wurden. Dazu wurden sie nicht durch die Spiele, die sie gespielt haben, sondern durch die Ignoranz und mangelnde Sensibilität ihrer Umgebung.
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