Müssen sich jetzt alle rechtfertigen, die nicht nur der globalen McEinheitskultur anhängen wollen? Danke, liebe Umerziehungsmedien, ihr habt es weit gebracht.
Dirndl, Lederhose, Schuhplattler? Zu Hause hört Raquel, 10, HipHop. Aber alle zwei Wochen tanzt sie sich im Trachtenverein schwindlig. Und ist damit nicht allein - gerade von jungen Leuten bekommen krachlederne Brauchtumsklubs kräftig Zulauf.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...526744,00.html
Müssen sich jetzt alle rechtfertigen, die nicht nur der globalen McEinheitskultur anhängen wollen? Danke, liebe Umerziehungsmedien, ihr habt es weit gebracht.
*kicher* Die Spiegel-Redaktöre hecheln dem Trend hinterher? Na sowas. Schon seit Jahren gibt es in jeder größeren Stadt Volkstanzzirkel. Ich hatte jedenfalls nie Schwierigkeiten, Anschluß zu finden an Gruppen, die sich quer durch Deutschland und Europa tanzen. Polka, Masurka, Schottisch? Her damit. Macht Spaß! Und wer in Rudolstadt (http://www.tff-rudolstadt.de/) noch nicht die Nacht durchgetanzt hat...!
Die reinen Brauchtumsvereine sind wahrscheinlich nicht gar so häufig, aber das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass auf eine solche Betätigung jahrzehntelang eher herabgeschaut wurde. In unserer Stadt gibt es auch einen Brauchtumsverein, aber ich habe mich bewußt für den breiter angelegten Volkstanzzirkel entschieden, weil ich nicht aus dieser Region stamme (nicht mal im weiteren Sinne).
Dieses 'Brauchtum' ist in Wirklichkeit natürlich hanebüchener Quatsch. Bayern war ja bis zur Säkularisation 1802 kulturell vor allem durch die katholische Kirche und deren viele Klöster geprägt. Zwar nicht erste, jedoch klare Auskunft über Sitten und Gebräuche der Bevölkerung des oberbayerischen Raumes gibt ein 1814 erschienenes Buch mit dem (irreführenden)Titel: 'Le voyage dans le Tirol'. Filzjacken, -hüte, lange Hosen bei den Männern, bei den Frauen Mode, die zum Abwinken reizt. Unterschieden haben sich die einzelnen 'Trachten' vor allem durch ihre Farben. Zwischen Peißenberg und Steingaden/Trauchgau z.B. gab es also graugrüne Klamotten da, graublaue dort und graugraue im nächsten Dorf. Ende des neunzehnten Jahrhunderts gab es in Bayern nun konservativ-freiheitlich-reaktionäre Kräfte, die sich der politischen Entwicklung im Reich und einer Vorherrschaft durch das Haus Hohenzollern kräftig widersetzten. Diese Kräfte standen in Opposition zu König Ludwig II, der ja Preußens Ansprüche befürwortete. (s.a. Briefwechsel zw. Otto v.Bismark und Ludwig II).Nach der Absetzung und kurz vor dem dubiosen Tode des Ludwig II wurde Luitpold Prinzregent von Bayern. Die gleichen Kräfte in München, die wohl auch für Entmündigung und Tod des Königs verantwortlich waren, führten zur Steigerung des 'bayerischen Selbstwertgefühls' u.a. eine 'Trachtenreform' ein. Dabei bediente man sich des PR Luitpold, seiner Jagdleidenschaft und seiner Vorliebe für die Mode einiger Almbuben in Tirol. Er selbst ließ sich also Phantasieuniformen schneidern die viele Elemente der heutigen 'Tracht' enthielten. Kurze Hose aus Leder, Hut mit 'Gamsbart', uswusw. Wollte 1905 allerdings ein junger Kerl vom Dorf in solcher Aufmachung am Sonntag in die heilige Messe, bekam er von seinem Vater erst einmal eine 'geschmiert'. Zu Recht fand man diesen Aufzug bizarr und in jeder Beziehung unangebracht. Ungeachtet der Lebensweise und Bedürfnisse der Bevölkerung wurde den Menschen dieser Stil (Kleidung und Verhalten) als Ausdruck einer politischen, reichsfeindlichen, 'freistaatlichen' Gesinnung aufgezwungen. Der 'Schuhplattler' wurde in seiner jetzigen Form von einem Mittelschullehrer entwickelt, der noch nicht einmal Bayer war. Überall schossen bis 1930 Vereine zur Pflege des bayerischen Volks- und Brauchtums aus dem Boden. Musikstücke wurden komponiert, Blechblasinstrumente eingesetzt, es wurde und wird getrommelt wie verrückt usw. Auch die Brüder Rehm und andere liefern mit ihren Gesängen oder zartem Saitenspiel nur rührseelige Interpretationen einer Phantasiewelt, die mit dem ursprünglichen Bayern nichts (garnichts!) zu tun haben, ausser dass sie auf die Wurzeln des Faschismus in Süddeutschland verweisen. Natürlich ist der 'Trachtler' der Faschist per Definitionem. Wer das bestreitet, will täuschen. Nur liegt das lange zurück und hat heute keine Bedeutung mehr. Tanzen, springen, singen im Verein ist das eine. Aber in ein paar Jahren wälzt man sich übergewichtig und mit Goldketten behangen auf den Motorhauben irhendwelcher Luxuslimousinen. Mit dem gleichen Anspruch. Ich mache aus meiner Meinung zur bayerischen 'Brauchtumspflege' keinen Hehl und an die Lechgauer, Illachtaler und die vielen anderen mein augenzwinkernder Bescheid: Sepp is Depp. Reißts euch zam und hörts auf mit dem Schmarrn. Mir hom alle wirklich was ansders zum dua als den Blödsinn. Lastsas oafach und schämts eich! Denn wo nichts echtes drin ist, kann auch nichts echtes rauskommen.
Ist doch angeblich ein freies Land hier. Wer Lust auf - in meinen Augen - lächerliche Kleidung und altertümliche Tänze zu schwer erträglichen Klängen hat soll dem doch frönen.
Solange man daraus keine weitergehenden Ansprüche ableitet soll´s mir recht sein....
Zitat:
"der globalen McEinheitskultur"
Genau. Der böse Ami hat alles put gemacht auf der Welt.
Ich für meinen Teil bin dankbar dafür auch mit der "McEinheitskultur" großgeworden zu sein.....
"Ist doch angeblich ein freies Land hier. Wer Lust auf - in meinen Augen - lächerliche Kleidung und altertümliche Tänze zu schwer erträglichen Klängen hat soll dem doch frönen.
Solange man daraus keine weitergehenden Ansprüche ableitet soll´s mir recht sein...."
Na mein lieber Herr Pinkel! Was finden Sie eigentlich von Indischen Tempeltänzerinnen, wild stampfenden Zulu-Kriegern oder Irischen Wildsteppern? Sind die auch alle lächerlich und altertümlich? Aber wahrscheinlich verwechseln Sie nur Volksmusik mit Volkstümlichem Schlager.
DAS ist dann "natürlich" etwas GANZ anderes...das ist dann
ein Bekenntnis zur eigenen Kultur und Identität! Wenn das aber Deutsche machen, dann "marschiert" gleich wieder der Nationalismus.
War es nicht sogar Cohn-Bendit der das sagte (frei zititiert)?
Merke:
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das selbe!