Ist diese überdurchschnittliche Verwendung des Internets wirklich so schlecht?
Als 18. Jähriger Informatik-Student, "Gamer" und als "Internet-Süchtiger" sehe ich nicht so viele negative Aspekte. Für Außenstehende oder Menschen die eventuell nicht so viel Zeit wie ich im Internet verbringen, mag es erschreckend klingen wenn ich sage dass ich permanent Erreichbar bin, jedoch hat dies für mich auch enorme Vorteile.
Beispielsweise erfahre ich, über das "soziale Netzwerk" Facebook innerhalb von wenigen Minuten, wenn eine Vorlesung ausfällt. Das ist ziemlich praktisch, wenn man eine Fahrt von 1 1/2 Stunden vor sich hat. Auch das Ich während Vorlesungen online bin ist für meine Mitstudenten von Vorteil. Somit konnte ich ihnen Tafelbilder ganz einfach über WhatsApp oder Facebook senden, da diese nicht anwesend sind oder einfach mal einen Anruf in Skype starten, damit diese die Vorlesung mithören können. Jegliche Informationen oder Hilfestellung rund um das Studium findet meine Kommilitonen auch ganz einfach und schnell in Facebook. Aber das ist nur einer der Vorteile von der "aktiven" Nutzung des Internets.
Auch in der MMORPG Szene bin ich sehr aktiv. Schon seit meinem 13. Lebensjahr tauche ich gerne für einige Stunden in die virtuelle Welt ab und genieße meine Abenteuer als ein Magier oder Schwertkämpfer. Dadurch lernte ich auch viele Leute kennen, welche vielleicht am anderen Ende der Leitung saßen, jedoch die gleichen Interessen teilten. Bei vielen war es mir auch egal, ob diese nun virtuelle Freunde waren oder nicht, für mich gibt es da inzwischen keinen so großen Unterschied mehr. Die Verbindung zu meinem sozialen Umfeld und auch zu meinen "real-Life" Freunden habe ich nicht verloren, da diese ebenfalls mit mir zusammen gerne die eine oder andere Runde im Spiel "League of Legends" spielen oder gemeinsam mit mir gegen Bosse und finstere Monster gekämpft haben. Einige von meinen virtuellen Freunden, mit denen ich gerne zusammenspiele, habe ich auch persönlich getroffen. Das ist auch was Interessantes, wenn man die Person mit der man seit Monaten zusammenschreibt, redet und Abenteuer erlebt auf einmal vor sich hat. Meine Noten mussten nicht darunter leiden, dass ich gerne Stunden im Netz verbracht habe. Ich habe mein Fachabitur gemacht und studiere. In meinem Studiengang habe ich auch Leute kennengelernt die ebenfalls gerne "World of Warcraft", "League of Legends", "Diablo3", "Starcraft2" oder "Dota2" spielen und es auch bis zum Studium geschafft haben.
Die Menschen, die ich im Internet kennenlerne, sind meist 3 Jahre älter oder jünger als. Manche waren auch 7 Jahre älter, jedoch haben diese Personen mir auch bei meinem Berufswunsch weitergeholfen. Sogar bei Schulaufgaben konnten mir welche behilflich sein, obwohl diese vielleicht 300 km weiter weg wohnen. Natürlich habe ich ihnen auch bei ihren programmier Aufgaben geholfen.
Ich bin kein Psychologe, auch kein Experte lediglich ein einfacher Student, der so was aus erster Hand miterlebt hat und aus Erfahrung spricht. Einige Fälle, in denen Personen sehr tief gesunken sind, gibt es sicher, jedoch ist das meiner Meinung nach nicht die Mehrheit. Für viele Erwachsene scheint das schrecklich zu klingen, wie junge Menschen einfach so viel Zeit im Internet verbringen können, da diese Erwachsenen zu ihrer Zeit öfters draußen waren, jedoch liegt es einfach daran, dass es fremd ist und zum Gebiet der nächsten Generationen gehört.
Ich erhoffe mir nicht, dass Eltern vor dem "Facebook-Konsum" gewarnt werden oder den Kindern eine Internetsperre geben sollen. Es ist wichtig, dass in der Sekundarstufe 1 die Kinder gewarnt und aufgeklärt werden, was das Internet mit sich bringt. Immerhin macht man so was für Alkohol, Zigaretten und Drogen auch! Die Vorteile, aber auch die Gefahr vom Verlust der Privatsphäre müssten geschildert werden. Wenn es Mangel an Fachkräften gibt oder man mit den Kosten nicht hinterherkommen kann, dann sollte man IT-Firmen finden, welche bei Veranstaltungen an Schulen diese Arbeit abnehmen. Wer könnte besser einen Jugendlichen über die Privatsphäre Probleme im Internet aufklären, als ein IT-Experte?
Oft werden auch die Eltern angeprangert und kritisiert, was in der heutigen Zeit auch einfach nur überflüssig ist. Viele Eltern würden sich gerne um Ihre Kinder kümmern, jedoch können sie es nicht. Oft müssten Eltern bis zu 12 Stunden arbeiten, mit mehr als einem Job um die Familie zu ernähren. Alleinerziehende haben da noch größere Sorgen. Es ist im Endeffekt nicht leicht zu sagen, dass man einfach mal einen Spaziergang zum Spielplatz macht mit den Kindern.
Zum Schluss sollte man sich Gedanken machen, ob es einem lieber ist, dass das Kind im Krankenhaus liegt, wo ihm der Magen ausgepumpt wird, aufgrund hohem und eventuell illegalem Alkoholkonsum oder ob es einem lieber ist, wenn das Kind vor den Augen ist, wo man es sieht und weiß, was es macht.
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