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Jugend in Zeiten der Krise: Ins falsche Leben gefallen

Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen? Eine Ausstellung von Larry Clark und der Briefwechsel von Jack Kerouac und Allen Ginsberg zeigen Jungsein als Zustand wütender Sinnsuche.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...836418,00.html
  1. #30

    Früher und heute

    Wenn Herr Dietz von "Amerikas goldener Unschuldszeit" schreibt, muß ich lächeln, denn die hat es meines Erachtens nie gegeben, weder in der Politik noch in der Kultur. Im verklärten Rückblick erscheint uns das nur so, weil die Gegenwart so bedrückend ist. Schaue ich mir Hollywood-Filme aus den 30er und 40er Jahren an, kommt bei mir auch jedesmal Wehmut auf angesichts der heutigen Unmengen an buntem Mist. Schrottfilme und -bücher gab's aber auch damals schon, nur nicht so viele.
  2. #31

    Viele vergessen, wie wichtig eigentlich die Gesundheit ist, während die Gesellschaft krank voranschreitet.

    Vielleicht hätte der verstorbene Steve Jobs mal darüber ein Vortrag halten sollen, statt mit weiteren I-deen zu kommen, die Welt in seinen Grundfesten zu revolutionieren. (was hat es gebracht?)

    Um ein I-Phone zu bauen, vergiften sich Kinder woanders auf der Welt, nur weil sie billig, seltene Mineralien abbauen.
    In grossen Fabrikanlagen werden Arbeiter aus einfachen und ärmlichen Verhältnissen verheizt und bis hin zum Selbstmord gedisst.
    Nur weil, irgendwo auf der Welt, irgendein Grünschnabel das aktuellste Model haben muss, weil es ihm sein Umfeld/Werbung eben so suggeriert hat.


    ps. eigentlich hatte ich ein ellenlangen Beitrag geschrieben, aber habe alles wieder verworfen. Es gibt zuviel zu beachten, um es einfach in einem Beitrag darzustelllen, zumal ich auch nur ein Laie bin.

    dennoch, ein interessantes Thema.
  3. #32

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    [i]
    Es wird dazu führen, daß das System gestürzt wird. Und rein statistisch wird dies mit sehr großer Brutalität erfolgen. Es gibt Studien, daß Kriege dann besonders brutal geführt werden, wenn ihnen lange Friedenszeiten vorausgingen.
    Hmm... was passiert eigentlich in so einem Krieg?
    Gewinnen da wieder die mit dem großen, starken Körperbau und der größten "Keule"?
    Wer sitzt , nachdem alles vorbei ist, in den entscheidenden Positionen?

    Wie sieht es dann wieder 50 oder 100 Jahre später aus?

    Gibt es nicht aktuelle Institutionen und Unternehmen mit unendlicher Lebensdauer, die so gut wie jeden Krieg der Welt überstehen würden und solange Sie in dieser Form bestehen sich einfach für die Zivilgesellschaft nie wirklich etwas verändern würde?

    Kaputt machen, wieder aufbauen = Wirtschaftswachstum, wieder kaputt machen, wieder aufbauen = Wirtschaftswachstum...
  4. #33

    Ich versuch mich mal!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen? Eine Ausstellung von Larry Clark und der Briefwechsel von Jack Kerouac und Allen Ginsberg zeigen Jungsein als Zustand wütender Sinnsuche.

    Kerouacs Briefwechsel mit Ginsberg und Larry-Clark-Ausstellung - SPIEGEL ONLINE

    "Es gibt ein Wort für den Zorn, die Verachtung, den Stolz, für das Tempo, das Verlangen, die Sehnsucht, für all das, was gefährlich schien im Blick der Jungen, die noch nicht Teenager hießen, weil dieses Wort erst erfunden wurde, von ihnen, für sie."

    Es gibt auch Worte für "Verlassen werden und geopfert und unnütz und eher hinderlich oder vielleicht auch ungierig und auf das Wesentliche bedacht"

    Verachtung kann ich nur empfinden wenn ich mein Menschsein einem anderen Menschen zum MASS mache und Zorn empfinde ich wenn andere meinen ohne das ich sie zu meinem Maß mache über mich zu entscheiden zu können, weil meine Sehnsucht und mein Verlangen und meine Hoffnung besteht seit ich da bin und kein Mensch kann das verändern.

    Die angeblichen "Jungen" gibt es in einer riesigen Gesellschaft nicht mehr, dass sollte man wissen, weil Menschen sind und bleiben immer dem unterworfen von Sinnen die sie eben nur im Kleinen wahr bewerkstelligen können tun.

    Kein Mensch fällt ins falsche Leben, sondern Menschen müssen einfach nur ihr Leben verteidigen.

    MFG
  5. #34

    Ein einziger Mensch KÖNNTE sehr wohl FÜR oder GEGEN entscheiden.

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Eine Gesellschaft besteht natürlich aus Menschen, ihren Bürgern. Entscheidend ist, wie die Beziehungen zwischen den Menschen geregelt sind, also um die sozialen Verhältnisse. Dabei sind Machtgefälle und Herrschaft (institutionalisierte, auf Dauer gestellte Macht) konstituierend, zumindest in unseren heutigen Gesellschaften. Aus der Perspektive des einzelnen Bürgers erscheint die Gesellschaft wie ein eigenes Subjekt, das seine Interessen durchsetzt und dem er sich mehr oder weniger anpassen muss, will er akzeptiert und geduldet sein. Bricht er aus, so warten entsprechende Sanktionen auf ihn. Die Gesellschaft mit all ihren Institutionen ist ein grosses Gebilde aus sedimentierten, dominierenden Interessen.

    Ein Kerouac ist daraus ausgebrochen, weil seine Interessen mit der vorfindlichen Gesellschaft nicht vereinnar waren - ein Phänomen, das den Impetus der ganzen Geschichte mitbestimmt, man denke nur an Jesus, Marx oder Ghandi, um nur einige, historisch besonders wirkmächtige Persönlichkeiten zu nennen. Auch Kerouac hat mit seinen Büchern einiges bewegt. Seine obige Aussage wird damit verständlich: Erlehnt zwar eine bestimmte Gesellschaftsform ab, glaubt aber an die Menschheit in ihrer Veränderungskraft - hin zum Menschlichen (siehe mein Kommentar oben).
    SPIEGELKRITIKUS, ich muss zugeben, ich habe Kerouac nicht gelesen.
    Sie erklären alles brillant –wie immer- und bin Ihnen dankbar dafür.
    Trotzdem bleibe ich bei meiner Aussage.
    Mich ermüden immer wieder Wörter wie "der System", "die Gesellschaft", etc, zu hören.
    Ich bin ganz bewusst folgender Meinung:
    Einen konventionellen Krieg zu führen, wäre OHNE Soldaten unmöglich.
    Ein Drogenboss wäre nicht so mächtig OHNE die kleinen Dealer.
    Ein Supermafioso auch nicht OHNE seine Killer.
    Ein Finanz-Hai wäre nichts OHNE die kleinen Fischlein.

    Eine Revolution wäre unmöglich OHNE die Masse, die sie trägt.
    Und die Masse wäre keine Masse OHNE jeden Einzelnen.
  6. #35

    Zitat von E.Cartman Beitrag anzeigen
    Wie stellen Sie sich das denn vor? 50% eines Jahrgangs arbeiten als Ich-AGs in der "Kreativwirtschaft"? Oder sollen die eben mal einen konkurrenzfähigen Mittelstand hochziehen, während nichtmal der Staat Kredite zu annehmbaren Bedingungen bekommt? Mittelalterliche Subsistenzwirtschaft wäre natürlich noch eine Überlegung, aber dafür bräuchte man entsprechende Flächen, und das wird ohne Geld oder günstige Kredite auch schwierig.

    Ganz ehrlich, ich bin mir absolut sicher, wenn die offizielle Arbeitslosenstatistik in Deutschland bei 50% läge, wäre das einzige Kriterium bei der Stellenvergabe auch ob Mama und Papa die richtigen Leute kennen. Dann immer noch zu behaupten, man müsste nur wirklich wollen, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Sich für die Auswanderung zu entscheiden ist in dieser Situation wesentlich verantwortungsbewusster, als sich daheim in sein Schicksal zu fügen.
    Erstens sind es nicht 50% eines Jahrgangs. Die Arbeitslosenquote berechnet sich laut ILO aus Arbeitslosenanteil an Erwerbsfähigen. Da fallen Erwerbsunfähige sowie Jugendliche die in irgendeiner Form in einer Bildungseinrichtugn stecken raus. Zum Vergleich: Es gibt 5,6 mio Arbeitslose, aber auch alleine 1,5 mio Studenten ! Da sind sonstige Bildungswege gar nicht mal drin...

    Das Zweite Problem ist dass Spanien mehrere Millionen illegale Zuwanderer hat. Etwa 50% davon sind mit einem 3-Monatsvisum eingereist das längst abgelaufen ist. Da man sie als billige Arbeitskräfte brauchte hat man mal eben knapp eine Million per sofort arbeiten lassen. So schafft man sich natürlich auch Konkurenz...

    Dritte Sache und wohl am schwerwiegendsten:
    Schwarzarbeit. Volkswirte beziffern deren Anteil auf über 30% des BIP !!! Der Verlust von Steuern etc wird auf 200 bis 250Millarden Euro geschätzt. 2005 arbeiteten 20% aller Erwerbsfähigen schwarz. Jetzt in 2012 dürfte das deutlich mehr sein...

    Typische Mittelmeermentalität. Erst bescheissen und dann jammern dass ihnen nicht geholfen wird.

    Wenn es ein Problem gibt, dann sollte man es lösen und nicht weglaufen. Es ist parasitär sich zu verpissen und zurückzukommen und sich in das gemachte Nest zu setzen. Klar gibt es Berufe wo es schwierig ist sich als Selbständiger zu betätigen. Aber jeder geht mit seiner Berufswahl auch das Risiko ein, nicht gebraucht zu werden. Man kann ja auch mal was anderes zusätzlich lernen und nicht getreu dem Motto: hier bin ich, gebt mir Brot und Arbeit.
    Letztlich würde eh kein Spanier zB in Deutschland froh. Weil hier eine Arbeitsmentalität herrscht und kein Halligalli. Da ist nicht mal eben Frühstück, Mittag und Kaffee Espressoschlürfen oder an Strand zum Surfen gehen.

    Mein "Zynismus" ist gar keiner, sondern Lebenserfahrung. Meine Eltern brauche ich nicht für Kontakte. Leute die was schaffen wollen sind immer heil froh Gleichgesinnte zu treffen. Da kommt es immer zu Projekten, weil man genau weiss dass der andere sich bewegt und eigenständig arbeiten kann.








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