Forum


 

Journalismus: Panik ist kein Geschäftsmodell

Viele US-Zeitungen sehen nur einen Ausweg aus ihrer Existenzkrise: Online-Bezahlinhalte. Aber Bezahlschranken werden das Ende der Blätter nur beschleunigen. Ein kalifornisches Start-up will das Bezahlen für Inhalte im Web revolutionieren. Das sollte auch deutsche Medienpolitiker interessieren.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...607889,00.html
  1. #150

    Klappt nicht und würde gegen Wettberwerbsrecht verstoßen

    Zitat von rijukan Beitrag anzeigen
    Warum können die großen Anbieter von Qualitätsjournalismus - wie Zeit, Spiegel, faz etc - nicht ein gemeinsames Bezahlportal schaffen? Gegen eine feste monatliche Gebühr kann dann der Nutzer alle diese Seiten besuchen, die Aufteilung de Einnahmen würde intern erfolgen, etwa nach Klicks. Das Ganze könnte dann funktionieren, wenn die wichtigen Redaktionen sich vorher darauf geeinigt haben (und natürlich ihre derzeitigen Inhalte aus dem Netz nehmen, einige wenige oder unvollständige Artikel als "Appetithappen" vielleicht ausgenommen).

    Also, ICH wäre bereit, dafür Geld auszugeben. Wohlgemerkt: mit SPON ALLEIN täte ich mich viel schwerer(es wiederspricht einfach der Natur des Netzes). Ich glaube, im Zeitalter des Internets möchte der Leser nicht mehr nur "ein" Produkt kaufen, schon wegen der Meinungsvielfalt. Das Netz bietet die einmalige Chance, ein ganzes Bündel von Zeitungen zu erwerben - die Einnahmen, abzüglich der wegfallenden Printkosten, sollten im Idealfall sogar höher sein als vorher für die getrennten Produkte. Wie gesagt - gerade die Anbieter von Qualitätsjournalismus müßten sich einfach nur mal einigen! So viele gibt es doch gar nicht - wo ist eigentlich das Problem?

    Was die Lokalzeitungen angeht: Letzten Endes muß es zu einer Spezialisierung einzelner Anbieter auf das kommen, was sie können. Wie andere schon schrieben: der landes-oder bundespolitische Teil der meisten Regionalzeitungen besteht nur aus abgeschriebenen Agenturmeldungen. Die Lokalzeitung, online oder nicht, sollte sich auf die lokalen Themen beschränken, was im Zweifel natürlich zu deren drastischer Verkleinerung führt. So what?

    Was sie da beschreiben ist ein unzulässiges Vertriebskartell.

    Und es würde sowieso nicht funktionieren, weil 1. jeder Inhalt binnen Minuten auch umsonst bei irgendwelchen Piraten erscheinen würde und 2. der Verlag der Gewinner wäre, der da nicht mitmachte und weiterhin auf Masse und Gratis setzen würde.
  2. #151

    Bezahlmodel für online Zeitungen

    cycokan schrieb: "Was sie da beschreiben ist ein unzulässiges Vertriebskartell.
    Und es würde sowieso nicht funktionieren, weil 1. jeder Inhalt binnen Minuten auch umsonst bei irgendwelchen Piraten erscheinen würde und 2. der Verlag der Gewinner wäre, der da nicht mitmachte und weiterhin auf Masse und Gratis setzen würde."
    Das mit dem Vertriebskartell würde ich unterschreiben; aber man könnte das doch offen gestalten, wenn sich die Zeitungen dazu durchringen würden Dienste wie paypal oder click&pay zu benutzen. Die sind durchaus so eingerichtet, dass micropayments gemacht werden können.
    Wenn man einen Artikel irgendeiner online Zeitung lesen will, bezahlt man -und dafür müssen sich die Zeitungen auf ein einfaches Verfahren einigen, das mit zwei max drei clicks zu bedienen ist.

    Ich denke, dass das Uhrheberrechts- und Kopierproblem nicht eine Frage des Bezahlmodus ist.
  3. #152

    ...

    Zitat von JWG Beitrag anzeigen
    Ich denke, dass das Uhrheberrechts- und Kopierproblem nicht eine Frage des Bezahlmodus ist.
    Definitiv nicht. Schliesslich gibt es die Möglichkeit ja auch schon heute. Und eine schöne Allzweckwaffe dagegen: Google.
  4. #153

    Leser Zahlen für Print-Produkt nicht für Distribution

    "Gerne wird behauptet, dass Leser von Print-Produkten für Journalismus bezahlen. Dies kann getrost als falsch bezeichnet werden: ..." Diese Aussage geht an den wirtschaftlichen Realitäten des Verlagsgeschäftes vorbei. Die Erlöse von den Lesern stehen in keiner Abhängigkeit zu den Kosten für die Distribution und auch die Erlöse von Anzeigenkunden stehen in keiner Relation zu den Kosten für den Journalismus. Ganz im Gegenteil: alle Relationen sind denkbar. Die Existenz von rein Leser-finanzierten, werbefreien Zeitschriften einerseits (z.B. im Wissenschaftsbereich) sowie rein Werbe-finanzierten Titeln andererseits zeigt: Dies reguliert allein der Markt. Ist die Leserschaft groß und kaufkräftig gibt es auch einen Anzeigenmarkt. Kein wirtschaftlich agierender Verlag läßt sich diese Erlöse entgehen. In manchen Konstellationen ist das Interesse der Anzeigenkundschaft so groß, das die Erlöse ausreichen und der Leser bekommt das Magazin umsonst. Manchmal sind die Inhalte so wertvoll (siehe Wissenschaft), das die Leser alles bezahlen und das Medium ohne Werbung auskommt.

    Die Vielzahl der kostenlosen Inhalte im Netz zeigt nicht zuletzt, wie gut der Markt funktioniert: Da die Verbreitung der Inhalte im Internet nahezu keine (Grenz-)kosten verursacht sind sie kostenlos. Insofern profitieren die Leser hier bereits in vollem Umfange von den Kosteneinsparungen der Verlage. Problem ist eben nur, dass die Verlage ihre Fixkosten für die Redaktionen irgendwie auch decken müssen. Bisher aus den Print-Erlösen, in Zukunft ...
  5. #154

    Arroganz statt Markt

    Zitat von carsten thies Beitrag anzeigen
    "Gerne wird behauptet, dass Leser von Print-Produkten für Journalismus bezahlen. Dies kann getrost als falsch bezeichnet werden: ..." Diese Aussage geht an den wirtschaftlichen Realitäten des Verlagsgeschäftes......
    ....

    Das wäre aber schön, wenn der Markt das bestimmte. In reality werden die Qualitäts-Printerzeugnisse immer teurer und Verlage nebst Redaktionen immer arroganter, was den Kontakt zur Leserschaft betrifft.
    Der Markt zeigt jedoch sehr deutlich, daß er beides nicht mag, und kein Verlag reagiert darauf....
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
  6. #155

    Theorie und Praxis

    Wenn der Markt das wirklich regeln würde, hätte heute im Grunde niemand ein Problem.

    Allein die Realität sieht anders aus. Unabhängig der Frage nach journalistischer Sorgfaltspflicht kann sich Qualitätsjournalismus von seinen Werbeeinnahmen aus dem Internet in rund 95% aller Fälle nicht kostendeckend finanzieren. Dazu kommt aus der Praxis aller Anzeigenzeitungen die Erkenntnis, dass werbefinanzierte Medien in einem (auch journalistischen) Abhängigkeitsverhältnis zur finanzierenden Wirtschaft stehen. Objektivität ist an dieser Stelle oft auch käuflich.

    Es ist hinlänglich bekannt, dass der Journalismus gegenwärtig in der Masse über die Printprodukte finanziert wir. Häufig kommen auch verschleierte Zwangskombinationen zwischen Print und Online zum Einsatz, die die Welt nicht zwangsläufig transparenter machen sonder nur "der finanziellen Rechtfertigung von Online" dienen sollen.

    Darüber hinaus wird beim Jammern über das Zeitungssterben in der Regel die Bedeutung von kostenlosen Anzeigenzeitungen außer acht gelassen. Ich behaupte, dass nie so viele Printprodukte in den Haushalten angekommen sind, wie heute. Dies kann zwangsläufig nur bedeuten, dass Print gegenüber dem Internet grundlegende Marketingvorteile bietet. Ohne diese Vorteile würde z. B. Kaufland nicht eine eigene Anzeigenzeitung herausgeben, deren Herstellung und Distribution bestimmt viel Geld verschlingt.
    In sofern ist das Zeitungssterben zwar real aber auch auf Verlage beschränkt, die seit langem kränkeln oder Ihre Kosten nicht im Griff haben. (An dieser Stelle sollte man sich einmal den Gehaltstarifvertrag für Redakteure ansehen, der so mit selbst finanziertem Internetjournalisnus kaum aufrecht erhalten werden könnte durch Print -in der Regel- aber finanziert werden muss.)

    Da Print nach meiner Überzeugung noch ein langes Leben vor sich hat, wird auch diese Diskussion mindestens noch genauso lange dauern. Hoffen wir dass sie zukünftig mit weniger Emotionen und mehr Sachverstand geführt wird.
  7. #156

    Thema Informations- und Datenhygiene

    Bei Tausenden täglichen Artikeln im Internet muß es Onlinejournalismus neben der Vermittlung von Zusammenhängen genauso um die Vermittlung von Informationen, insbesondere von Kerninformationen gehen. Leser haben bei der Unmenge der Artikel gar keine Zeit, sich nun mit jedem Zusammenhang eingehend zu beschäftigen. Sie wollen nur die Kerninformation, fertig und aus. Was nützt es, sich aus tausenden Artikeln wie diesem erst mühsam die Informationen rauszupulken, dazu haben Leser nie die Zeit im Leben.

    http://www.welt.de/wissenschaft/medi...iger-wird.html
    Bei einem Artikel wie diesem hätte der zeitmangelgeplagte Leser gerne schnell die Information auf den Punkt, warum Krebs immer mächtiger wird. Die üblichen Bleiwüsten mit den näheren Zusammenhängen können ja dann gerne "hinterhergeschüttet" werden.
  8. #157

    Wegwerfkompetenz

    Die Unzahl an Beiträgen zu diesem Thema macht Potential und Grenzen deutlich und gibt die Richtung vor für jedes Zeitungsunternehmen.

    Es wird zunehmend darum gehen, mit kompetenter Auswahl, Validierung und Darstellung von Informationen zu dienen. Ach, das ist nicht neu? Eben. Nur die Möglichkeiten der Informationssammlung und Direktheit des Feedbacks sind vielfältiger geworden.

    Achja, die Finanzierung. Hier sehe ich kurz und mittelfristig die schon vorhandene Vielfalt. Wer es bunt und mit dicken Überschriften mag, wird vielleicht immer eine leichte Werbebeute bleiben. Für meine Vorlieben, ein gutes Feuilleton und ordentlich recherchierte Runduminformationen zu aktuellen Themen werde ich wohl bezahlen müssen. Dafür schwebt mir vor, die Zeitung meiner Wahl als altruistischer Abonnement zu finanzieren, DAMIT alle sie lesen können.

    Der altruistische Weg der Finanzierung erlaubt aber keine großen Gewinnsprünge. Mit Geld Geld zu machen funktioniert dann eher nicht mehr. Aber wozu auch, es würde doch genügen, wenn ein Pool guter Journalisten ausreichend finanziert ist. Ob die sich in flacher Hierarchie zusammenfinden - oder unter dem Dach eines gestandenen Verlages, das hängt doch letzten Endes nur davon ab, was die Verlage guten Journalisten zu bieten haben. Und da gäbe es viele nicht-monetäre Qualitäten.

    Ich denke, die Zukunft qualitativ herausragenden Journalismus steht nicht in Frage. Und Verlage, die ein zum Produkt passendes Klima zu schaffen verstehen, müssen sich keine Sorgen machen, dass sie für ihr Tun keinen Erlös mehr abbekommen.

    Nur Geld machen, das geht auf Dauer nicht mehr gut. Außer vielleicht im Lotteriewesen, das Lotterwesen der Banker ist schon zu wackelig geworden: die haben auch nur eine Zukunft, wenn sie sich für ihre tatsächlichen Dienst-Leistungen entlohnen lassen, anstatt irgendwelche Prozente einzustreichen.

    Irgendwo steht immer wieder die Sorge, dass öffentlich zugängliche Inhalte ja so ungeschützt seien und schnell kopiert und dann woanders auftauchen würden. Wenn dieses "Woanders" rundum besser gemacht ist, sollte man sich mit ihm zusammentun. Wenn es nur abgekupfert ist, muss es dann Sorgen bereiten? Wieviele ärmliche Kopien der Wikipedia geistern schon durchs Netz... sie sind erlaubt, aber sind sie ernsthafte Konkurrenten? Wer Information nur kopiert, um irgendwie Inhalte anbieten zu können, der fliegt früher oder später als das auf, was er ist: Abschaum. Unaufgeregt links liegen lassen. Die erledigen sich von selbst. Das ist zumindest meine Utopie.
  9. #158

    .

    Zahlen wird in Zeiten des Internets sicherlich niemand für Journalismus, wir haben unsere Zeitung schon vor vielen Jahren abbestellt, da die für mich relevanten Informationen auch online abrufbar sind.

    Einige meiner Bekannten die auf spezielle Lokalteile nicht verzichten können oder unbedingt eine Zeitung brauchen haben sich zusammengeschlossen: einer zahlt die Zeitung und gibt sie an die anderen weiter, das spart Kosten und ob man den Lokalteil jetzt heute oder morgen/übermorgen liest ist völlig irrelevant.

    Aber das ist wie so vieles andere letztlich jedem selbst überlassen:

    ich persönlich habe z.b. auch das Fernsehprogramm vollständig durch Online-Inhalte von CNN bis zu den Tagesthemen ersetzt: kurz, prägnant, informativ und vor allem dann abrufbar wann ich es will bzw. brauche.
  10. #159

    Abhängig

    Zitat von udo merz Beitrag anzeigen

    Darüber hinaus wird beim Jammern über das Zeitungssterben in der Regel die Bedeutung von kostenlosen Anzeigenzeitungen außer acht gelassen. Ich behaupte, dass nie so viele Printprodukte in den Haushalten angekommen sind, wie heute. Dies kann zwangsläufig nur bedeuten, dass Print gegenüber dem Internet grundlegende Marketingvorteile bietet. Ohne diese Vorteile würde z. B. Kaufland nicht eine eigene....
    .....

    Das ist das eigentliche Problem, das die Abhängigkeit des Prints von der Werbung deutlich macht. Während Anzeigenblätter im Wachstum begriffen sind, weil sie lokale Werbebedürfnisse befriedigen, finanziert sich auch der Qualitätsprint zu 40, 50, 60 bis 70 Prozent aus der Werbung. Anzeigenblätter sind, so gesehen, nur ehrlicher.
    Auch Qualitätserzeugnisse machen sich damit vom Wohlwollen ihrer zahlenden Kundschaft abhängig, was sich sicherlich auch in den Inhalten spiegelt.
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....








TOP



TOP