Jazz in Deutschland: Zugabe oder Abgesang

Eine Hochschule nimmt Jazz aus dem Lehrplan, ein Branchenriese reduziert sein Jazzangebot; gleichzeitig überrennen anderswo Publikumsmassen ein Festival. Widersprüchliche Signale kennzeichnen die Lage des Jazz in der Republik.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...810444,00.html
  1. #50

    "hätte, wäre, könnte"

    Zitat von Antiautor Beitrag anzeigen
    Aber das Wort "Kulturdumping" wirft ein bezeichnendes Licht auf das Selbstverständnis der Jazzszene, das ich nicht gutheißen kann. Es impliziert, dass der Jazz kulturell wertvoller sei als andere Genres
    Glauben Sie mir: ich kenne kaum einen Kulturschaffenden, der nicht lieber ohne Förderung auskäme. Anträge, Wirtschaftspläne, Evaluierungen ... Es gibt schönere Dinge. Bei uns waren es massive Widerstände, gegen die wir ankämpfen mußten. U.a. eine Klage über 12.000 Euro, mit der wir auch allein gelassen wurden. Aber das führt hier zu weit ... FÜR den Jazz zu kämpfen war uns recht. Gegen all die Arrroganz, Ignoranz und Dilletanz zu kämpfen, ist dann schon eine andere Hausnummer.

    Zitat von Antiautor Beitrag anzeigen
    Kulturförderung ist wichtig. Aber die fängt eben nicht in der etablierten Szene an, sondern in den Schulen. Wir haben eine Gesamtschule in Harburg, die ganze Klassenzüge junger Musiker und Darsteller durchzieht. Wie wäre es gewesen, wenn die im Stellwerk ihre Bühne gefunden hätten? Dann hätte vielleicht die Schulbehörde (und auf Spendenbasis die Eltern) das Schiehus bezahlt und der Krampf mit den Kulturbeamten wäre deutlich weniger anstrengend und alternativlos gewesen.
    Wir hatten genau aufgrund der Thematik ein durchaus gutes Projekt "Kröten für Tröten". Aber es hatte eben nicht den Hype wie "Jedem Kind ein Instrument". Und das trifft eben wieder den Punkt: die Alltagskultur - so auch ein eben unspektakulärer Jazzclub des Alltags - hat gegen all die Leuchtturmprojekte immer weniger Chancen. Das ist nicht nur im Jazz so. Es betrifft alle anderen ebenso.
    Vor lauter Besonderheiten von Kultureinrichtungen wird bald vergessen, dass es eben auch ganz "normale Räume" braucht, um Kultur zu erleben. (Leerstand hingegen gibtb es genug.) Sei es ein Jazzclub, ein kleines Theater oder ein Programm-Kino. In einigen Jahren wird von all dem nicht viel über bleiben ... "hätte, wäre, könnte" - ist dann zu spät.
  2. #51

    Schade

    Zitat von jazzylistening Beitrag anzeigen
    Jazz in Deutschland heißt für den "Normaljazzer" sich vor den Jazzpolizisten des Free- und Avantgarde-Jazz zu verstecken. Der Sündenfall des Jazz begann damit, dass nicht mehr für das "normale" Volk musiziert wurde (z.B. Swing), sondern für ein elitäres, akademisches Publikum. Und das haben die Jungs vom Freejazz auf dem Gewissen. Jazz-Musik wird für für akademische Musiker und Künstler gemacht. Und dann wird sich beschwert, dass niemand mehr zuhören und bezahlen will.
    Das stimmt leider ziemlich genau. Irgendwann war dieser -oben beschrieben- Punkt da und niemand konnte oder wollte den Schalter wieder umlegen.