Jahrestag des Dresden-Bombardements: In Trauer entzweit

DPAZum Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg planen Neonazis einen Aufmarsch. In der Bevölkerung regt sich Widerstand. Doch ein Streit über den Umgang mit der Vergangenheit blockiert ein geschlossenes Vorgehen gegen die Rechtsextremen.

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  1. #40

    Wie kann man einen Mord nur relativieren?

    Zitat von andynm Beitrag anzeigen
    Ob die Bombardierung Dresdens als "Kriegsverbrechen" war, ist an sich schon umstritten. Kriegsentscheidende Wirkungs hatte sie sicher nicht, aber das kann bei der Einordnung nicht die entscheidende Frage sein. Wichtiger ist doch, das im Februar 1945 noch Abertausende Menschen in den KZ´s der Nazis getötet und Abertausende Soldaten der Allierten bei der Befreiung Europas starben oder verwundet worden.

    Die Bombardierung Dresdens muss in diesen Kontext eingeordnet werden, ansonsten verkommt die Erinnerung zu deutschnationaler Verklärung, die leider nicht nur Neonazis, sondern auch viele Konservative und Rechtspopulisten betreiben.
    Eine Einäscherung einer mit Zivilisten vollgestopften Stadt ohne jegliche militärische Bedeutung stellt in Ihren Augen also nicht das da, was es ist. Nämlich glatter Mord!
    Das Frauen und Kinder erstickten, verbrannten und anderweitig qualvoll gestoben sind, ist anbetracht der weiteren Geschehnisse durch die Nationalsozialisten also Ihrem Vernehmen nach nicht so schlimm bzw. zu relativieren. Nach dem Motto:"An anderen Orten gehen die Verbrechen der Nationalsozialisten weiter. Wer dann von den Alliierten ermordet wird, hat halt Pech gehabt." Na, dann können wir ja bei den heutigen Despoten dieser Welt auf deren Länder fleißig Bomben ohne Rücksicht auf deren Zivilbevölkerung schmeissen, da die Armeen der Despoten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verüben. Wenn die Bevölkerung dabei drauf geht, hat nach Ihrer Logik Pech gehabt, da deren Tod durch die Verbrechen der Armee zu relativieren gilt. Unfassbar!
  2. #41

    Kann man bei solcher Gewalt wirklich den Grund einsehen?

    Zitat von probstheida Beitrag anzeigen
    "Mythos grundloser Zerstörung"???

    Dresden WURDE grundlos zerstört! Das ist eine Tatsache!

    Was am 13. 2. 1945 in Dresden geschah, war ein Verbrechen. Massenmord! Es hat keinen Sinn, diese Tatsache zu relativieren. Das wird dem, was Krieg war und ist, nicht gerecht.

    Krieg und Mord ist immer grundlos. Es kann keinen Grund gegeben haben für diese unglaubliche Barbarei mit welcher Hitler und seine Horden Deutschland und den Rest der Welt überzogen haben. Und ich habe auch nicht den Eindruck, das man hier irgendetwas relativieren will. Aber wir sind gerade den vielen Toten, und ich habe beim Angriff auf Dresden Familienmitglieder verloren, gegenüber verpflichtet, dieses Gedenken an Gewalt und Leid nicht durch die Gruppen monopolisieren zu lassen, die ursächlich dafür verantwortlich sind. ΄
  3. #42

    Ihrem

    Zitat von enni3 Beitrag anzeigen
    ... Ein Mahnmal für die Unmenschlichkeit des Einzelnen und der Massen, ohne Schuldzuweisung oder Relativierung.
    Ihrem exzellenten Beitrag kann man nur zustimmen: Wer anfängt aufzurechnen hat nichts verstanden !

    Als "Stachel" bleibt allein die Tatsache, dass es in London ein Denkmal für einen Kriegsverbrecher gibt - weltweit das Einzige in dieser Art ... Auch ein Gedenken an die Unmenschlichkeit des Einzelnen ?
  4. #43

    Kinder legitimes Ziel?

    Zitat von Foersterderx Beitrag anzeigen
    Wenn man den Kontext der Geschichte sieht sage ich als Deutscher, dass es die Bevölkerung nicht besser verdient hat.
    Inklusive der Kinder und Verfolgten, Gefangenen und Unschuldigen und Gegnern neben den vielen Tätern aus dem deutschen Volk - gut, Sie fordern Sippenhaft und Kollektivstrafe. Der Spiegel schreibt, bis zu 100.000 Kinder starben durch die zielgerichtete Bombardierung gerade auch der Zivilisten - ich denke, Ihre Ansicht macht es Extremisten und Rechtsradikalen leicht, Opfer zu instrumentalisieren.

    Im Gegensatz zu Ihnen denke ich nicht, dass es die Kinder auch von Tätern verdient haben, verbrannt zu werden.

    Zitat von Foersterderx Beitrag anzeigen
    Hier mir Kriegsrecht im 2. WK gegen die Alliierten zu argumentieren ist bei allen anderen Kriegen sicherliuch möglich- hier war aber die "Normalbevölkerung" derart eingebunden und verantwortlich, dass das ein durchaus annehmbares Mittel war.
    Das zur Normalbevölkerung auch Kinder gehören, macht Sie nicht stutzig? Terror gegen die Zivilbevölkerung, um diese zu brechen, war gerade ein Ziel von "Bomber-Harris", er wollte noch viel weiter gehen, hat sich aber nicht durchgesetzt. Die englische Geschichtsschreibung ist viel ehrlicher und unproblematischer, was diese Thematik angeht. Sie dürfen sich gerne informieren.

    Ansonsten verweise ich auf meinen obigen Beitrag.
  5. #44

    Zitat von weltsichtig Beitrag anzeigen
    Natürlich kann und sollte man um die Opfer in der Zivilbevölkerung trauern. Und man kann anzweifeln, ob der Bombemkrieg gegen deutsche Städte in diesem Umfang wirklich notwendig war.

    Aber wenn ein Land einen Krieg vom Zaun bricht, der Millionen Tote fordert, wenn ein Land jeglichen menschlichen Anstand vermissen läßt und in nie dagewesenem Ausmaß Kriegsverbrechen und Völkermord begeht wie die Deutschen, dann sollten wir ganz still sein, froh darüber, dass nach der Niederlage Deutschland nicht planiert wurde und wir nicht auf ewige Zeit unser Dasein als Pariah der Weltgemeinschaft fristen müssen, und nicht Kriegsverbrecherprozesse fordern gegen diejenigen, die die Welt vor uns gerettet haben.
    Kein Kriegsverbrechen kann als Rechtfertigung für ein anderes Kriegsverbrechen dienen, noch weniger wenn die Opfer des aus Rache begangenen Verbrechens nicht mal anasatzweise im Sinne des Gesetzes für die vorangegangenen Greueltat verantwortlich gemacht werden können.
    Ein Kriegsverbrecher bleibt ein Kriegsverbrecher, egal ob seine Motivation eine angeblich edle ist.
    Nebenbei: Es wäre mir neu dass die Dresdener mehrheitlich für die NSDAP gestimmt hätten. Fakt ist dass diese unsägliche Partei in Deutschland nie mehr als ein drittel der Stimmen erreichte.
    Hätten die Allierten jemanden für die Regierung die wir hatten bestrafen wollen, dann hätten Sie sich die ehemaligen Reichsabgeordneten zur Brust nehmen sollen die gegen den Willen der Bevölkerung den Adolf auf den Schild gehoben haben (durch Zustimmung oder durch Blokade demoktratischer Koalitions-optionen). Frauen, Kinder, Sozialdemokraten, Kommunisten, Kriegsgefangene, überlebende weil noch nicht deportierte Juden, Demokraten etc in einen Meer von Flammen verrecken zu lassen, nur um gewisse Völkermordsphantasien Wirklichkeit werden zu lassen, entspricht der Definition von Kriegsverbrechen und in weiten Teilen der des Völkermordes. Dies natürlich unter den Deckmantel der "Ausgleichenden Gerechtigkeit durch kollektiver Bestrafung für kollektive Schuld".
    Ansatz dass in seiner perversen Logik, gewissen Gedankengänge der Nazis nicht allzu fern steht.
  6. #45

    Zitat von schwarzes_lamm Beitrag anzeigen
    Eben deshalb bin ich der Meinung, man hat das Trauern niemand sonst ausser den Dresdnern zu überlassen und es sollen auch die Dresdnern entscheiden, wen sie bei der Trauerfeier dabei haben wollen.
    Ich bin mir sicher, braune Dumpfbacken oder der schwarze Block werden als Gäste nicht willkommen sein.
    So ist es.
  7. #46

    nie wieder gut zu machen!

    die bombardierung dresdens ist ein nie wieder gut zu machendes (kriegs-)verbrechen - punkt!

    gedenken sollte man dem leid, der trauer, dem schrecken, den diese bombardierung über die (überwiegende) zivilbevölkerung gebracht hat - ohne irgendein "kontext-gequatsche"!

    das sich das ganze im rahmen des 2.wk abgespielt hat, in dem durch deutsche millionenfaches leid in ganz europa verursacht wurde, in dem kz´s geradezu industriell "betrieben" wurden und, und, und - das weiß jedes kind - das kann an diesem tag in den hintergrund treten - DAMIT wird den rechten das wasser abgegraben und gleichzeitig ein würdiges gedenken ermöglicht!
  8. #47

    Eine Relativierung ist nötig

    Zitat von probstheida Beitrag anzeigen
    "Mythos grundloser Zerstörung"???

    Nicht nur, weil die Stadt bis zum 13. 2. 1945 unbeschädigt geblieben war, trotz daß es die militärischen Ziele dort vorher auch schon gab, und die Luftverteidigung gering war. [...]
    Was am 13. 2. 1945 in Dresden geschah, war ein Verbrechen. Massenmord! Es hat keinen Sinn, diese Tatsache zu relativieren. Das wird dem, was Krieg war und ist, nicht gerecht.
    Punkt 1: Dresden wurde auch vor dem 13. Februar 1945 mehrfach angegriffen. (am 7. Oktober 1944 mit über 300 Toten, am 16. Januar 1945; Taylor (2004) "Dresden", S. 225f., S.231f.) Dresden lag erst seit 1944 in Reichweite der englischen und amerikanischen Bomber. Frühere Angriffe wären gar nicht möglich gewesen.

    Bei den Angriffen wurde natürlich auch ein Großteil der in der Stadt befindlichen Infrastruktur getroffen. Dass diese Schäden Dank der Arbeit der zahlreichen Zwangsarbeiter und Arbeitssklaven relativ schnell wieder beseitigt wurden, macht ihre Zerstörung nicht weniger "sinnvoll". Bei besserem Wetter währen in Dresden wohl auch die übrigen von Ihnen erwähnten Industrieanlagen angegriffen worden.

    Punkt 2: Vielleicht ist es notwendig, genau das zu tun, was viele in diesem Forum vermeiden wollen: Vielleicht müssen wir "Dresden" endlich "relativeren", "normalisieren" und entmystifizieren. Selbst wenn es ein Verbrechen, ich würde eher Sagen eine Verzweiflungstat war: Es ist doch nur eines unter den Vielen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges und bei weitem nicht das Schlimmste. Dresden ist mittlerweile wieder aufgebaut. Die jüdische Kultur Osteuropas ist in weiten Teilen für immer verschwunden.
  9. #48

    Zitat von deals-alder Beitrag anzeigen
    warum wird denn gleich von Gejammer gesprochen. Wenn jedes Gedenken, jede Erinnerung gleich als jammern abgetan wird läuft doch irgendwas falsch! Es wird ja wohl erlaubt sein den Opfern zu Gedenken, nicht den Auslösern sondern den auch auf deutscher Seite vorhandenen Opfern. Wenn in Köln und Hamburg dies nicht getan wird könnte man auch von totschweigen reden oder? Und das ist der falsche Weg.
    Das sollte man mit den Köllnern und Hamburgern abmachen. Die Dresdner Trauer- und Gedenkfeiern haben jedenfalls eine lange Tradition und reichen in die DDR-Zeiten zurück. Schon damals wurden ehemalige Bomberpiloten der Royal Air Force und der US-Air Force eingeladen, und der Prozeß der Versöhnung hatte damals schon eingesetzt. Die Trauerfeiern waren immer eine stille und unspektakuläre Angelegenheit, bis die politischen Kräfte von außen Dresden als Spielwiese für ihre Profilierungsversuche entdeckten.
  10. #49

    Krieg an sich ist ein Verbrechen!

    Zitat von bayrischcreme Beitrag anzeigen
    Man darf selbstverständlich jegliche Aussagen (auch wenn sie von von Unsympathen, Verbrechern oder Nazis stammen) genauer ansehen und wenn davon etwas wahr ist, dann kann man auch sagen dass dieser eine Aspekt wahr ist. Man mus sich deswegen weder mit diesen Leuten solidarisieren noch sie wählen.

    Und ja, es war zweifellos ein Kriegsverbrechen. Ganz unabhängig davon ob es ekelhafte Neonazis gibt und was diese denken und treiben.

    Wenn Neonazis irgendwann man mit der These auf die Strasse gehen dass der Himmel blau ist, dann organisieren sie aus Prinzip eine Gegendemo mit der Aussage dass das selbstverständlich nicht so ist?
    Nicht die Bombadierungen allein sind Verbrechen, der Krieg als solches ist ein Verbrechen. Krieg ist Mord! Und Mord sollte bestraft und verfolgt werden! Es wäre ja durchaus zu begrüssen, wenn Nazis plötzlich eine Offenbarung hätten und dieses erkennen könnten. Aber leider mache ich mir da nicht zu viele Hoffnungen. Egal wie wir es nennen, ob Verbrechen, Kriegsverbrechen usw. , der Nationalsozialismus hat jede Familie Deutschlands durch Blut zahlen lassen. Wofür? Damit die Ideen der Herrenrasse in den Köpfen einiger Verblendeter blühen können. Und dafür sind allein in meiner engen Familie Onkel, Grosseltern, Cousins gestorben. Deswegen wurden Familie entwurzelt und haben Menschen die überleben durften, bis ans Ende dieses ihres Lebens mit der erlebten Gewalt zu tun. Und ich rede hier nur vom deutschen Volk. Und ich fordere ein, das der Blutzoll den wir zahlen mussten reicht und ich bin nicht bereit, das auch meine Kinder und Enkelkinder zur Entrichtung dieses Blutzolls aufgefordert werden nur weil es unverbesserliche gibt und weil der Staat nicht bereit ist seinen Verpflichtungen zum Schutze seiner Bürger nachzukommen!