Gestern Abend kam auf „arte“ ein Bericht über Familien, die im Bereich Fukushima leben, es ging besonders darum, wie hartnäckig sich Mütter um strahlenfreie Nahrung für ihre Kinder bemühen. Ein aufschlussreicher Bericht – nachdem ich ihn angesehen hatte, konnte ich nachempfinden, wie düster die Stimmung dort ist. Alle wissen, dass die Regierung die Lage nach wie vor nicht im Griff hat, alle ahnen auch, dass sie die Lage nicht im Griff haben kann, weil die Probleme überwältigend sind. Die Atomkatastrophe übersteigt die menschlichen Möglichkeiten, sie beherrschbar zu machen – eine bittere Erkenntnis für die Japaner im Großraum Fukushima, man kann sie direkt an ihren Mienen ablesen.
Der Grund für den Super-GAU war eine Naturkatastrophe, allerdings eine klar vorhersehbare – keinesfalls, niemals, aber auch niemals hätten so riesige Kernkraftwerkskomplexe in akut erdbebengefährdeten Gebieten gebaut werden dürfen. Doch die Menschen haben nichts gelernt, siehe das neue Atomkraftwerk an der Atlantikküste Brasiliens, wo auch die Deutschen mitmischen, Geld verdienen, versteht sich. Die Japaner kühlen die geschmolzenen Reaktorblöcke: Mehr können sie nicht tun, das ist die schlimme Nachricht. Wie es weitergeht – ob in den Blöcken weitere katastrophale Zeitbomben ticken – keiner weiß es genau, doch es muss befürchtet werden.
Das Fernsehteam von „arte“ besuchte eine Familie, die sich oben in den bewaldeten Hügeln bei Fukushima ein Haus gebaut hat, ein schönes, lichterfülltes Haus mit großen Fenstern bis zum Boden und umgeben von einem weitläufigen Grundstück, eine Idylle, ein Lebenstraum. Der Mann arbeitet auswärts, die Mutter lebt mit ihren drei Kindern wie in einem umgekehrten Gefängnis. Niemand darf hinausgehen, denn dort ist die Strahlung viel zu gefährlich – die Kinder durften im vergangenen Winter nicht einmal den Schnee anfassen, Wenn sie einkauft, fährt sie mit dem Auto durch ein Niemandsland, durch eine grüne Strahlenwüste.
Später in dem Bericht sah ich Kinder spielen, drinnen, in einem hallenartigen Raum. Man hatte Waldboden und kleine Büsche aus einer fernen Gegend herangeschafft, um für die Kinder ein Naturerlebnis zu simulieren, auch säckeweise herbstlich-braune Blätter, in denen die Kleinen begeistert herumtobten... tja.
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