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Was ist Heimat?: Um Haus und Hof

Patricia DreyerDas Dach ist schief, der Garten verwildert, und die Lage ist nicht die beste, so nah am Zwischenlager. Trotzdem: Der Familienhof im Wendland ist etwas sehr Besonderes, ein geliebtes Fleckchen Erde. Wenn man nur dieses schreckliche Wort Heimat nicht in den Mund nehmen müsste.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...825693,00.html
  1. #10

    Heimat? Zuhause sein

    Auch ich wohne auf dem Land. Mit all dem Schützenfest, Pfingsten, Schützenverein und Feuerwehr. Und ich möchte es nicht tauschen.

    Ich kann die Autorin sehr gut verstehen, dass sie wieder zurückgekehrt ist. Allerdings muss man es einfach mal erlebt haben, das Glück einer solch herrlichen Land-Kindheit. Sonst kann man es sicherlich nicht nachvollziehen. Frau Dreyer hatte dies Glück (so muss ich es nennen).

    Auch wenn hier jeder jeden kennt und alles weiß, aber man hilft sich in der Not. Dazu gehört auch das gemeinsame Feiern genauso wie die Bekämpfung des Feuers durch Truppführer. Und wenn beim jährlichen Schützenfest mal jemand über die Strenge schlägt, wird er von anderen nach Hause begleitet.

    Das muss nicht jeder mögen und verstehen. Aber ich bin hier zuhause und es ist definitiv auf ewig meine Heimat. Das gilt für "meine" Niedersächsiche Küste, würde aber bestimmt auch für ein bayrisches Dorf gelten bei derselben Kindheit, der Freiheit die ich genießen durfte. Und bei der Ruhe, die mich erwartet, wenn ich abends nach Hause komme. Nach Hause in meine Heimat eben.
  2. #11

    Heimat

    Zitat von pförtner Beitrag anzeigen
    Was Heimat ist,weiß man erst,
    wenn man sie verloren hat.

    Heinrich Heine : "Denke ich an Deutschland in der Nacht..."

    Hoffmann von Falersleben: "Deutschland, Deutschland über alles..."

    Wenn ich durch Deutschland fahre
    und sehe all das Wunderbare.
    Deutschland Du liegst mir am Herzen,
    aber Du machst mir auch Schmerzen.
    Da haben Sie Zwei der am haeufigsten misverstandenen Gedichte herausgesucht. Wenn man weiter als zur ersten Strophe liest, sieht man, dass er nicht mehr schlafen kann, weil er an seine Mutter denkt.
    Er konnte sie nicht mehr besuchen, sei es, weil er sich in Deutschland unbeliebt gemacht hatte oder weil seine Kranheit zu weit fortgeschritten war und er nicht mehr reisen konnte. Das war der eigentliche Grund, aus dem er dieses Gedicht verfasste. Er schob am Ende noch einige politische Betrachtungen dazu.
    Hoffmann von Fallersleben schrieb seine Zeilen im Turm; als Anhaenger der Burschenschaft war er dorthin verbannt worden. Er sah, wie zerstritten die einzelnen Gruppen der 1848er waren und mahnte sie : "Deutschland, Deutschland ueber Alles.." Damit meinte er, dass sie die Streitigkeiten und Nichtigkeiten vergessen sollten und sich darauf konzentrieren sollten, ein Deutschland zu gruenden, einen zusammenhaengenden Staat, das sei das Wichtige.
    Na, wir wissen, was daraus gemacht wurde.
  3. #12

    Zitat von Sir Stroemming Beitrag anzeigen
    Ich bin zwar in Süddeutschland geboren, meine Vorfahren (einschl. meines Vaters) stammen jedoch aus Oberschlesien und Ostpreußen.
    Ich bin zwar im Sauerland geboren, meine Vorfahren (einschl. meines Vaters und meiner Mutter) stammten jedoch aus der Grafschaft Glatz in Niederschlesien.

    Die Leute, die jetzt auf dem Hof wohnen, stammen aus Galizien, was ja heute zur Ukraine gehört.

    Diesen Sommer mache ich Urlaub in Bad Altheide.
    Aber das Sauerland ist jetzt Heimat.
  4. #13

    Diese ganze Diskussion

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Dach ist schief, der Garten verwildert, und die Lage ist nicht die beste, so nah am Zwischenlager. Trotzdem: Der Familienhof im Wendland ist etwas sehr Besonderes, ein geliebtes Fleckchen Erde. Wenn man nur dieses schreckliche Wort Heimat nicht in den Mund nehmen müsste.

    Was ist Heimat? Um Haus und Hof - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama
    in der das Wort "Heimat" für verdächtig erklärt wird ist einfach nur krank.
  5. #14

    Tiefe Trauer

    [QUOTE=blaudistel;9990444]in der das Wort "Heimat" für verdächtig erklärt wird ist einfach nur krank.[/QUOTE

    Was Heimat bedeutet, weiß am besten der Heimatvertriebene.
  6. #15

    Kleine Anmerkung...

    "Die Leute, die jetzt auf dem Hof wohnen, stammen aus Galizien, was ja heute zur Ukraine gehört.."

    Nicht ganz korrekt - Westgalizien und ein kleinerer Teil Ostgaliziens gehören zu Polen, der größere Teil Ostgaliziens gehört zur Ukraine. Übrigens waren die Polen in Ostgalizien vor allem in den Städten ansässig und unterdrückten ab der Eroberung dieser Gebiete (die ja im wesentlichen von Litauen in den gemeinsamen polnisch-litauischen Staat eingebracht wurden) in den 20er Jahren die ortsansässige Bevölkerung.

    Der Anteil der Polen in "Ostpolen" betrug laut offizieller polnischer Angabe rund 32 %, realistisch wären 20 %. Die meisten Neusiedler in den "rückgewonnenen" Gebieten stammten aus Zentralpolen.

    Das nur als belanglose Randbemerkung. Wenn ich es mir recht überlege, gefällt es mir aber auf Sardinien am besten. Ja, das ist jetzt Heimat für mich, genauer gesagt Sassari. D-Land kann mir gern gestohlen bleiben.
  7. #16

    Zitat von Sir Stroemming Beitrag anzeigen
    "Die Leute, die jetzt auf dem Hof wohnen, stammen aus Galizien, was ja heute zur Ukraine gehört.."

    Nicht ganz korrekt - Westgalizien und ein kleinerer Teil Ostgaliziens gehören zu Polen, der größere Teil Ostgaliziens gehört zur Ukraine. ...
    Es ist natürlich viel komplizierter, als man hier im Forum darstellen kann.

    Fakt ist: Die politischen Grenzen von Polen zwischen 1 und 2 WK sind nach dem 2 WK nach "links" (Westen) verschoben worden.
    Sowohl Deutsche als auch Polen kennen Vertreibung.

    Meine Eltern kommen von hier.
    Website der Grafschaft Glatz (Schlesien)
  8. #17

    Hier werden aber...

    ... Äpfel mit Birnen verglichen.

    Bei der Region, die heute gemeinhin als "Ostpolen" bezeichnet wird, handelte es sich im Wesentlichen um eine Region, die durch Litauen (eine Großmacht ab dem 14. Jahrhundert) in die polnisch-litauische Personal- und spätere Realunion des Jahres 1569 eingebracht wurde.

    Dadurch entstand ein Doppelstaat aus Polen und Litauen, der insbesondere im Südosten ein Vielvölkerstaat war und Gebiete enthielt, die zuvor durch Litauen erobert worden waren.

    Diese Gebiete wurden durch Polen erst durch die Angriffskriege gegen die Ukraine und gegen die Sowjetunion erobert und ab dem Frieden von Riga 1921 wieder annektiert - darunter übrigens auch die litauische Hauptstadt Vilnius (die Ersatzhauptstadt Litauens wurde Kaunas).

    In dieser Region stellten die Polen nur eine ziemlich kleine Minderheit von realistischerweise 25 %, die aber recht rabiat die Ukrainer, Weißrussen, Litauer und auch Juden unterdrückte. Dies ist wohl kaum mit der Situation in Schlesien zu vergleichen, wo wir in Niederschlesien und im Westen Oberschlesiens (dies gilt natürlich nicht für den Osten Oberschlesiens mit dem Kohlerevier) einen deutschen Bevölkerungsanteil von etwa 98 % hatten.

    Übrigens verblieb ja ein Teil des ukrainischen/weißrussischen Siedlungsgebiets bei Polen (die Gegend um Bialystok) - hier wurde die Bevölkerung in weiten Teilen nach Schlesien deportiert und als Minderheit gleichmäßig über das Land verteilt (auch als Akcja Wisła bekannt).

    Wie dem auch sei - ein polnisches Breslau erscheint mir so surreal wie ein italienisches Augsburg.
  9. #18

    [QUOTE=Sir Stroemming;9993937...
    Wenn ich es mir recht überlege, gefällt es mir aber auf Sardinien am besten. Ja, das ist jetzt Heimat für mich, genauer gesagt Sassari. D-Land kann mir gern gestohlen bleiben.[/QUOTE]
    Schön für Sie, aber warum das Nachtreten?
  10. #19

    Ganz einfach...

    Zitat von Th.Tiger Beitrag anzeigen
    Schön für Sie, aber warum das Nachtreten?
    ... weil es mich aufregt, wie hier mit den Vertriebenen umgegangen wird, die alle reflexartig in eine rechte Ecke geschoben werden, weil mich stört, wie das Zentrum gegen Vertreibungen torpediert wird, weil mich das völlige Desinteresse und die Ignoranz der meisten Bundesbürger zu dieser Thematik unangenehm berührt usw. usw.

    Mein Großvater war nie in der Partei, er wurde mit viel Glück sogar vom Wehrdienst freigestellt und hat sich niemals etwas zu schulden kommen lassen. Dennoch wurde natürlich die gesamte Familie vertrieben, verlor den gesamten Besitz, und er wohnte bis zu seinem Tod in einer (eigentlich als Provisorium gedachten) umgebauten Kaserne in Bayern.

    Erwähnt man nur beiläufig (und ohne jegliche Forderungen o.ä.), daß man das nicht wirklich gerecht fände, so kommen sofort die reflexartig eingeübten politisch korrekten Vorwürfe. Das ermüdet mich einfach und hatte irgendwann einfach zur Folge, daß mir dieses Land einfach völlig gleichgültig wurde.


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