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Was ist Heimat?: Ein neuer Ort fürs Wesentliche

DPAMeine Heimat, mein Netz: Über das Internet lässt sich Nähe herstellen, über Tausende Kilometer bis ans andere Ende der Welt. So tritt neben die Heimat als Ort ein Gefühl von Zuhause im Web.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...826848,00.html
  1. #1

    Alternativ-Heimat

    Zitat: „Das Wesentliche hat einen neuen Ort bekommen...“

    Heimat ist also etwas Wesentliches und hat einen Ort? Fraglich. Aber fraglos liegt ein Bedürfnis vor. Der SPIEGEL hat sich der Heimat angenommen wie eines verwilderten Anwesens, das instandgesetzt werden soll – neue Fenster für neue Ausblicke, neue Streben werden eingezogen in das wackelige Gebäude Heimat, der Garten wird vom Unkraut der verwilderten Emotionen befreit, die eine zeitgemäße Natur der Heimat überwuchern. Doch die Renovierung verändert den Charakter und verunklart die Adresse: Empfänger verzogen, die Post der Gefühle geht ab, dann kommt sie überraschend zurück, unzustellbar. Die Heimat ist schwerer aufzufinden als früher, es erfordert Abstraktionsvermögen, sie zu entdecken, sie für den modernen Menschen wiederzuentdecken.

    Das Internet als Webgemeinde ohne Gemarkungsgrenzen, aber eine abgrenzbare Erstreckung imaginärer Lokalitäten, Zufluchtsstätten, Wärmestuben für die Seele, Räume für eine Selbstverortung durch Begegnung, sie öffnen sich per Mausklick, man kann sich in sie hineinbegeben, man kann sie wieder verlassen. Ist das vielleicht alles nur Einbildung, oder konstituieren sich dort wirklich Heimatgefühle? Warum nicht, wenn es doch schon so viele behaupten. Der mögliche Vorwurf, das sei eine voreilige Behauptung, geht ins Leere, weil er von denen kommt, die diese Alternativ-Heimat für sich noch nicht ausprobiert haben und es meistens auch gar nicht wollen.

    Die Internet-Jünger kontern: Die gewöhnliche Vorstellung von Heimat sei zu bürgerlich, zu altbacken, sie sei überkommen, eine miefige Mixtur aus Musikantenstadl-Idyllen und Fallerhäuschen-Romantik – Bergbach, Wiesengrund, das herausgeputzte, aber mittelalterlich anmutende Altstadt-Arrangement als Behelf für Sentiments ins Rückwärtige, eine Heino-Heimat voller Zenzis und schwarzer Barbaras. Solche Gegenangriffe verunsichern, sie machen embryonale Sehnsüchte suspekt, sie hinterlassen Ratlosigkeit. Plötzlich kommt man sich irgendwie unbehaust vor, man steht mit seinen Gefühlen auf der Straße, und dann hilft nur eines: Ich sage Ja zu deutschem Wasser – sich einfach mit der Heimat vertragen, die man hat.


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