sah ich eine Diskussionsrunde, wo vier Literaturkritiker - Literaturwissenschaftler zusammensassen und sich mit dem runden Geburtstag von Martin Walser beschäftigten. Das war wirklich meisterhaft, wie die in einer dreiviertel Stunde Tour de Force über Walser und sein Werk berichteten. Einer hatte noch das Anliegen, Bruchlosigkeit in Werk und Leben Walsers aufzuzeigen.
Ich habe als Kind "Ehen in Philipsburg" gelesen und sonst eigentlich nichts mehr. Walser begegnete mir dann wieder als Sprecher und eigentlich für mich finsterer Geselle bei der Wiedervereinigung.
Diese Runde - vor Allem Denis Scheck beschäftigte sich kurz mit dem deutschen Feuilleton, einer gewissen Gleichschaltung und Walsers Auftritten... bei Reden...
Denis Scheck hat sowohl bei Walser, als auch hier bei Grass Recht, dass der literarische Rang dieser Herren nicht anzukratzen ist.
Zweitens: Grossmäuligkeit. - (Verzeihung, aber manchmal muss ich an diese unseligen Darstellungen bei Karl May denken, der wahrscheinlich alle seine Vorurteile aus Büchern bezog. Wenn er den Begleiter des Sidi darstellt....)
Natürlich ist die eine Art der Rede des Staatschefs des Iran pure Grossmäuligkeit. Natürlich trifft Grass da den Nagel auf den Kopf. Ein Männerverhalten, ein möglicherweise kulturbedingtes Aufschneiden. Männer haben Helden zu sein, haben keine Schwäche zu zeigen... Wie es dann im Ernstfall ist, kann niemand sagen...
Auch der Irak Saddam Husseins protzte mit martiialischen Tönen, mit Stärke, mit mitlitärischem Brimboríum. Die kriegserprobten republikanischen Garden führten Bushs übervorsichtige Granden ja dazu, ein beispielloses Aufgebot auch an Bodentruppen aufziehen zu lassen. Zur Vorbereitung liess man denen ja Zeit genug.
Nur - führte das zu einer fürchterlichen, verhängnisvollen Täter-Opfer-Beziehung. Der Irak zeigte Stärke bis zum Schluss. Wollte unverwundbar erscheinen. Beide Seiten konnten so erfolgreich der Öffentlichkeit die Kriegsfolgen und die Auswirkungen der Intervention aus jeweils anderen Interessen verbergen. So wirkt Grossmäuligkeit sich aus. Vielleicht liegt in diesem Maulheldentum auch eine der Ursachen, dass es nie wirklich zu einer vernünftigen Solidarisierung unter den arabischen Ländern kam.
Hajü



