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Israel-Debatte: "Je schuldiger die Juden, desto unschuldiger die Deutschen"

Darf man als Deutscher Israel kritisieren? Und ab wann ist solche Kritik antisemitisch? Die SPIEGEL-Reporter Erich Follath und Henryk M. Broder haben sich per E-Mail-Wechsel eines heiklen deutschen Themas angenommen - als Freunde, was sie nicht daran hindert, vom Dialog zum Angriff überzugehen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...664960,00.html
  1. #1

    Kein..

    ..sehr gehaltvoller Artikel. Ich denke, wir wissen alle, wie man mir dem Thema umzugehen hat. Ich, als 24-jähriger und nur zu 50% deutscher Herkunft, sehe mich im Bezug auf das Schwerpunktkapitel des 20. Jahrhunderts nicht belastet, damit ist dieser Teil abgeschlossen und nur noch ein paar daraus zu ziehenden Lehren verbunden. Israel ist aber jetzt im Augenblick daran, Geschichte zu schreiben. Jedenfalls mehr, als das eigene Land, daher spielt es auch eine nurmehr großere Rolle. Und mal ehrlich, es gibt andere Dinge, welche wesentlich viel mehr Aufmerksamkeit bedürfen - Weltweit! Jedoch haben wir eine ganze Reihe von Opis, die eben noch zu tief in der Sache drinstecken und somit dieses, wer-darf-was und wer-hat-wieviel-Schuld-Chaos am Leben erhalten..
  2. #2

    .

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Darf man als Deutscher Israel kritisieren? Und ab wann ist solche Kritik antisemitisch? Die SPIEGEL-Reporter Erich Follath und Henryk M. Broder haben sich per E-Mail-Wechsel eines heiklen deutschen Themas angenommen - als Freunde, was sie nicht daran hindert, vom Dialog zum Angriff überzugehen.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...664960,00.html
    Ich habe den Briefwechsel in der Printausgabe vom Montag noch nicht ganz durch aber was ich bisher gelesen habe geht mir persönlich mal wieder deutlich zu weit. Es ist ein Genuss den beiden Herrschaften in der rhetorischen Schlacht zuzusehen aber einige Ansichten des Herrn Broders über die Rolle Deutschlands in dieser ganzen Diskussion halte ich für deutlich überzogen.

    Das ganze nervt nur noch. Meine Generation hat es sooo satt sich diesen Schuh anzuziehen. Ich habe kein Schuldbewusstsein gegenüber den Juden. Mein ganzer Freundeskreis und mein sonstiges Umfeld hat dies ebenfalls nicht. Wir sehen das jüdische Volk und die Anhänger des jüdischen Glaubens als ganz normale Mitglieder der Gesellschaft. Das einzige was uns negativ auffällt (im Bezug auf Juden) ist die Tatsache, dass manche Leute als Antisemiten gebrandmarkt werden die gar keine antijüdische Haltung haben. Da schwingt der Zentralrat mal wieder mit seiner Moralkeule und diffamiert Kritiker.

    Ich setze mich gerne mit der deutschen Vergangenheit auseinander und habe mich sehr oft mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Aber ich bin 23 und habe auch familiär nachweislich keinen Bezug zu Kriegsverbrechern oder Nazischergen und ich lasse mir den Täterstempel durch niemanden auf der Welt anheften und Ja, ich kritisiere Israel für einige Dinge die Sie tun. Genauso kann Israel Deutschland für Dinge kritisieren. Das halte ich für ganz Normal und es wäre schlimm, wenn dies nicht mehr möglich wäre.
  3. #3

    Darf man Israel kritisieren?

    Selbstverständlich darf man als sogenannter nachgeborener
    Deutscher, Israrel kritisieren ! Man sollte dabei aber die Deutsche Geschichte im Hinterkopf haben.
    Und die Kretik muss auf Augenhöhe stattfinden, ohne dem kann es keine echte Freundschaft zu Israel geben.
  4. #4

    ego

    Mir gehts ähnlich wie frubi. Eine besondere Verantwortung sehe ich, eine persönliche Schuld empfinde ich nicht. Aber ich halte es für pervers, ein Verbrechen mit Verweis auf andere zu relativieren - das hat schon bei Nolte genervt und in Bezug auf Israel und Hamas usw. ist das nicht anders.

    Ich weiß auch nicht, wo hier neue Sichtweisen sind - Broder streichelt wie immer nur sein Ego. Meiner Meinung auch eine Art Perversion. Das, was Grosser in der letzten FAS zum Thema gesagt hat, war erheblich lehrreicher, vernünftiger und - sehr angenehm - auch kürzer gefasst.
  5. #5

    Je schuldiger die Juden desto unschuldiger die Deutschen

    Das scheint mir das größte Problem zu sein. Die rechten Rattenfänger warten nur auf den nächsten toten Palestinenser, um jüdische Schuld mit deutschem Genozid aufzurechnen.
    Und weil das nicht zu stoppen ist, sollte die "deutsche Stimme" schweigen, wenn die Weltgemeinschaft Israel an seine Verantwortung in der Weltgemeinde erinnert.
  6. #6

    ...

    Es sieht so aus, als hätte die allgemeine Winterdepression auch Herrn Broder erfasst. Man ist unzufrieden mit der Welt und projiziert diese Unzufriedenheit auf Themen, bei denen man mal so richtig schön nörgeln und schwarzmalen kann - eben der eigenen Stimmung entsprechend. Hat mit der Realität aber nicht immer zwangsläufig etwas zu tun. Gute Besserung - der Frühling kommt bald.
  7. #7

    Israelkritik

    Ich muß zuerst einmal sagen, dass ich den Briefwechsel sehr spannend, geistreich und z.T. brilliant formuliert finde.
    Meine Meinung zu dem Thema ist, dass es möglich sein sollte israelisch Politik genauso zu kritisieren, wie zum Beispiel die Politik Irans.
    Eine Kritik an einzelnen israelischen Politiktern und deren Aussagen und/oder Entscheidungen, ja selbst eine Kritik an Entscheidungen des israelischen Volkes stellt noch lange nicht den Tatbestand des Antisemitismus (oder neudeutsch Antizionismus) dar.
    Die Tabuisierung von Kritik gegenüber Allem, was mmit Islrael zu tun hat schürt viel mehr etwaiige Vorurteile gegen das Judentum als es ein vernünftiger, kritischer und sachlicher Umgang mit Israelischer Politik jemals tu könnte
  8. #8

    Differenzierung

    Zitat von frubi Beitrag anzeigen
    Das ganze nervt nur noch. Meine Generation hat es sooo satt sich diesen Schuh anzuziehen. Ich habe kein Schuldbewusstsein gegenüber den Juden. Mein ganzer Freundeskreis und mein sonstiges Umfeld hat dies ebenfalls nicht. Wir sehen das jüdische Volk und die Anhänger des jüdischen Glaubens als ganz normale Mitglieder der Gesellschaft. Das einzige was uns negativ auffällt (im Bezug auf Juden) ist die Tatsache, dass manche Leute als Antisemiten gebrandmarkt werden die gar keine antijüdische Haltung haben. Da schwingt der Zentralrat mal wieder mit seiner Moralkeule und diffamiert Kritiker.
    Da sprechen Sie wohl vielen aus der Seele.

    Was mir immer wieder übel aufstößt, ist die teilweise reflexartige Reaktion auf Kritik am Staate Israel, diese als Antisemitismus abzutun.

    Man sollte differnzieren zwischen dem Staat Israel, den Israelis (also dem Volk, daß diesen Staat bewohnt) und der Religionsgemeinschaft der Juden. Die Juden sind in dem Sinne kein "Volk", genausowenig wie es ein Christen-Volk gibt. Und Israelis sind nicht automatisch Juden, so wie Deutsche nicht automatisch Christen sind.

    Kritik an der deutschen Regierung weist nicht automatisch auf eine anti-christliche Gesinnung hin, genausowenig wie Kritik am Staate Israel mit Antisemitismus verwechselt werden sollte.

    Wie sähe wohl hierzulande die Reaktion aus, wenn der deutsche Außenminister fordern würde, muslimische Straftäter in der Nordsee zu ertränken? Oder gar jüdische?
  9. #9

    mir wird schlecht!

    Ich habe bist jetzt noch niemanden etwas schlimmes angetan und ich bete, dass das ich das auch niemals tun werde.

    Zu der Schuld, ein Großvater von mir hat seine Stipendien verloren weil er der Partei nicht beitreten wollte und hat danach zwei halbjüdische Kinder aus Deutschland geschmuggelt. Der andere war weniger gloreich, ist aber im Krieg desertiert.

    Vielleicht habe ich damit ja das Recht...Israels Haltung kritisch zu sehen?

    Was für ein Scheiss! Muss die Vergangenheit meiner Familie *rein* sein, damit ich eine Meinung haben darf, die einen Teil Israelischen Politik kritisiert?!

    Wenn ich irgendwas in der Schule gelernt habe, was die damaligen Verbrechen betrifft, dann das man nicht weg sehen darf! Aufstehen muss und sagen muss, wenn etwas schief läuft!

    Und jetzt wird es einem zum Vorwurf gemacht, dass man so etwas gelernt hat, weil die Deutschen zumindest vorgeben etwas aus der Geschichte gelernt zu haben?!


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