Wenn Broder also die ultraorthodoxen Juden in Jerusalem kritisiert, wie er das auch tat, dann dient das seiner Entlastung? Ist ein mir neuer Gedankengang, muss ich mal überlegen. Ich vermute aber, Broder ist da sowenig vorzuwerfen, wie beliebigen anderen auch, die keine Entlastung nötig haben.
Ich hatte Sie nicht umsonst gefragt, inwiefern ein Neugeborener Deutscher schuldiger ist, als ein Neugeborener Israeli. Ich hatte Sie auch nicht umsonst gefragt, ob Schuld vererbbar ist. Denn die Antworten bräuchte nun, um nicht wieder Fragen zu stellen:
Wessen sollte sich ein Deutscher entlasten müssen, wenn er kein Täter ist?
Wie kann eine historische Schuld in der Gegenwart entlastbar sein?
Sie haben nicht den Mumm, sich für Erbschuld auszusprechen und den Deutschen per Geburt zum Schuldigen zu sprechen, argumentieren aber immer unter dieser
Prämisse. Was soll das?