Forum: Blogs
Irische Abtreibungsdebatte: Nachgeben, wenn's gar nicht mehr anders geht
APDie Republik Irland hat nach drei Jahrzehnten Debatte Schwangerschaftsabbrüche legalisiert. Allerdings nur in extremen Ausnahmefällen. Ein zutiefst konservativer Katholizismus prägt bis heute Gesellschaft und Politik. Nur europäischer Druck erzwingt Änderungen.
http://www.spiegel.de/panorama/gesel...-a-873994.html
- #10 23.12.2012 09:17 von
Religion und Politik
Herr Thierse hat erst vor kurzem in einem Interview beklagt dass die Religion so an Einfluss verloren hat in der deutschen Politik. Hier sieht man was passiert so bald man der Religion freie Hand lässt. Es geht flott zurück ins Mittelalter, bzw. man verharrt da nach Kräften.
In Deutschland ist das Bild der Kirche, versüßlicht durch unseren zart lispelnden Herrn Ratzinger und die Tatsache dass der Kirche die Zähne gezogen sind. Wozu sie in der Lage ist hat die Vergangenheit gezeigt, wirklich geändert hat sie sich natürlich nicht. Die Dogmen sind nach wie vor irrational und werden es auch bleiben. - #11 23.12.2012 09:24 von
Exakt !
..."Wenn irische Intellektuelle ihren Staat und ihre Gesellschaft mit anderen vergleichen, blicken sie oft nach Osten, und zwar sehr weit: Analogien finden sie häufig in islamisch geprägten Gesellschaften - wegen der Toleranz und Fortschritt verhindernden Verquickung von Staat und Religion...."
Sehr schön auf den Punkt gebracht ! - #12 23.12.2012 09:34 von
Rom
Es gibt auch "Ungleichgewichte" in Deutschland. Wäre Bayern ein Einzelstaat geblieben und nicht im vorletzten Jahrhundert von Preussen-Deutschland geschluckt worden, hätten wir heute dort vermutlich ähnliche Verhältnisse wie in Irland. Wobei aber ganz klar herauszustellen ist: Die Schuld trifft nicht die Iren (die ich als äußert freundliche und tolerante Gatsgeber kennengelernt habe) und auch nicht die Bayern. Es ist der Katholizismus, der immer noch versucht, jeden Fortschritt in den Köpfen zu verhindern.
- #13 23.12.2012 09:39 von
Alles braucht seine Zeit
Die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze erfolgt in Irland analog zur ökonomischen Entwicklung, wobei diese - wie in fast allen Ländern - mehr Dynamik aufweist.
Aber warum will Europa den Iren sein Modell aufzwingen?
In Deutschland werden jedes Jahr über 100 000 Kinder abgetrieben, das sind Millionen von Kindern seit der Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Kann das ein Vorbild für Irland sein? - #14 23.12.2012 09:58 von
Rechnen
Bei 4,5 Mio Bevölkerung ist das recht heftig, finden Sie nicht?Schätzungen zufolge fahren noch immer jedes Jahr zwischen 6000 und 12.000 irische Frauen nach Großbritannien, um dort einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Die Irish Family Planning Association geht von mindestens 138.000 solchen Schwangerschaftsabbrüchen seit 1980 aus.
Gar so gottesfürchtig und handlungsunfähig scheint mir eine Irin nicht zu sein. - #15 23.12.2012 10:25 von
optional
Ich lebe in irland (Galway) seit 1969 mit unterbrechung, und kann vieles bestaetigen. Aber gesetze sind gesetze und werden stets umgangen. Ich habe hier standesamtlich in 1981 geheiratet. Kondome waren ohne Schwierigkeiten erhaeltlich gegen eine kleine Spende an die Familienplanung (Vergleich Eintritt zu einem Pornofilm in Deutschland wo man fuer Suessigkeiten oder aehnlich bezahlte). Pille war auch kein Problem "zur Zyklusregulierung". Von Verurteilungen wegen Homosexualitaet hoerte man nicht und es waren einige Prominente bekannt. ("Weil nicht sein kann was nicht sein darf"). Die Gesellschaft ist viel weiter als die Gesetze. Der erwaehnte Fall in Galway wird hoffentlich die Regierung bewegen, die Kirche hat ausgespielt.
- #16 23.12.2012 10:31 von
Da sollten wir in Deutschland mal die Füße still halten. Hierzulande entscheidet eine werdende Mutter völlig allein ob das werdende Leben ausgetragen wird, oder eben auch nicht. Die Gewissenskonflikte des werdenden Vaters werden komplett ignoriert. Ohnehin beschränkt sich das Mitspracherecht des werdenden Vaters auf die Größe eines Kondoms. Für ihn gilt i.d.R. "Verhüten, und mit dem Ergebnis abfinden.". Würde man gleiches Recht auch für werdende Mütter anwenden, müßte die Abtreibung eigentlich untersagt werden.
Achja, selbst von erwachsenen Frauen vergewaltigte Jungs genießen keinerlei Rechtsschutz und müssen mit Ablauf des 18. Lebensjahres Unterhalt zahlen, höchstrichterlich bestätigt.
So gesehen gibt es bei uns mindestens soviel Reformbedarf wie bei den Iren, auf die wir bei der Abtreibungsfrage oft mit dem Finger zeigen. - #17 23.12.2012 10:54 von
Schuld sind natürlich nicht die Iren
Ich lach mich schlapp. Wie kann man den Katholizismus beschuldigen und die gläubigen Katholiken freisprechen? Träger des Bibelmärchens sind Personen, egal ob sie es tun, weil sie dafür bezahlt werden oder dafür bezahlen. Der Mensch ist frei, nachzudenken und sich zu entscheiden. Und wer meint, dass Gott seinen Sohn am Kreuz hat verrecken lassen, der darf wohl auch eine Mutter nicht im Kindbett retten. Schuld sind, wenn überhaupt, nur die Iren... Doch dass ist für SPON wohl wieder zu viel des Bösen...
- #18 23.12.2012 11:08 von
Sehr richtig!
Es sei in diesem Zusammenhang auf die "Hexenprozesse von Memmingen" (SPIEGEL) hingewiesen, die 1988/89 stattfanden: Memminger Prozess . Gisela Friedrichsen hat ein empfehlenswertes Buch darüber geschrieben. Wer im Glashaus sitzt,.......
- #19 23.12.2012 11:10 von
Die aktuellen Top-Themen
Antworten / Zitieren


